May 25nd – upper moutere (Südinsel)
Grrr, ich bin gerade sauer auf meinen Rechner! Hab euch schöne Zeilen geschrieben und dann hat er sich einfach verabschiedet; ohne zu Speichern, ihr ahnt es schon. Also krame ich jetzt in meinem Hirn nach dem, was ich euch schon geschrieben hatte, versuche es noch mal zu tun, ahne, dass das schwer wird, nehme mir vor: speichern nach jedem Satz, denn das soll mir nicht noch mal passieren!
Ich will das „Pferd von hinten aufzäumen“, deswegen zunächst ein paar Worte zu dem Ort, an welchem ich jetzt stehe:
Upper moutere liegt auf der Südinsel Neuseelands im Tasman district, wenige Kilometer nordwestlich der Stadt Nelson. Hier wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts die erste lutherische Gemeinde Neuseelands gegründet. Und daneben gibt es in diesem Örtchen auch das (wahrscheinlich) älteste Pub des Landes (1850 gebaut). Die ersten Familien, die sich hier niederließen kamen auch aus dem norddeutschen Raum: die Familien Drögemüller, Heine und Bensemann. Bis 1917 hatte der Ort aufgrund der deutschen Siedlungsgeschichte den Namen „Sarau“. Die ersten deutschen Siedler starteten am zweiten Weihnachtstag des Jahres 1842 in Hamburg und schifften mehr als sechs Monate nach Neuseeland über. Der Kahn hieß übrigens „St. Pauli“. Laut mehrerer Quellen landeten sie am 14. Juni 1843 in Nelson. Dort gründeten sie zunächst das „Sankt Paulidorf“, welches aber zügig überschwemmt und zerstört wurde. Manche gaben auf und suchten sich eine ganz andere Insel (Australien) oder wanderten weiter nach Süden; andere blieben in der Region darunter o.g. Familien. Da die Siedler vorwiegend aus dem norddeutschen Raum stammten, waren sie zumeist lutherisch geprägt, unter ihnen auch Pastor Heine mit seiner Frau Anna, die nach Sarau kamen und die St. Pauls Church mitbegründeten, die erste lutherische Kirche Neuseelands. Und deswegen finden sich noch heute Familien mit deutschen Namen hier; auf dem Friedhof gibt es deutschsprachige Inschriften auf Grabsteinen… Und vielleicht fragt ihr euch jetzt noch, warum das kleine Nest nicht mehr Sarau heißt? Nun, im Zuge des Ersten Weltkrieges benannte man nicht nur Ortschaften in Neuseeland um, auch viele Familien änderten ihre Nachnamen bzw. Wandelten sie ab, damit man ihnen den deutschen Ursprung nicht mehr direkt anmerkte. So wurden bspw. aus „Neumann“ „Newman“ und „Sarau“ eben zu upper moutere. Heute ist upper moutere ein kleines, leicht verschlafen wirkendes Nest mit einer unglaublich großen landwirtschaftlichen Produktion von Obst, Wein und Hopfen.
Und wahrscheinlich fragt ihr euch nun auch noch, warum ich hier gelandet bin? Nun, das liegt ganz klar an den letzten Tagen in Wellington, die ich im Hause der Familie Whitfield verbringen durften. Gemeinsam mit Mark, dem Bischof der lutherischen Kirche Neuseeland, habe ich einen Reiseplan für die Südinsel erstellt und er hat seine Kontakte spielen lassen und mir dadurch einen Platz mit Dusche, Küche und WC für die kommenden zwei Nächte ermöglicht! Ich bin voller Dank über die letzten Tage, über die Zeit mit dieser wunderbaren Familie, die so offen und liebevoll war, mir einen warmen und trockenen Platz zu geben, einer Fremden! Und mir damit ein wenig Urlaub von meiner Reise ermöglicht haben, so dass ich neue Kräfte für die vor mir liegenden Tage auf der doch sehr winterlich daherkommenden Südinsel Neuseelands verbringen kann.
Heute wurde ich auch ein wenig an meine liebe Ex-Kollegin (Ex-Kollegin, weil ich da ja nicht mehr arbeite) Franzi erinnet; sie hat in einem der Seminare als Kennenlernfrage gestellt „Wann hast du das letzte Mal etwas zum ersten Mal getan oder erlebt?“. Knifflig? Gerne noch mal lesen! Ein wenig war das heute auch bei mir der Fall: zum ersten Mal bin ich heute allein mit einem Auto auf einer Fähre gefahren; zum ersten Mal in meinem Leben war ich richtig seekrank und: zum ersten Mal in meinem Leben habe ich ein Erdbeben erlebt (Stärke: 5.8 nördlich von Wellington). Es muss eines der Erdbeben gewesen sein, das man auf beiden Inseln Neuseelands bis fast in alle Ecken gespürt hat; ich selbst saß gerade im Auto an der Fähre und habe gewartet, reinfahren zu können. Zu Beginn fühlte es sich an, als wäre starker Wind an meinem Auto rütteln, doch dann wackelten und schwankten die Autos in unterschiedliche Richtungen und es war klar: das ist kein Wind. Am stärksten Punkt habe ich den Unterschied gemerkt, kann ihn aber auch kaum in Worte bringen… Ich bin froh und dankbar, dass alle Fahrt so behütet war und ich jetzt hier gelandet bin! Möge das auch weiterhin so sein 🙂 . Morgen fahre ich weiter Richtung Golden Bay & Abel Tasman Park. Und irgendwann in den nächsten Tagen könnte ihr wieder von mir lesen 🙂 Passt gut auf euch auf!
























