April 20th – Montag in Whangeruru
Prime time. Ich schreibe euch erst heute Abend. Aber ich finde es wichtig, euch jetzt noch zu schreiben, weil so viele von euch darauf gewartet haben, wie es für Neuseeland weitergeht und heute kam die Entscheidung. Und verzeiht: ich habe seit 16.00 Uhr Alkohol im Blut – vielleicht riecht ihr das zwischen den Zeilen 😉
Vier war eine gut Zeit, um mit dem Trinken heute anzufangen, denn um vier startete die Pressekonferenz der neuseeländischen Regierung zum Thema „Covid 19 – Alert level“. Freilich haben wir alle gehofft, dass der Lockdown beendet wird und wir auf Level 3 zurückgehen. Viel mehr Vorteile hätten wir dadurch nicht direkt gewonnen, es wäre nur der Punkt gewesen, das Gefühl zu bekommen, dass der Zustand des Festsitzens auch enden kann. Nun wurde folgendermaßen entschieden: der Lockdown wird für alle bis zum April 27th verlängert. Das meint, dass sich bis dahin alle, auch die Neuseeländer (!) weiter daheim aufhalten und ihre „bubble“ nicht verlassen. Wie das Level 3 danach aussieht, ist bisher nicht final bekannt, hauptsächlich wird es aber heißen, dass Neuseeland versucht, die Wirtschaft wieder anzukurbeln, die ja derzeit fast komplett brach liegt. So wird es im Level 3 ökonomische Veränderungen geben, aber leider keine Lockerungen beispielsweise das Reisen betreffend.
Nun, was soll ich sagen, will ja ehrlich zu euch sein. Freude verspüre ich nach der Pressemitteilung heute nicht wirklich. Ja, ich bin gesund und ja, ich habe ein Dach über dem Kopf. Doch ein großer Teil meinerseits hat so Sehnsucht, das Land zu sehen, durchzuatmen, frei zu sein.
Ich weiß, dass es (schon) ein Geschenk ist, in diesem Land zu sein. So viele sitzen in Ländern, wollen in ein Auslandsjahr oder einen Urlaub starten und wissen nicht bzw bangen, ob ihnen das in diesem Jahr überhaupt möglich sein wird… Ich möchte mich darin üben, dankbarer zu sein für das, was ich habe und bin. Liebe Menschen, die an mich denken und für mich da sind – egal wie spät 😉 ; Gesundheit; ein Dach über dem Kopf und Essen im Kühlschrank; Wasser zum Trinken und Waschen; die Chance, mich draußen zu bewegen; ein Mobiltelefon, um in Kontakt zu bleiben und mich zu beschäftigen; Kleidung und einen Platz zum Schlafen; Schutz, Zuversicht, Hoffnung; finanzielle Sicherheit…
Und übrigens hat auch die Mietwagenfirma eingesehen, dass ich mindestens bis zum Ende des Lockdown das Auto behalten kann und sie mir dafür nichts berechnen. Noch ein Grund, dankbar zu sein 😉
Zum Schluss noch eine andere Sache. Eine Sache, die mich heute sehr sprachlos gemacht hat, entsetzt, traurig, wütend und irgendwie hoffe ich noch, dass es einfach nicht stattfindet… aber wie kann es sein, dass Pegida heute in Dresden auflaufen darf???? Es macht mich so traurig, betroffen und was diese Entscheidung nach außen über Deutschland sagt… Pegida darf mit 80 Menschen unterwegs sein… mehr als 15 Leute dürfen nicht gemeinsam in Kirchen, Moscheen und Synagogen beten? Ja, ich bin am anderen Ende der Welt und ja, vielleicht habe ich die Nachrichten aus Deutschland nicht richtig verstanden, aber das was hier ankommt ist einfach eine Prioritätensetzung in den Lockerungen und Ausnahmen, die mich sehr nachdenklich stimmt… “ What a peculiar state, we’re in“
„Today I’m not myself
And you, you’re someone else
And all these rules don’t fit
And all that starts can quitWhat a peculiar state, we’re in
What a peculiar state, we’re inLet’s play a game
Where all of the lives we lead
Could change
Let’s play a game
Where nothing that we can see
The same
But we’ll find other pieces to the puzzles
Slippin‘ out under the locks
I could show you how many moves to checkmate right now
We could take apart this life we’re building
And pack it up inside a box
All that really matters is we’re doing it right now
Right now
But we’ll find… “ (One Republic, Au Revoir)
























