Monat: November 2021

Herbstnacht

Still ist es hier – nichts im Vergleich zum nächtlichen Sausen im Leipziger Plagwitz, wie ich es noch vor einigen Wochen vor meinem Fenster hörte. Hier ist es ruhig, leise, ich fühle die Welt schlafen.

So sollte es sein zu schlaftrunkener Stunde wie sie es gerade wieder ist. Der neue Morgen lässt noch auf sich warten. Der alte Abend verabschiedete sich längst. Gefühlt hänge ich zwischen den Tagen in dieser Herbstnacht vor dem Buß-und Bettag. Schwindelmüde und gähnendwach. Ein Zustand, in welchem ich nicht im Bett bleiben und warten kann, bis der Schlaf sich genötigt fühlt, mich wieder ins Traumland zu tragen. Manche Nacht zählte ich innerlich die Minuten, die ich noch schlafen könnte, wenn ich könnte, bis der Wecker klingelte und den neuen Tag einläuten würde. Heute entschloß ich mich direkt, aufzustehen und mich der ruhigen Herbstnacht hinzugeben. Ich trinke Tee, laufe durch meine Wohnung, lasse den Blick aus dem Fenster die Straße entlang schweifen, lausche meinem Atem und dem leisen Knurren meines Magens, fühle meine kribbelnden Finger, die schreiben wollen, setze mich ins Wohnzimmer vor meinen Rechner. Kühl ist es an meinen Füßen, die sich nach Wärme sehnend ins Schaffell graben, welches unter meinem Schreibtisch liegt. Wäre Rumo da, würde er sich noch auf meine Füße legen – welch Schatz! Doch derzeit urlaubt er im Erzgebirge, so bleiben meine Füße unbedeckt.

Dieses Gefühl, das in diesen Herbstnächten durch mich strömt ist mir vertraut. Die Zwiespältigkeit zwischen Schaffenskraft und Erschöpfung, zwischen melancholischer Inspiration und fröhlichem Schreiben, die Ambivalenz zwischen Wachsen und Vergehen – das, was der Herbst für mich ist… Neues und Altes – Platzschaffen und Beengtwerden – Aufbrechen und Ausruhen… All das pulsiert diese Nacht durch meinen Körper. Ich lasse es fließen und wallen, gebe mich der aufbäumenden Kraft hin mit dem Wissen, dass ich am Ende, dann, wenn die Worte einen Platz gefunden haben, in meine Kissen sinken werde und endlich schlafen.

In der Weihnachtspackerei

Ja, bei den Bildern (Fotos: Stefanie Becher) könnte man meinen, nicht in einer Weihnachtsbäckerei wohl aber in einer Weihnachtspackerei zu sein! Da stapeln sich die Kuscheltiere neben den Süßigkeiten, Malblöcke neben Schreibheften und Federmappen, Buntstifte neben Hausschuhen, Schals neben Spielsachen. Ein Traum für jedes Kinderherz!

Du meinst, ein wenig früh mit Geschenkepacken für Weihnachten? Nicht für diese Wichtel, die hier fleißig am Werke sind, denn die Zeit rennt. Die Geschenke sind für Kinderhände und -Herzen gedacht, deren Familien keine Geschenke zum Weihnachtsfest kaufen können. Die Aktion heißt „Weihnachten im Schuhkarton“ und ist die weltweit größte Geschenkaktion seiner Art für Kinder in Not. Seit mehr als 25 Jahren packen jedes Jahr tausende ehrenamtlicher Helfer Weihnachtsgeschenke! Eine einschlägige Internetenzyklopädie erzählt dazu folgendes: „Bis Ende 2006 wurden weltweit rund 50 Millionen Geschenkpakete verschickt. 2013 lag diese Zahl bei 100 Millionen. 2017 kamen die Geschenke aus den USA, Kanada, Großbritannien, dem deutschsprachigen Raum, aus Spanien, Finnland, Japan, Australien und Neuseeland.“ Bis Mitte November heißt es nun: Geschenke packen, kontrollieren, für den Zoll fertigmachen, sammeln, auf Laster verladen und dann geht’s los in verschiedene Himmelsrichtungen zum großen Geschenkeverteilen.

Wer mehr nachlesen mag, ist hier goldrichtig: https://www.die-samariter.org/projekte/weihnachten-im-schuhkarton/

Ich bin begeistert von dem Gedanken, ein bisschen Weihnachten in einem Schuhkarton zu verschenken und nicht ohne Grund gibt es nun diese Bilder und Zeilen auf meinem Blog 😉 Die Wichtel aus dem Erzgebirgskreis, die mir und damit auch dir einen kleinen Einblick in die Geschenkepackerei gewährt haben, brennen für „Weihnachten im Schuhkarton“ und neben vielen Sachspenden lehnen sie freilich auch Geldspenden nicht ab. Also: wer mag und kann, scheue sich nicht, zücke sein Onlineportemonnaie – und keine Sorge: alle Daten und Spendenzweck sind mit dem Wichtel Stefanie Becher abgesprochen. Hier wird nix getrickst 🙂 (Samaritans Purse e.V., Pax-Bank eG, DE12 3706 0193 5544 3322 11 – Kennwort: Weihnachten im Schuhkarton Spendenaufruf Blog Ronjabanu)

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