April 19th

Dass heute Sonntag ist, haben wir bis halb neun an einem gemütlichen und wunderbaren Frühstück draußen auf der Terrasse gemerkt. Der Kaffee dampfte in meinen Händen, ich genoss (mal wieder, hihi) Omelett mit Brötchen (hey, immerhin haben wir hier fleißige, täglich Eier produzierende Hühner und mein Blick wanderte über die wirklich gelunge Landschaftsmischung aus Bergen, Wald und Meer… Dann kam Don und mit ihm die Arbeiten des Tages. Für fast alle von uns bedeutete das: Abfluss am Weg bauen. Die Stimmung sank bei fast allen dementsprechend. Aber nach und nach zog sich jeder Arbeitsangemessen an und wir legten langsam los. Mein Weg führte mich als erstes in den Gemüsegarten, sah nach den noch existierenden Pflanzen und wässerte die Bäumchen und den ausgesäten Salat.

Gegen halb zehn kam ein erschreckter Aufschrei von Alex aus dem Flur: da ist Wasser auf dem Boden im Klo, der ganze Boden ist nass und es kommt in den Flur! Ich dachte: na super, auch noch das. Don quittierte den Moment mit einem müden Lächeln und erklärte uns, dass das Haus für vier Menschen konzipiert ist und auch das Abwassersystem nur für vier Menschen ausgelegt sei. Da nun seit zwei Wochen hier zehn Menschen duschen, waschen, pinkeln, abwaschen… ist der Abwassertank voll und drückt zurück ins Haus. Er könne da jetzt auch nichts machen, am Dienstag kommt jemand, der dem Abwasser Platz schaffen könne. Konsequenz im Haus: Abwasch am besten draußen, pinkeln am besten auch, Dusche benutzen nur wenn absolut notwendig und auch nur ganz schnell. Für die Waschmaschine gibt es einen neuen Abfluss durch das Fenster…

Ungefähr zehn Minuten nachdem das Abwasser der Toilette das Haus erobert hatte, warf Karl den Motor seines Wohnwagens an und startete ein Wendemanöver auf seinem Parkplatz. Wir schauten uns sprachlos an und verstanden den Moment nicht, was machte Karl da??? Lockdown. Wir dürfen nicht fahren. Maximal zum Einkauf. Braedon kommt vorbei und klärt uns auf: Karl fährt heute nach Russell und kommt auch nicht wieder. Wir so: aha. Verabschiedet hat er sich bei uns nicht. Als er vom Hof fährt, starrt er stur gerade aus, so als ob er uns nicht sehen wollte… Bis jetzt (sieben Uhr am abend) hat ihn die Polizei nicht zurückgebracht. Ob der Verstoß gegen unsere Lockdownauflagen der Bubble seinerseits auch Konsequenzen für uns haben wird, bleibt offen… Karl fährt weg. Wir lachen. Seltsam unwirklich fühlt sich das ganze an.

Wenige Minuten nachdem Karl vom Hof geritten ist, stellen wir fest, dass die Waschmaschine auch durch das Fenster hindurch nicht abpumpt. Don schaut sich den Schaden an. Er sagt, Maschine ist kaputt. Johanna hatte gewaschen, die Maschine voll ihrer Wäsche und bis zum Rand gefüllt mit Wasser. Fakt ist: die Wäsche muss raus und das Wasser auch. Ist ein Toploader. Also angeln wir die Wäsche raus, Johanna schleudert sie per Hand im Garten und ich beginne, mit einem Plastikbecher die Waschmaschine leer zu schöpfen. Der Tag wird immer unwirklicher.

Danach putzen Johanna, Kevin und ich das Haus, schaffen den Müll ans Tor, damit er das nächste Mal auf jeden Fall mitgenommen wird, räumen auf, schrubben und staubsaugen; die anderen bauen währenddessen den Weg. Bis vier geht das so. Jetzt habe ich ein wenig „nach Hause telefoniert“, fühle mich wie E.T. auf einem fremden Planeten, schreibe euch diese Zeilen und spüle das seltsam unwirkliche Gefühl des Tages mit einem Gintonic hinunter.