Treulose Tomate

Bei der benannten „treulosen Tomate“ handelt es sich nicht um eine der alten Nachtschattengewächssorten, die ich in meinem Kleingarten anbaue. Vielmehr fühle ich mich wie selbige, weil ich meinen Blog in den letzten Wochen doch recht „stiefmütterlich“ behandelte.

Fakt ist: mein Buch „Zwischen Freude, Angst und Übelkeit“ ist erschienen! Yippiieeiyoo, denn inzwischen haben auch alle Vorbesteller ihre Lieferung erhalten und manch ein Käufer hat mich mit der überraschenden Rückmeldung beglückt, er bzw sie habe das Buch an einem verregneten Wochenende durchgeschmökert. An dieser Stelle darf ich dankenswerter Weise Carola K. zitieren:

„Und zack habe ich Dein Buch heute fertig gelesen. Das hätte ich gar nicht so für mich erwartet, nachdem ich Deinen Reiseblog doch schon mitverfolgt habe. Aber obwohl ich viele Reiseerlebnisse durch den Blog schon kannte, hast du mit der intensiven Beschreibung Deiner persönlichen Situation dem Buch noch eine weitere Ebene hinzugefügt. Mit den verschiedenen Zeit- und Perspektivebenen hast Du Deine Gedanken und Erlebnisse sehr lesenswert verwoben. Es war für mich ein Pageturner mit unterschiedlichen Interessen und Neugierebenen, die mich als Leserin angetrieben haben, in den verschiedenen Phasen Deiner inneren und äußeren Reise zu folgen. Respekt vor Deinem Mut, so viel sehr Persönliches mit der Leserschaft zu teilen.“

Und vielleicht gibt es jetzt jemanden unter euch, der denkt „Ich würde das Buch auch gern lesen! Oder durchblättern! Oder mir ins Regal stellen! Oder verschenken!“, dann scheut euch nicht und schreibt mir direkt eine Email – ich kümmere mich um alles Weitere: susann.finsterbusch@gmail.com. Der Versuch, über unsere Verlagsseite das Buch zu bestellen, scheitert leider derzeit aufgrund technischer Schwierigkeiten der Homepage …

Letzte Woche habe ich dann noch mit meiner Hunderübe, dem flauschigsten Werbemodel aller Zeiten, ein kleines Shooting im Auwald gemacht – Ergebnisse gibt es direkt:

Ich schwöre feierlich ohne Tomatenrot zu werden: der Blog wird von nun an besser gepflegt. Habt eine schöne Woche! Und fühlt euch lieb gegrüßt!

Der Countdown läuft…

Ich sitze im Büro unserer Verlages Phonus in Leipzig und schlürfe meinen vierten Kaffee. Schwarz mit einem Schuß Milch.

Die Versandumschläge stehen bereit, die Vorbestellungen sind aktualisiert, die Rechnungsserie ist druckbereit, die Stifte für die persönlichen Widmungen sind startklar, jetzt fehlt nur noch: DAS Buch.

Seitens der Druckerei ist die Zustellung der fünf kisten für heute angekündigt – präziser wird es leider nicht. Es ist ein wenig wie mit Handwerkerterminen im Haushalt: „Wir kommen zwischen 8 und 18, könnte aber auch später werden – bitte verlassen Sie Ihre Wohnung nicht“ 😉

Und so vertreibe ich mir ein wenig die Zeit am Bürorechner und lasse meinen gespannten Blick bei jedem Motorengeräusch zum Fenster vorm Büro wandern, kribbelig hoffend, dass der Transporter von DHL mit quietschenden Reifen zum Stehen kommt 😉

Ich bin superaufgeregt – yeah, yeah, yeah!

Ach und: wer ein Exemplar kaufen möchte, kann das gerne direkt über eine Mail an mich machen – ich kümmere mich um den Rest 🙂 (susann.finsterbusch@phonus-verlag.de)

Und dein Buch? Was macht das eigentlich?

Nach meiner Reise im letzten Jahr entschied ich mich, über diese Zeit ein Buch zu schreiben. Über das, was ich erlebt hatte, das, was mir begegnet war, die Menschen und ihre Geschichten, die Wege und Umwege, zuletzt eben auch unweigerlich „the virus“. Ich wollte ein Buch schreiben und erzählen, wie es mir ergangen war – auf Weltreise in der Corona-Krise.

Mit dem Schreiben startete ich Ende September 2020 und schon im November traute ich mich, euch davon zu erzählen und vor allem wollte ich mal abklopfen, ob überhaupt jemand dieses Buch lesen wollte 😉 Und ich wollte auch ausloten, ob damit überhaupt der Druck finanzierbar sein könnte. Also warb ich fröhlich um Vorbestellungen, das sah dann ganz schnell so aus – der rote Faden stellt den imaginären „Druckauslöser“ dar:

Finanzierungsziel im November 2019
Finanzierung des Buches über verbindliche Vorbestellungen: 70,6% (Stand: Ende Februar 2021)

Vor ein paar Tagen stellte ich dann also fest, dass ein Druck möglich sein könnte, dass aber dazu auch noch eine bestimmte Summe fehlte: 500 Euro. Manchen Freunden, die mich nach dem Fortgang des Buchprojektes fragten, erzählte ich davon und sie boten mir an, dem Projekt bzw. mir und damit auch unserem Verlag, die fehlende Summe zu schenken und so den Druck zu ermöglichen. Deswegen sieht das Glas inzwischen so aus:

82,3% der Drucksumme sind gesammelt. (Stand: 10. März 2021)

Gemeinsam mit den beiden Lektoren und meinen Verlagskollegen gibt es inzwischen eine zeitliche Idee: Drucklegung Ende März. Die Arbeit an Text und Buchsatz kann dann abgeschlossen sein, so dass ich nun vorrangig auf der Suche nach den „restlichen 300 Euro“ bin. Und vielleicht gibt es unter euch fröhlichen Blog-Leseratten einige, die sich das vielleicht vorstellen könnten? Dann würde ich mich um eine Rückmeldung eurerseits sehr freuen – gern in einer kurzen Nachricht und ich würde euch dann anrufen, um alles Weitere zu bequatschen 🙂

Auf jeden Fall hoffe ich von Herzen, dass das „Nudel-Finanzierungsglas“ Ende März voll ist und das Buch im April in den Händen der Vorbestellerleserschaft 😉

Liebste Grüße aus Leipzisch 🙂

PS: ein kleiner Buchtipp noch meinerseits für den Frühling: „Ich mag Gänseblümchen“ von A. Schwarz

Gänseblümchenstrauß (Leipzig im März 2021)

Und was macht eigentlich dein Garten?

Zunächst Frühlingshafte Eindrücke aus Leipzig:

Eine der Fragen in den letzten Wochen bezog sich auf meine Parzelle in der Kleingartenanlage am Rosenthal. „Und was macht eigentlich dein Garten?“ Den habe ich seit nunmehr drei Jahren gepachtet und er ist stets im Wandel – nicht nur die Jahreszeiten veränderten ihn in dieser Zeit.

Im Herbst 2019 richtete ich mir eine kleine Werkstatt ein, um Möbel aufzuarbeiten und Hochbeete zu bauen. In diesem Jahr will ich nun die Laube wohnlicher gestalten, „Gartensanitäranlagen“ bauen um auch mal im Sommer ein, zwei Nächte getrost draußen schlafen zu können. Am Abend in guter Gesellschaft ein Feuerchen genießen, drei, vier Bierchen trinken, grillen, in die Sterne gucken.

In diesen coronösen Zeiten bin ich sehr froh, in der Stadt dieses kleine Refugium zu haben und mich zurückziehen zu können und zu werkeln, Sonne zu tanken, meine Hände in die Erde zu stopfen. Weil viele andere Menschen scheinbar diese Sehnsucht und Freude teilen, sind die Wartelisten der Kleingartenanlagen in Leipzig lang und es scheint fast aussichtlos, kurzfristig eine Parzelle abzubekommen.

An dieser Stelle sei mir noch ein kurzer Ausflug in die Historie der Kleingärten, auch Schrebergärten, gestattet. Mitte des 19. Jahrhundertes empfahl der Leipziger Arzt Moritz Schreber zusammen mit seinem Kollegen Carl Ernst Bock „körperliche Ertüchtigung“ zur Genesung und Gesunderhaltung der städtischen Bevölkerung. Dazu sollten Gartenkolonien dienen. Diese Idee gefiel Ernst I. Hauschild, einem Freund Schrebers, so gut, dass er in Leipzig den ersten Schreberverein initiierte. 1865 wurde der erste „Schreberplatz“ in der Nähe vom Johannapark Leipzig eingeweiht – zunächst eine Spielwiese für Kinder von Fabrikarbeitern, später wurden hier Gärten zur „Ertüchtigung“ angelegt. Aus den „Kinderbeeten“ wurden „Familienbeete“, die umzäunt wirden und den Namen „Schrebergarten“ verpasst bekamen. Seit mehr als 25 Jahren kann diese Entwicklung im Deutschen Kleingärtnermuseum bestaunt werden, welches inmitten der denkmalgeschützten historischen Kleingartenanlage „Dr. Schreber“ in Leipzig steht. Heute verfügt Leipzig über knapp 280 Kleingartenanlagen mit über 39.000 Parzellen. Auf der Seite der Stadt Leipzig habe ich gelesen, dass das ca. 1240 Hektar sind und damit ein bedeutender Anteil (30%) der „grünen Lunge Leipzigs“.

Und noch ein kleiner Tipp: Carolas Garten – eine entzückende, bereichernde, detailverliebte und wunderbare Ausstellung im Leipziger Panometer – wohl noch bis zum Sommer (so denn bald wieder geöffnet) zu bestaunen: https://www.panometer.de/leipzig/unsere-ausstellungen/

Und was macht eigentlich…?

In den vergangenen Tagen ereilten mich immer wieder Fragen euerseits, die zumeist mit den Worten begannen „Und was macht eigentlich…?“ Und um auch meinen Blog nicht ganz verhungern zu lassen, habe ich mir vorgenommen, die kommenden Tage eure Neugierde ein wenig zu stillen und ein paar der Was-macht-eigentlich-Fragen zu beantworten 😉

Und weil es heute schon einigermaßen spät ist und Rumo neben mir verzückend schnarcht, beantworte ich heute die Frage: „Und was macht eigentlich Rumo?“

Also: Der Hundemann hat schon vor ein paar Wochen, als wir Menschen noch mit langen Loten durch die Gegend gewackelt sind, einen Hundefriseurtermin gehabt. Seitdem ist er noch supersüßer als zuvor und vermehrt drehen sich die Leute beim Spazieren gehen nach uns um. Nicht, um mir auf den Hintern zu glotzen, sondern um meinen Hund anzuhimmeln und in einem „Ooooch, der ist soooo süß“ dahinzuschmelzen.

Alle, die in den Genuss kamen, von ihm zum Streicheln genötigt zu werden, bestätigen seine unglaubliche Flauschigkeit und wenn er sich am Abend auf meine Füße legt, wenn ich am Schreibtisch sitze und ein wenig am Buch schreibe, dann benötige ich keine Socken, weil er mir das Gefühl gibt, meine kalten Füße mit seinem wuschelig warmem Fell zu erwärmen.

Der doch schon etwas ältere Hundemann strotzt jeden Tag von Energie als wäre er ein frischer Welpe, kaum müde zu bekommen, weswegen er mich gut auf Trab hält. Und darüber bin ich unglaublich froh! So tritt mir die Schnuffelnase damit in den Hintern und verbellt meinen inneren Schweinehund. Unser Ziel 2021: einmal um alle Leipziger Seen zu joggen – nunja, wir sind noch fleißig am Üben, wobei ich der luschigere Part in unserem Laufduo bin ;-).

Und weil er so supersüß ist, hier noch ein paar Bilder von der Schnuffelschnute:

Hand aufs Herz

Jetzt mal ehrlich: was ist das Geheimnis derjenigen, die Morgens aus den Federn kriechen und keine Kissenfrisur haben?!? Bei denen die Haut keine Falten schlägt, als hätte sich der Kissenabdruck täto-artig in die Poren gefressen? Was muss man Abends konsumieren, um morgens so „fresh“ auszusehen und was ist das Geheimnis gegen Augenringe? Ich stelle fest: Gesichtsmasken und Gurken helfen bei mir nicht (mehr).

Wie ich dazu komme, euch dies zu fragen, werte Leserschaft? Ähm, also Hand aufs Herz: nachdem ich euch in einem meiner letzten Beiträge einen impressiven Vergleich 2020 + 2021 erlaubt hatte, gab es nicht nur die erstaunte Feststellung einiger Neugieriger, dass sich meine Frisur verändert habe 😉 Besonders einigen Damen fiel auf, dass sich auch mein Gesicht verändert hätte… ähm, ja, stimmt, ist mir auch aufgefallen. Auch ein Schal wirkt Wunder gegen Doppelkinn, grins.

Und noch einmal Hand aufs Herz: ich stelle mich nicht gerne vor den Spiegel – erst recht nicht morgens – da fallen mir in geballter Wumme alle Falten auf einmal auf, da bekomme ich das Gefühl, dass meine Haare einen Tacken gräulicher werden, da kriege ich den heftigen Impuls, zu färben, mein Gesicht zu bügeln oder hinter die Ohren zu tackern.

Doch das, was ich zum Glück von Herzen auch kann und liebe, ist, mich selbst frech anzugrinsen und mir eine Grimasse zu ziehen. Shit happens und Veränderung eben auch! Und das, was mich heute köstlich erfreut hat, war, mich durch die Bilder der letzten Jahre zu klicken – dank Facebook ne leichte Sache, denn das Netz vergisst nie 😉 . Jetzt schmerzt mein Bauch vom Lachen – einen Einblick bekommt ihr auch, werte Leserschaft: 43 Gesichter der Frau F.

Einen fröhlichen Abend wünsche ich euch!

Ein ganzes Jahr später…

Der Abend hat sich über die Stadt gelegt, nur noch wenige Autos schleichen über die glatte und verschneite Hauptverkehrsstraße vor meinem Haus. Ab und an startet ein Rettungswagen in der Nebenstraße, doch im Großen und Ganzen ist der Leipziger Westen durch eine Schneedecke zugedeckt, ruhiger geworden, friedlicher und auch fröhlicher. Ich denke an die schönen Spaziergänge durch den Schnee in den letzten Tagen, an die fröhlich lachenden rutschenden Kinder, die unbekümmert grinsenden Erwachsenen, die Menschen scheinen erleichterter unterwegs, fast schon beschwingt als stünde der Frühling vor der Tür. Auch mich lässt der Schnee aufatmen, die Luft ist klar und eisig und damit werden auch meine Gedanken klarer, deutlicher, friedlicher und ich atme auf im Lockdownmuff.

Gleich werde ich den Feierabend einläuten, nachdem ich noch ein wenig an meinem Buch über die Reise im vergangenen Jahr gearbeitet habe. Das heutige Datum hatte mich daran erinnert, dass ich genau heute vor einem Jahr mit meinem prall gefüllten Rucksack in Berlin gestartet bin, in Moskau in Schneesturm und Eiseskälte umstieg und just um diese Zeit, in der ich gerade diese Zeilen tippe, im Flieger Richtung Hanoi saß. Ein Jahr ist es nun her, dass ich losgetigert bin und auf der einen Seite fühlt es sich an wie „Was? Schon wieder ein ganzes Jahr???“ und auf der anderen Seite habe ich den Eindruck, dass zwischen heute und dem vergangenen 11. Februar Welten und Jahrzehnte liegen könnten.

Ich schmunzle in diesem Moment und dabei rinnt mir ein kleines feines Tränchen übers Gesicht, denn die Erinnerung trägt Freude und auch Melancholie in sich. Und wenn ich mir die Bilder anschaue, dann kann ich ein breites Grinsen nicht unterdrücken, denn immerhin meine Frisur sitzt an diesem 11. Februar besser 😉

Mit einem kleinen Auszug aus meinem Reisebuch sende ich euch grüße in die Nacht! Passt gut auf euch auf!

„Ich wäre notfalls auch mit dem ICE gefahren, doch ich war froh, dass mich mein Paps nach Berlin-Schönefeld brachte. Viel zu früh erreichten wir den Flughafen, tranken Kaffee und aßen eine Kleinigkeit. Danach gab ich mein Backpack auf, 23kg, und zum ersten Mal rutschte mir das Herz nicht nur bis in die Hose, sondern bis in die Füße. Es wurde ernst. Ich würde tatsächlich losfliegen. Gemeinsam mit meinem Paps ließ ich mir den Wind auf der Aussichtsterrasse des Flughafens um die Ohren wehen, wir machten ein, zwei Selfies und zum zweiten Mal rutschte mir das Herz bis in die Füße. Wehmut beschlich meinen Körper. Gleich würde ich allein sein, gleich würde ich allein losziehen, für mindestens sechs Monate. Irgendwann musste Paps zurückfahren und ich fühlte mich schlagartig verloren und verlassen, versuchte tief zu atmen und nicht panisch zu werden. Obwohl ich seit mehreren Monaten mehr oder weniger erfolgreiche, tapfere Nichtraucherin war, konnte ich in diesem Moment den Impuls, mich an einer Zigarette festzuhalten nicht mehr unterdrücken und kaufte mir eine Packung Kippen. Ich rauchte zwei, drei, vier, fünf Zigaretten und merkte, wie das Nikotin meinen Körper durchflutete und mich gewohnt einlullte. Ich fühlte mich nun benebelt und stark genug, den Sicherheitscheck hinter mich zu bringen und damit dem Flieger und meinem halben Jahr Alleinsein entgegenzugehen. Vielleicht roch ich am Sicherheitsschalter wie ein wandelnder Aschenbecher, vielleicht kam ich auch ein wenig zu fahrig daher, doch die Beamtin ahnte in mir eine ausgebuffte Drogendealerin, weswegen ich in Berlin-Schönefeld das erste (und auch das einzige!) Mal auf meiner ganzen Reise von oben bis unten, von vorn nach hinten, von außen nach innen und bis in das letzte Fitzelchen meiner Tasche nach suspekten Substanzen und Sprengstoff durchfilzt wurde. Natürlich fanden sie nichts außer die halb geleerte Packung Zigaretten, mein abgeschranztes Feuerzeug und die Schachtel mit den Medikamenten, welche ordnungsgemäß beschriftet, übersetzt und deren Bedarf bis zum letzten Tropfen Novaminsulfan begründet war. Als ich später am Abfluggate saß und keine Zigarette mehr zum Festhalten rauchen konnte, beschlich mich wieder ein sehr durchdringender Zweifel, ob ich das richtige tue. Ein Telefonat mit Anne beruhigte mich: Ich kann doch jederzeit zurückkommen. Und deswegen könnte ich jetzt auch fliegen. Ich ahnte noch nicht, dass ich bald darüber schmunzeln würde, denn schon in wenigen Wochen würde es für mich keine Möglichkeit mehr geben, „so einfach“ umzukehren. Am Gate flackerte die Nachricht auf, dass die WHO dem neuartigen Virus einem Namen verpasst hatte: „Covid-19, Sars-CoV-2“. Davon nahm ich nur halbherzig Notiz, so schlimm und einschneidend würde das Virus schon nicht sein. Der Lautsprecher schallte, es sei Zeit zum Boarding und ich stieg ohne Maske und mit einer Mischung aus Freude, Angst und Übelkeit in den Flieger nach Hà Nội.“ (11. Februar 2020)

„systemrelevant“

Die letzten Wochen war ich einigermaßen hin und her gerissen, wie mein nächster Blogbeitrag aussehen könnte – in allem Grübeln sind nun ein paar Tage verstrichen.

Ich habe überlegt, etwas zum Begriff „systemrelevant“ zu schreiben, denn dieses Wort hat es nunmehr schon zum Unwort meines Jahres gebracht. Da soll es nun um die Aufrechterhaltung eines Systems gehen, einen Fortbestand sichern. Da wird überlegt, was die Basis der Gesellschaft ausmacht, die Grundsäulen der Wirtschaft. Da wird auch diskutiert, welchen Wert welche Branchen haben, da wird eingeteilt und unterteilt, da wird benotet und mit Sternchen versehen, da werden Menschen auf die Auswechselbank geschickt und ein Sitzenbleiben in Kauf genommen, da wird aussortiert und umsortiert, eingekesselt und ausgesperrt. Stempel „systemrelevant“ oder nicht.

Klar bringt es mich ins Nachdenken, wer und was für mich persönlich, für „mein System“ relevant ist; macht es mich traurig, wieviele „andere Systeme“ ganz persönlich an ihre Grenzen kommen und da geht es nicht nur um Geduld, Gesundheit und Geld; frage ich mich, wie lange „das System“ bzw „unsere Systeme“ diesen Zustand noch aushalten, durchstehen. Passende, nachdenklich stimmende Worte hat Marlene Lufen gefunden: https://www.instagram.com/tv/CKtDJhIKcf5/?igshid=pm4tvc30mqlq&fbclid=IwAR3m5wAxT2zfIVaVZ5mk_3rSiDS5o831fmI_mZI1k0WgkNP1F3hmukx3afE

Mitnichten will ich mich aus dem Fenster lehnen und urteilen über das, was bisher war. Ich staune anerkennend über das, was Menschen tagtäglich in dieser Pandemie leisten, nicht nur in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Ich ziehe meinen Hut vor all den Homeschooling-Homeworking Familien. Ich bin froh, in keiner politischen Position zu hocken, denn den Job wöllte ich gerade überhaupt nicht machen. … Merke, wie ich mich manchmal sprachlos und ohnmächtig fühle ob dieser „pandemischen Lage“.

Wenn mir vor einem Jahr jemand gesagt hätte, dass der Beginn des Februar 2021 so aussehen würde, wie er nun daherkommt, hätte ich wahrscheinlich ungläubig den Kopf geschüttelt und mit meinem Gesicht schmunzelnd gerunzelt. Aktuell denke ich immer wieder an „meinen Februar 2020“, die letzten Tage vor meiner Reise, versuche für mein Buch in Worte zu kleiden, wie die Zeit für mich war. Mit einem kleinen Auszug aus meinem Buch, an welchem ich gerade gern und intensiv arbeite, beschließe ich diesen Beitrag. Passt gut auf euch und „eure Systeme“ auf!

„Anfang Januar, die ersten offiziellen Corona-Fälle hatte China der WHO pünktlich zum Jahreswechsel gemeldet, hatte ich eine Zwischenmieterin für meine Wohnung gefunden und viel wichtiger noch auch eine Bleibe für Rumo. Als der erste offizielle Todesfall in Zusammenhang mit Corona gemeldet wurde, bekam ich meine letzte Impfung. Als es den ersten Coronapatienten in Europa gab, feierte ich meinen Abschied mit unzähligen Menschen in der Schaubühne Leipzig. Einen Tag später antwortete mir eine Apothekerin auf meine Nachfrage, ob ich auf meiner Reise eine Maske bräuchte, dass Gelomyrthol gegen Corona völlig ausreichen würde und ich mich so nicht anstecken könnte. Ich kaufte vertrauensvoll zwei Packungen und wie schön wäre es für die ganze Welt, hätte sie Recht behalten. Als der erste Corona-Fall in Deutschland auftrat, übergab ich meine Wohnung an meine Zwischenmieterin Anna. Die letzten Tage vor dem Abflug registrierte ich vor lauter Vorbereitungswust und Aufregung kaum noch.  Als die WHO eine „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ erklärte, kaufte ich die restlichen Sachen für meine Reise. Einen Tag später deklarierte Italien den Notstand. Immer wieder riefen mich in diesen Tagen besorgte Menschen an, sie hätten die Nachrichten wegen Corona gesehen und sie würden mir doch von meiner geplanten Reise abraten. Von vielen Seiten häuften sich besonders die kritischen Fragen, ob ich DAS tatsächlich JETZT durchziehen wollte, als Frau durchziehen müsste, allein, mit Corona. Mit jedem Anruf wurde ich mir meiner Gründe und der Notwendigkeit, genau jetzt zu fahren, sicherer. Ich hatte keine Chance, denn wenn ich jetzt bleiben würde, wäre ich mit mir selbst komplett verloren. Ich musste los.“

O Tannenbaum!

In den letzten Tagen stapeln sich an verschiedensten Plätzen in Leipzig die ausrangierten Weihnachtsbäume. Nach und nach müssen sie die Wohnungen verlassen. Manche werfen sie galant aus den Fenstern ihrer Wohnungen – da fällt mir ’ne hornalte IKEA-Werbung ein -, andere zersägen das Bäumchen noch im Wohnzimmer und stopfen das Kleinzeugs in die hauseigene Biotonne, andere verbrennen ihn feierlich im Innenhof – trockene, brennende Nadelgehölze machen dieses wundervolle Geräusch 😉

Laut einer Statistik wurden in Deutschland für das Weihnachtsfest 2020 mehr als 30 Millionen Weihnachtsbäume verkauft. Und weil die meisten nicht im Topf sind und damit auch nicht weiterverwertet oder „ausgepflanzt“ werden können, habe ich mich doch gefragt: „Was passiert mit den Bäumchen nach Weihnachten?“

Hübsche Antworten, für alle, die sich diese Frage auch schon gestellt haben, gibt es hier: https://www.warum-magazin.de/wissen/was-passiert-eigentlich-mit-den-vielen-tannenbaeumen oder hier: https://www.vollveggie.de/wissen/ratgeber/zahlen-fakten-weihnachtsbaum/

O Tannenbaum, o Tannenbaum,
du kannst mir sehr gefallen;
wie oft hat nicht zur Weihnachtszeit
ein Baum von dir mich hoch erfreut.
O Tannenbaum, o Tannenbaum,
du kannst mir sehr gefallen.

O Tannenbaum, o Tannenbaum,
dein Kleid will mir was lehren:
die Hoffnung und Beständigkeit
gibt Trost und Kraft zu jeder Zeit!
O Tannenbaum, o Tannenbaum,
dein Kleid will mir was lehren.

100 days… 100 objects

Herzlich willkommen im neuen Jahr! Ich freue mich, dass du dich auch 2021 wieder auf meinen Blog geklickt hast und ich hoffe als erstes, dass du gesund und munter ins neue Jahr gestartet bist! Rumo und ich verbrachten die Feiertage und den Lockdown-Jahreswechsel in Leipzig, den größten Teil der Zeit in unserer Höhle. Und ja, es geht uns gut und wir sind so putzmunter, wie man im Lockdown eben sein kann.

Auch im neuen Jahr werde ich den Blog pflegen, ab und an einen Beitrag einstellen, auch wenn ich erstmal nicht mehr in die Welt ziehen, sondern in Leipzig bleiben werde. Ja, vielleicht bin ich deswegen noch ein klein wenig geknickt und doch ist es gut, hier zu sein. Alles hat seine Zeit. 😉

Der Lockdown ist für mich Arbeit am Buch, Arbeitssuche, Spazieren mit Rumo und Müßiggang zugleich. Vorgestern habe ich aus purer Langeweile Netflix bemüht, mich zu unterhalten und stieß auf den Film „100 Dinge“. 2018 kam der in die deutschen Kinos, ich hatte bis jetzt noch nichts von ihm gehört. Der Trailer klang spannend: 100 Tage ohne Besitz und ohne Konsum, zwei Männer starten bei Null und dürfen jeden Tag einen Gegenstand ihres Hab und Gutes wieder an sich nehmen. Freilich habe ich in meinem Hirn schnell überschlagen, was ich als erstes wiederhaben wollen würde, wenn ich komplett nackig in der Welt wäre: ne Hose, nen Pullover, Schuhe und ein Kissen, ach vielleicht auch eine Matratze. Klar wäre: erst anziehen, dann gemütlicher schlafen und dann? Was wären die 100 Dinge, auf die ich nicht verzichten könnte? Smartphone, Rechner, Kaffeemaschine, Wasserkocher, Zahnbürste, Duschgel, Auto, Kalender, Schreibbuch, Bleistifte…? Worauf könntest du auf keinen Fall verzichten?

Und: Wenn alle meine Sachen weg sind, was bleibt dann noch von mir? Auch das fragt der Film. Und: Kaufen, um glücklich zu sein? Ein Zitat geht mir nicht mehr aus dem Kopf und ich möchte es mir ins Herz schreiben: „Glück ist wie Wasser. Wenn du es festhalten willst, dann läufst du mit geballten Fäusten durchs Leben.“

Der Film ist ein humorvoller, tiefsinniger, ergreifender, anfragender, verzückender, bezaubernder und auch trauriger Streifen. Schon lange habe ich nicht mehr einen solch guten, deutschen Film gesehen. Es lohnt sich!

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