09. Juli 2020 – Anaura
Heute (Donnerstag) schreibe ich euch wieder aus meinem Camper, seit gestern sind „Bessie“ und ich wieder auf den Straßen Neuseelands unterwegs. Zunächst möchte ich aber DANKE sagen: wie ihr sicher gelesen habt, war und bin ich in den letzten Wochen von einem Virus (kein! Corona) gebeutelt gewesen, wodurch mein Immunsystem zuguterletzt auch noch Bakterien eingelassen hat, die mir seit fast einer Woche „den Hals dick machen“ und „die Stimme verschlagen“. Angina mit … (das konnte ich leider aus dem englischen nicht übersetzen). Bevor ihr die Geschichte der zweiten Arztbehandlung erzählt bekommt, also nun erst mal ein fettes DANKE: an Mark und seine bezaubernde Familie, die mir in Wellington ein warmes Bett, leckerstes Essen, witzige Gesellschaft und unglaublich viel Unterstützung gegeben haben, so dass ich gestern wieder loswackeln konnte. Überhaupt bin ich noch immer sehr berührt von den wunderbaren Begegnungen in Wellington und Rolleston, von den Menschen, ihren Geschichten, Gedanken, Ideen, von all den wundervollen und auch traurigen Gesprächen, von dem vielen gemeinsamen Lachen und dem großen Vertrauen, in dem wir uns begegnen konnten. Vor allem in den letzten Tagen, in denen ich erst in Rolleston und dann in Wellington „lahm gelegt“ war, habe ich mich nicht allein fühlen müssen. Habt liebsten Dank!
Schon am Montag Abend hat es mir den Hals zugeschwellt, so dass ich kaum noch schlucken konnte und das Reden mir große Schmerzen bereitet hat. Schon da ahnte ich, dass ich wohl noch mal zum Arzt gehen müsste, hatte aber gehofft, dass das viele Kühlen und Tee trinken, Honig löffeln und Klappe halten helfen könnte, die Schwellung zurückgehen zu lassen und mir den Gang zum Arzt ersparen würde. Dienstag früh war klar: ich komme nicht drumrum. Wenn man in Neuseeland keinen Arzt hat, gibt es zwei Möglichkeiten: ins Krankenhaus in die Notaufnahme gehen (jetzt mal ehrlich, das würde ich auch in Deutschland nur im Notfall machen) oder zu den „after hours“ gehen. Nein, das ist kein später Ausverkauf und auch kein Sommerschluss, das sind Ärzte, die für jeden zu jeder Zeit da sind. Freilich hat das seinen Preis. Trotz meiner Auslandskrankenversicherung (an dieser Stelle hab ich mal wieder gedacht, warum hab ich die eigentlich?) wurde ich per Visa-Karte zu einem stattlichen Betrag gebeten, um in die Sprechstunde eines Arztes zu dürfen. Man stelle sich das so vor: großes Stoppschild am Eingang – Desinfizieren der Hände – Maske aufsetzen – Kreditkarte desinfizieren und geforderten Betrag bezahlen (übrigens kommt man günstiger, wenn man einen Pass aus dem Commonwealth hat) – nochmaliges Desinfizieren, dann: Ankunft bei der Sprechstundenhilfe. Dort wurde ich gebeten, einen Fragebogen auszufüllen (gefühlt: Passierschein A38) denn ich benötigte google-translator 😉 (ja, eigentlich auch witzig!). Als ich den ausgefüllten Bogen über den Tresen schob, ergänzte ich mit meinem freundlichsten Gesicht aber leider in einer sehr unschönen Stimmlage, dass ein Coronatest und ein weiterer Test gemacht wurden, erst vor ein paar Tagen, mit dem guten Ergebnis: negativ. (kleiner Exkurs: an dieser Stelle meines Blogbeitrags muss ich an den unglaub disqualifizierenden Beitrags Trumps nach seinem zweiten Coronatest denken, sinngemäß: „I was tested positiv… in a negativ way“ omg!!! Wenn ich es finde, baue ich euch an dieser Stelle das Video ein.)
Also, ich hatte nun den Bogen und alle wichtigen Infos meinerseits über den Tresen geschoben, woraufhin ich gebeten wurde, mich in den Wartebereich zu setzen. An dieser Stelle mag ich noch mal extra betonen, dass ich da dicht an dicht mit ca 15 anderen Menschen saß, denn das ist absolut absurd, wenn ihr nun erfahrt, wie ich im Anschluss behandelt wurde. Eine Schwester rief mich auf, im Türrahmen mit zwei Meter Sicherheitsabstand befragte sie mich zu meinem Gesundheitszustand, maß Temperatur und Blutdruck und auch Sauerstoffsättigung im Blut (ja, das kann man tatsächlich alles in einem Türrahmen machen – hey, warum braucht es eigentlich noch diskrete Behandlungszimmer 😉 ???) und schickte mich wieder auf meinen Platz zurück. Dann fiel der Dame am Empfang gemeinsam mit der Schwester etwas auf: Frau Finsterbusch könnte Corona haben bei den Symtomen! Ich konnte richtig aufpassen, wie der Groschen bei den beiden fiel; versuchte diskret durch den gut gefüllten und sehr interessierten Wartebereich zu gestikulieren, dass der Coronatest negativ gewesen sei… erfolglos. Ich wurde abgeführt. In einen Quarantänebereich mit doppelter Tür und einem schwarzen Telefon. Die Schwester sagte sinngemäß: der Arzt wird sie auf dem Telefon anrufen und sie so untersuchen, sie dürfen das Zimmer nicht mehr verlassen, fassen sie bitte nichts an. Dieser Moment, in dem du denkst, dass sie dich veralbern und irgendwo jemand mit einer Kamera hockt, um den dämlich dreinschauendes Gesicht zu filmen; dieser Moment, in dem du denkst, dass das doch alles einfach nicht war sein darf; dieser Moment, in dem du nicht weißt, ob du heulen sollst, weil du lachst oder tatsächlich traurig bist; dieser Moment, in dem du das schwarze Telefon verfluchst und noch einiges andere böse Wort gedanklich auf den Lippen hast; dieser Moment, in dem du schreien willst aber weißt, dass du keinen Ton rausbekommst; dieser Moment, in dem du dir wünschst, deine Superkräft wäre beamen, beamen in der Zeit, in den Sommer, einfach weg. Ja, diesen Moment hatte ich da. Und so saß ich dann neben einem schwarzen Telefon. Es klingelte nach fünf Minuten und das erste Mal in meinem Leben (und hoffentlich auch das letzte Mal) wurde ich „ferndiagnostiziert“ (witziger Fakt, nur um ihn euch noch mal ins Gedächtnis zu rufen: dafür habe ich ca. 4 Tankfüllungen am Eingang blechen müssen 😉 ). Erst auf mein intensives sprachliches Dummstellen und weinerliche Drängeln sah er sich genötigt, dass Zimmer in einem Raumanzug zu betreten und mir mit Handschuhen bis zum Ellenbogen, wie sie Tierärzte tragen, wenn sie in einer Kuh rumwühlen müssen, den Hals abzutasten und auch mal in selbigen reinzuschauen. Seine Überraschung konnte ich im Gesicht ablesen, ich scheine ja doch Schmerzen zu haben bei den ganzen geschwollenen Halsteilen, er wundere sich, dass ich überhaupt noch reden könne, 10 Tage Antibiotika, ob ich das verstanden habe, gut, dann sei ja alles klar. Der Arztastronaut verließ den Raum, ich wurde noch 5 Minuten festgesetzt, damit ich keine Gefahr mehr für den Wartebereich darstellen würde, bekam dann alle Unterlagen und ein Rezept in die Hand gedrückt und wurde zurück zum Eingang geschoben. Das war Arztbesuch Nummer 2 in Neuseeland. Nur langsam bessert sich mein Zustand, noch immer klinge ich wie ein Bass und erfreue mich vorrangig an gekühlter Flüssignahrung. Und ich hoffe und bete, dass ich nicht noch mal zum Arzt muss! Reicht für eine Weltreise 😉
Gestern (Mittwoch) habe ich mich mit Bessie aufgemacht Richtung Nordosten, der Sonne entgegen. Erst ging es stundenlang im Regen mit Zwischenstopp im Pukaha-Vogelreservat, wo Manukura wohnt, eine weiße Kiwi-Dame. Am Nachmittag erreichte ich den Ort Te Awanga, südlich von Napier. Es regnete noch immer, also entschied ich mich, auf einem Campingplatz mit Stromanschluss zu übernachten. So konnte ich meine Geräte laden und vor allem die Heizung laufen lassen (besonders wegen der Heizung werde ich dies wohl auch in den nächsten Nächten tun =) ). Als ich einen Platz gefunden hatte, wollte ich mich einrichten, musste jedoch schnell feststellen, dass wieder einmal Wasser durch die Heckklappe in den Camper gelaufen war, meine Kissen und Decken, mein Schlafsack, alles nass. Da habe ich geweint. Immerhin war das nicht das erste Mal. Wegen dieser WasserfließtindenCamper-Geschichte war ich schon auf der Südinsel genötigt gewesen, erst mein weißes Tape aufzubrauchen, um die Löcher provisorisch zu kleben, musste dann in Christchurch einen Umweg in eine Werkstatt fahren, damit dieser Schaden behoben wurde, um gestern abend vor der gleichen Kacke zu stehen, den Vermieter anzurufen, der mir wieder versucht zu erklären, dass ich „einfach Silikon kaufen und draufschmieren soll“. Da war meine Geduld am Ende. Also habe ich ihm erklärt, dass das entweder spätestens Donnerstag früh repariert wird oder wir das Auto tauschen. Heute früh hatte er einen Werkstatttermin organisiert. Wie ich die Nacht überstanden habe? Ch habe im Sitzen neben meinem Heizer geschlafen. Hey, früher hat man auch im sitzen geschlafen und zwar jede Nacht! Deswegen sind die mittlelalterlichen Betten doch so kurz, aber das wusstet ihr bestimmt schon, denn man glaubte, dass man im liegenden Schlafen stirbt. Mittlerweile ist alles wieder trocken (zum Glück war der heutige Tag ein sonniger!) und meine Stimmung wird minütlich heiterer. Überhaupt ist es schön, euch durch das Schreiben ein wenig in Gedanken bei mir zu wissen. Danke fürs Lesen 😉

























Ich denke an Dich mit den allerbesten Wünschen ❣️🤗
Wenn Einer eine Reise tut………in deinem Fall stimmt das, denn du kannst allerhand „erzählen“ und hast Erfahrungen gemacht (positive und negative), die dir keiner nehmen kann. Bleib weiterhin behütet und paß gut auf dich auf! Wir freuen uns auf dich….