July 12th – Rotorua
Zwei fröhliche Nachrichten gleich mal zu Beginn: Bessie lässt nicht mehr das Wasser rein und ich kann wieder im Trockenen und Warmen schlafen! Yeah!! Und: mir geht es endlich besser! Die Stimme kehrt zurück, der dicke Hals lässt nach, ich fühle die Energie zurückkommen! Nochmal Yeah! Seit zwei Tagen bin ich in Rotorua. Ich habe mir einen kleinen Campingplatz in der Nähe der Touristenhochburg gesucht, stehe mit Bessie am See, schwarze Schwäne, Möwen und Wildenten grüßen uns morgens und sagen uns abends „Gute Nacht“. Die Heizung läuft und ich fühle mich jetzt wie in einem kleinen fahrenden Wohnzimmer.
Die Nordinsel Neuseelands zu bereisen, löst in mir ein Gefühl aus, was ich noch immer schlecht in Worte fassen kann. Ich fühle mich wohl, es fühlt sich vertraut an, ich fühle mich nicht fremd, vielmehr ist es, als wäre ich nach langer Zeit endlich wieder da. Als wäre ich etwas länger weg gewesen und würde nun zurückkehren. Es ist ein schönes Gefühl, auch wenn es mir selbst bisher fremd war, dieses Gefühl meine ich. Und so bin ich in Rotorua seit zwei Tagen unterwegs, bewege mich in der Gegend, habe das Gefühl, schon mal auf diesen Straßen gefahren zu sein. Nein, ich bin nicht verrückt 😉 . Es ist der kleine Versuch, dich durch meine Worte an dem Gefühl teilhaben zu lassen, welches die Tage auf der Nordinsel in mir auszulösen vermögen.
Rotorua kündigt sich schon von weitem geruchlich an. Die Region zwischen Tauranga bis Taupo ist der Hotspot Neuseelands geothermische Aktivitäten betreffend und so ist der schwefelige Dampf, der die Nasen erfüllt und mich sehr stark an den Chemieunterricht bei Herrn Kunzmann erinnert (und an Carsten und seine witzige Technik, an einem Reagenzglas zu schnuppern), einfach unumgänglich. Dampfschwaden durchziehen die Landschaft, schlängeln sich aus den Wäldern empor, es blubbert und brodelt und malt die schönsten Gesteinsbilder. 18 Seen liegen um Rotorua, ich selbst stehe mit Bessie am Lake Rotorua, der seine Existenz einem Vulkanausbruch vor 240 000 Jahren verdankt.
Aufgrund der Naturkräfte verehrten auch schon die frühen Maori-Stämme die Gegend, nutzten die heißen Quellen zum Kochen und Baden, färbten mit den unterschiedlichen Gesteinen ihre Häuser, so auch die Maraes (traditionelles Versammlungshaus). Eine der bedeutendsten Quellen nannten sie „Wai-O-Tapu“, das bedeutet „Heilige Wasser“. Bis heute sind knapp 40% der Einwohner Rotoruas und der umliegenden Ortschaften Mardy-People. Viele von ihnen verdienen ihr Geld in den „lebenden Dörfern“, in denen sie Darbietungen aller Ort für Touristen anbieten und erklären.
Rotorua boomt. Es ist die Stadt, in der ich zum ersten Mal in Neuseeland im Stau stand. Und das sogar an zwei Tagen in Folge! Soooo viele Menschen und vor allem Touristen. Wenn ich ihrem Zungenschlag lausche, dann kann ich sagen: kunterbunte Mischung aller Nationen. Verrückt, manches mal – wenn ich mal wieder in einer Schlange zu einer der Sehenswürdigkeiten anstehen muss – frage ich mich, wo kommen sie alle her? Und wo haben sie sich all die letzten Wochen versteckt? Ich schmunzle über mich selbst, weiß ich doch auch, dass ich mich in DER touristischen Region der Nordinsel bewege: Taupo und Matamata um die Ecke, das Meer ist nicht weit und die Region strotzt von Aktivangeboten, hier kann man getrost nen Monat verbringen, ohne gelangweilt zu sein. Und dann kommt eben auch dazu: in Neuseeland sind gerade Winterferien und nach allem lockdown-Daheim-Sitzen machen sich die Kiwis gerne auf die Socken =).
Heute war ich im Wai-O-Tapu wonderland und gestern habe ich das „buried village“ Te Wairoa besucht. Südöstlich von Rotorua gelegen, war dieses Dorf bis 1886 von Maori und Europäern bewohnt, die ihr Leben mit touristischen Touren zu den weißen und pinken Terrassen finanzierten. Das Dorf wurde durch einen massiven Ausbruch des Vulkans Mount Tarawera komplett zerstört und unter einer meterdicken Schlammschicht vergraben. Nur wenige der Einwohner konnten sich retten. Jahre später begannen Archäologen das Dorf auszugraben und die Geschichte der Menschen zu erzählen. Die letzte Frage im dortigen Museum lässt mich noch mal stocken: Sinngemäß steht da „Kann so etwas wieder passieren?“ und die simple, klare und ungeschönte Antwort: Ja. Diese Inseln sind aktiv: Erdbeben und vulkanische Aktivitäten, geothermische Kräfte an allen Ecken und Enden. So, ich muss an dieser Stelle einen Punkt setzen, die Sonne ist untergegangen und ich will noch mal in den Wald. Was ich da mache, verrate ich euch ein anderes Mal =).
PS: und jetzt noch drei Videos und ein paar Bilder 😉
























