Zwischen Cape Farewell und Franz Josef

May 29th – Franz Josef (ja, so heißt der Ort 😉 )

Einen kleinen Wunsch habe ich heute Nachmittag: einen heißen, dampfenden Cappuccino in meinen Händen, ja gern auch mit Milchschaum, ein Küchentisch mit ein paar Blümchen drauf oder eine bequem-vertraute Couch mit dem Ofen an 🙂 So klein sind die Wünsche, wenn es kalt ist und regnet was der Himmel hergeben kann. Und vergesst bitte auch nicht: bei euch ist Frühling (bei den meisten von euch) und hier winterlicher Herbst. Manche Tage bekomme ich ein vorweihnachtliches Gefühl und das Bedürfnis, den Schwibbogen anzumachen und ein Räucherkerzchen dazu. Hihi, hätte nie gedacht, was das Außen im Innen so auszulösen vermag.

Seitdem ich auf der Südinsel bin, habe ich meinen Tagesrhytmus dem Licht angepasst. Ich fahre am morgen spätestens um sieben los (da krabbelte in den letzten Tagen das erste Licht über den Himmel), bin dann den ganzen Tag über auf Achse, wandere, schaue mir Sachen an, genieße die Sonne und manchmal auch einen Kaffee, suche mir gegen vier einen Parkplatz für die Nacht, koche mir etwas zum Essen und halb sechs, wenn die Sonne defintiv nicht mehr zu sehen ist, krieche ich mit meinen Wärmflaschen in den Schlafsack. Dann lese ich Nachrichten von euch, höre eure Sprachnachrichten ab, antworte auch ab und zu 🙂 . Spätestens um neun fallen mir dann die Augen zu und um fünf klingelt der Wecker für den neuen Tag.

So bin ich in den vergangenen Tagen an zahlreichen Orten gewesen, die ich euch gern zeige:

Da mein Blog kein Neuseelandreiseführer sein soll, erspare ich euch und mir an dieser Stelle ausführliche Details zu Geografie und Geschichte. Das könnt ihr alle im Internet oder in gedruckten Büchern nachlesen 🙂 . Will ich euch doch an dieser Stelle lieber erzählen, wie es mir ergeht bzw. in den letzten Tagen ergangen ist: Zu Beginn war es komisch, wieder allein zu sein und manchmal ist es das immer noch, besonders nachts, wenn irgendein Tier versucht, in meinen Camper zu klettern und ich Minuten brauche, bis ich checke, dass ich keine Angst haben muss. In diesen Momenten und am heutigen tristen Regentag wünschte ich mir Gesellschaft. Doch merke ich auch, dass ich mich mit jedem Kilometer mehr daran gewöhne, diese Reise eben allein zu machen und da gehört die Einsamkeit dazu, wie die Wärmflasche im kalten Camper.

An manchen Orten ist es unwirklich für mich, dass ich gerade in Neuseeland bin, manchmal erinnert es mich an andere Orte, manchmal vergesse ich gar, dass ich gut 19000km von Deutschland entfernt unterwegs bin weil es sich auch so vertraut anfühlt; ja, es ist ein wenig vertraut für mich durch Neuseeland zu reisen. Ich fühle mich wohl mit all dem grün und vor allem dem naturbelassenen Wald, den weiten Wiesen, den Hügeln und vor allem dem Meer vor der Nase. Es weht und windet, ich schließe die Augen und es geht mir so gut! Und ich freue mich darüber, dass vor allem das Meer es so leicht schafft und das Wandern durch den Wald, mir die Sorgen aus dem Hirn und Herzen zu treiben. Denn manche Nächte finde ich kaum Schlaf, weil so Vieles ungeklärt ist…. Visa, Geld, Rückflug… Doch auch das gehört eben zu dieser meiner Reise, kein Urlaub ist es, keine pure Erholung, es ist eine Pilgerreise mit allem was dazu gehört. Und so versuche ich zu atmen und Tee zu trinken und ruhig zu bleiben. Nichts anderes wird helfen. Stimmts?

1 Kommentar

  1. Angelika Renner

    Du bist nicht allein ❣️Wir sind in Gedanken und mit guten Wünschen bei Dir ❣️ Liebe Grüße ❣️

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