April 16th – immer noch im Lockdown in Whangeruru
Es ist halb sechs Uhr am frühen Abend. Ich sitze auf der Couch unserer Lockdown-Bleibe, futtere Chips und schaue gemeinsam mit vier anderen Festgesetzten die australische Variante der Show „Wer wird Millionär“. Die ist übrigens komplett anders als in Deutschland, wobei ich auch sagen muss, dass ich die Sendung lange nicht gesehen habe. Wir entspannen also ein wenig in der Couchlandschaft, war doch der Tag bisher ein wenige unerfreulich. Don kam zu uns und wir haben gearbeitet: vier von uns (darunter auch ich) haben weiter einen Wasserabfluss am Weg des Grundstücks geschachtet, die anderen mussten Felder mit Giftzeugs bestreuen, damit der Boden im kommenden Jahr einen ausgeglicheneren PH-Wert hat. Das war sozusagen eine Wahl zwischen Pest und Cholera, aber ich glaube, dass ich mit Pest heute besser dran war, denn die giftige Cholera flog den anderen in die Nasen, Augen, Münder, sie sahen hinterher aus als hätte man sie mit einem Mehlsack maltretiert…
Ihr fragt euch sicher schon ganz gespannt, wann ich die Story zu meinem Whatsapp-Post „ihr könnt mich alle mal, besonders ihr Mietwagenfirmen“ liefere. Nun denn, jetzt:
Vorgestern Abend, kurz nachdem ich euch gebloggt hatte, habe ich von Jucy, meiner bis dahin ganz annehmbaren Mietwagenfirma, eine Email bekommen. Deren Antwort ging meine Anfrage voraus, für wie viel Geld ich den Camper bis Ende Juni einfach weitermieten könne, nachdem der Lockdown beendet wäre. Für mich hätte das ganz klar den Vorteil, dass ich dann einfach dieses Auto hätte und nicht noch mal nach Auckland müsste, um dieses Auto abzugeben und mir ein neues zu organisieren. Und der Spuk mit „oh wie lange kann ich das Auto noch haben???“ hätte für mich auch endlich ein Ende.
Die erste Antwort von Jucy: Wir können kein neues Auto anbieten, da wir bis zum 01. Juli diesen Jahres keine Autos vermieten dürfen.
Meine Nachfrage: Ich brauche ja auch kein neues Auto, ich würde den gern einfach weitermieten.
Antwort Jucy: Das geht nicht, das Auto muss am 23. April zurück nach Auckland.
Meine Nachfrage: Wenn Lockdown ist, kann ich das Auto nicht nach Auckland fahren, weil die Polizei mich nicht fahren lässt. Bitte verlängern bis zum Ende des Lockdown.
Antwort Jucy: Der Leasing-Vertrag endet am 23. April. Sie brauchen das Auto zurück. Sie prüfen, ob sie es abholen.
Meine innere erste Reaktion: Ihr Arschkrampen!!! Was??? D.h. Ihr wollt mich am Hintern der neuseeländischen Welt auf die Straße setzen??? Ihr…. piiieeeep! Meine äußere Reaktion: Noch mal nachgefragt per Mail, für den Fall, dass ich die Nachricht nicht richtig verstanden habe, läuft ja immerhin alles auf Englisch.
Antwort Jucy: Der Leasing-Vertrag läuft aus. Sie brauchen das Auto zurück. Wenn ich noch mehr Fragen habe, kann ich sie gern anrufen.
Ich bin sprachlos. Beginne, nach anderen Campern zu suchen. Scheint nur über Vitamin B zu funktionieren, denn die großen Firmen vermieten bis Juli nicht… Kotz. Es bleiben zwei Möglichkeiten: Auto kaufen (omg, das werde ich im Juni oder Juli hier garantiert nicht los, wenn keine Touristen einreisen, die es kaufen könnten!) oder jemanden finden, der jemanden kennt, der jemanden kennt, der ein Auto vermieten könnte. So hoffe ich auf Letzteres und ihr dürft mich gern unterstützen, wenn ihr jemanden kennt, der jemanden kennen könnte!
Heute hat die Regierung bekannt gegeben, dass wir am 23. April wahrscheinlich von Level 4 auf Level 3 wechseln und welche Einschränkungen es dann noch gibt… Entschieden wird am Sonntag, ob das tatsächlich passiert und ob ich dann legal nach Auckland fahren kann, muss, darf, soll…. Bis dahin versuche ich, nicht auszurasten und die Augen nicht rot zu heulen aus purer Verzweiflung. Aber hey, niemand wird diese Geschichte erzählen können und wenn ich sagen kann, dass ich das geschafft habe, dann wird mich wohl mal nichts mehr aufhalten können 😉
























