April 27th – Whangeruru

Morgen wird (hoffentlich!) mein Fortsetzungskrimi mit dem Jucy-Camper in einer finalen Folge enden. Nachdem es mehrfach Telefonate gab, die vorrangig mein Unverständnis über diese seltsame Geschäftspolitik ausdrückten, werde ich morgen das Auto nach Auckland zurückbringen. Zunächst hatten sie mir ja angeboten, das Auto an der Grenzen zwischen North Land und Auckland abzuholen, konnten mir jedoch auch kein fahrendes Gegenangebot machen… Der Oberknüller: das Auto gebe ich ab ohne jemanden zu treffen. Die Mitarbeiterin traf folgende Aussage: Das Auto bitte auf der Straße parken, dann alle Wertsachen rausnehmen und den Schlüssel in eine Box werfen. Man werde sich dann zwei bis drei Tage später des Campers annehmen – besonders der letzte Punkt machte mich sauer; seit Wochen drängeln sie, die Karre wegen der auslaufenden Leasingverträge zurückbekommen zu müssen und nun das??? Naja, sobald ich das neue Auto habe, wird der Spuk hoffentlich zu Ende sein… und irgendwie machte mich folgende Neuigkeit auch ein wenig schadenfroh: https://www.nzherald.co.nz/nz/news/article.cfm?c_id=1&objectid=12327762

Da ich leider keine andere Location gefunden habe, um die (hoffentlich nur!) zwei Wochen in Alert Level 3 an einem Ort zu verbringen, werde ich morgen dann von Auckland zurückfahren nach Whangeruru. Besser als ein Parkplatz ohne Dusche und ohne frisches Wasser; besser als ein öffentlicher Platz an dem sich die Bevölkerung beschwert, dass man da ist und Fotos von einem macht (sie wie in Whangerei…). Das war es dann auch schon an den Vorteilen. Seit gestern ist unser Abwasser-Scheiße-Tank wieder übervoll: wir können nur noch draußen duschen, abgewaschen wird in einem Kübel und die Toilette wird nur getreu dem Motto bedient: „Braun darf gehen, gelb bleibt stehen.“

U.a. auch der Umgang mit Wasser zeigt, wie unterschiedlich wir hier ticken, wie unterscheidlich die Mentalitäten sind und auch die Vorerfahrungen. Ich lese meine älteren Blog-Beiträge nicht (will ja, dass ihr immer wieder eine Tages-Moment-Aufnahme bekommt); so kann es sein, dass ich schon mal angemerkt habe, dass besonders an den Lebens- und Wertvorstellungen deutlich wird, dass ich älter bin als die meisten hier im Haus; mich haben andere Dinge geprägt und mir sind andere Dinge im Umgang mit Menschen wichtig. So ist es mir wichtig, dass bei zehn Leuten jeder seinen Rotz wegräumt und sauber macht; es wäre auch wichtig eine „Putzstrategie“ für die gemeinsam genutzten Räume zu haben… vielleicht bin ich durch meine Arbeit leider auch dadurch „gesegnet“, dass ich den Mist sehe und ihn gern klären würde. Funktioniert nicht, habe es versucht. Habe aufgegeben und versuche nun, die größten Dreckecken des Hauses zu umgehen; das Klo so zu reinigen, dass ich mir keine Bakterien hole; schon lange habe ich es aufgegeben, die anderen darum zu bitten, ihren Scheiß wegzuräumen. Vielleicht ist es das Alter, Mentalitäten, Kulturen, Länderprägungen… was auch immer. Auch an diesem Punkt bekomme ich manchmal das Gefühl, physisch anwesend zu sein (ja auch durch den Lockdown und das anschließende Level 3 in diesem Haus anwesend sein zu müssen), aber nicht dazu zu gehören. Oft fühle ich mich an diesen Punkten allein auf weiter Flur. Tröstlich und stärkend zugleich: ich weiß darum, dass es da draußen viele von euch gibt, die an mich denken, mir ganz viel OMMMMMMMM wünschen =). Zumindest kann ich euch wissen lassen, die, die ihr mich länger kennt: ich bin wesentlich entspannter als ich es jemals von mir selbst erlebt habe. Hey, das ist doch was, oder?