Erster Stopp: Hanoi

Ihr Lieben daheim! Drei Tage bin ich nunmehr unterwegs und habe schon meinen ersten Stopp fast hinter mir… Hanoi (Vietnam). Ich will euch sehr gern an meinen ersten Eindrücken teilhaben lassen – in Bild und Wort. Letzteres als Auszüge aus meinem „Tagebuch“. Ungeschönt und frei von der Leber =)

13. Februar: Die Luftfeuchtigkeit heute nachmittag macht mich kirre… alles ist klamm und klebt. Die Hände an allem, die Arme an der Glastischplatte, das Handy strotzt von Beschlagenheit und auch der Rechner perlt fast … ich bin genervt… vielleicht merke ich auch nach mittlerweile 24 Stunden, dass diese Stadt zwar hübsch auf ihre eigene Art und Weise ist, dass sie mich aber nicht packt und nicht verzaubern kann. Mit der Dichte der Menschen und den vielen Mopeds hatte ich heute kaum Schwierigkeiten und ich würde kühn behaupten, dass es in Marrakesch gefährlicher war, die Straße zu queren. Aber vielleicht ist es auch nur kühn aus der Erfahrung des heutigen Tages, an dem ich mich zum ersten Mal aus dem Hotel wagte. Gestern war an nicht mehr viel zu denken. Nachdem wir mit zwei Stunden Verspätung endlich aus Moskau landeten (in Moskau gab es so viel Schnee und Eis, dass wir nicht starten konnten), ging die Einreise richtig problemlos. Keine Beanstandungen weil ich kein Visa beantragte, keine Kontrolle des Gepäcks und nach kurzem Suchen hatte ich dann auch meinen Fahrer gefunden. Mit einem Affenzahn hat er mich zum Hotel gefahren, dass da nix passiert ist, verdanke ich meinen zahlreichen Schutzengeln, die sich schon gefühlt in Berlin an mich geheftet haben und ich hoffe von ganzem Herzen, dass sie nie wieder loslassen.

Nun sitze ich in der Lobby des Hotels, schlürfe Cola und erfreue mich einer riesigen Herde englischsprachiger Menschen aus aller Welt um mich herum. Ein fröhliches Geplauder und Biertrinken und Stühlerutschen – wie es ausschaut eine weitere Reisegruppe, die mit dem Anbieter hier durch Vietnam startet.

Ja, bleibt noch die Fragen, was hab ich heute gemacht und wie geht es mir mit diesem Fleckchen Erde? Heute bin ich nach einem ruhigen Frühstück zu Fuß losgewackelt, erst mal Richtung Militärmuseum. Dort war nicht viel los und ich konnte in Ruhe das Gelände und die Ausstellungsräume anschauen. Das was ich dort „gelernt“ habe (nachdem ich feststellen durfte, dass mein Englisch definitiv noch Luft nach oben hat =), ist, dass dieses Land sich auf dem „Grundprinzip“ der (kommunistischen) Verteidigung und der Selbstbehauptung gründet. Ho Chi Minh ( Uncle Ho ist DER Held der Nation, founder, leader and the trainer) gründete 1920 den Vorläufer der Partei (am 3. Februar diesen Jahres wurde groß der 90. Geburtstag gefeiert) und beendete mit deren „Aufstand“ erst die Besatzung durch die Franzosen und 1975 auch den Krieg gegen die USA. Durch die Geschichte immer wieder (!!!) besetzt, befallen, erobert, immer wieder „freigebombt“ und erst seit 1975 (nach einer Weile der Teilung in Nord- und Südvietnam) wieder vereint. Beide Flaggen wurden gemeinsam im Museum ausgestellt… ich habe mich gefragt, wie es wohl wäre, im militärhistorischen Museum beide Flaggen nebeneinander im Eingangsbereich hängen zu sehen…

Später, als ich wie durch ein kleines Wunder an der One Pillar Pagoda landete und damit auch im großen HoChiMinh-Komplex der Stadt, wurde nochmals sehr deutlich, wie wichtig Uncle Ho im alltäglichen Leben und Verständnis der Nation ist. Mein kleines Wunder hatte zwei Namen: Therry und Paul. Ein wunderbares Ehepar aus Utah, selbst den ersten Tag in Hanoi, vertrieb sich ein wenig die Zeit im Warten auf ihre Tochter und gabelte mich an einer Ampel auf. Erst verglichen wir die Karten, die wir vom Hotel erhalten hatten und als ich scheinbar wirklich hilflos dreinblickte, änderten sie einfach ihren Plan und nahmen mich mit. Gemeinsam waren wir eine schöne kleine Weile unterwegs, drei Mal begegneten wir uns danach noch und vielleicht laufen wir uns irgendwo auf meiner Reise noch mal über den Weg, denn sie wollen Englisch in Pnom Penh unterrichten. Volunteers für vier Wochen.

Meine Tour durch Hanoi führte mich nach dem Mausoleum, zur Pagoda, zum Botanischen Garten und den Bach Thao Seen, zum West Lake und zum Quan Thanh Temple (der vor eintausend Jahren dem Gott erbaut wurde, der den Norden beschützt) und dort konnte ich staunen, wie Alltag unterbrochen wird, um in den Tempel zu gehen und zu beten. In der Mittagspause. Ich bin gespannt, wie mir das in den kommenden Tagen noch über den Weg laufen wird. Zumindest freue ich mich jedes Mal, wenn der Abgas- und Abwassergeruch der Stadt durch Duftstäbchen unterbrochen wird. Es riecht ab und an nämlich wirklich so streng wie in den Medinas Marokkos, in denen alle Stationen des Lebens und des Tages nebeneinander passieren =)

14. Februar: Ich sitze nunmehr mal wieder in der Hotellobby und warte auf meine Gruppe. Meine Tour hat mich heute zuerst in das Hoa Lo Gefängnis geführt und ich bin stolz auf mich: Karten lesen kann ich zum Glück! Sonst hätte ich mich gnadenlos in dieser Stadt verlaufen. Und zum Glück bin ich auch mega kommunikativ =) Scheue mich nicht, zu fragen. Yeah! Also, das Gefängnis: Nunja, ein Bau aus dem späten 19. Jahrhundert, der von den Franzosen errichtet wurde, um politische Gefangene zu inhaftieren und zu foltern. Später, nach der Teilung Vietnams wurde es für amerikanische Piloten genutzt, bis es 1975 geschlossen wurde. Erst 1994 wurde es als Mahnstätte umgebaut und mit einer Ausstellung „versehen“. Es waren düstere Räume und doch hat mich die Atmosphäre nicht gepackt und ich überlege noch immer woran das liegen kann…

Meine Füße trugen mich danach weiter zum Womens Museum – an dieser Stelle muss ich festhalten, dass die Einlagen von Anne spitze sind! Tagsüber bin ich gut zu Fuß, abends dann hochlegen und am nächsten Morgen kann ich wieder durchstarten =). Das Museum war ganz nett gemacht, aber meinerseits wäre es kein Muss für Hanoi. Ein nettes Extra, wenn man noch etwas Zeit hat, denn die Geschichte ist nicht sehr tiefgründig dargelegt, eher Gebrauchsgegenstände und Klamotten. Also wenn man ein Faible für Mode hat: dann absolut ein Hingucker.

Danach bin ich weiter geschlendert durch die Gassen und todesmutig aber auch gelassen über zahlreiche Kreuzungen… ein bisschen wie eine alte Medina, ein bisschen, wie eine schlecht geplante Baustelle, vergesst die Schilder und Ampeln, kann man sich schenken! Der Verkehr läuft kreuz und quer und schaut im ersten Moment megachaotisch aus und beim zweiten Hingucken wie eine Sinfonie in 12-Tonmusik ohne Dirigent. Nicht schön, läuft aber.

Mein Weg führte mich vorbei am Hoan Kiem Lake mit dem Turtle Tower, dem Ngoc Son Tempel, dem alten Viertel und auch der Phung Hung Street mit der wundervollen Streetart (…an deren Ende zum Glück kein Stapel gebratener Hunde lag, wie es der Reiseführer angekündigt hatte). Überhaupt habe ich in den letzten Tagen wenig Tiere gesehen, manche haben einen Hund mit dem sie in den Parks spazieren, ein-zwei Katzen habe ich getroffen und ab und an sitzen in den Bäumen auch ein paar Vögel. Vermutlich hat sich der Großteil der Lebewesen, die keine Menschen sind, aus diesem Stadtchaos verzogen =). Clever sind sie. Tatsächlich kann ich mir auch schönere Plätze zum Wohnen vorstellen.

Mein Fazit nach zwei Tagen Hanoi: überraschend, spannend, trubelig, stickig, einladend für alle die sich durch die vietnamesische Küche schlemmen wollen, nix für Menschen die Ruhe suchen, ein guter Ort gewesen um in meine Tour zu starten und nunmehr bin ich fröhlich, weiterzuziehen.

PS: Der Pomelosalat war der absolute Hammer! Wer das Rezept haben möchte, wende sich vertraeusnvoll per Whatsapp oder Skype an mich =)

1 Kommentar

  1. Heidi Hinz

    Ein sehr schöner Bericht. Könnte ich so schön schreiben wie du es tust wäre mein Kommentar wesentlich aussagekräftiger.
    So bleibt mir nur wortlos zu staunen….
    Und dir natürlich zu wünschen das die Reise immer in deinem Sinne verläuft .
    Ja , wer kommunikativ ist , ist klar im Vorteil. In dem Sinne ,
    Gruß, Heidi (ich übe noch)

© 2026 Ronjabanu

Theme von Anders NorénHoch ↑