So, ihr Lieben daheim und all over the world =). Mein letzter Beitrag aus Vietnam – der erste Länderstopp endet morgen und es geht mit dem öffentlichen Bus weiter nach Kambodscha. 10 Tage war ich mit einer Gruppe in diesem so ganz anderen Land unterwegs und als wir gestern beim Farewell Dinner auf die Zeit zurückblickten, kam es mir viel länger vor als „nur“ 10 Tage. So vieles habe ich gesehen und erlebt, mit und ohne Gruppe, und alles war eine „Erfahrung“ – es ist mir nicht möglich, im Nachgang ein Highlight auszuwählen =) Freilich gab es einiges, was ich nicht zwingend gebraucht hätte, und doch hat es meinen Horizont erweitert.
Eigentlich wollte ich heute ein Fazit der Reise durch Vietnam ziehen. Hihi, eigentlich. Tja, was soll ich sagen: kann ich nicht. Das, was ich von Vietnam erlebt habe, war so vieles zugleich: laut und still, schnell und entschleunigt, fremd und vertraut, heiß und kalt, nass und trocken… Es ist ein Land, welches ursprünglich nicht auf meiner Reiseroute stand und tatsächlich nur dort gelandet ist, weil die Reise nach Kambodscha mit einer Gruppe Vietnam eingeschlossen hat. Also bin ich hier gestartet. Mancherorts habe ich mich sehr wohlgefühlt, besonders in Hoi An wäre ich sehr gern länger geblieben und möglicherweise war das auch dem Fakt geschuldet, dass die Architektur auch französisch war und ich mich deswegen nicht „ganz so fernöstlich“ gefühlt habe. Auch fällt es mir schwer, ein faires Fazit zu ziehen, sitze ich doch derzeit in einem Hotel in Ho Chi Minh City (HCMC). Diese Stadt ist die mit Abstand herausfordernste, die ich bisher erlebt habe… 14 Millionen Einwohner und gefühlt sind alle gleichzeitig auf der Straße in Autos und besonders auf Mopeds unterwegs. Es hupt und brummt und kracht an allen Ecken, diese Stadt schläft niemals. Ein Ort, an dem ich keinen Tag länger bleiben möchte. Nur noch eine Nacht 😉 Und vielleicht ist es auch dieser Kontrast, der das Land und damit mein Fazit gut beschreiben kann.
Bevor ich mich in eine neue „Zeit“schmeiße, will ich noch ein wenig über die Zurückliegende erzählen – ich hab euch dazu ein paar Bilder zusammengestellt.
Duc and the sticky rice: Duc war in den vergangenen Tagen der denkende, empathische, organisierende Kopf unserer Gruppe und an dieser Stelle möchte ich meinen Hut ziehen und ihm danken! Er hat diese Mischung von Menschen, die wie ein Rudel Katzen in jede Richtung gesprungen ist, als seinen „sticky rice“ zusammengehalten und sicher durch die Lande gebracht. Besonders wenn wir als Gruppe die Straßen überquert haben, staunte ich über seine Ruhe und sein Talent, ein Tempo zu wählen, welches sogar Hella und ihren Rollator sicher durch die Flut von Mopeds und Autos gebracht hat =).
Häuser: In jedem Städtchen oder Dorf sind die Häuser sehr schmal, dafür aber sehr tief gebaut. Das hat einen besonderen Grund: die Leute mögen gern an Straßen bauen, denn dann können sie selbst im Haus einen kleinen Laden haben, über welchem sie dann wohnen bzw wohnten. Deswegen wurde über viele Jahre die Breite des Hauses aber nicht die Tiefe versteuert. So kommt es, dass sie Häuschen so gequetscht wirken. Mittlerweile wurde das Steuersystem geändert, so dass die neueren Bauten breiter werden.
Elefantenohrfisch: Dieser Fisch ist besonders zahlreich im Mekong zu finden, so dass er gern aufgetafelt wird. Wie ihr seht, in ganz besonderer Weise =). Übrigens war dieser Fisch auch fritiiert. Überhaupt gibt es hier vieles frittiert oder in Form von Suppen. Man könnte sogar frittierte Nudeln mit Suppe essen! Hab ich dann aber doch gelassen. Großteils habe ich lecker vietnamesisch gegessen und besonders den Pomelosalat und die Passionfruit in mein Herz geschlossen. Leider gab es bisher nicht die Gelegenheit, die Jackfruit zu probieren, vielleicht ergibt sich das in Kambodscha oder Bali.
Ho Chi Minh City (HCMC): wahrscheinlich noch immer besser bekannt als „Saigon“. Besonders an dieser Stelle denke ich, dass die Bilder für sich selbst sprechen. … Vieles wurde bis 1975 zerstört und nur weniges wurde seitdem wieder aufgebaut. Deswegen strotzt die Stadt von modernen Wolkenkratzern und nur wenige Straßen haben alte kleine Häuschen, wie sie so typisch sind. Das Postoffice und Notre Dame, zwei der „alten“ Sehenswürdigkeiten sind anteilig erhalten geblieben. Die Kirche jedoch wurde fast komplett zerstört und bis heute wiedererbaut. Als sie zum ersten Mal errichtet wurde, geschah dies unter französischer Besatzung mit Baumaterial ausschließlich aus Frankreich. Überhaupt hat die französische Besatzung deutliche Spuren hinterlassen: auch die Schrift, wie sie heute in Vietnam genutzt wird, wurde von Franzosen entwickelt, um die Bevölkerung besser zu verstehen und mit ihnen kommunizieren zu können.
Kriegserinnerungen: Das, was wir als erstes in HCMC gesehen haben, war das War Remnants Museum. Ein Museum vor allem bestehend aus Kriegsfotographien des Vietnamkrieges bzw. des zweiten Indochinakrieges… Bedrückende Abbildungen, traurige Schicksale, erschreckende Zahlen… besonders betroffen war ich in der Ausstellung über „Agent Orange“ und dessen Auswirkungen, die bis heute anhalten, zweite, dritte Generation und ein Ende ist nicht absehbar. Trotz aller Betroffenheit während des Besuches musste ich jedoch auch festhalten: History is written by the winner. Und damit auch die Darstellung innerhalb der unterschiedlichen Ausstellungen.
Kokosnuss: Eine kleine Episode zuletzt noch aus dem Mekong-Delta. Wir haben gestern eine Insel besucht, die fast komplett aus Kokospalmen besteht und deren Einwohner die Kokosnuss für alles nutzt, was sich ein kreatives Gehirn vorstellen kann: Wände und Dächer, Geschirr und Möbel, Spielzeug und Musikinstrumente, Süßigkeiten und zahlreiche Mahlzeiten, Körbe und Hüte, Kochutensilien und Waschzubehöre… Es gibt sogar eine religiöse Strömung in Bén Tre, die die Kokosnuss in den Mittelpunkt stellt: Dao Dua wurde 1963 von Nguyen Thanh Nam gegründet. Ziel ist es, wie in vielen anderen Strömungen auch, die Traditionen zu respektieren, zu sich selbst und seiner Mitte und innerem Frieden zu finden, einander zu lieben… Die Gläubigen trinken ausschließlich Kokoswasser, essen vorranging nur Kokosprodukte. Jeder wie er mag =) Übrigens: ich habe frische, leider auch sehr warme Kokosnuss probiert, mein Fall war es nicht.
























