May 20th – Lake Wairarapa im Süden der Nordinsel
Es ist halb fünf Uhr am Nachmittag. Die Sonne ist gerade hinter den Bergen verschwunden und augenblicklich wird es kalt. Wird wohl doch nix mit länger gemütlich draußen sitzen =).
Gestern bin ich den langen Weg von Kawhia an die Südspitze der Nordinsel gefahren. Der eigentliche Gedanke dahinter: Der Winter hat in Neuseeland Einzug gehalten. Ich merke es an den kalten Nächten, in denen ich nunmehr alle drei Wärmflaschen und auch schon Teile der dicken Kleidung beanspruche; ich merke es an den weniger werdenden Lichtstunden am Tag. So dachte ich mir, ich fahre jetzt einfach direkt auf die Südinsel und besuche all die sehenswerten Stätten der Nordinsel auf dem Weg zurück. Und wenn ich schon mal in der Nähe Wellingtons bin, wollte ich unbedingt die Putangirua Pinnacles erwandern. Diese Felsformation am Cape Palliser ist gekennzeichnet durch starke Erosion und zu Weltruhm gelangt in Herr der Ringe Teil 3, als Aragon sich auf dem Pfad der Toten Richtung Mordor begibt. Gestern abend habe ich dann mein Auto direkt auf dem Campingplatz zu Füßen des Wanderwages abgeparkt und die allererste Nacht allein in freier Wildbahn genächtigt. Ich darf euch sagen: ein wenig mumlig war mir schon, zumal ich im Dunklen ankam und nicht sehen konnte, was um mich herum eigentlich so los ist. Heute morgen, nachdem mich Knacken und Rascheln der Tiere schon nicht richtig schlafen gelassen hatte, bin ich aus meinem Auto gekrochen und stand direkt zwischen Bergen und Meer. Herrlich war das! Nach einem Kaffee und einem kleinen Frühstück bin ich losgewandert und habe nach knapp hundert Metern festgestellt: der Wanderweg ist kein richtiger Weg, es geht 2km durch ein Flussbett! Keine Hürde für mich, Dank Anne bin ich bestens beschuht und selbst die anteilige Flussduchquerung macht meinen Schuhen und meinen Füßen nichts aus. Gegen Ende des Tracks klettern man förmlich über das Geröll, ich ahnte schon gar nicht mehr, an ein Ziel gekommen und dann fast plötzlich ragten sie vor mir auf: Putangirua Pinnacles! Ich stoppe. Höre mein pochendes Herz, meinen schneller gehenden Atem (ganz so fit bin ich bekanntlich ja nicht, hihi) und ansonsten ist es still um mich herum. Manchmal knackt leise ein Ast, ein Steinchen löst sich aus den Felsen und hopst mir entgegen – ja, so witzig, wie sich das anhört, war es nicht, denn wo sich ein Steinchen lösen kann, da kann auch ein Brocken hinterher donnern. Also bin ich ganz leise weiter gestiegen, bis ich am Ende der Schlucht angelangt war, der Ausblick war atemberaubend!
Zurück beim Camper hielt ich mich nicht lange auf, wollte ich doch noch zum Leuchtturm des Cape. Die Straße schlängelt sich entlang der Küste, mal ist sie ausgewaschen, mal so schmal wegen der Erosion, dass ich Bange habe, ob mein Camper das mitmacht, mal muss ich einen Fluss durchqueren, der über die Straße läuft. Offroad – so fühlt es sich an – ist aber eine ganz offizielle Straße des Landes. Kurz vor dem Leuchtturm halte ich an: da liegt was im Gras. Was großes Braunes, was ist das? Ich steige aus. Mein Atem stockt. Es bewegt sich und ja, es ist eine Robbe. Oder ein Seelöwe? Keine Ahnung, es ist gewaltig und es hat riiiieeesige große braune Augen. Wir stehen uns Auge in Auge, bis sich das Tier in Bewegung setzt unter großem Geheul und nun sehe ich, dass da mehr sind. Ach was sag ich, viel mehr sind da! Mindestens 100 braune, schwarze Robben (oder Seelöwen – bin leider nicht so gut bewandert) sonnen sich, spielen miteinander, putzen sich und jagen im Meer. Ich suche den nahe gelegenen Parkplatz und Laufe in die Kolonie hinein. Sie dulden mich. Manche starren mich an, andere lassen sich gar nicht beirren. Fast eine Stunde bin ich mitten unter ihnen, sitze auf einem Felsen, lausche, beobachte und staune. Es ist so ergreifend und bezaubernd. Als ich mich zurückziehe, übersehe ich eine Robbe im Gras und komme ihr zu nah. Sie schnellt hoch, bellt mich an und kommt auf mich zu „gehopst“. Rauscht dann doch an mir vorbei zu den anderen. Da ging mir dennoch kurz richtig die Muffe, war sie definitiv größer als ich!
Auf dem Weg zum Lake Waiparawa komme ich in einer Schafherde zum Stehen. Auch das sollte man unbedingt einmal in Neuseeland erlebt haben! Tierische Begegnungen wie ich sie mag. Ein Video hab ich davon auch gemacht:
In den kommenden Tagen werde ich mich im Raum Wellington aufhalten, denn die nächstmögliche Fähre, die mich mitnehmen kann, geht am Montag morgen. Dafür habe ich ein Ticket und bin schon sehr gespannt – mein erstes Mal allein mit Auto auf einer Fähre. Herzklopf =).
Und nun noch die Bilder der letzten Tage:
























