May 8th – Whangeruru

Heute gibt es Beef! Warum sagt man das eigentlich? Nun: ich befragte mal wieder das Internet und folgende Antwort wurde mir auf bedeutungsonline.de vorgeschlagen: „Im Hip-Hop, Rap und in der Jugendsprache ist der englische Ausdruck „beef“ ein anderes Wort für Streit“. (Anmerkung meinereiner: Ja, so schlau war ich ja auch schon. Es folgt großes Blabla – wenn ihr das lesen wollt, bemüht bitte eure eigenen Geräte…) Weiter gehts auf der Seite: „Eine Verbisierung von Beef wird in der Regel nicht verwendet. Es wird eher selten „ich beefe“ gesagt. (Aha =) ) „… In den USA ist „beef“ ein gängiger Ausdruck dafür, wenn jemand sich beschwert ode rmeckert. … Der englische Ausdruck „beef“ für „Beschwere“ könnte aus der Soldatensprache des 18. oder 19. Jahrhunderts stammen. Wenn Soldaten sich über die Fleischqualität und ihre Ration beschwerten, führte das „beef“ eben zum Streit.“ (Zitat Ende, over and out).

So mancher von euch fragt sich nun vielleicht: warum redet ausgerechnet SIE über Beef? Also, seit unzähligen Jahren bin ich vegetarisch unterwegs, manchmal sogar vegan, bin Verfechterin von „Denk nach, was du isst“ und versuche möglichst nachhaltig zu leben (ja, soweit das eben geht und ja, ich weiß, dass ich einen Dieselwagen fahre 😉 ). Und jetzt fängt sie an über Rindfleisch zu sprechen? Ja! Denn: die Rinderhaltung macht diese Insel kaputt. Diese wunderhübsche Landschaft wird mittlerweile von „Terrassenartigen Koppeln“ geprägt (oben gibt es dazu auch ein paar Bilder). Ja, wenn ich vor dieser Reise an Neuseeland dachte, dann dachte ich an grüne Insel, Meer, Berge, atemberaubende Landschaft und Schafe. Und ein „paar“ Schafe habe ich auch gesehen, aber vorranging sieht man auf den Inseln: Rinder. Schafe gibt es hier aktuell ungefährt zehn mal so viele wie Menschen. Die aktuelle Bevölkerung Neuseelands wird mit 4.6 Mio angegeben. Der Mathefuchs unter euch rechnet im Handumdrehen aus, wie viele Schafe es hier gibt; die anderen können ja einen Taschenrechner bemühen ;-). Laut mehreren Internetseiten werden ca. 40% der gesamten Fläche beider Inseln für Landwirtschaft genutzt und von diesen 40% sind ungefähr 90% Weideland. Überall, wo es Grün und Gras zu holen gibt, sieht man Schafe, Rinder, Schweine oder Rinder, Rinder, Rinder. Oftmals gibt es keine Zäune, so dass die Herden auch die Straßenränder abgrasen können. Deswegen heißt es eigentlich immer: vorsichtig und langsam fahren; es gibt auch eine Hotline für „wandering stock“. Zurück zu den Rindern. Aktuell gibt es wohl ca. 9 Millionen Milchkühe und ca. 4 Millionen Fleischviecher. (Da will ich mich auch nicht festlegen, aber: es sind unglaublich viele!) By the way: Ungefähr 50.000 Menschen sind in der Milchindustrie Neuseelands beschäftigt. Und deswegen gibt es „terrassenförmige Koppeln“: die Rindviecher sind einfach schwerer als Schafe, trampeln beim Grasen diese Pfade in die Hügel und am Schluss sieht es so aus. Zumindest sagen das einige Naturschützer der Inseln. An der Stelle kann ich das auch „nur“ nachreden; aber es erscheint zumindest sinnvoll. So ist die Rinderhaltung hier Segen und Fluch zugleich: großer Arbeitgeber, gutes Exportgut und doch auch eine große Blastung für Neuseeland, welches von sich doch sehr gern sagt, wie „grün und umweltgerecht“ hier alles ist. Im doppelten Sinne: es gibt Beef auf der Insel und die Kacke ist am Dampfen.

Noch ein paar Worte zu meiner aktuellen Lage: die Kacke ist auch hier im Haus am Dampfen, offenen Beef gab es (noch) nicht. Es ist eher ein unterschwelliges Brodeln, wie ein Vulkan, der bald auszubrechen droht. Grund allen Unmutes ist neben der fehlenden Rücksichtnahme hinsichtlich Sauberkeit und „ich mache meinen eigenen Dreck weg“ auch der überlaufende Abwassertank (auch dazu habe ich euch dieses Mal eines der Scheißbilder hochgeladen). Vor ein paar Wochen war der Abwassertank zum ersten Mal voll und das Scheißeauto kam. Damals stellten sich mehrere Dinge heraus: es gibt hier keine zentrale Abwasserleitung, sondern einen Tank, der einfach voll ist und dann eben voll ist. Und: der Abwassertank des Hauses ist für eine Nutzung durch 4 Peronen konzipiert, nicht für 10! Das bedeutete damals schon: überlegen, was runtergespült werden muss und was nicht. Wie Menschen sind: „Hab ich vergessen.“ „Ist mir doch egal.“ „Muss das Scheißeauto eben noch mal kommen.“ „Hebt mich doch nicht an“… argh. Der enorme Wasserverbauch des Großteils der Leute führte nun also binnen weniger Tage wieder dazu, dass der Tank voll ist. Dieses Mal wird nicht abgepumpt. Nun heißt es eigentlich: draußen pinkeln, Abwasch- und Waschmaschinenwasser nach draußen aufs Feld pumpen, Toilette nur spülen wenn es „braun“ ist und nicht „nur gelb“, Duschen nur aller drei Tage…. An sich alles gute Ansätze, um den Tank zu schonen und vor allem: die Scheiße am Schluss nicht WIEDER im Haus zu haben. Aber: nur die Hälfte der Menschen im Haus hält sich an die Abmachungen; spricht man die anderen an gibt es Beef. Manche wurden direkt angesprochen, manche reden seitedem nicht mehr mit mir… Wie im – keine Ahnung wo! Eigentlich habe ich gedacht, dass allen Erwachsenen hier Weitsicht, Rücksicht und Verständnis innewohnt, nun denn, da habe ich mich wohl getäuscht. Traurig aber wahr. Von der anfänglichen Schicksalsgemeinschaft, die sich fast freundschaftlich anfühlte, ist eine Zwangsgemeinschaft geblieben, die sich kaum noch gegenseitig sehen kann. Nun dampft und stinkt draußen die Kacke, es wird im Haus Beef gegessen und sich unterschwellig „angebeeft“. (Verbisierung von beef geht doch! 😉 )

Ich hoffe, euch steht die Kacke nicht bis zum Hals. Auf ganz bald! Liebste Grüße aus der Ferne!