Sou sdey! Acht Uhr abends. 29 Grad. Schwüle Hitze, aber es wird kein Gewitter kommen. Heute will ich euch ein wenig von meiner Zeit in Siem Reap erzählen. Doch zunächst: ich wohne jetzt in einem Guesthouse. Nun ja, was soll man sagen, die Hotels, die wir in den letzten Tagen genießen durften, waren deluxe. Ab heute bin ich im asiatischen Backpackerdasein angekommen, inmitten von Gekkos, Mäusen und Ratten – ja, die gibt es hier auch und ich muss gut aufpassen, keine Lebensmittel zugänglich zu haben, damit sie mein Zimmer bei der nächtlichen Suche großzügig aussparen. Also alles in den Kühlschrank gepackt, der zwar nicht funktioniert, aber eine superduper Tür hat 😉 Am liebsten würde ich da drin schlafen, gestehe: ich habe Schiss, dass die Krabbelviecher in mein Bett kommen und an mir knabbern. Ja, ich weiß, dass das seeeehr unwahrscheinlich ist und trotzdem, bitte nicht lachen. Ab heute verlasse ich meine europäische Komfortzone und da will ich euch auch gern daran teilhaben lassen 🙂

Siem Reap ist im Vergleich zu Battambang und Phnom Penh eine kleine, überschaubare Stadt, die von Touristen aller Welt belebt wird und die keine größeren Gebäude vorweisen kann, so dass ich mich an keiner Stelle erdrückt fühle. Die Regierung hat schon seit laaaanger Zeit verhängt, dass kein neues Gebäude höher als Angkor Wat sein darf, so dass die Hotels maximal vier Etagen haben und eher in die Länge gebaut wurden. Es gibt viel Grün hier, trotz der Trockenzeit, liegt wohl auch am Tourismus, denn an allen Ecken und Enden bemüht sich die Stadt sehr, ein Wohlfühlgefühl zu wecken und auch zu erhalten. Das einzig anstrengende der letzten Tage waren die Unmengen von TukTuk-Fahrern, die am liebsten alle gleichzeitig jeden Touristen durch die Gegend schaukeln würden. So oftwie hier habe ich lange nicht „Nein danke“ gesagt 😉 . An den touristischen Hotspots gibt es auch Unmengen von „must haves“, die man kaufen sollte, da ich aber ein begrenztes Gepäck habe, kann ich da ziemlich easy vorbeischlendern. Schwieriger ist es für mich hingegen, die (leider viel zu vielen) bettelnden oder verkaufenden Kinder zu umgehen. Dyka, unser super Reiseguide, sagt ihnen sehr oft, dass sie lieber zur Schule gehen sollen und lernen, um später einen Beruf zu ergreifen. Viele schauen traurig und es ist schwer, und doch will und kann ich auch nicht dieses „traurige“ System befeuern, so grüße ich, winke und gehe schweren Herzens vorbei.

Siem Reap ist DER Ausgangspunkt für die Erkundung der riesigen Angkor Area. Denn Angkor ist viel mehr als Angkor Wat. Angkor Wat ist einer der 276 Tempel, die auf diesem Fleckchen Erde errichtet wurden. Nun ja, ihr habt Recht, er ist mit Abstand der berühmteste Tempel von ihnen und ziert auch die Flagge von Kambodscha (habt ihr vielleicht in einem meiner letzten Beiträge gesehen, wenn nicht: noch mal lunzen 😉 ). Angkor Wat ist das größte religiöse Bauwerk der Welt und ich kann im Nachgang das Gefühl nicht beschreiben, was dieser Tempel in mir ausgelöst hat. Es ist magisch gewesen, außergewöhnlich, bezaubernd, verblüffend und melancholisch. Irgendwie birgt dieser Ort die Seele der Khmer und beeindruckt zugleich in einem Mikrokosmos mit der hinduistischen Weltvorstellung. Letztere hier zu erklären, wäre mühsam, deswegen: wer Näheres dazu wissen will, lese gerne nach im Reiseführer von Know How „Kambodscha“. Seit 27 Jahren ist das ganze Gebiet Angkor (Angkor heißt übrigens schlichtweg „Hauptstadt“) zum Weltkulturerbe erklärt und zahlreiche Wissenschaftler und Stiftungen arbeiten seitdem daran, die Tempel wiederherzustellen bzw. zu erhalten. Dazu sollte man Folgendes wissen: der äußere Stein der Tempel ist ein Sandstein, lediglich nur die erste Schicht. Darunter befinden sich unzählige Tonnen vulkanischen Gesteins, auf denen sehr gern Bäume und Büsche Fuß fassen, so dass die Temepl über lange Zeit, in der sich niemand um die Erhaltung kümmerte, begrünt und von der Natur nach und nach zerstört wurden. Von den 276 Tempeln gibt es noch einen, an dem man dies beeindruckend nachvollziehen kann: Prasat Ta Prohm. Den kennt ihr wahrscheinlich auch, der Tempel mit den riesigen Baumwurzeln.

Zusammen mit der Gruppe habe ich einige Tempel zu verschiedenen Tageszeiten besucht und was soll ich sagen: wunderschön war es! Zuletzt auch der Sonnenaufgang in Angkor Wat. Und für alle, die jetzt denken, das sollte ich mir auch mal anschauen, kann ich nur sagen: Ja, auf jeden Fall! Keine Worte in keinem Blog können das beschreiben, was einem da durch Mark und Bein und Seele fährt.

Gestern Abend habe ich noch mit einigen anderen der Gruppe den unglaublichen Zirkus PPS besucht, ein unglaublich tolles Projekt. Dazu könnt ihr hier mehr lesen: https://pharecircus.org/. Also, wenn ihr mal in Siem Reap seid, den Besuch dort solltet ihr auch unbedingt einplanen! Und einen tollen Kaffee im „Brown Coffee“ auch 😉

Seit heute morgen beginnt nun mein Abenteuer: Sus allein unterwegs. Die Gruppe hat sich auf den Weg nach Bangkok gemacht und fliegt von da aus nach Hause. Ich bin morgen noch einen Tag in Siem Reap und „relaxe“, bevor ich mit einem Bus Richtung Mondulkiri/ Senmonorom starte, um die Alternative Elefantenstation zu besuchen. Dazu später mehr. Ein letztes an dieser Stelle: Mondulkiri ist eine der ärmsten Regionen des Landes, mancherorts ohne Strom, fließendes Wasser und ohne WiFi. Deswegen seid bitte nicht besorgt, wenn ihr in der neuen Woche nix von mir lest und seht. Passt gut auf euch auf und bleibt behütet! Li hai!