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Sonntags in Whangeruru

April 19th

Dass heute Sonntag ist, haben wir bis halb neun an einem gemütlichen und wunderbaren Frühstück draußen auf der Terrasse gemerkt. Der Kaffee dampfte in meinen Händen, ich genoss (mal wieder, hihi) Omelett mit Brötchen (hey, immerhin haben wir hier fleißige, täglich Eier produzierende Hühner und mein Blick wanderte über die wirklich gelunge Landschaftsmischung aus Bergen, Wald und Meer… Dann kam Don und mit ihm die Arbeiten des Tages. Für fast alle von uns bedeutete das: Abfluss am Weg bauen. Die Stimmung sank bei fast allen dementsprechend. Aber nach und nach zog sich jeder Arbeitsangemessen an und wir legten langsam los. Mein Weg führte mich als erstes in den Gemüsegarten, sah nach den noch existierenden Pflanzen und wässerte die Bäumchen und den ausgesäten Salat.

Gegen halb zehn kam ein erschreckter Aufschrei von Alex aus dem Flur: da ist Wasser auf dem Boden im Klo, der ganze Boden ist nass und es kommt in den Flur! Ich dachte: na super, auch noch das. Don quittierte den Moment mit einem müden Lächeln und erklärte uns, dass das Haus für vier Menschen konzipiert ist und auch das Abwassersystem nur für vier Menschen ausgelegt sei. Da nun seit zwei Wochen hier zehn Menschen duschen, waschen, pinkeln, abwaschen… ist der Abwassertank voll und drückt zurück ins Haus. Er könne da jetzt auch nichts machen, am Dienstag kommt jemand, der dem Abwasser Platz schaffen könne. Konsequenz im Haus: Abwasch am besten draußen, pinkeln am besten auch, Dusche benutzen nur wenn absolut notwendig und auch nur ganz schnell. Für die Waschmaschine gibt es einen neuen Abfluss durch das Fenster…

Ungefähr zehn Minuten nachdem das Abwasser der Toilette das Haus erobert hatte, warf Karl den Motor seines Wohnwagens an und startete ein Wendemanöver auf seinem Parkplatz. Wir schauten uns sprachlos an und verstanden den Moment nicht, was machte Karl da??? Lockdown. Wir dürfen nicht fahren. Maximal zum Einkauf. Braedon kommt vorbei und klärt uns auf: Karl fährt heute nach Russell und kommt auch nicht wieder. Wir so: aha. Verabschiedet hat er sich bei uns nicht. Als er vom Hof fährt, starrt er stur gerade aus, so als ob er uns nicht sehen wollte… Bis jetzt (sieben Uhr am abend) hat ihn die Polizei nicht zurückgebracht. Ob der Verstoß gegen unsere Lockdownauflagen der Bubble seinerseits auch Konsequenzen für uns haben wird, bleibt offen… Karl fährt weg. Wir lachen. Seltsam unwirklich fühlt sich das ganze an.

Wenige Minuten nachdem Karl vom Hof geritten ist, stellen wir fest, dass die Waschmaschine auch durch das Fenster hindurch nicht abpumpt. Don schaut sich den Schaden an. Er sagt, Maschine ist kaputt. Johanna hatte gewaschen, die Maschine voll ihrer Wäsche und bis zum Rand gefüllt mit Wasser. Fakt ist: die Wäsche muss raus und das Wasser auch. Ist ein Toploader. Also angeln wir die Wäsche raus, Johanna schleudert sie per Hand im Garten und ich beginne, mit einem Plastikbecher die Waschmaschine leer zu schöpfen. Der Tag wird immer unwirklicher.

Danach putzen Johanna, Kevin und ich das Haus, schaffen den Müll ans Tor, damit er das nächste Mal auf jeden Fall mitgenommen wird, räumen auf, schrubben und staubsaugen; die anderen bauen währenddessen den Weg. Bis vier geht das so. Jetzt habe ich ein wenig „nach Hause telefoniert“, fühle mich wie E.T. auf einem fremden Planeten, schreibe euch diese Zeilen und spüle das seltsam unwirkliche Gefühl des Tages mit einem Gintonic hinunter.

Mietwagenmurks

April 16th – immer noch im Lockdown in Whangeruru

Es ist halb sechs Uhr am frühen Abend. Ich sitze auf der Couch unserer Lockdown-Bleibe, futtere Chips und schaue gemeinsam mit vier anderen Festgesetzten die australische Variante der Show „Wer wird Millionär“. Die ist übrigens komplett anders als in Deutschland, wobei ich auch sagen muss, dass ich die Sendung lange nicht gesehen habe. Wir entspannen also ein wenig in der Couchlandschaft, war doch der Tag bisher ein wenige unerfreulich. Don kam zu uns und wir haben gearbeitet: vier von uns (darunter auch ich) haben weiter einen Wasserabfluss am Weg des Grundstücks geschachtet, die anderen mussten Felder mit Giftzeugs bestreuen, damit der Boden im kommenden Jahr einen ausgeglicheneren PH-Wert hat. Das war sozusagen eine Wahl zwischen Pest und Cholera, aber ich glaube, dass ich mit Pest heute besser dran war, denn die giftige Cholera flog den anderen in die Nasen, Augen, Münder, sie sahen hinterher aus als hätte man sie mit einem Mehlsack maltretiert…

Ihr fragt euch sicher schon ganz gespannt, wann ich die Story zu meinem Whatsapp-Post „ihr könnt mich alle mal, besonders ihr Mietwagenfirmen“ liefere. Nun denn, jetzt:

Vorgestern Abend, kurz nachdem ich euch gebloggt hatte, habe ich von Jucy, meiner bis dahin ganz annehmbaren Mietwagenfirma, eine Email bekommen. Deren Antwort ging meine Anfrage voraus, für wie viel Geld ich den Camper bis Ende Juni einfach weitermieten könne, nachdem der Lockdown beendet wäre. Für mich hätte das ganz klar den Vorteil, dass ich dann einfach dieses Auto hätte und nicht noch mal nach Auckland müsste, um dieses Auto abzugeben und mir ein neues zu organisieren. Und der Spuk mit „oh wie lange kann ich das Auto noch haben???“ hätte für mich auch endlich ein Ende.

Die erste Antwort von Jucy: Wir können kein neues Auto anbieten, da wir bis zum 01. Juli diesen Jahres keine Autos vermieten dürfen.

Meine Nachfrage: Ich brauche ja auch kein neues Auto, ich würde den gern einfach weitermieten.

Antwort Jucy: Das geht nicht, das Auto muss am 23. April zurück nach Auckland.

Meine Nachfrage: Wenn Lockdown ist, kann ich das Auto nicht nach Auckland fahren, weil die Polizei mich nicht fahren lässt. Bitte verlängern bis zum Ende des Lockdown.

Antwort Jucy: Der Leasing-Vertrag endet am 23. April. Sie brauchen das Auto zurück. Sie prüfen, ob sie es abholen.

Meine innere erste Reaktion: Ihr Arschkrampen!!! Was??? D.h. Ihr wollt mich am Hintern der neuseeländischen Welt auf die Straße setzen??? Ihr…. piiieeeep! Meine äußere Reaktion: Noch mal nachgefragt per Mail, für den Fall, dass ich die Nachricht nicht richtig verstanden habe, läuft ja immerhin alles auf Englisch.

Antwort Jucy: Der Leasing-Vertrag läuft aus. Sie brauchen das Auto zurück. Wenn ich noch mehr Fragen habe, kann ich sie gern anrufen.

Ich bin sprachlos. Beginne, nach anderen Campern zu suchen. Scheint nur über Vitamin B zu funktionieren, denn die großen Firmen vermieten bis Juli nicht… Kotz. Es bleiben zwei Möglichkeiten: Auto kaufen (omg, das werde ich im Juni oder Juli hier garantiert nicht los, wenn keine Touristen einreisen, die es kaufen könnten!) oder jemanden finden, der jemanden kennt, der jemanden kennt, der ein Auto vermieten könnte. So hoffe ich auf Letzteres und ihr dürft mich gern unterstützen, wenn ihr jemanden kennt, der jemanden kennen könnte!

Heute hat die Regierung bekannt gegeben, dass wir am 23. April wahrscheinlich von Level 4 auf Level 3 wechseln und welche Einschränkungen es dann noch gibt… Entschieden wird am Sonntag, ob das tatsächlich passiert und ob ich dann legal nach Auckland fahren kann, muss, darf, soll…. Bis dahin versuche ich, nicht auszurasten und die Augen nicht rot zu heulen aus purer Verzweiflung. Aber hey, niemand wird diese Geschichte erzählen können und wenn ich sagen kann, dass ich das geschafft habe, dann wird mich wohl mal nichts mehr aufhalten können 😉

„Weltreise mit Corona“

April 14th – Überraschender Weise auch heute: Whangeruru

Also, ich muss es mal sagen: ihr seid verrückt! Nee, ganz ehrlich, in den letzten Tagen (und auch schon ab und an in den Wochen davor) schreiben manche von euch mir immer wieder, dass ich doch ein Buch schreiben sollte. Jetzt mal ganz im Ernst: wollt ihr diesen Blog auch noch in gebundener Form in euren Wohnzimmern haben? Reicht euch das nicht online? 😉 Gut, ein Buch zu schreiben ist vielleicht nicht ganz abwegig, kenne ich doch liebe Menschen mit einem Verlag – hmmm, wer mag das wohl sein, hihi? Und Zeit, in die Tastatur zu hauen, habe ich ja aktuell auch mehr als genug. Und Speicherplatz auf meinem Reiserechner gäbe es auch noch. Und wie wäre der Titel? Vielleicht „Weltreise mit Corona“ oder „Reise zum Lockdown am Ende der Welt“ oder „Verrücktes Festsitzen mit Covid 19“ oder „Zwischen Freude, Angst und Niesern“…? Welche Ideen habt ihr dazu? Ganz ehrlich: an dieser Stelle würde ich mich über eure Vorschläge in der Kommentarfunktion freuen. Also dann: legt mal los!

Überraschender Weise kann ich euch heute wenig Neues aus dem Irrsinn schreiben. Die Zustände der letzten Tage halten an, ich warte auf das Ende des Lockdown und das Losfahren. Aktuell treiben mich dazu noch Überlegungen um, wie ich mit der weiteren Planung meiner Reise umgehe. Mit dem derzeitigen Stand sehe ich mich in 8 Wochen nicht auf die Osterinsel fliegen, um dann dort in zweiwöchiger Quarantäne zu hocken, dann weiter in die Quarantäne in Peru und Bolivien zu gehen. Mit Schrecken lese ich, wie dort mit Touristen umgegangen wird. Und wer weiß schon, was acht Wochen ändern können. Ja, heute ist „mein Glas halb leer“. Der Optimismus der letzten Wochen weicht langsam einer merkwürdig frustrierten Stimmung (das hat der aufmerksame Leser sicher schon den letzten Einträgen entnehmen können), heute ist mein 30ter Tag in Self-Isolation bzw. Lockdown, die fünfte Woche ist angebrochen.

Eine Artikel mag ich heute noch mit euch teilen:

https://www.watson.de/international/politik/896262675-viele-tests-kaum-tote-neuseeland-wird-zum-neuen-corona-vorzeigeland

Ein paar Worte zu Jacinda Ardern: immer wieder habe ich auf meiner Reise Menschen getroffen, die die Art und Weise, das Durchsetzungsvermögen und die Empathie der derzeit amtierenden Premierministerin Neuseelands schätzen. Keinen Hehl haben viele auch daraus gemacht, dass sie zu Beginn der Regierungszeit (seit 2017 ist J. Ardern im Amt) sehr skeptisch ihr gegenüber waren: sie war als 40. Premierministerin im Alter von 37 Jahren vereidigt worden und war damals die jüngste Premierministerin. Innerhalb ihrer Amtszeit hatte sie nun auch mit einigen furchtbaren Momenten umzugehen: die Terroranschläge auf zwei Moscheen in Christchurch im März 2019 und ein halbes Jahr später der Vulkanausbruch auf White Island. Sie reformierte die Waffengesetze, das Steuersystem zugunsten von Familien, sie versucht ländliche Regionen zu fördern und Wohnen bezahlbar zu machen und sie führte das „Wellbeing Budget“ ein…. Mag man dazu denken, was man mag, das was ich sagen kann: sie managet diese Lage mit Corona souverän, wenn auch sehr strikt, sympathisch und transparent. Und so hoffe ich sehr, dass es auch am Sonntag dieser Woche eine kluge Vorgehensweise geben wird. Dann wird nämlich über den weiteren Umgang mit Corona gesprochen: Lockdown-Verlängerung oder zurück auf Alert level 3 oder doch was ganz anderes…. Wir werden es sehen.

Handy-Frühjahrsputz und musikalischer Ostergruß

April 13th – Ostermontag in Whangeruru

01.30 Uhr Ich versuche zu schlafen. Es stürmt und regnet. Es stürmt so sehr, dass es meinen Camper beutelt als wäre er eine kleine Nussschale auf dem weiten Meer. Mir wird schlecht vom Geschaukel und ich kann keinen Schlaf finden. Ich höre ein Hörbuch, an dieser Stelle mag ich euch mal empfehlen, was ich die letzten Wochen so höre: eine feine Krimireihe von Matthew Costello und Neil Richards „Cherringham – Landluft kann tödlich sein“. Es geht um ein kleines englisches Dorf, in dem zwei Freunde mysteriöse Zwischenfälle und Morde lösen.

03.00 Uhr Ich finde endlich Schlaf, denn es hört auf zu winden und zu schaukeln. Heimlich, still und leise verabschiedet sich in dieser Zeit mein Handy, um ein Update zu ziehen. Beim Neustart löscht es die meisten Kontaktdaten – warum auch immer. Gegen fünf Uhr morgens merke ich den Murks, bin erschrocken, traurig und denke dann: „Ok, kann ich jetzt auch nicht ändern. Frühjahrsputz mal anders.“ und poste eine Statusnachricht bei Whatsapp.

05.30 Uhr Ich freue mich sehr an den musikalischen Ostergrüßen aus der Musikstadt Leipzig. Hier auch für euch:

08.00 Uhr Nach dem Beseitigen der größten schmutzigen Überbleibsel des Osterdinners: Gemütliches Osterfrühstück mit dampfendem Kaffee und Karottenkokoskuchen. Sehr bewegendes Gespräch mit Anna und Roman über die neuere tschechische Geschichte. Ich stelle fest: hatte kaum einen Dunst über unser Nachbarland und nehme mir vor, die nächsten Tage immer wieder zu nutzen, um mehr zu lesen.

Gegen 10.00 Uhr schlägt die gemütliche Stimmung um. Mehr übernächtige und teils verkaterte Menschen geistern durch die Küche und „explodieren“ an den kleinsten Dingen. Ich ziehe mich zurück, räume meinen Camper auf und lausche einem Hörbuch in der Sonne.

Gegen Mittag schaue ich noch mal im Haus vorbei. Stelle fest: die Lautstärke ist heute einfach nichts für mich. Staune, wie man gleichzeitig dem TV, dem Radio und dem Spiel auf dem Handy bzw. Instagramm folgen kann. Ich drehe schon durch, ohne dass ich einem genau meine Aufmerksamkeit widme. Ziehe mich wieder in meinen Camper zurück, später dann in ein Zimmer im Haus und versehe die Tür mit dem Schildchen „please do not disturb“. Ich genieße die Zeit für mich.

18.00 Uhr Frisch geduscht tigere ich in die Küche zurück, dort läuft herrlichste Hans-Zimmer-Musik, es ist eine friedliche Stimmung und ich finde Ruhe. Das tut gut!

20.23 Uhr Ich versehe die Seite mit dem Blogbeitrag und bin innerlich schon auf dem Weg ins Bett. Wünsche euch auch süße Träume und eine behütete Nacht! Bleibt gesund!

PS: Wer mit mir in Kontakt bleiben mag, schreibe mir bitte eine SMS oder Mail, da ich den Frühjahrsputz meines Handys nicht rückgängig machen kann…

Gedankenfetzen am Ostersonntag

Erster Gedankenfetzen: In den letzten Tagen haben immer mehr Menschen unsere Situation hier mit dem „Big Brother-Haus“ verglichen. Mir ist das gar nicht eingefallen. Ich erinnere mich dunkel, googel aber trotzdem noch mal und stelle fest: es gab in Deutschland 13 Staffeln mit 9 Moderatoren produziert von EndemolShine Germany – dazu verwandt: Promi Big Brother. Premiere dieser irren Sache war der 28. Februar 2000, wurde erst von RTL 2 ausgestrahlt und eingestampft, von sixx ausgestrahlt und eingestampft, und seit 2020 in der Hand von Sat 1 in Ausstrahlung. Tatsächlich war der 24/7 Irrsinn in der Kategorie „Beste Unterhaltung“ auch für den Deutschen Fernsehpreis nominiert. Seinen Ursprung hat der Laden 1999 in den Niederlanden und wurde laut Wikipedia in über 70 (!!!) Ländern ausgestrahlt. Wahuuu!

Das Prinzip dieser Sendung: ausgewählte Menschen leben über mehrere Monate gemeinsam in einer „Wohnumgebung“ mit einem von der Produktionsfirma strukturiertem Tagesablauf, welcher durch „Spiele“ und „Wettbewerbe“ aufgelockert werden soll, aber doch vorrangig der Unterhaltung des Publikums dient. Rund um die Uhr gefilmt und ausgestrahlt; ab einem bestimmten Punkt fliegt täglich einer raus. Dem Gewinner winkt ein Preisgeld, welches übrigens in Deutschland unter der Kategorie Einkommen versteuert werden muss. Haha!

Soviel zum Original. Jetzt zu uns im Haus: wir sitzen in diesem Haus fest, zum Glück werden wir nicht gefilmt (zumindest nicht wissentlich 😉 ). Manchmal kreisen Drohnen über uns und erwischen uns auch in ungewollten Momenten. Unsere Produktionsfirma heißt „Council Whangarei and Police NZ“. „Spiele“ und „Beschäftigung“ liefern uns Don und Sam dazu gehören: fröhliches Gummibäumeschneiden, schweißtreibendes Holzhacken, Bauen eines Regenabflusses auf dem 100m langen Weg, Graszerren, Hecke mit einer Minischere schneiden, tägliches Obsteinsammeln, Zapfensammeln und schleppen… Unser Publikum sind die Nachbarn, unter deren strenger Beobachtung wir werkeln und leben, vorrangig sind sie auch unsere Wächter, um sicher zu stellen, dass wir das Gelände nicht verlassen. Sonst fliegen wir raus, nicht einer nach dem anderen, sondern alle auf einmal. Und keiner wird was gewinnen – hey, da müssen wir auch nichts versteuern 🙂 ! Ich gestehe: ich habe vermehrt Momente, in denen ich mir wünschte, dass jemand rausfliegen würde; hab da auch gleich ein paar Kandidaten im Kopf und mache auch keinen Hehl draus, dass sich bestimmt ne Menge Menschen in vielen Momenten wünschen, dass ich als erstes fliege 😉 .

Zweiter Gedankenfetzen: Dieser Tag ist eine große Herausforderung für mich und ich übe mich im Atmen. Das Haus sieht „aus wie Sau“ – zumindest in meiner Welt – hey, weiß jemand von euch, warum man sagt, dass etwas aussieht „wie Sau“???. Haare aller Länge in der Dusche, klebrige und krümelige Reste Essens auf dem Fußboden, dreckiges Geschirr an Ecken in denen man es nicht erwartet, die leeren Bierflaschen stapeln sich, die Tische kleben, die Mülltüten sind rappelvoll… Wer hat eigentlich bei Big Brother geputzt??? Ich übe und atme, zum Einen nicht zu putzen, den anderen nicht hinterher zu räumen und zu putzen und zum Anderen nicht jedem zu erzählen, dass er putzen soll. Und ich habe keinen Putzplan erstellt. Bin ziemlich stolz auf mich. Innerlich zähle ich die Tage runter, bis wir wieder reisen dürfen. Und ich dann nur mit meinem eigenen Dreck unterwegs sein werde. Klingt verrückt: aber darauf freue ich mich sehr! Und es ist einer der Momente, in denen ich mir wünsche, rauszufliegen 😉

Dritter Gedankenfetzen: Es ist viertel nach drei. Ostersonntag. Der Tag ist zäh und tröge für mich. Gestern schon hat sich eine emotional traurige Stimmung in mir breit gemacht, weil es leider nicht funktioniert hat, mit jemandem zu telefonieren – das Netz war zu schlecht, ich hatte nicht mal einen Balken. Ich habe geweint, Kopfschmerzen bekommen und die habe ich immer noch. Ich fühle mich in den letzten Tagen verstärkt einsam im Lockdown inmitten der zehn Menschen; ja, das mag verrückt klingen, sind doch genug Köpfe um mich herum, die „andeuten“, dass ich nicht allein bin, aber immer wieder wird mir der Unterschied zwischen „einsam“ und „allein“ deutlich. Oli Schulz hat es gesungen, da hab ich das erste Mal daran gedacht, jetzt ist es immer wieder in meinem Kopf: „Du bist so lange einsam, bist du lernst, allein zu sein.“ Und auch um dies zu lernen, habe ich mich auf den Weg gemacht, und jetzt hänge ich in einer ungeplanten Konstellation an einem ungeplanten Ort mit unglaublich vielen ungeplanten Gedanken und vor allem lang vergrabenen Gefühlen fest. Und das, was es am anstrengensten für mich macht, ist, dass ich mich mit niemandem austauschen kann, der mich gut genug kennt und mir ein Gegenüber sein kann, dem ich mich nicht ewig erklären muss und der mich einfach drückt, weil er mich lieb hat.

Diese Gemeinschaft ist eben eine Schicksalsgemeinschaft und nicht das Gleiche, als wäre ich mit Herzensmenschen unterwegs. Ich sehe auch, dass diejenigen, die nicht allein unterwegs sind, sondern als Pärchen oder als Freunde, immer mehr Spannungen bekommen, die Stimmungen schwanken, der Alkoholkonsum nimmt zu. Besonders Letzteres ist sehr befremdlich für mich. Für mich fühlt sich das nicht stimmig an, es fühlt sich aufgesetzt und gekünstelt an, es wirkt nicht entspannt, sondern der Alkohol wirkt zu oft, als wäre er Mittel zum Aushalten und Durchstehen. Auch andere Stoffe werden dazu benutzt… Ich für mich habe das Gefühl, dass ich dies am besten packe, wenn ich klar bleibe und bei mir, wenn ich mich abgrenze vom Zuschütten… Es scheint in Neuseeland ein generelles Problem zu sein, der zu stark steigende Alkoholkonsum im Lockdown, denn im TV kommen schon seit Tagen Werbungen für einen kontrollierten Alkoholkonsum. Auch die Geschäfte reglementieren die Menge, die eine Person für einen Haushalt kaufen kann: jeweils zwei Packungen Bier oder Wein. Empfohlener Tageshöchstsatz für Männer sind drei Bier oder Weingläser und für Frauen zwei.

Ich wünsche euch da draußen, wo auch immer ihr seid, ein frohes und behütetes Osterfest! Bleibt gesund und passt gut auf euch!

Und täglich…

April 10th in Whangaruru

Heute ist Freitag. Karfreitag. Seltsam war es auch heute, denn ich weiß, dass es ein „besonderer“ Tag war, aber so richtig „besonders“ war er eben auch nicht, denn die Tage sind wie sie sind und laufen wie sie laufen, und es ist, was es ist: Lockdown auf einem Gelände, dass wir nicht verlassen dürfen. Morgen früh dürfen drei Auserwählte nach Whangarei fahren, um einen Einkauf für alle zu machen. Das ist eine Mammutaufgabe, denn für 11 Leute einzukaufen, die alle eine andere Sprache sprechen, ist schon in der Planung der Einkaufliste eine mega Herausforderung. Das nimmt gerade locker eine Stunde des Abends in Anspruch. Den „kurzen Stock“ für unsere kleine deutsche Schicksalsgemeinschaft hat Dominic gezogen. Er glänzt mit einer Hammerliste, die nach verschiedenen Kategorien unterteilt ist. Mal schauen, was er vergisst. Hihi. Johanna und ich tippen: Johanna sagt, er wird einen der beiden Kaffees vergessen, ich tippe auf die speziellen Hygieneartikel, die Männer niemals benötigen. Aus purer Überforderung 🙂 .

Ja, die Tage sind, wie sie sind und manchmal habe ich das Gefühl, dass wir in einem „und täglich grüßt das Murmeltier“-Film festhängen. Und täglich grüßen die Hühner, und täglich winkt Sam am Tor, und täglich wartet Arbeit auf dem Grundstück, und täglich kommt Karl vorbei, und täglich staune ich morgens über die Schönheit der Natur um uns, und täglich rufen die Mamis von Johanna und Dominic an, und täglich … nach fast allem kann ich mittlerweile meine Uhr stellen 😉 . Ich bin froh, dass es einen sicheren Alltag für mich und auch für die anderen gibt. Wir stehen nicht mehr in der Unsicherheit eines öffentlichen Parkplatzes und das ist ein echter Gewinn. Und freilich ist es eine große Herausforderung, gemeinsam hier die Tage zu gestalten, sich gegenseitig zu respektieren, seinen eigenen Platz zu finden und bei sich zu bleiben. Für Sonntag haben wir ein gemeinsames Osterdinner geplant, ich freue mich darauf, dass wir damit das Osterfest zu etwas Besonderem machen. Und ich werde es euch wissen lassen, wie es war.

Heute haben einige von uns auch den Tag zu etwas Denkwürdigem gemacht: es gab das große Haareschneiden. Lockdown-Haircuts. Vorher – nachher hat Johanna festgehalten und ihr könnt es gleich sehen. Und keine Sorge: ich war nicht schon wieder dran 😉 .

Gründonnerstag in W…

April 9th

Heute habe ich mal nachgeschaut, wo genau wir sind 🙂 Ich hab es nicht mehr ausgehalten und google war so freundlich, mir meinen Standort im Handumdrehen zu zeigen. Ich sag mal so: den Russel forrest können wir sehen.

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Wovon könnte ich euch heute erzählen?

Nun, ich könnte euch sagen, dass es heute richtiges Aprilwetter gab: Sonne mit Schwitzen und Braunwerden, doller Wind, Regenschauer, bewölktes Wetterlein und alles gemixt, als würde man immer wieder am einarmigen Banditen drehen. Aber würde euch das interessieren?

Ich könnte euch aber auch davon erzählen, dass wir wahrscheinlich ab Dienstag allein oder in 2er-Gruppen kleine Spaziergänge außerhalb des Grundstückes machen können. Wir haben uns hier so gut „benommen“, dass auch das Herz des letzten zweifelnden Nachbarn begonnen hat zu schmelzen. Interessanter?

Oder ich erzähle euch, was ich den ganzen Tag gemacht habe: nach dem Frühstück ein wenig puzzlen, um dieses Puzzle endlich fertig zu stellen. Drei Tage habe ich daran gearbeitet – das Knifflige daran: Man hat auf der Verpackung eine Abbildung, die eine Frage stellt, die Antwort auf die Frage bildet dann das fertige Puzzle ab, d.h. man puzzlet ohne optische Lösung. Ich finde das megasupidupi, bin ja eine kleine Puzzlefreundin, aber die Idee war für mich eine komplett neue. Kennt das jemand von euch daheim? Danach gab es Kaffee in der Sonne mit Hörbuch, ein wenig Gartenarbeit (Säen von Salat und Mais und eine Baumschule ansiedeln – ich packe euch ein paar Bilder ans Ende 😉 ), ein wenig Plaudern und Karten spielen und dann habe ich mich wieder dem Schneiden von Hecke gewidmet. So lange, bis es mich von der kleinen Leiter gewippt hat. Jetzt habe ich meine Knie gekühlt, meine Wunden mit Bepanthen versorgt und schreibe euch. Keine Sorge, es ist alles noch dran und ich werde morgen wieder laufen wie geschmiert ;-).

Ich könnte euch aber auch davon erzählen, wie die Stimmung im Haus ist. Heute morgen war es angespannter als die letzten Tage. Sobald jeder seinen Platz für den Moment bzw seine kleine Lücke gefunden hatte, wurde es besser. Wir sind wirklich doll bemüht „nicht auszufreaken“, aber es gelingt eben nicht immer. Besonders zu merken sind die schwankenden Spannungen zwischen den Pärchen, alles aber noch im Rahmen. Mal schauen, was da noch so kommt…

Oder ich erzähle euch davon, dass hier seit Tagen die herausforderndste Diskussion am Laufen ist, die ich seit langem erlebe und vor einer Stunde ging es von vorne los: Gibt es das Schicksal und wenn ja, wie können es Menschen beeinflussen? Puh, und das alles in einer fremden Sprache… und eigentlich dreht sich doch alles in dieser Diskussion um die Frage: Gibt es Gott? Mittlerweile nehme ich an dieser sich ständig drehenden Fragerei nicht mehr teil, vielleicht habe ich dafür auch zu wenig Alkohol im Blut. Nobody knows.

Nun denn, all das könnte ich euch erzählen :-).

Jetzt suche ich euch noch ein paar Bilder raus. Und das Drohnen-Video wurde von Dominic beigesteuert. Herzlichsten Dank dafür!

Made in NZ

Ihr Lieben! Dass Herr der Ringe in Neuseeland gedreht wurde, wird dem fleißigen Leser meines Blogs nicht entgangen sein. Doch wisst ihr mehr als diese Filmreihe? Ohne es zu googeln? 😉 Zu Beginn des heutigen Eintrages gibt es ein kleines Quiz, für all jene, die mal fröhlich Raten wollen – vielleicht habt ihr Langeweile daheim, so wie mich hier auch die Langeweile im Lockdown manchmal quält.

Also: Du suchst in den nachfolgenden Titeln die sieben Filme, von denen du denkst, dass sie zum größten Teil in Neuseeland gedreht worden sind – um das Lösungswort zu finden, lässt du die Reigenfolge deiner gewählten Filme und fügst die sieben fett-markierten Buchstaben aneinander (ob die groß oder klein geschrieben sind, spielt dabei keine Rolle) – die ergeben dann zwei Worte, das erste hat drei Buchstaben, das zweite Wort vier. Das Lösungswort ist ein Mardy-Schlagwort, derzeit sehr gebräuchlich, um die neuseeländische Bevölkerung zum Durchhalten im Lockdown zu animieren und bedeutet so viel wie „stay strong!“ also „bleib stark!“ Ich wünsche dem Rätselrater viel Freude, wem das zu doof ist, der springe einfach weiter nach unten 😉

„King Kong“

„Free Willy“

„Ein Schweinchen namens Babe“

„Die Farbe Lila“

„Wolverine“

„Alien: Covenant“

„Jumanji“

„Slumdog millionaire“

„Transformers – Die Rache“

„Die Chroniken von Narnia“

„Last Samurai“

„Gladiator“

„In meinem Himmel“

„Amy und die Wildgänse“

„Das Piano“

„The Beach“

Und, hast du es herausgefunden? Neben den sieben richtigen wurden übrigens auch noch (unter vielen anderen Produktionen) „Der Hobbit“, „Vertical Limit“, „Mit Herz und Hand“ und „Boy“ vorrangig in Neuseeland gedreht. Wenn du magst, schreib mir gern – bin ja neugierig, ob das so geklappt hat, wie ich es mir ausgemalt hatte 😉

So, kommen wir mal zum „Tagesgeschäft“. Der Lagerkoller hat mich gepackt. Manche von euch werden denken: „Ich hab es gewusst“ und ja, das war auch nur eine Frage der Zeit, bis ich die Nase voll hab. Es spielen da ja aber immer auch mehrere Dinge mit rein und ich denke, wenn wir die Freiheit hätten, uns auch mal für einen kleinen Spaziergang von Haus und Hof weg zu bewegen, hätte es noch ein paar Tage gedauert, bis es mich „lagerkollert“. So ging es einfach schneller. Seit vielen Tagen sind wir in einer 11er Schicksalsgemeinschaft unterwegs, zogen von Ort zu Ort, können jetzt final hier bleiben bis zum zweiundzwangzigsten April (Klopf auf Holz, klopf klopf). Denn im Großen und Ganzen ist es schön, dass wir hier sein können: herrliche Landschaft, kein Parkplatzflair, ein Dach über dem Kopf, Dusche und Waschmaschine (besonders über Letztere habe ich mich arg gefreut!), wir sind mit Puzzeln bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag versorgt und auch mit Arbeiten, die auf dem Grundstück versehen werden müssen. Meine neue Aufgabe: „Wächterin des Gemüsegartens“ und „Stylistin der Feijoa-Hecken“. Die letzten beiden Tage habe ich mich in diese Aufgaben gestürtzt, es ist so schön, nach so langer Zeit wieder etwas zu tun zu haben! Und heute: „lagergekollerte“ Bauchschmerzen. Also hüte ich das Sofa, trinke Tee gegen Krämpfe und Übelkeit, versuche mich an einem Puzzle, blogge, lausche dem Hörbuch, starre aus dem Fenster und harre der Besserung. Manche von euch werden ein wenig schmunzeln, denn wer mich schon ein Weilchen länger kennt, weiß, wie schnell sich Stimmung und Wohlbefinden bei mir auf den Magen schlagen können.

Es sind besondere Tage hier, mit einer Gruppe von 11 Menschen, die das Schicksal (ja, eigentlich die Polizei und das Gvot 😉 ) zusammengebracht hat. Alle Unterschiedlichkeit ist Segen und auch Bürde, besonders wenn man wie „sticky rice“ zusammengepackt ist. Wir lachen viel und wir gehen uns schneller auf die Nerven, ich übe mich in Gelassenheit und meine allergrößte challenge bzw. mein Mantra: „Das ist keine Seminargruppe, ich bin nicht verantwortlich, die sind alle erwachsen, atme und lass sie machen, das ist nicht meine Seminargruppe, ich bin nicht zuständig, sie haben alle einen Ausweis, Tee trinken und zurücklehnen….“ In Dauerschleife läuft es seit ein paar Tagen in meinem Kopf und ich bin gespannt, wie ich mich in den kommenden vierzehn Tagen schlagen werde. Ihr werdet es wahrscheinlich erfahren 😉

Feijoa

April 4th – XXX

Der Morgen hat sich herrlich über die Berge und über das Wasser an den Himmel geschlichen. Ein Farbenspiel wie bei den Impressionisten! Und über der Kulisse schwebt eine Stille, wie ich sie lange morgens nicht mehr genossen habe. Ein paar Vögel stimmen ihr Lied an, die Hühner umkreisen suchend die Wiesen, ein paar Schafe und Rinder kommunizieren aus der Ferne miteinander, mehr nicht. Der Kaffee in meiner Hand dampft, mein Marmeladebrot riecht verlockend nach Himbeer und es stellt sich leise ein kleines Gefühl von Urlaub ein. Im Vergleich zu den Touristen in Flughafennähe, den Campern auf verschlossenen Parkplätzen, den Menschen in kleinen Wohnungen ohne Garten… im Vergleich zu denen lebe ich hier aktuell unter paradiesischen Bedingungen. Um dem Lagerkoller, der sich gewiss in den kommenden drei, vier, fünf … Wochen einstellen wird, entgegen zu wirken, habe ich mein Auto vor dem Haus geparkt, alle anderen sechs Wagen stehen hinten auf einer Wiese mit direktem Blick über die herrliche Landschaft, die Schafe, das Wasser, die Hügellandschaft – besonders letztere stimmt in mir regelmäßig die Melodie aus dem Auenland an, hmmmmmmmm. Wenn meine Augen träumerisch langsam über die Hügel wandern, erscheinen manchmal Orks und Warge, sehe ich Legalos und Gimli hinter Aragorn herjagen 😉

Vielleicht fragt ihr euch, warum uns hier der Lagerkoller drohen könnte? Nun, wir dürfen das Grundstück nicht verlassen und das schließt auch den Seeweg ein. Zwar haben wir Meerzugang und Boote, aber es ist derzeit allen Menschen in Neuseeland verboten, sich zu bewegen, per Auto, Campervan, Boot, zum Wandern… nicht mal schwimmen gehen darf man mehr. Und so vertreiben wir uns auf dem Grundstück die Stunden. Mittlerweile ist es fast Mittag, alle 11 der Schicksalsgemeinschaft sind wach, manche haben versucht, vom Ufer aus zu fischen, Alex, Johanna und ich haben einen Kuchen aus Feijoa für alle gebacken. Feijoa ist eine Frucht, die einem heckenähnlichen Gebüsch anhängt und die wie eine Kiwi aufgeschnitten und ausgelöffelt werden kann. Geschmacklich erinnert es mich an eine Mischung aus Banane, Birne und Ananas. (Sehr guter und witziger Artikel dazu hier: https://www.theguardian.com/lifeandstyle/2017/may/13/falling-for-feijoas-the-fruit-new-zealand-wants-the-world-to-love ). Mal gucken, wie der Kuchen mundet, derzeit kühlt das Ergebnis des Freischnauze-Rezepts aus. Gestern habe ich gegen die Langeweile Hörbücher gehört und wir haben ein 1000 Teile Puzzle begonnen.

Ich wünsche und hoffe, dass ich in den kommenden Tagen ruhiger werden kann und mich nicht mehr wie ein gehetztes Tier fühle, das niemand möchte. Dies ist für mich im Lockdown und der Zeit der Self-Isolation der achte, nicht selbst bestimmte Stellplatz und ich wünsche von Herzen, dass es auch der Letzte bleibt. Ich freue mich schon jetzt auf den Moment, in dem wir wieder fahren dürfen, wohin uns die Reifen tragen.

In dieser Schwebe der letzten Tage zu sein, kann wahrscheinlich kaum jemand nachvollziehen: staatliche Auflagen für alle, stündlich wechselnde Bestimmungen für Camper, von einem Ort zum nächsten geschoben zu werden, bis die nächste Behörde kommt und dich wieder losschickt. Ja, manche von euch haben diesen Zustand mit dem von geflüchteten Menschen in Europa verglichen, und möglicherweise könnten wir leise ein wenig ahnen, aber an keinem Punkt mussten wir um unser Leben fürchten… Wir hatten immer ein Dach über dem Kopf und immer etwas im Bauch, wir mussten nicht darben und nicht zittern… und wir haben alle einen Ort, an den wir früher oder später zurückkehren können. Und deswegen ist es mir nicht möglich, diese Parallele zu benennen.

So, jetzt ziehe ich mal los und gehe euch noch ein paar Bilder machen 😉

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