March 25th – Rarawa Beach

Grüße an euch alle da draußen! Seit einer Stunde steht fest: keiner darf den Platz mehr verlassen. Ggf. Kommen neue Campervans dazu, die, die jetzt schon da sind, bleiben für die nächsten 4 Wochen. Aaargh. Jup, ihr habt richtig gelesen: das ist mein neues Zuhause für die nächsten 4 Wochen. Gut, man kann nie wissen, ob der Lockdown vielleicht doch früher aufgehoben wird oder verlängert (hui, hoffentlich nicht Letzteres!), oder ob die Regierung beschließt, das gestrandete Campervan-Camp noch mal umzusiedeln – derzeit gehe ich davon aus, dass ich hier bleibe. Zusammen mit dem deutschen Pärchen haben wir uns einen Namen für unser neues kleines Dorf ausgedacht: Coro20. In manchen Teilen fühlt es sich schon nach einem Tag dörflich an: jemand hat viel Alkohol, die anderen Dosenfutter, ich kann Hotspot anbieten und jemand anderes Yogastunden… derzeit lachen wir noch viel, die Sonne scheint wieder, die Stimmung ist angespannt aber gut. Der heutige Tag bestand vor allem aus Warten: bisher kam zwei Mal das Gvot, ein Mann aus der „Health border“ erschien vor knapp einer Stunde. Dieser Auftritt war einigermaßen sinnlos. Mal wieder wurden alle Namen und Telefonnummern gesammelt, auf die gesammelten Fragen unsererseits konnte auch er nicht reagieren. So bleiben viele Dinge derzeit noch offen für Coro20 =). Woher bekommen wir Strom? Wer versorgt uns mit Gaskanistern? Wie kommen wir an Essen? Um nur einige zu nennen… Alles scheint noch ein wenig „witzig“ und vor allem unwirklich für uns… ich denke, dass noch keiner realisiert hat, so wirklich begriffen, dass das jetzt der Platz ist, an dem wir 4 Wochen!!! stehen.

Gestern abend saßen wir ein wenig beieinander – man bedenke: zwischen allen waren tatsächlich mindestens 2 Meter Abstand. Seltsames Gefühl, aber mittlerweile fühlt man sich bedroht (in einer ganz merkwürdigen Art und Weise), wenn jemand näher kommt als 2 Meter. Auf jeden Fall saßen wir da so: Kevin aus den Staaten, Alex und Bradon aus Kanada, Johanna und Dominic aus Hannover und ich. Tauschten uns aus über die Situation, unsere Reisepläne, unsere bisherigen Reisen… Das war schön; ein klein wenig wie ein Stammtisch ohne Bier. Quatschen bis der Regen kam.

Ich will euch auch nicht vorenthalten, dass die Stimmung in den Ländern gegen Touristen umschlägt, auch hier ist das gestern zu merken gewesen. Entlang der Straße gab es zahlreiche Schilder mit „Go back!“, „Go home“, „For our safety turn around“… und noch deutlicheres… Die Angst nimmt zu. Kevin erzählte, dass er aus Sri Lanka „abgehauen“ ist, weil er massiv beschimpft wurde und „angehustet“ mit „Corona, Corona, hhh“. Alex erzählte, dass Freundinnen von ihr, die in Brisbane leben und asiatischen Ursprungs sind, aber schön länger in Australien ein Zuhause haben, im Bus verbal angegriffen wurden, dass sie endlich abhauen und nach Hause gehen sollten. Die Angst nimmt zu, die verbalen Angriffe, hoffentlich nicht mehr… ein bisschen Sorge habe ich schon, da will ich ganz ehrlich zu euch sein. Corona verändert auch hier das Zusammenleben – auch wenn die Nation für „stand together“ wirbt; es gibt einfach immer noch zu viele Neuseeländer, die arm sind und kein Geld für medizinische Versorgung haben, die Angst bekommen um sich und ihre Kinder, weil sie keine Chance haben… Und was Angst mit Menschen machen kann, haben wir ja in den letzten Monaten in Deutschland immer wieder gesehen.

Mittlerweile ist es Abend geworden. Nach und nach kleckern immer wieder Leute ein, mit dem Wissen, hier die nächsten 4 Wochen zu verbringen. Johanna, Dominic und ich haben uns schon ein paar Dinge überlegt, um die Zeit totzuschlagen,wenn dann die Langeweile zuschlagen wird: Wickingerschach mit Plastikflaschen, Bowling mit den leeren Gaskanistern, Schnitzen von Sitzgelegenheiten (Dank Anne habe ich ja ein Taschenmesser dabei, hihi), Filmabende (ich hab ja auch alle drei Teile HdR mit =), wobei das davon abhängig ist, ob wir hier Strom bekommen oder nicht… Dominic will fischen lernen und ich kann mich im Nichtstun üben. Also, die vier Wochen werden gut genutzt in Coro20, zwinker zwinker. Ich bin sooooo froh, hier nicht allein zu sein; ich bin soooo froh, dass Haina uns supported und ich bin soooo froh, dass es bisher tatsächlich immer Lösungen gab; ich vertraue darauf, dass besonders Letzteres so bleibt. Und vielleicht haben wir eine Menge Mac-Gywer-Momente in Coro20, ich werde es euch wissen lassen!

Gleich ist es acht und die Sonne verabschiedet sich hinter den Hügeln; sobald sie wieder aufgeht, hat der Lockdown für alle begonnen. Das Militär wird Streife fahren, der Notstand ist schon ausgerufen; die Grenzen der einzelnen Distrikte sind dicht, bis Freitag dürfen diese nur noch mit gewichtigem Grund überfahren werden, danach nicht mehr. Wahnsinn, so etwas mitzumachen. Weltreise mit Lockdown, das kann auch nicht jeder sagen =). Ein bisschen Bammel habe ich, denn bisher gibt es keine Lösung für meinen Camper, den ich eigentlich am Dienstag in Auckland abgeben muss, offiziell darf ich nicht mehr fahren… und die Vermietung geht nicht ans Telefon und reagiert auch nicht auf meine Mails. Vielleicht tut sich morgen da was, wenn die Notstandshilfe bei uns auf dem Platz aufkreuzen wird, angekündigt ist sie zumindest.

Daheim steht ihr jetzt auf, ich wünsche euch einen hübschen Tag! Passt gut auf euch auf! Ich weiß, dass auch ihr mit vielen Widrigkeiten kämpft, die wahrscheinlich ähnlich schwierig sind, wie die meinen oder härter (in diesem Moment denke ich da besonders an einige von euch, die mir sehr am Herzen liegen und mit diesem ganzen Schei… gerade ganz schön in der Luft hängen… besonders euch wünsche ich Kraft und Geduld und die besten Gedanken; auch wenn ich am Hintern der Welt sitze, ich denke an euch!).