Ihr Lieben in nah und fern! Überraschung: ich melde mich aus Neuseeland bei euch, genau genommen aus Stillwater – Silverdale. Hier stehe ich seit gut vier Stunden mit meinem gemieteten Camper und befinde mich in „Self-isolation“. Die letzten Tagen waren Bam-Bam-Bam und ich bin gar nicht richtig runter gekommen, mir war andauernd schlecht und ich hatte mordsmäßige Kopfschmerzen – wenn mich in dieser Zeit jemand gefragt hätte, ob ich Anzeichen von Corona habe, dann hätte ich dies bejahen müssen. Aber hey, mittlerweile zählen auch als Corona-Anzeichen wenn man sich mehrmals am Tag ausschnauben muss und mehrfach
husten, Kopfschmerzen, Durchfall, Magenschmerzen… neben all den bekannten Symptomen. Ich habe das Gefühl, dass Neuseeland jede Art von Unwohlsein mit Corona in Verbindung bringt. Was passiert, wenn ich eines dieser Anzeichen in den kommenden
Tagen haben sollte? Nun, dann rufe ich den Health-Service an und die sagen mir dann, was zu tun ist. Gerade eben hat Sam, die unglaublich großartige Freundin von Vicki, einen Artikel gefunden, nachdem es heißt, dass Neuseeland morgen einen „lock-down“ beginnt. Wir vermuten, dass alles schließen wird, alle Flüge gestrichen, Self-Isolation für jeden in den kommenden 14 Tagen. Wie ich dann hier über die Runden kommen werde, bleibt offen, aber ich darf euch auch sagen, dass ich froh bin, jetzt hier und nicht mehr in Indonesien zu sein.
Warum ich entschieden habe, gestern nach Auckland zu fliegen: am Freitag bekam ich von Vicki aus Melbourne die Nachricht, dass Australien die Grenze für Flüge u.a. aus Indonesien schließt. Die Gedanken, die sich daran anschlossen, waren vielfältig… Zuletzt habe ich mich eben auch gefragt, was es bedeuten würde, nur noch wenige Tage länger
auf Bali zu bleiben. Mittlerweile denke ich: wer jetzt nicht geflogen ist, wird den Sommer dort verbringen, weil kein anderer Staat die Einreise mehr erlaubt. Theorie, die noch nicht ganz wahr ist, aber sehr wahrscheinlich kommen wird. So sind mit mir eine große Anzahl deutscher, australischer, niederländischer… Touristen aller Generationen am Sonntag abgeflogen. Die meisten zurück nach Hause. Mit mir einige wenige Richtung Neuseeland.
Also kam am Freitag die Nachricht und ich entschied mich nach langem Ringen (an dieser Stelle wieder ein riesiger Dank an das tollste Reisebüro der Welt!!!), für den 15.03.2020 einen Flug nach Auckland zu buchen und alle Reisepläne über den Haufen zu werfen. Der Flug sollte nachmittag halb fünf starten und am Montag morgen, halb sechs in Auckland
landen. Nach einer fast schlaflosen Nacht kam am Samstag dann die Nachricht, mit der ich so schnell nicht gerechnet hatte: Neuseeland „bittet“ alle Einreisenden, ob Touristen oder nicht, in eine 14tägige Selbstquarantäne; alle, die ab Sonntag 24.00 Uhr einreisen.
Übrigens habe ich heute an der Camperstation erfahren, dass bis zwei Uhr nachts die Regelung eher lax gehandhabt wurde, manche mussten, manche nicht. Mein Flug landete dann kurz vor sechs, bei uns war klar: wir müssen. Mit der Bekanntgabe der Regelung hatte nun dann auch jeder gehofft, dass die Regierung Lösungsvorschläge für Touristen bringt; schnell war klar: Hotels, Pensionen, AirBnBs, Couchsurfer werden/ dürfen/ sollen/ können… keine Touristen aufnehmen; Sonntag abend kündigte die Regierung dann sogenannte „mass gatherings“ für Touristen an, von denen aber bisher kein einziges umgesetzt wurde. Dank der großartigen Unterstützung von Vicki und Sandra gab es dann eine Lösung: Camper mit Klo mieten und auf einem privaten Stellplatz stehen – eben bei Sam, die mich unglaublich liebevoll aufgenommen hat ohne mich zu kennen!
Bei Einreise wurde schnell deutlich: niemand hat einen Plan, nur das Ziel ist allen deutlich. Unzählige Mitarbeiter des Health-Service wimmelten am Flughafen, versuchten Fragen zu beantworten, verteilten Flugblätter, auf denen widersinnige Dinge standen: man darf keinen öffentlichen Bus, kein Taxi, keinen Zug etc benutzen, aber um nach Hause zu kommen, ginge das. Man darf keine Menschen treffen, keine öffentlichen Toiletten und Duschen besuchen, aber auch bei niemandem wohnen. Man solle seine komplette Wäsche waschen, dies aber nicht in öffentlichen Laundrys, aber auch bei niemandem zu Hause. Man soll sich duschen und desinfizieren, aber nicht in öffentlichen Rastplätzen, nicht auf Campingplätzen… Man darf keine öffentlichen Plätze besuchen oder Einrichtungen, keine Supermärkte oder ähnliches, aber man darf für 15 Minuten einkaufen gehen. Man darf spazieren gehen, soll aber in seinem Zimmer bleiben, damit man nichts öffentliches berührt… Seht ihr auch den Widerspruch, ich meine die Widersprüche? In dieser Dunstglocke bewegen wir uns nun: Sam und ihr Sohn Jacob, ihre Mutter und die
beiden Haustiere, der Vermieter und seine Familie… morgen fahre ich meine Wäsche waschen,werde sie wahrscheinlich aus dem Auto „schmeißen“ und danach „zurückgeworfen“ bekommen, aber dann stinke ich wenigstens nicht mehr ganz so
schlimm. Derzeit habe ich keinen Zugang zu einem Bad, keinen Zugang um meinen
Wassertank aufzufüllen geschweige denn zu duschen, aber ich habe eine wunderbare Familie gefunden, die mir einen Platz gibt, an dem ich zumindest für die nächsten drei Tage bleiben kann. Vielleicht gibt es danach ja eine „Regel“, wie mit Touristen umgegangen werden muss, vielleicht schicken sie dann einfach alle weg oder lassen keine neuen mehr rein….