July 20th – Whangeruru

Am Samstag bin ich mit Bessie zurück nach Whangerei gefahren. Die nächsten Tage will ich Freunde besuchen, die ich im Lockdown in Whangeruru kennengelernt habe, wir haben Geburtstag gefeiert und nun übe ich mich im „Chillen“.

Gedankensprung: Nach so vielen Wochen wieder nach Whangeruru zu kommen, war von besonderen Gefühlen begleitet. Als ich hier weggefahren bin, lag das Abenteuer vor mir: Neuseeland entdecken; all die unbekannten Winkel und Landschaften, all die Menschen und Begegnungen, all die Gespräche und das Schweigen, das Alleinsein und die Einsamkeit, das Fallenlassen und „Einfach-sein“, all die Wege und Tage lagen wie ein frisches Blatt Papier vor mir und ich wusste nicht, was kommen würde. Nun, gut 10 Wochen später, kann ich auf die beschriebenen, cholorierten, bemalten und beschmierten Blätter schauen und staune über all das, was mir auf diesen Wegen geschenkt wurde, was ich alles sehen und erleben und erfahren konnte.

Gedankensprung: schon auf die Nordinsel zurückzukommen, war ein wenig, wie Nachhausekommen. Nach Whangeruru zu kommen, fühlte sich auf jeden Fall auch so an, ein wenig stärker noch. Jetzt bin ich hier an diesem Ort, den ich mir für den Lockdown nicht selbst gesucht habe und doch hat mich dieser Ort gefunden. Es geht mir gut, ich fühle mich wohl, schaue auf das Meer, atme, trinke Tee, lasse die Stunden kommen und gehen, bin und bin und bin und: bin glücklich.

Gedankensprung: Hierher zu fahren, war nicht leicht. Seit Tagen wird der Norden der Nordinsel von schweren Regenfällen und Stürmen heimgesucht. Straßen standen binnen Minuten unter Wasser, geflutete Felder und in Not geratene Herden, weggespülte Hänge und abrutschende Bäume, manche Haushalte spülte es aus den Häusern die Straßen und reißenden Flüsse hinab, geflutete Tankstellen… ein Ende ist noch nicht absehbar. Derzeit heißt es aufatmen, denn der Regen in Whangeruru wurde zu einem leichten Niesel. Das Meer, welches noch vor Tagen blau und klar und belebt daherkam in Ebbe und Flut, liegt nun schlammdurchzogen, schlackbraun vor mir; nur wenige Vögel kann ich heute vom Balkon aus beobachten. … und all das schreibe ich euch nur wenige Wimpernschläge nach dem letzten Eintrag zum Thema „Wasser“.

Gedankensprung: ja, ich weiß, bald ist der Tag, an dem ich Bessie in Auckland abgeben werde. Nur noch ein paar Mal schlafen und unsere Wege müssen sich trennen. Und ja, ich verstehe, dass ihr euch auch fragt, was das für mich heißt. Ich habe mich entschieden, es euch heute wissen zu lassen: in den vergangenen Wochen habe ich mich immer wieder gefragt, wie meine Reise weitergehen soll, die doch nun überhaupt nicht auf die Osterinseln und nach Südamerika gehen kann. Aktuell wäre es töricht, in diese Gebiete als „stinknormaler Tourist“ zu reisen. Mein Visum in Neuseeland ist verlängert bis September, Australien hat wieder dicht gemacht, dass es eine „Tasmanian bubble“ geben wird und sich die Lage in diesem Bereich der Welt dadurch entspannen könnte, wurde verschoben. Aktuell wird es wohl nicht vor dem neuen Jahr „entspannter sein“. Und das heißt leider auch: es werden keine Touristen kommen können, und deswegen wird es wahrscheinlich auch keinen normalen Flugverkehr geben bis mindestens Weihnachten. Das ist die aktuelle Situation, keiner weiß, was passieren wird. Mein Visum in ein Work&Travel Visum zu ändern ist mir aufgrund des Alters nicht möglich. Und so habe ich mich sehr schweren Herzens dazu entschieden, meine Reise abzubrechen an diesem Punkt und zu versuchen, nach Deutschland zurück zu fliegen. Über mehrere Wochen habe ich die Preisentwicklung beobachtet, mit Hilfe Flüge gebucht (die wieder gecancelled wurden aufgrund der Lage in Australien) und warte nun, ob der aktuell gebuchte Flug stattfinden wird. Der Preis war akzeptabel, die Reisezeit auch. Und doch habe ich mich auch entschieden, den Flugtag nicht öffentlich zu machen. Man kann nie wissen 😉 Und ich werde mir Zeit nehmen, um anzukommen. Seht mir das bitte nach. …Und wenn es mir möglich ist, werde ich die Reise nächstes Jahr fortsetzen. Bis dahin werde ich euch ab und an schreiben, den Blog mag ich einfach weiterführen, mal schauen, was auf den neuen weißen Blättern, die aktuell vor mir liegen, gezeichnet, gemalt, geschrieben, geschmiert sein wird. Aber für heute: Liebste Grüße in die Welt aus Whangeruru =).