Selamat siang! (Das spuckt der google-Übersetzer als indonesisch für „Guten Tag“ aus; ob das stimmt, kann ich nicht beurteilen, denn auf Bali spricht man Vieles, nur selten Indonesisch 😉 )

Also, ihr Lieben! Ich grüße euch!

Eine Weile habt ihr nun warten müssen, ob wieder von mir zu hören und auch heute – ich gestehe – schreibe ich euch nur zögerlich, denn wie ihr schon gelesen habt: „Der Müll bleibt“. Zumindest ist es das, was mir in den letzten Tagen durch den Kopf schwirrt… später mehr dazu. Am Sonntag war Reisetag von Phnom Penh über Kuala Lumpur nach Bali. „Dank“ Corona war ich erst spät nachts in Denpasar; durch die fehlenden Touristen werden auch im Raum Asien zahlreiche Flüge gestrichen und erst später ersetzt. Ich bin sehr froh gewesen, auch auf diesen Flug eine finanziell kleine Zusatzversicherung abgeschlossen zu haben, so dass ich dann eben mit einem anderen Flugzeug der Malaysia Airlines transportiert werde (n muss). Besonders an dieser Stelle danke ich meinen beiden Megaunterstützern im Reisebüro Leipzig, die sich lange Zeit genommen haben, mit mir und für mich die Flüge zu planen und die auch jetzt noch wunderbare Ansprechpartner für mich sind! Namentlich nenne ich die beiden mal lieber nicht, das hatten wir nicht besprochen 😉 Wenn ihr das lest: Tausend Dank!!!!

In Bali wurde ich dann durch einen Shuttle der Unterkunft abgeholt und landete um zwei Uhr nachts dann endlich in einem Bett. Leider habe ich auch schon eine kleine Krux festgestellt: wenn man mit Taxifahrern plaudert, dann kommen sie immer wieder und wollen einen fahren. So kommt der Shuttletaxifahrer jeden Morgen an die Tür meiner Unterkunft und fragt, was ich heute brauche und wohin ich möchte. Anstrengend. Die Unterkunftseigentümer belächeln das Ganze, sind es wohl gewohnt, grinsen und bieten nur „Fröhliches Verhandeln“ an. Heute morgen warteten drei Taxifahrer an der Tür. „Meiner“ und die beiden anderen, die die anderen Gäste transportiert haben.

Da ich gestern mit der klimatischen Umstellung von trocken-scheißeheiß in Kambodscha zu scheißeheiß-und megaluftfeucht in Bali körperlich ganz schön zu kämpfen hatte (näher mag ich das an dieser Stelle nicht ausführen, hihi), gönnte ich mir einen Tag ausruhen und rumliegen, chillen sagt man da ja so schön. Abhängen vor dem Ventilator. Übrigens: Netflix funktioniert in Indonesien nicht, eine Erkenntnis des gestrigen Tages 😉

Heute dann habe ich mich rausgetraut. Das Ziel: Turtle-Centre auf „Turtle-Island“. Schon auf dem Weg dahin (übrigens mit einem anderen Taxi, welches 50% weniger kostete) stellt ich traurig fest, dass das Müllproblem scheinbar auch nicht vor Bali halt gemacht hat… Plastik und Abfall auch hier an leider jeder Ecke, schwimmend in den Stadtkanälen, Kühe grasend zwischen Plastikbeuteln, Kinder spielend darin, kaputte Boote und uuuunglaublich viel Abfall in den Mangrovenwäldern vor der Stadt Denpasar, vor dem Eingang des Turtle-Centres: ein Müllhaufen. Das dumpfe und traurige Gefühl von Kambodscha diese Thematik betreffend hält an… Der Müll bleibt irgendwie im Gepäck.

Turtle-Centre: nun ja, diese Einrichtung dient vorranging dem Aufpäppeln kranker und verletzter Tier und der Aufzucht kleiner Schildkröten (vom Einsammeln der Eier, Brüten, Schlüpfen lassen und im Ozean aussetzen). Nun fragt ihr euch wahrscheinlich genauso wie ich, warum braucht das Bali? Haben wir doch vielleicht alle noch diese „verzauberte“ und „glückliche“ Insel aus Eat-pray-love im Kopf. Und ja, vielleicht finde ich noch einen dieser „verzauberten“ Flecken hier, aber der Süden ist es definitiv nicht. Die Angebote, Schnell-Boot zu fahren, zu tauchen, zu surfen, in einem chicen top-modernen Hotel direkt am Strand zu wohnen, türmen sich, deswegen haben die Meeresschildkröten keinen Platz mehr, um zu brüten, geschweige denn, um unbeschadet an Land zu gelangen. Das Schildkrötenzentrum hatte leider sehr sehr sehr viele Schildkröten mit angeschlagenem Panzer oder abgeschlagenen Gliedmaßen, Unfälle mit Schiffsrotoren. Manche verloren ihre Gleidmaßen in Fischernetzen, andere verhedderten sich in Plastikmüll oder aßen selbigen, Vergiftungen, Bakterienbefall am Panzer, Verstümmelungen… Grausam traurig. Von wegen das größte Problem der Schildkröten sind Fressfeinde wie Haie oder Krokodile, nein, das allergrößte Problem ist MAL WIEDER der Mensch. Schneller, größer, weiter, touristischer, ohne Rücksicht auf. Und tatsächlich stellt sich dann im Laufe des Rundgangs heraus, dass der Mensch auch der größte Fressfeind der Schildkröte ist. Erst vor weniger Jahren wurde der Handel mit Schildkröteneiern und -Fleich verboten, bis dahin war Bali DER Exporteur in Asien schlechthin. Ein weiteres Problem für die Schildkröten sind Rituale des hinduistischen Glaubens. Dazu will ich kurz mal zitieren aus einem Artikel von 2008: Bali ist eine hinduistische Hochburg im ansonsten muslimischen Indonesien und Schildkröten spielen in der hinduistischen Mythologie eine große Rolle. Auf ihnen ruht die Last der Welt. Jahrhunderte lang wurden sie bei Ritualen geopfert und dafür oft bei lebendigem Leibe aufgeschlitzt. „Wenn man einen Tempel rein halten wollte, musste man zum Beispiel einen Schildkrötenpanzer im Fundament vergraben“, sagt Sukara. Das Fleisch wurde anschließend als Festschmaus verzehrt. „Die Balinesen waren die schlimmsten Schildkrötenwilderer in Indonesien“, sagt Sukara. Er muss es wissen. Seine Familie war mitten drin. Der WWF schätzt, dass allein der Handel die Schildkrötenbestände um 40 bis 80 Prozent dezimiert hat. Die Tierschützer appellierten an das religiöse Verantwortungsgefühl. „Weil Hindus an die Wiedergeburt glauben, haben wir die Frage gestellt: Was macht die nächste Generation, wenn alle Schildkröten ausgestorben sind?“ sagt Pet-Soede.“Die Religionsführer haben auf unser Drängen noch einmal alte Schriften studiert, und sind dann zu einem bahnbrechenden Ergebnis gekommen“, sagt der balinesische Tierarzt und Schildkrötenexperte Windia Adnyana. Vor drei Jahren kam der ersehnte Durchbruch: der höchste religiöse Hindurat auf Bali erließ ein Bhisama, ein religiöses Dekret, wonach bedrohte Tierarten nur noch bei Ritualen verwendet werden dürfen, wenn sie nicht getötet werden. Alternativ könnten Bilder oder Kuchen in Form des Tieres verwendet werden. (https://www.n-tv.de/wissen/Meeresschildkroeten-bei-Bali-article27973.html) Jetzt könnte man ja meinen, puh, alles easy, von wegen. Das große Sterben der Schildkröten hat leider dafür nicht aufgehört… Aktuellen Zahlen der Station zu folge sterben jährlich immer noch mindestens 1000 Tiere dafür, knapp 100 000 werden für das Ritual „benutzt“ und wenn sie es überleben wieder freigelassen. Von Erfolg kann man da aus meiner Sicht leider nicht sprechen…

„Der Müll bleibt“… zumindest ist er es noch. Der Titel dieses Beitrages hat auch einen zweiten Grund. Viele von euch wissen, dass ich mich selbst nicht als „Weltreisende“ verstehe, sondern als Pilgerin, die sich auf den Weg gemacht hat. Aufzubrechen und loszugehen hatte und hat für mich viele Gründe; manchmal in den letzten vier Wochen habe ich sie vor lauter Trubel vergessen, jetzt, nachdem ich allein unterwegs bin und viel Zeit zum Nachdenken ist, wird es mir wieder deutlich, warum ich unterwegs bin. Erkenntnis der letzten Tagen: ich kann an den „Hintern“ der Welt reisen, das, was ich innerlich aufgeladen und zu bearbeiten habe, klebt an mir und „ist im Gepäck“.