Monat: Dezember 2021

Blätterfazit

Zu Beginn eines jeden Jahres liegen die 365 oder 366 Seiten blanko vor mir und ich weiß nicht, was am Ende des Jahres alles drauf sein wird, ob sie glatt oder geknüllt sind, bunt, weiß oder schwarz, welche Farbe und Handschrift sie tragen, wer unverhofft reingekritzelt hat und wer mir wundervolle Momente auf meine Blätter geschrieben hat. Ich weiß nicht einmal, ob sie alle gefüllt sein werden… Das was ich am Jahresende, manchmal auch unbewusst, mache, ist, mir die Blätter noch mal zur Hand zu nehmen, sie anzuschauen, sie durchzublättern, zu stoppen, nochmal über manche zu lachen bis mir der Bauch mitkribbelt, über manche zu schmunzeln, über einige den Kopf zu schütteln und mit so manchen auch noch mal zu weinen. Ich lass die Gefühlsbandbreite kommen, mich überfluten, mich erfüllen und dann lasse ich sie wieder ziehen.

Und wie jedes Jahr stelle ich auch am Ende dieses Jahres fest, dass ich kein Fazit ziehen werde und auch kein Fazit ziehen kann. Es würde die Blätter in ihrer Gänze nicht wahrnehmen, es würde manches kleinmachen und manches ersticken, würde manchem zu viel Raum geben und mache Töne zu laut sein. Doch eines fühle ich erneut: Dankbarkeit für all das, was auf meinen Blättern steht, für all das, was ich aus meinen Blättern gemacht habe und vor allem auch für all jene, die meine Blätter mitgestaltet haben, mit Farbe bereichert, mit Vertrauen besprenkelt, mit Liebe umrahmt haben. Ich bin dankbar, am Ende dieses Jahres diese Zeilen schreiben zu können und ich bin gespannt, was das neue Blätterwerk 2022 so bereit halten mag.

So wünsche ich euch einen gesunden und fröhlichen Abschluss des alten Jahres und einen herrlichen Start ins Neue! Passt gut auf euch und eure Blätter auf 😉 !

Vorabend

Heute vor einem Jahr saß ich an genau diesem Rechner und begann mit dem dritten Anlauf meines Buches. Es war auch der Abend des 23. Dezember – heute schnarcht Rumo ebenso neben mir, statt Gin Tonic gibt es Kräutertee, „Der Hobbit“ flimmert dieses Mal statt „Die Gefährten“. Teil I und ich gestehe, ich habe den Beginn heute drei Mal geschaut, weil ich mich damit so gut an Hobbiton erinnern kann. Es ist derselbe Schreibtisch, es sind dieselben Tasten, dieselben Bilder doch eine andere Wand in einer anderen Stadt. Das Gefühl erinnert mich sehr an das vor einem Jahr: es ist die stille Traurigkeit, die rückschauende Dankbarkeit, das melancholische Glück. Diese Mischung ist es, die mich tagsüber fast lähmt und am Abend eine Energie zum Schreiben freisetzt, wie ich sie selten fühle. So sind an den vergangenen Abenden einige neue Texte entstanden, neue Zeilen auf frischen Seiten und ich bin gespannt, wohin sie mich führen.

Dass ich in diesem Jahr nach nur drei Monaten mein fertiges, gedrucktes Buch in Händen halten konnte, lässt mich auch rückblickend noch staunen und dankbar sein für alle, die mich dabei unterstützt haben. Dass es davon dann auch noch eine zweite Auflage hatte geben sollen, macht mich heute noch sprachlos. Und stolz. Doch will ich nicht, einer Jahresbilanz ähnlich, mein Jahr Revue passieren lassen, aufzählen was gelungen ist und was nicht, will nicht äußerlich Fazit ziehen obgleich ich es innerlich tue, will meine Leistung nicht abmessen, nicht vergrößern und nicht schmälern.

Will stattdessen einen Gedanken teilen mit euch.

Die letzten Tage des Dezembers sind es, die vermutlich die erwartungsbeladensten des ganzen Jahres sind. Der schönste Baum und bitte auch der geradeste, die hellste Lichterkette und der größte Nussknacker, das leckerste Essen, das beste Geschenk und der richtige Stollen. Die Weihnachtspredigt auf den Punkt so wie die Klöße: nicht zu lang und nicht zu fest. Die Mischung soll nicht nur schmecken. An vielen Tischen soll es das Highlight des Jahres sein, der Familienhöhepunkt, der Friedensgipfel. Das sind schöne Wünsche, versteht mich bitte nicht falsch! Mein Baum ist natürlich der Schönste 😉 Doch es geht nicht darum, wieviele Geschenke unter dem Baum liegen und wie groß der Braten ist und wer mehr Glühwein verträgt. Besonders in diesen Tagen, wo es leider wieder einmal darum geht, Gesundheit und Gefährdung, Gemeinschaft und Schutz abzuwägen und viele nicht in Natura mit ihren Herzmenschen unterm Baum sitzen werden, sitzen können. Das kann sich traurig, einsam und ohnmächtig anfühlen – doch dann bitte nicht vergessen: gedanklich seid ihr nicht allein. Und lasst euch überraschen. Und erwartet nicht zu viel von euch. Und auch nicht von den anderen. Weihnachten geht auch mit Nudeln und Tomatensauce 😉

Und so wünsche ich allen, denen die gemeinsam am Tisch sitzen und denen die in Quarantäne netflixen, denen die Dienst leisten und denen die gerade noch am Braten schrauben: habt ein lichterfrohes, wunderbares Weihnachtsfest und denkt aneinander und passt gut auf euch auf! Merry Christmas 😉

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