Bevor ich gleich meinen Kopf ausschalte, wollte ich mich doch noch mal bei euch melden, denn dieser Tag war „Hältstdunichtfürglaubstdukaum!“. Und weil ich immer wieder gedacht habe, dass das Leben und der Alltag die schönsten und auch abgefahrensten Geschichten schreibt, habe ich mir tagsüber fleißig Notizen gemacht, um keinen dieser irren und irrwitzigen Eskapaden zu vergessen. Nun also von vorn:
Am Samstag habe ich versucht via Internet ein Busticket für folgende Strecke zu kaufen: Siem Reap nach Senmonorum. Letztere Stadt liegt im östlichsten Teil Kambodschas und wird von Touristen eher wenig besucht, was zum Einen an den mangelnden Busverbindungen als auch an den überschaubaren Übernachtungsmöglichkeiten abzulesen war (kein Couchsurfing hier bspw.). Nun denn, ich wollte aber auf jeden Fall das Alternative Elefantenprojekt hier besuchen, also: suche einen Bus. Hab dann auch einen gefunden, leider weigerte sich die Seite aber beharrlich, meine VISAKarte zu akzeptieren, was mich schlichtweg dann dazu gebracht hat, dem Hotel mein eid zu klagen und sie vertrauensvoll zu bitten, mir einen Bus zu buchen. Das war für den englischsprachigen Rezeptionisten kein Problem, er machte zwei Anrufe und schwups, ein Ticket sollte kommen. Das hat dann „nur“ einen Tag gedauert, aber dann war es da. Ricthtige Verbindung (da alles auf Khmer geschrieben war, hat Dyka das noch mal gecheckt), einmal umsteigen, nun ja, kriegt man ja auch hin. Abfahrt: 06.00 Uhr, angekündigte Ankunft: 15.00 Uhr. Für eine Strecke von 520km ein ausreichender Zeitraum trotz mangelnder Autobahnen in diesem Land. So dachte ich bis heute morgen. Und ihr schmunzelt bestimmt schon, weil ihr ahnt, dass es anders kam:
6 Uhr morgens: ein Tuktuk holt mich am Guesthouse ab (eigentlich, er kam erst 06.35 Uhr) un bringt mich zu einem Grillstand in der Stadt von Siem Reap; da steht noch eine Frau und zwei Kerle zocken an Handys. Ich frage nach dem Bus. Jajja, der kommt schon.
Kurz nach sieben: es kommt ein Bus. Wir zwei Frauen steigen ein, wundern uns, dass wir allein sind. Sie spricht kaum Englisch, ist aber sehr sympathisch. Wir fahren los. Bis kurz vor acht haben wir mindestens 15mal gehalten an irgendwelchen undefinierbaren Punkten der Stadt Siem Reap und immer kleckerten ein oder zwei Leutchen in den Bus. Alles Einheimische. Kein Touri außer mir und mich beschleicht ein seltsames Gefühl, dass mich das Hotel für 20 Dollar über den Tisch gezogen haben könnte. Das wird nicht das letzte Mal an diesem Tag sein. Wir halten an diversen weiten Punkten, keine Menschen steigen zu, sondern Pakete. Und Briefe. Post. Vor mir sitzt mittlerweile ein Mann, der „tindert“. Die Frau neben mir versucht ihr Englisch an mir zu testen. Erfolglos. Zwei Reihen hinter mir sitzt ein buddhstischer Mönch mit Fluppe im Mund. Diverse Jugendliche zocken oder hören laut asiatische Rockmusik oder Mädchenmucke. Die Frau hinter mir packt getrockneten Fisch aus und kaut ihn, sie versucht es zumindest, sie schmatzt mehr, als dass sie isst. Ich checke, dass die anderen nur 2 Dollar zahlen für die gleiche Strecke und ich verwünsche innerlich wieder das Hotel und diese ominöse Busfirma. Eine Frau mit Räucherstäbchen steigt zu. Schreiende Telefonate gegen die laute Musik starten. Niemand in diesem Land scheint Kopfhörer oder Headsets zu besitzen. Argh. Und kurz nach halb neun haben wir dann endlich auch die Stadtgrenze von Siem Reap überquert. Nur noch 500 km!
Unzählige Male halten wir wieder an, es steigen abwechselnd Post und Menschen zu. Um neun verladen sie dann auch eine Honda in den Kofferraum des Busses! Kein Scheiß! Noch nie gesehen sowas. Knapp 30min später ein Kühlschrank. Dann scheinen wir endlich alles zu haben. Definitiv alles, nur keine Touristen… Leise Ahnung: wann machen wir ne Pinkelpause? Ich beginne zu hoffen, dass meine Blase durchhält, tut sie auch, bis heute abend halb acht. Wow! Ich denke den ganzen Tag an Sascha – er weiß wieso. Zwinker zwinker.
Im Übrigen hat der Bus 3 Beschäftigte: einen Fahrer, einen Pagen und einen Abkassierer.
Gegen halb zehn schemißt die schmatzende Frau hinter mir ihren Rechner an und schaut HausfrauenTV – zumindest denke ich mir das bei den Stimmlagen die das Gerät von sich gibt.Überhaupt klingt alles in diesem Bus so seltsam gaatschig in meinen Ohren… Ach und was ich noch nicht verraten habe: der Bus ist voller Moskitos. Yeah! Nobite ahoi!
Um zehn halten wir an einem Fischstand. Alle außer mir rammeln raus und kaufen Tütenweise davon. Der Geruchspegel im Bus verändert sich drastisch.
Kurz vor halb elf: der Bus raucht und bleibt liegen. Kopfschüttelnd steige ich aus und mache mir ne Zigarette an. Bin den Tränen nahe vor Heulen und Lachen. Riemenwechsel. Klimaanlage fällt aus. Wir fahren von da an mit offener Tür. Mittlerweile ist es kurz nach elf und wir sind in Kampong Thom (macht euch ruhig die Freude und googelt die Strecke mal). Die Post steigt immer wieder aus. Und der Kühlschrank. Viertel zwölf hält der Bus plötzlich im Nirgendwo an einem Straßenstand: 30 Minuten Mittagspause. Waaaas?Kurz vor zwölf fahren wir weiter: die Frau zwei Reihen vor mir entlaust ihre Tochter. Ich guck zwei mal hin, weil ich denke, dass das gar nicht möglich sein kann. Doch, sie tut es. Ich denke an die Affen im Zoo Leipzig und will ganz dringend duschen.
Kurz vor eins steigen 4 ältere Damen mit Spucknäpfen zu. Das entlauste Mädchen kotzt. Irgendwer lässt aller 5 Minuten kräftig einen ziehen, die Jugendlichen zocken miteinander und zeigen sich aktuelle asiatische Youtube-Videos, die Frau hinter mir hat ihren nächsten getrockneten Fisch in der Zerre. Der Mönch raucht wieder. Geruchlich vergleiche ich den Laden mit der Pforte zur Hölle. Mittlerweile haben wir eine Verspätung von zwei Stunden.Das entlauste Mädchen kotzt zum zweiten Mal. Halb zwei ist Kampong Cham in Sicht. Die Mutter des Mädchens kotzt jetzt auch kräftig und ich denke: an solchen Essenständen sollte man nichts verzehren. Und jetzt stellen die Einheimischen auch fest, dass eine Fremde in ihrem Bus sitzt. Sie fangen an über mich zu reden, mich anzustarren, mit dem Finger auf mich zu zeigen (das ist übrigens das Schlimmste, was man in Kambodscha machen kann). Vielleicht denken sie, dass ich Französin oder Amerikanerin bin, da hat man dann nämlich gleich verloren.
Halb drei: ich habe den Bus gewechselt. Angeblich notwendig, ich habe aber das leise Gefühl, dass sie mich verschachert haben. Tatsächlich bekomme ich mit, dass ich in den zweiten Bus gewechselt habe, der an diesem Tag die Strecke Siem Reap Senmonorum gefahren ist. Wieder nur Einheimische. Sie starren gleich von Anfang an. Keiner spricht Englisch. Bis zur Ankunft werde ich die Attraktion schlechtin im Bus bleiben… Ich werde lethargisch. Starre aus dem Fenster. Immer wieder Feuer. Sie roden den Regenwald. Schwarze Felder. Hütten, Staub, Kinder, und so viele verwahrloste Hunde. Mein Herz weint. Und meine Augen ziehen nach.
Um fünf macht der Fahrer eine Pause, öffnet die Tür und entledigt in die Landschaft all den Müll des Busses. Entsetzen. Er freut sich. Ich schüttele offensichtlich den Kopf und werde belächelt von allen Seiten.
Ab halb sechs gibt es dann keine richtige Straße mehr. Nur noch rote Piste, Schlaglöcher, Staub. Viertel acht: Ankunft in Senmonorum. Alle Läden zu, erkaufe mir noch ne Cola von den zwei Amerikanern des Nachbarbungalows und werde heute hungrig zu Bett müssen. Immerhin frisch geduscht. Das ist doch besser als nischt =)
























