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Ich lasse Bilder sprechen…

Am Dienstag vergangener Woche kam das Ergebnis: kein Covid 19. Erleichterung machte sich in mir breit. Einen Tag später das Ergebnis des anderen Test: keine bakterielle Infektion. Aufatmen. Dennoch bessert sich mein Zustand nur langsam; vermutlich geschuldet der ungewöhnlichen Situation in welcher ich mich befinde. Bis heute geblieben ist eine „ordentliche“ Entzündung der Mandeln, ich trinke Teee, esse Eis, versuche viele zu Ruhen … alles, um endlich wieder reisen zu können.

Deswegen bekommt ihr heute auch vorrangig Bilder der letzten Tage – viel geschehen ist nicht.

Am Donnerstag unternahm ich einen „Versuchsausflug“ nach Christchurch. Vor zwei Tagen bin ich dann trotz der noch bestehenden gesundheitlichen Einschränkungen aus Rolleston gestartet; Fahrt nach Picton, Fähre nach Wellington.

Das Wochenende war geprägt von Netball, Rugby und heute einem wundervollen Gottesdienst in der lutherischen Gemeinde Wellington. Seht mir nach, ich bin kurz angebunden. Ich lasse Bilder sprechen:

„suspect case“

June 29th – Rolleston

Schon seit einigen Tagen muss ich das Bett hüten. Die Symptome deuteten alle auf eine fette Erkältung – was in den winterlichen Gegebenheiten nicht unbedingt verwunderlich ist. Für viele von euch mag das seltsam anmuten, denn ihr tummelt euch im Badesee, Sonnebadet, plant Sommerausflüge und ein wenig Ferienzeit. Neuseeland ist im Winter und da laufen die Nasen, da husten die Menschen, wäre auch alles im nicht Verwunderlichen Bereich, wenn da nicht: Corona zurück wäre.

Schon seit einigen Tagen ist Neuseeland nicht mehr Corona frei. Zwar sind die Fallzahlen verschwindend gering, aber es gibt welche. Bei den Menschen löst dies eine neue Welle von Verunsicherung und auch Angst aus.

Da es mir gestern den fünften Tag in Folge schlechter ging und meine Augenpartie und auch mein Hals vermehrt anschwellten, gab es keine andere Chance, als einen Arzt aufzusuchen. Da das in diesen verrückten Zeiten aber nicht so leicht ist, war ich unglaublich dankbar und bin es noch immer, dass mich Maria und Malcolm so großartig unterstützen. Nachdem beide vom morgendlichen Gottesdienst heimgekehrt waren, hängte sich Maria ans Telefon. Denn: mit Coronasymptomen kann man nicht so einfach in eine Arztpraxis spazieren; vorab gilt es einen telefonischen Marathon zu meistern. Sie schlug sich tapfer! Und oh weh: die Frau am anderen Ende wollte aber auch alles wissen. Gut 45 Minuten dauerte das Telefonat, bis Maria auflegte und sinngemäß meinte: „Ich habe diese Klinik angerufen, um zu erfahren, wohin wir fahren können. Sie haben mich an diese Frau weitergeleitet, mit der ich jetzt gesprochen habe, um am Ende wieder an diese Klinik verwiesen zu werden…“ Letztendlich fuhren wir gegen eins los. Maria schnappte sich noch schnell ein Mittagessen to go, ich einen Schluck Tee und die Packung Taschentücher und freilich auch alle Unterlagen, die möglicherweise wichtig sein könnten und ab ging die Post nach Riccarton. Auf dem Parkplatz der Klinik angekommen, musste Maria erneut anrufen, denn es war uns nicht gestattet, den Wagen zu verlassen. Nach weiteren Erklärungen hieß es: drei Mal links um die Ecke fahren, da ist ein Sonderparkplatz, da wird dann getestet und dann geht es zum Arzt. 14.16 Uhr erreichten wir den Parkplatz, 14.22 Uhr bekam ich einen Coronatest verpasst. Dass ein solcher Test hier kein Sonntagsspaziergang ist, wurde mir spätestens an dem Punkt deutlich, als ich das Gefühl hatte, dass das 20cm lange Teststäbchen, welches durch die Nase eingeführt wurde, Bereiche meines Gehirns durchstochen hatte. Die Tränen trieb es mir in die Augen. Danach hieß es warten: ca. eineinhalb Stunden saßen Maria und ich im Auto auf dem Parkplatz. Es war kalt. Es regnete in Strömen. Zum Glück sind wir mit Elefantenblasen gesegnet gewesen, denn es gab keine Toilette und es war auch nicht deutlich, wie lange wir warten müssten. An diesem Punkt war dann irgendwie deutlich: wer hier wartet und noch nicht krank ist, der hat gute Chancen nach einer langen Zeit in der Kälte mit Erkältungssymptomen nach Hause zu fahren. Ich hoffe und bete, dass Maria gesund bleibt! Kurz nach vier war es soweit: eine Ärztin in Ganzkörperschutzanzug erschien neben meinem Autofenster und signalisierte, dass ich jetzt in den Container zur Untersuchung kommen dürfe. Maria kam mit (ohne Übersetzung wäre ich gänzlich aufgeschmissen gewesen). Uns wurden halbherzig zwei orangene Stühle hingeschoben; die Ärztin frage in einem ultraspeed Englisch, warum ich da sei. Ich stammelte, welche Schmerzen und Symptome ich habe, bat um einen Abstrichtest des Rachens. Halbherzig hörte sie mich durch die Jacke hindurch ab, meinen Rachen schaute sie an ohne mich anzufassen geschweige denn eine Lampe oder ein Stäbchen zu nutzen (es war mehr so eine „Piemaldaumenschätzung“ aus 2m Entfernung), sie drückte ein wenig auf meinem Gesicht rum, nahm eine Rachenprobe, sprach in undeutlichstem schnellen Englisch aus ihrem Schutzanzug… Seit vier Monaten ist Englisch zu meiner meistbenutzten Sprache geworden und ich möchte behaupten, dass ich mittlerweile ziemlich gut im Verstehen und Sprechen bin. Das gestern: lost in translation. Ich fühlte mich nicht respektvoll behandelt; heute schreibe ich, dass sie halbherzig war, vielleicht war es auch pure Angst und Unsicherheit wegen Corona; zumindest war der Termin bei der Ärztin „fürn Arsch“. Am Mittwoch bekomme ich die Ergebnisse des Rachenabstrichs. Derzeit warte ich auf das Ergebnis des Coronatests. Bis dahin bin ich ein „suspect case“ und tauche in den Nachrichten seit gestern in der Spalte „mögliche Fälle“ auf. Bis ich das Ergebnis habe, werde ich hier im Haus bleiben müssen. Self-isolation nennt sich das ganz und dem fleißigen Leser des Blogs ist dieser Begriff von den anfänglichen Tagen in Neuseeland bekannt. Nachdem Maria meine Rechnung bezahlte (ich durfte ja nicht die Klinik betreten), fuhren wir zurück. Gegen fünf waren wir wieder in Rolleston, lachten und machten Späßchen. Und das ist es auch, was die beiden hier für mich zu meinen Engeln in Rolleston macht: fröhliches Gottvertrauen, wunderbarer Humor, liebender Optimismus, weite Herzen und viel Mut! Ich bin so froh und so unglaublich dankbar, dass sie mich in ihr Haus und ihre Herzen aufgenommen haben!

Sonnige Tage

June 23rd – Rolleston

Die letzten Tage habe ich es mir richtig gut gehen lassen können! Cappuccino am Nachmittag, barfuß über dicken Teppich laufen, heiß duschen, im Whirlpool entspannen… nein, ich bin nicht im Hotel ;-). Seit Samstag darf ich wieder ein paar Tagen bei meinen Freunden Maria & Malcolm wohnen. Und ich genieße es! Ich genieße nicht nur die Annehmlichkeiten eines warmen Hauses im neuseeländischen Winter, vor allem genieße ich die wunderbaren und bereichernden Gespräche, die liebevolle Gesellschaft, das gemeinsame Lachen. Es tut so gut, nicht allein zu sein.

Freilich habe ich auch einiges wieder sehen dürfen. Am Samstag war ich am Mount Sunday. Sagt man irgendjemandem diesen Namen, dann stutzen alle und sagen: kenne ich nicht. Hätte mir ja auch nichts gesagt und vielleicht wäre ich da auch nicht hingefahren, wenn nicht… Ja, wenn dieser Berg nicht in einem meiner liebsten Filme eine Rolle gespielt hätte. Es handelt sich nämlich um „Edoras im Land der Pferdeherren“ (für alle, die jetzt ein fröhliches Häh???? auf der Zunge haben: Herr der Ringe, 2. Teil). Nachdem ich auf dem Carpark Bessie abgestellt hatte, stiefelte ich durch das Flußbett los, strahlende Sonne und herzerwärmende Naturmusik: Plätschern, Zwitschern, Steine knirschen, Wind und sonst: nix. Ja, klar, meinen Atem habe ich auch gehört, aber sonst, wirklich, nichts! Als ich startete waren da auch noch keine anderen touristischen Nasen; mag vielleicht daran liegen, dass es gut eine Stunde über eine Schotterstraße und durch zwei Furten zum Mount Sunday geht. Möglicherweise schreckt das ab 😉 Gut für mich! Die kleine Wanderung auf den Gipfel, der Ausblick, die Weite und dieses weite Gefühl, dass sich in mir dadurch breit machen konnte, all das ließ diesen Tag zu einem unter den Top 3 in Neuseeland für mich werden. Und jeden, den es einmal auf die Südinsel verschlagen sollte, empfehle ich super gern: nehmt euch diesen Tag Zeit, fahrt in die Pampa, lasst eure Gedanken fliegen und saugt diese Luft ein!

Gestern fuhr ich mit Bessie von Rolleston aus zum Arthurs Pass, eine der schönsten Gebirgsstraßen Neuseelands. Das Wetter war defintiv auf meiner Seite: erneut strahlender Sonnenschein, verwunschener Morgennebel, klirrende Kälte und doch zum Genießen (musste ich ja nicht aus meinem kalten Camper heraus starten). Der Arthurs Pass ist die höchste Passstraße Neuseelands und verbindet die Region Christchurch mit der Westküste (Greymouth). Lange bevor der Namensgeber diese Route „entdeckte“ wurden die Bergpässe der Flüsse Hurunui und Rakaia schon von den Mardy für Handel und Jagd genutzt. Die ehemaligen Stämme der Mardy suchten hier auch neuseeländische Jade (Greenstone); erst onde später trieb der Goldrausch die angesiedelten Europäer über diese Pässe an die Westküste. 1864 stapfte dann also Arthur Dudley Dubson mit seinem Bruder Edward über den unwegsamen Pass, schon zwei Jahre später gab es die erste Straße.

Mein erster Stopp war der „Lookout Deaths Corner“ – Teil der alten Passstraße und höchster Punkt. Von hier wollte ich den Ausblick auf das Otira Viadukt genießen, doch es kam anders: als ich auf den kleinen Parkplatz fuhr und aus meinem Seitenfenster guckte, saß da ein Kea (neuseeländischer Bergpapagei, dessen Art leider vom Aussterben bedroht ist). Ich: „Wow! Wo ist meine Kamera?“ Kea: guckt. Ein Vogelzwinkern später setzt er zum Flug an und stürzt sich auf mein Autodach. Ich: Wow?! Was passiert hier? Kea: startet wildes Gerenne auf meinem Autodach. Und plötzlich kommen sie aus allen Richtungen: sechs Keas gesellen sich zu ihm auf mein Autodach, machen einen Riesentumult und hängen sich manchmal an mein Fenster und schauen fragend, auffordernd rein. Ganz wohl fühle ich mich nicht, schnappe mir dennoch meine Kamera, öffne ganz schnell die Autotür, springe raus und schlage die Tür in Arschgeschwindigkeit wieder zu, damit keiner dieser gefiederten Frechdachse die Chance hat, in mein Auto zu hopsen. Ein paar Schritte stehe ich abseits und habe den Mund offen, weil ich mit dieser Meute nun so gar nicht gerechnete hatte. Sie knabbern an allem, was sie finden können, Kabbeln miteinander, freuen sich scheinbar fröhlich krächzend, fliegen und hopsen, klettern auf den Spiegel, rutschen über die Glasscheiben und haben sichtlich Freude daran, nach Silikon zu suchen, in das sie ihre Schnäbel schlagen können. Plötzlich denke ich: oh weh, der Camper ist geliehen! Ich sollte mich lieber vom Acker machen und das tue ich dann auch aus Sorge um Bessie. Zweiter Stopp: Devils Punchbowl Wasserfall. Über gut 500 gefrorene Treppen geht es quer durch den Wald, vorbei an den schönsten Moosgewächsen hinauf zum Wasserfall. Auch hier treffe ich zunächst niemanden, später gesellen sich eine Handvoll Touristen dazu. Auf dem Rückweg hänge ich in Gedanken noch immer bei den Keas, und ich entscheide: ich fahre noch mal hin. So schnell werde ich ja nicht wieder die Gelegenheit bekommen, Bergpapageien hautnah zu erleben. Also starte ich nochmals Richtung Lookout und staune nicht schlecht, als dort der Parkplatz voller Autos und Menschen ist. Die Keas sitzen träge am Boden, manche laufen behebig über den Platz, keine Spur mehr von der aufgeweckten Meute. Was war passiert? Schnell erfasse ich den Schaden, den die Touristen angestellt haben, sehe das Toastbrot am Boden, die Cashewnüsse, die auf dem ganzen Platz verteilt sind – manche noch in den Händen, deren Besitzer seltsame Geräusche von sich geben, um einen der Vögel für einen Schnappschuss anzulocken. Mein Herz wird schwer ob so viel …. (piep). Und ich werde sauer, denn: vor, auf und hinter dem Parkplatz stehen riesige Schilder, die supergut auch ohne Sehhilfe zu lesen sind: Bitte nicht füttern – das hilft der Erhaltung der Keas! Nicht nur, dass es sich bei den Keas um eine wilde Art handelt, die verlernt, selbst nach Futter zu suchen; die zweite und wohl größere Gefahr: träge und satte Keas sind träge und bewegen sich kaum; nichts agiles mehr und eine super Beute, vor allem für dusselig fahrende Touristen. Immer wieder sterben die prächtigen Tiere, weil ein Tourist zu spät bremst oder den gut getarnten Federmann schlichtweg übersieht. Ich zögere, in mir kämpfen zwei Stimmen und dann ringe ich mich durch: ich gehe auf die fütternden Menschen zu, weise darauf hin, dass das Füttern verboten ist (sie stecken erschrocken die Cashews ein – zum Glück, ahtte befürchtet, dass ich mit meinen wenigen Englischkenntnissen auch noch eine Diskussion führen müsste), hebe die Toastscheiben auf und werfe sie in den Mülleimer meines Campers. Die Touristen sind peinlich berührt (ich bin erleichtert) und die Keas schauen mich fragend an, so nach dem Motto „Du klaust uns hier gerade unsere Tagesration!!!???“. Ich setze mich mit meinem Handy in die Nähe der verdutzten gefiederten Gesellen und warte. Langsam beginnen sie, wieder zu suchen, vor allem wirken sie ein wenig angefressen und bedient weil das lecker Essen weg ist. Einer sucht sogar nach einem „Ersatz“:

Gut eine halbe Stunde bleibe ich bei ihnen, spreche mit den Leuten, die mittlerweile auch ihre Sprache wiedergefunden haben, wir erfreuen uns gemeinsam und ich bin froh, dass sie nicht noch einmal ihre Nüsse zücken. Die Sonne strahlt und ich merke, dass ich langsam nach einem Kaffee sehne; Zeit, den Rückweg anzutreten, denn ich habe ja noch einen besonderen Stopp vor mir: Castle hill. Nach ca. 50 Minuten Fahrt erreiche ich den Parkplatz und begebe mich auf den Track „Castle Hill“. Dabei handelt es sich um Kalksteinfelsen, die wie einzelne Kunstwerke auf dem Hügel stehen. Da es von Ferne scheint, als wäre es eine alte Stadt oder ein Schloss, bekam die Gesteinsansammlung ihren Namen. Mittlerweile weiß man, dass hier früher Mardy auf dem Pass Unterschlupf gefunden haben; die Steine jedoch nicht von Menschenhand an diesen Ort bewegt worden sind. Ich genieße das verschiedene Licht, die Sonne, das Spiel zwischen Hell und Dunkel, die verwunschen anmutenden Felsen, klettere und fühle mich ein wenig wie in einem Zauberlabyrinth. Auch dieser Platz war Drehort, dieses Mal jedoch nicht für „Herr der Ringe“ sondern für „The Chronicles of Narnia: The Lion, the Witch and the Wardrobe“. Im besten Sinne herrlich erschöpft kehre ich am Abend zurück nach Rolleston.

Heute habe ich mir Zeit genommen, um Bessie zu schrubben, die Decken und Kissen zu waschen und habe das erste Backpacker-Päckchen gepackt: in ihm Sachen, kleine Schätze und Erinnerungen, die sich morgen auf den Weg mit der Post nach Deutschland machen – mal schauen, wann sie landen =). Ein Gedanke noch am Schluss, weil mich immer wieder Nachrichten von euch daheim erreichen mit der Frage, wie es für mich weitergehen wird. Also: die kommenden Tage bin ich in Rolleston, schaue mir ein wenig Christchurch an und tanke Kraft; kommende Woche geht es zurück nach Wellington (und ich freue mich schon sehr, dort meine Engel wiederzusehen; und dann habe ich noch drei Wochen Zeit, um mir all die Dinge auf der Nordinsel anzuschauen, die ich noch sehen möchte: Napier und die Ostküste, Bay of Plenty und Coromandel, Rotorua und vor allem: Matamata! Am 21. Juli werde ich Bessie in die Hände ihres Besitzers abgeben und dann? Ja, so genau weiß ich das noch nicht. Eigentlich wollte ich… oder das… oder das… Leider lässt die aktuelle Situation kein verlässliches Planen zu, doch fühle ich mich damit nicht Aufgeschmissen. Ich bin ruhig und vertraue darauf, dass etwas kommen mag. Und ihr werdet es bestimmt auch erfahren =). Manche werden vielleicht aufhorchen und sagen: Susann und keinen Plan haben? Jupp, so ist es, doch vor allem kann ich auch so ruhig sein, weil es in Deutschland liebste Menschen gibt, die sich um Rumo kümmern und ihm ein Zuhause geben, bis ich irgendwann zurück sein werde. Habt Dank, ihr Lieben, für alle Schmuseeinheiten, Gassirunden, Ballwurfeinheiten…!!!

Von Arakoa nach Aoraki

June 19th – Fairlie

Ja, die Namen der Orte können ganz schön verwirrend sein. Für mich ging es in den letzten Tagen erst nach Arakoa und dann Aoraki. Ich habe viel gesehen und mag euch heute vor allem durch (45 🙂 ) Bilder an den letzten Tagen teilhaben lassen.

Doch zuvor noch ein paar Anmerkungen zu Aoraki: Besser bekannt ist dieser Berg in Neuseeland als Mount Cook. Er ist der höchte Berg mit insgesamt 3724 Metern und liegt in den Südalpen. Das ist die Bergkette, die sich über die gesamte Länge der Südinsel erstreckt und besonders in den Wintermonaten beliebtes Ziel von Skitouristen ist. Aoraki besteht aus drei Gipfeln: Low Peak, Middle Peak und High Peak. Der Berg befindet sich im Aoraki National Park, welcher 1953 gegründet wurde iund zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Zu Aorkai gibt es auch eine Mardy-Legende: Aoraki war der Sohn Rakinuis, des Himmelsvater. Er hatte drei Brüder. Auf einer ihrer irdischen Reisen strandete ihr Kanu auf einem Riff und kippte um. Aoraki und seine Brüder kletterten auf die Oberseite des Kanus, um sich zu retten. Der Südwind fror sie jedoch ein und verwandelte sie zu Stein. Ihr Kanu wurde das Te Waka o Arokai (die Südinsel). Aoraki, der größte unter den Brüdern wurde zum höchsten Gipfel der Südinsel und seine Brüder schufen den Ka Tiritiri o te Moana (die Südalpen).

Aoraki erhielt seinen englischen Namen Mount Cook im Jahre 1851 von Kapitän John Lort Stokes. Er wollte den berühmten Kapitän James Cook ehren, der schon gut 80 Jahre zuvor die neuseeländischen Inseln umsegelt und im Zuge dessen die Südalpen benannt hatte. Im Jahre 1882 versuchten zwei Schweizer, den Berg erstmalig zu besteigen, scheiterten jedoch. Zwölf Jahre später gelang die erfolgreiche Erstbesteigung am 25. Dezember den drei Bergsteigern Jack Clarke, Tom Fyfe und George Graham. Die erste Frau auf dem Gipfel war Freda du Faur (1910). Edmund Hillary bestieg 1948 Mount Cook – bei dem Namen klingelt es vielleicht bei euch? Er war der erste Mensch, der zusammen mit dem nepalesischen Bergsteiger Tenzing Norgay den Mount Everest erklomm (1953) und im Zuge dessen zum neuseeländischen Nationalhelden wurde. Traurige Info: der Aoraki National Park ist das Bergsteigergebiet mit den meisten Todesfällen Neuseelands. 238 Menschen starben hier, wobei 60 von ihnen nicht gefunden werden konnten oder als vermisst gelten. Unter ihnen war auch der Onkel von Malcolm (die Familie in Rolleston, bei der ich so liebevoll aufgenommen wurde). Die bewegende Geschichte von John Cousins und seinem Bergsteigerkollegen findet ihr hier: https://www.nzgeo.com/stories/the-unforgiving-face/

Schultag in Rolleston

June 15th – Rolleston (in der Nähe von Christchurch)

„Heute war ich mal wieder in der Schule!“ Das habe ich das letzte Mal 2010 gesagt; lang lang ist es her, dass ich mit den Schülern durch die Gänge der Leipziger Schulen gewackelt bin, auf der Suche nach dem nächsten Klassenzimmer, manchmal mega gemütlich quatschend, manchmal hetzend weil nicht mal Zeit für einen Schluck Wasser blieb. Fünf Minuten Pausen und dann vom Kunstkeller in das Dachgeschoss der Thomasschule und am besten noch einen Stapel Büchern unterm Arm. Jaja, Dienstags, achte Stunde. 😉 In den Randstunden an der Rudolf-Hildebrand-Schule hatte ich sehr oft einen Wasserkocher und löslichen Kaffee im Gepäck; das hielt montags die zehnte Klasse und mich motiviert. Ungern erinnere ich mich an die Zeiten in einer Mittelschule Leipzigs (hier nenne ich bewusst den Namen nicht 😉 ): kurz nach dem Studium trat ich den Unterricht am Donnerstag dort an und bin mit all meiner Motivation, den Unterrichtsideen usw auf die Nase gefallen; als die komplette Klasse die Schule verließ, musste ich mir eingestehen, dass ich meinen Lehrauftrag nicht mehr erfüllen konnte und bin noch heute meinem Kollegen sehr dankbar, der damals kurzfristig für mich an dieser Schule eingesprungen ist und mir diese Last mitten im Halbjahr von den Schultern nahm! Gern erinnere ich mich an die Stunden im Leipzig Kolleg. Als ich dort begann zu unterrichten, waren manche „Schüler“ älter als ich; zu Beginn hat mich das eingeschüchtert, mit der Zeit habe ich die Diskussionen auf Augenhöhe sehr zu schätzen gelernt und war am Ende meiner Dienstzeit dort sogar traurig, dort nicht mehr unterrichten zu können.

Nun also war ich heute mal wieder in einer Schule und das kam so: (Achtung! Längere Geschichte, ich hole aus und springe zu Beginn ein paar Wochen zurück nach Auckland!) Nachdem in Neuseeland reisen wieder fast fröhlich möglich war und ich mich auf den Weg nach Süden machte, stoppte ich in Silverdale, um mich für die Südinsel mit warmen Sachen und einer neuen SIM-Card einzudecken. Ich parkte mein Auto auf dem riesigen Parkplatz und machte mich auf die Suche nach einem Laden, der Schals, Handschuhe, Thermounterwäsche etc anbieten würde. Als ich den Parkplatz überquerte, lief mir eine Frau mit neu gekauften Handschuhen entgegen. Ich fragte höflich aus gefühlt fünf Meter Entfernung, wo sie diese gekauft habe, sie lächelte und sagte „Macpac“. Yeah, dachte ich, klingt super, also nichts wie hin. Ich „erstürme“ den Laden, voller Vorfreude auf endlich-wieder-einkaufen und mir kommt eine strahlende junge Frau entgegen und fragt mich, wie sie mir helfen könne. Ich zähle meine Liste auf und Philippa stattet mich kompetent und fröhlich mit allem aus, was ich brauche. Während ich die verschiedenen Teile anprobiere, kommen wir ins Gespräch und es stellt sich heraus, dass Philippa in Deutschland geboren wurde und ihre Eltern eine Zeit dort lebten. Wir reden über Lockdown und Reisen, sie möchte gern Deutschland besuchen und ich lade sie ein, sich bei mir zu melden und auf jeden Fall einen Stopp in Leipzig einzulegen. Wir tauschen Nummern und dann fragt sie mich, ob ich heute schon eine Dusche hatte und ob ich bei ihr daheim duschen wolle. Tatsächlich hatte ich an diesem Tag auf einem Campingplatz geduscht, deshalb lehne ich ab und bin im gleichen Moment geflasht von ihrer Offenheit und Herzlichkeit mir gegenüber. Und dann sagt Philippa, dass ihre Eltern in Christchurch leben und ich mich melden könne, wenn ich wolle und sie eine offene Tür und einen Platz für mich haben, wenn ich mag. Sie schreibt mir die Telefonnummern auf und ich stecke den Zettel überwältigt ein. … Wochen vergehen, ab und an schreiben wir miteinander, ich bereise die Südinsel und bin ich regelmäßig innerlich dankbar über die bestwärmenste Thermounterwäsche, die Philippa mir verkauft hat – besonders an den Nächten mit annähernd Minusgraden! Irgendwann in der letzten Woche fragte sie mich nochmals, ob sie ihre Eltern anschreiben solle und was soll ich sagen (ich kürze ein wenig die Erzählung): heute sitze ich in der Küche und schreibe euch diese Zeilen. Seit zwei Nächten bin ich Gast im Haus von Maria & Malcolm; ich habe ein eigenes Zimmer bekommen mit einem superschönen Willkommensschild und darf so lange bleiben, wie ich möchte. Und wieder einmal haut mich die Offenheit und Herzlichkeit einer neuseeländischen Familie um! Mir, einer Fremden, Haus und Tür und Herz zu öffnen – das ist ein Segen für mich!

Maria unterrichte im Rolleston College. Die letzten Tage kamen wir immer wieder ins Gespräch über ihre Arbeit an dieser Schule. Es ist eine von 5 Schulen in Neuseeland mit einem neuen Konzept des Lernens: offene Räume in jeder Hinsicht. Ich werde immer neugieriger, wie das aussieht und frage heute morgen unvermittelt, ob ich mal zu Besuch kommen könne in den nächsten Tagen und Mäuschen spielen und Maria sagt: klar, sei um zehn in der Bibliothek. Ich freue mich, löffle mein Frühstück zu Ende und kurz vor zehn setzt mich Malcolm im Schulgebäude an der Anmeldung ab. Ich trage mich in die Besucherliste ein – funktioniert online und ist ganz simple. Er bringt mich zur Bibliothek und ich stiefle hinein. Los geht mein Schultag:

10.00 Uhr Mathestunde in der Bibliothek. 30 Schüler, vielleicht 15 Jahre alt, verteilt an verschiedenen Tischen, auf Podesten, quatschend, essend, Youtube glotzend, balzend, verunsichert, schüchtern lächelnd, auf den Stühlen hängend. Maria unterrichtet Parabeldiskussion. 80% hängen defintiv mit ihren Köpfen woanders, an manchen Punkten scheint ihr gar niemand zu folgen. Und das aus purem Desinteresse.

Es ist eine von fünf Schulen in Neuseeland mit diesem neuartigen Konzept. Drei in Auckland, eine in Christchurch und diese in Rolleston. Ein neues, offenes Konzept des Bildens. Wer mehr wissen mag: https://www.rollestoncollege.nz/

Eine der ersten Fragen, die mir im Kopf aufploppen: Wie bleibt man als Lehrender motiviert ob dieser scheinbaren Ignoranz und des verherrschenden Desinteresses? Die Stunde ist wenige Minuten nach zehn zu Ende; ein richtiges Ende gibt es gar nicht, die Schüler packen einfach zusammen und stehen auf; unhöflich und respektlos erscheint mir das Verhalten. Maria schnappt mich lächelnd und wir gehen einen Kaffee trinken, treffen Kollegen, sie tauschen sich aus: vorrangig über all die Sachen, die noch getan werden müssen, denn diese Woche endet das Semester und das neue beginnt am kommenden Montag. Wie ein neues Halbjahr in Deutschland – das wird bis kurz vor Weihnachten dauern, dann sind Sommerferien.

Es klingelt zum nächsten Block; nun es ist kein richtiges Klingeln, die Lautsprecher spucken überall im Schulhaus und auf dem Hof ein Lied aus und ich merke, wie ich leichten fast tanzenden Fußes mit Maria zum nächsten Unterrichtsblock wackel. Das Lied wechselt übrigens wöchentlich. Ist defintiv etwas anderes als das stumpfe Klingeln einer Schulklingel in vielen deutschen Schulen.

Chemie. 29 Schüler. Der Block startet ziemlich laut. 100 Minuten liegen vor uns. Maria übertönt gekonnt die Herde. Ich ziehe erneut meinen hut vor ihr; frage mich wieder, wie lange man gesundheitlich eine solche Anspannung und Lautstärke aushalten wird. Die besondere räumliche Situation, die wuselige Gruppe von jetzt interessierten aber auch stark pubertierenden Jugendlichen; die Masse an Vorbereitungen für diese Art Unterricht (alles muss vorher online gehen; nix mit Schwellenstunden), Berichte schreiben, Kommentare zu Schülern verfassen, Vorbereitungs- und Planungstreffen… ich hätte schon lang kapitualiert. Wir sitzen in einem hallenartigen Raum. Mit uns drei andere Klassen in, durch Flipcharts und Whiteboards abgetrennten, Ecken. Es ist kalt. Unruhig. Für die Lehrenden gibt es keinen Tisch. Maria nutzt einen Stuhl als Ablage. Als die Herde halbwegs leise und startklar scheint, wählen sich alle über Tablet oder Smartphone ins Onlinesystem ein. Ich überlege: wenn hier der Strom ausfällt, läuft kein Unterricht mehr. Feel lost! Die Klasse startet mit zwei Quizrunden über Atome, Ione, Periodensystem. Eimi gewinnt. Für mich eine wirkliche unterhaltsame Methode und ich denke auch für die Lernenden. Ich erinnere mich, dass wir früher Bankrutschen gemacht haben, das war mit Abstand des Unterhaltsamste in meiner Schullaufbahn. Es folgt: Wiederholung für die Prüfung, die morgen auf dem Plan steht. Die restlichen Minuten des Blocks schreiben die Schüler „cheetsheets“ – Spickzettel (!), denn jeder darf ganz offiziell zur Prüfung einen selbstgeschriebenen A4-Zettel mitbringen. Wahnsinn! Ich erinnere mich an all die kreativen Spicker meiner eigenen Laufbahn und all jene, die ich als Lehrer „entlarven“ durfte. Schmunzle ein wenig auch über all die Spickzettel, die ich absichtlich übersehen habe; ja, liebe ehemalige Schüler (ich weiß, dass manche von euch das hier auch lesen =) ) , ich hab echt oft weggeschaut. Oder habt ihr gedacht, dass ich immer Bock auf Ärger deswegen hatte? 😉 Gegen 12.40 Uhr stehen alle wieder auf. Stunde zu Ende. Auch mein Schulschluß.

Mittlerweile ist es 22.30 Uhr. Maria sitzt noch immer über den Vorbereitungen für morgen. Sie erzählte, dass 65Wochenstunden oder auch mehr fast normal sind… Ich ziehe wieder meinen Hut; es muss Passion sein, Liebe am Lehren, Liebe zu den einzelnen Schülern, um dieses Pensum zu schaffen (für ein Gehalt, was denkwürdig wenig wertschätzend ist).

Was hat sich bei dir verändert?

June 11th – Portobello

Uiuiui, da hab ich euch ein paar Tage hängen lassen, euch neugierig stalkende Nasen 🙂 Verzeiht! Das hat einen schlichten Grund: die letzten Tage habe ich mit Schnupfen, Hals- und Kopfschmerzen verlebt und alle Momente genutzt, um zu ruhen, zu schlafen und mich mit Hörbüchern und Netflix abzulenken. In Coronazeiten mit einer leichten Erkältung angeschlagen unterwegs zu sein, fühlt sich soooo merkwürdig an. Als würde man die Pest durchs Land fahren. Ich hatte das Gefühl, mich verstecken zu müssen. Das lag bestimmt auch daran, dass nun ausgerechnet am vergangenen Montag die neuseeländische Regierung stolz erklärt hat, dass das Land Covid-frei ist. Da will man doch den Spaß nicht mit einem offiziellen Nießer und möglichen Corona-Symptomen verderben ;-). Dank meiner Reiseapotheke habe ich mich gut kurieren können und schniefel ich nur noch ein wenig, die Nießer haben aufgehört, yeahaaa!

Kleiner Zwischenschwenker: Wie dankbar und froh bin ich über die großartige Unterstützung in den Reisevorbereitungen dem Team meiner wunderbaren Hausarztpraxis! Sie haben mich humorvoll und ehrlich beraten, mir wöchentlich eine nützliche Impfung verpasst und jeden Murks, den ich eingepackt habe begründet und auch noch ins Englische übersetzt! Wahnsinn! Allerliebsten Dank an dieser Stelle! Und liebste Grüße heute mal ganz besonders in eure Runde!

Die Erkältung war wahrscheinlich ein lästiges Souvenir der letzten Tage, in denen ich viel gefroren habe. Die Häuser Neuseelands unterlagen noch bis zum vergangenen Jahr keinen Bauvorschriften – besonders gab es keine Regelungen für Isolierungen. So sind lediglich die Neubauten mit Doppelverglasung und Wärmeisolierung notwendig; die alte Bausubstanz muss dahingehend nicht nachgerüstet werden. Deswegen kann es passieren, dass man im Wohnzimmer eines Hauses sitzt und die Vorhänge sich im Rhytmus des Windes bewegen, obwohl alle Türen und Fenster geschlossen sind. Auch gibt es in den Häusern keine zentralen Heizsysteme. Das meiste funktioniert über Klimaanlagen, bewegliche Heizer, Ofen oder Kamine die mit Holz betrieben werden (diesen Rohstoff gibt es derzeit noch wie „Sand am Meer“ auf den beiden neuseeländischen Inseln – ich schreibe bewusst noch: bei dem Konsum wirde da irgendwann ohne großes Aufforsten auch Schicht im Schacht sein). Nun könnte ich als verwöhnte Europäerin den Kopf schütteln und über die fehlenden Heizkörper klagen – mach ich nicht, denn ich bin ja auch neugierig und habe freilich nach dem Grund gesucht, warum es keine zentralen Wasser- und Heizsysteme gibt: Erdbeben. Man stelle sich einen Öl- oder Gastank vor, vielleicht im Keller oder im Garten, Rohre die sich durch das ganze Haus ziehen usw (an dieser Stelle erspare ich mir eine detaillierte Heizerklärung), ihr habt das Bild? Also: Haus wie in vielen Teilen Europas und dann: Erdbeben. Ja, ihr versteht mich. Und dass man auf diesen Inseln eigentlich immer mit Erdbeben rechnen kann, haben die beiden Beben in Raum Wellington vor ein paar Wochen gezeigt, die ich miterlebt habe. Sowas kündigt sich eben nicht großspurig an, passiert einfach.

Seit Samstag bin ich übrigens auch wieder ein Stück weiter gefahren: Den Sonntag habe ich noch auf der Farm verbracht, mit der Dame des Hauses einen Gottesdienst der Presbyterianer besucht (huch, das war eine seltsame Erfahrung: kleine Dorfkirche, jeder kennt jeden und ich wurde behandelt wie eine „touristische Außerirdische“; den Gottesdienst hatte nämlich noch nie zuvor jemand von „Übersee“ besucht), Wäsche gewaschen, meinen Camper gesäubert und ein paar Mails beantwortet. Am Montag ging es dann für mich auf der Küstenstraße von Riverton über Invercargill nach Newhaven. Newhaven ist eine Miniküstenansiedlung inmitten der Catlins, eine wunderschöne Küstenlandschaft aus felsigen und sandigen Stränden, ruhigen Buchten und brausigem Meer an schroffen Felsen, eine Mischung aus bewaldeten Hügeln und Regenwaldtälern, mit vielen Wasserfällen, Aussichtspunkten und einer reichhaltigen Flora und Fauna. Seelöwen und Robben, Möwen und Albatrosse, Pinguine und Delfine… sie alle leben auch an dieser Küste und manche habe ich fast hautnah getroffen. Gerade sitze ich ein paar Kilometer hinter Dunedin und warte auf die Tour, die Albatrosse und die blauen Pinguine geführt beobachtet. Ja, vielleicht ärgerlich, dass ich dafür eine Tour buchen muss, auf der anderen Seite verhindert damit das Land auch, dass die tierischen Bewohner von Besuchern überrannt und unsachgemäß behandelt werden und so verschreckt werden, nicht mehr brüten, umziehen, aussterben… Die blauen Pinguine sind übrigens die kleinsten ihrer Art weltweit. Und wenn es möglich ist, ein Bild zu machen, werde ich euch daran teilhaben lassen. Hasenschwör!

Ansonsten stelle ich heute noch eines fest: kalendarisch vor vier Monaten bin ich in den Flieger Richtung Vietnam gestiegen. Vier Monate schaue ich mir die Welt an mit all ihren Schönheiten und Merkwürdigkeiten, texte euch seit vier Monaten auch damit zu 🙂 Und wenn ich das gerade so schreibe, fühle ich, wie dankbar ich bin, dass ich diese Reise machen kann, dass ich gesund bin, dass ich all das sehen kann. Selbstverständlich ist es eben nicht und deswegen bin ich umso dankbarer. Diese Woche ist in Deutschland ein Teil der Osterpost angekommen, die ich versandt habe und eine Reaktion darauf, die mich sehr bewegt hat, war Folgende: „…freue mich sehr über diese deine Zeilen aus der Vergangenheit. So vieles hat sich seit Karfreitag schon wieder verändert. In der Welt, in meinem Alltag, in deinem Alltag. Ich frage mich: hat sich auch in dir etwas verändert seitdem?…“ Als ich diese Nachricht las, überfluteten mich viele Momente und Erinnerungen, Gefühle, Freude und Traurigkeiten der letzten Monate – vermutlich geht es dir, lieber Blogleser, nicht anders, wenn du überlegst, was sich seit Karfreitag in deinem Alltag und in dir verändert hat. Ich halte für mich fest, dass Reisen verändert und den Horizont erweitert, die Neugierde befördert und stillt, das Herz jubeln aber auch den Kopf schütteln lässt, … dass manches an einem Ende der Welt genau ist wie am anderen, …dass Menschen menschlich sind aber nicht zwingend clever, …dass manches innere Gepäck nicht verloren geht auch wenn ich mich noch so sehr bemühe,… dass nicht vieles nicht selbstverständlich ist, …dass ich beschenkt bin mit lieben Menschen & mit Rumo, mit Gesundheit & Beweglichkeit und auch mit einem deutschen Pass, …dass ich behütet unterwegs sein konnte und auch hoffe, dies weiterhin zu sein, … dass ich es schaffe, mit mir allein zu sein und mich selbst zu sehen und ernstnehmen kann.

Und jetzt die Bilder der letzten Tage, ja, es sind wirklich 51 😉

Da ist kein Platz mehr…

June, 6th – Thornby (Riverton)

Der erste Samstag im Juni. Vermutlich ist es ein warmer Sommertag in Leipzig, vielleicht sitzt ihr im Garten oder im Park, habt eine kleine Radtour gemacht oder trefft euch im Biergarten. Wenn ich mich richtig erinnere, wäre es unter „normalen“ Umständen auch ein Samstag mit Pferderennen und Trödelmärkten. Wobei die großen Märkte auf der Agra immer am Monatsende sind oder? Doch vermutlich findet das in diesem Jahr alles gar nicht statt…

Ja, das Trödelmarktvergnügen ist etwas, dass die Neuseeländer nicht teilen. Schlicht aus dem Grund, dass es keine Trödelmärkte auf dem Großteil der Insel gibt. Vereinzelt blitzen Antiqitätenläden in den Straßenzeilen, aber dazu braucht es schon eine Ansiedlung mit mehr als 1000 Menschen ;-).

Da könnte man sich nun fragen, was mit all dem schönen Trödel auf dieser Insel passiert und eine megahübsche „Lösung“ habe ich heute in Invercargill besucht: Demolition world. Die Idee dahinter: nichts ist nicht mehr brauchbar, alles kann einen Platz haben, vielleicht auch einen ungewöhnlichen Platz und einen anderen Zweck. So entstand aus Weggeworfenem ein komplettes Dorf voller kleiner Häuschen mit lokaler Geschichte; so bezaubernd! Und weil Bilder oft mehr sagen, als Worte, kommen an dieser Stelle gleich mal ein paar Impressionen:

Invercargill mag nicht viel zu bieten haben, erst recht nicht, seitdem ein Erdbeben das Gebäude des hiesigen Kunstmuseums so doll beschädigt hat, dass es nicht mehr besucht werden kann, aber Demolition world ist absolut wert, hier anzuhalten! Hihi, jetzt klinge ich schon wie ein Reiseführer 🙂

Mein Camper Bessie und ich haben uns dann nach Bluff bemüht. Neben Invercargill eine der Städte, die nicht zwingend auf der neuseeländischen touristischen Route liegen, es sei denn, man befindet sich auf dem Weg nach Stewart Island. Die Region als solche lebte lange von Wal- und Robbenfang, heute vermehrt von Landwirtschaft, Fischerei und Aluminiumschmelzerei. Bluff ist darüber hinaus bekannt für seine Austern. Im Mai fand zur Feier der Auster sogar ein Festival statt – in diesem Jahr auch. Über Bluff möchte ich an dieser Stelle meine Neuseelandlektüre bemühen, die es auf den Punkt bringt: „Früher als an anderen Stellen Neuseelands, gingen die ersten Europäer bereits 1813 in Bluff an Land: Eine Expedition aus Sydney sollte die Möglichkeiten prüfen, mit den Maori Flachs zu handeln. Der erste Siedler, James Spencer, ließ sich zehn Jahre später nieder und gründete eine der ersten europäischen Siedlungen in Neuseeland – die erste, die langfristig bestehen blieb.“ Vielleicht ergänzend dazu an dieser Stelle auch noch den Ausschnitt über Riverton, der Stadt, in der ich mich seit Donnerstag aufhalte: „Die Siedlung wurde bereits 1790 von Walfängern genutzt. 1836 wurde Riverton dann offiziell von John Howell gegründet, womit es zu den ältesten Orten Neuseelands gehört. Howell soll außerdem den Grundstein für die erfolgreiche Schafzucht in Neuseeland gelegt haben…. Das „neue Neuseeland“ entwickelte sich schnell, aber für die Maori war hierin kein Platz mehr.“ (aus: Reiseknowhow Neuseeland, 1. Auflage 2017/2018)

Das Gefühl, dass auf der Südinsel wenig Platz für Mardy (Maoripeople) ist, beschleicht mich schon länger. So lange habe ich keine der schönen Holzschnitzereien mehr gesehen, keine Versammlungshallen, keine heiligen Stätten. In den vereinzelte Gesprächen, die ich auf der Südinsel geführt habe, klang leider immer wieder durch, dass Neuseeland und Mardy nicht eins sind, dass Neuseeland mehr ist, dass Mardy nicht zu Neuseeland gehören,… dass Mardy Menschen anderer Klasse sind, und da habe ich noch die Frau in Franz Josef im Ohr, die mich eindringlich gewarnt hat, vor DENEN, DIE sind doch nicht Commonwealth, DIE sind kriminell, DIE rauben und überfallen die Menschen, auf keinen Fall sollte ich mich als Frau DENEN nähern. Dieser rassistische Ton zieht sich durch die Gespräche der letzten Tage, taucht immer wieder auf, hält keiner Nachfrage und Anfrage stand, macht, dass ich mich sehr unwohl fühle. DIE Mardy die hier nicht hergehören sondern in den Norden der Nordinsel, DIE Asiaten die „unsere Häuser und unser Land kaufen“, DIE Touristen die den Einheimischen in Coronazeiten die Arbeit wegnehmen, DIE Australier die mit ihren Schafen die Wirtschaft schwächen… eine Litanei an Blabla, die in mir Überkeit und Wut hervorbringt. Ich will nicht generalisieren, bitte versteht mich da richtig. Es ist mein persönlicher, subjektiver Eindruck der vergangenen Wochen auf der Südinsel. Aber vielleicht ein Eindruck, den manche von euch teilen. Es macht mich traurig und stocksauer, dass Rassismus, ob eindeutig oder unterschwellig keine Grenzen kennt.

Als ich mich auf Neuseeland eingestimmt habe, las ich die mich verzaubernden Legenden der Mardy und eine ganz bekannte handelt auch von Bluff. In Bluff kann man passend zu dieser Legende einen riesige Ankerkette am Strand sehen, die in Richtung Stewart Island reicht. Symbolisch sind die Südinsel und Stewart Island mit dieser Kette verbunden. Als der Halbgott Maui mit seinen Brüdern Fischen war, hat er Neuseeland aus dem Meer gezogen. Te Ika a Maui (Mauis Fisch) ist heute als die Nordinsel bekannt; Te Waka a Maui (Mauis Kanu) ist die Südinsel und Stewart Island ist Te Punga a Maui (Mauis Anker). Und deswegen ist die Ankerkette in Bluff an Land zu sehen =).

„Inselstreckenhalbzeit“

June 5th – 12 km östlich von Riverton

Zum ersten Mal schreibe ich euch an einem Morgen, deswegen „Guten Morgen“! Seit gestern bin ich an der Südküste der Südinsel unterwegs. Dazwischen war auch so einiges: Queenstown & Glenorchy, Te Anau & Milford Sound. In Te Anau habe ich eine geführte Busfahrt unternommen, die mich nur ganz wenig an die Busfahrt in Kambodscha erinnert hat. 😉

Wenn ich mir so die Bilder der letzten Tage anschaue, dann bekomme ich manches Mal das Gefühl, dass ich zwischen Alpenregion und Norwegen pendle, Abstecher in das Erzgebirge unternehme und dann plötzlich wieder in den Alpen stehe. Verrückt und verwirrend. Das ist es auch, was mir bisher die Südinsel ist: eine Mischung verschiedenster Landschaften bestückt mit herrlichen, einzigartigen Gewächsen und belebt mit besonderen Tieren. Ein bisschen aufgeatmet habe ich gestern, als mir das salzige Wasser des Meeres in die Nase gepeitscht wurde vom starken Wind, denn das Meer hat mir definitiv gefehlt in den vergangenen Tagen 🙂

Seitens der Menschen habe ich den Eindruck, vermehrt „nur“ Touristen zu treffen; das ändert sich vielleicht in den kommenden Tagen, da ich ja aktuell zu Besuch auf einer Farm in der Nähe von Riverton sein darf.

Puh, morgens schreiben, wenn es noch dunkel und recht frisch ist, wird nicht mein Ding. Ich koche mir jetzt flugs den nächsten Kaffee und sende euch liebste Grüße! Over and out =).

Ähm. Doch noch ein paar Worte, mittlerweile ist es nachmittags. Mein „geniales“ Netz hat einfach bis jetzt gebraucht, um euch die Galerie hochzuladen. Fragt nicht – Südinsel und Empfang, das ist wie Wüste und Wasser, eher selten. Den Tag habe ich bisher auf der Farm verbracht: leider gibt es keine Schafe mehr, die sind alle beim Schlachter. Nichts mit Scheren lernen oder so. Ich habe der Dame des Hofes beim Putzen des Gewächshauses geholfen; es war eher ein Entkrusten, denn geputzt wurde das scheinbar noch nie, aber es hat Freude gemacht. Ein bisschen Werkeln im Garten erbaut mich ja zumeist. Danach waren wir gemeinsam bei der Post und Kaffee trinken – ich denke, dass Jilly sich auch gefreut hat.

… Vermehrt fragt ihr mich, welche neuseeländische Insel ich denn schöner finde und nun, da ich die „Reisehalbzeit“ habe, also die Hälfte von beiden gesehen, darf ich euch sagen: immer da, wo das Meer ist, geht es mir gut. Und nun ja, landschaftlich und geselliger weise war bisher die Nordinsel für mich etwas mehr Wohlfühlen als die Südinsel. Und ich darf euch auch ehrlich sagen: campen im Winter wird nicht mein Favourit, deswegen hat es die Südinsel aktuell auch schwerer.

Happy Pfingsten!!!

May 31st – Wanaka

Happy Pfingsten wünsche ich euch! Wie besonders dieses Fest doch in diesem Jahr ist! Stelle ich mir doch die Frage, in welchem Geist wir leben und in welchem Geist wir verbunden sind? Da geht ein besonderes Rauschen in diesem Jahr durch diese Welt… der Geist Gottes, das Rauschen vom Himmel, so heißt es in den Überlieferungen, der Hauch, der in die Menschen wirkt, der durch die Menschen wirkt – und 2020: das Jahr von Corona und Mundschutz, von Desinfektion und Abstandsregelungen, diese Ausnahme. Welcher Geist treibt die Menschen heute, welcher Geist beseelt die Menschen, welcher Geist erfüllt uns Herz und Mut und Tat und Leben? An dieser Stelle sei einer meiner liebsten Kantaten von Bach Platz geschenkt (und verzeiht, aber eine schniekere Aufnahme habe ich leider auf die Schnelle nicht gefunden):

Mein Pfingsten 2020 ist auch ganz besonders: ich stehe auf einem Campingplatz in der Nähe von Wanaka und eine meiner größten Freuden ist heute mein elektrischer Anschluss, der mir den Heizer betreibt, der meine kleine fahrende Bude wärmt. Pfingsten bei Temperaturen und Lichtverhältnissen, die mich mehr an Weihnachten und Silvester erinnern 😉 Defintiv etwas gaaaaanz anderes! Auch ist dieses lange Wochenende in Neuseeland etwas ganz besonderes: die Menschen sind auf den Straßen, nutzen das Wochenende mit Familien und Freunden für kurze Urlaube und Ausflüge und ich dachte: wie schön! Pfingsten wird auch hier gefeiert mit zwei freien Tagen. Ähm, so dachte ich, ABER: das lange Wochenende ist nicht aufgrund Pfingstens, nö, das liegt am nationalen Feiertag Queens Birthday. Ähm, gestern sagte eine Frau zu mir im Gespräch: „So religiös, dass wir Pfingsten feiern, sind wir nicht. Denk doch, wir sind immer noch Commonwealth!“ Damit löste sie ein großes Ähm in mir aus, dachte ich doch, dass es das Commonwealth im Sinne des britischen Empires nicht mehr gibt. Ja, der Mensch lernt nie aus: gibt es wohl doch noch. Zumindest in den Herzen der Neuseeländer und laut einiger einschlägiger Internetseiten. Anscheinend gehören zu der losen Verbindung namens Commonwealth of Nations immer noch 54 Mitgliedsstaaten. Ähm, ich staune. Und nehme mir vor, wenn ich mehr Netz und mobile Daten habe, dem ganzen mehr auf den Grund zu gehen. Sollte ich in den kommenden Wochen neue Erkenntnisse haben, lasse ich es euch wissen. Sollte doch zuvor schon jemand von euch mehr Dunst von der Materie haben, lasst mich bitte nicht dumm bleiben – teilet euer Wissen mit mir 🙂 !

So, nun will ich euch aber auch mal nicht im Dunkeln darüber lassen, was ich die letzten Tage so gemacht habe: gestern bin ich in die Luft gegangen! Nein, ich bin nicht wütend explodiert 😉 Hättet ihr wohl gern gehört, was? Ich bin tatsächlich zum allerersten Mal in meinem Leben mit einem Hubschrauber geflogen! Yeah! Und das über den Franz Josef Glacier, den Tasman Glacier und den Fox Glacier und zum Abschluss eine Runde um den Mt. Cook. Das ist der höchste Berg Neuseelands. Das Gefühl war atemberaubend! Auf dem Franz Josef stand ich als Erste im Neuschnee vom Vortag, ein Weiß! Unbeschreiblich! Und man denke daran: noch vor wenigen Wochen waren die Gletscher alle orange – von den Buschbränden Australiens! Erst durch den neuen Schnee der letzten Tage wurden sie wieder weiß… Danach ging es mit dem Camper weiter: Haast, Thundercreek Falls, blue pools, Lake Wanaka, Wanaka selbst, Cromwell, Alexandra… viel gesehen und aufgesaugt. Morgen will ich eine mehrstündige Wanderung in Wanaka machen, hoffe fest, dass das Wetter mitspielt! Drückt mir die Daumen 😉 Und zum Abschluss nun noch ein paar Bilderchen:

Zwischen Cape Farewell und Franz Josef

May 29th – Franz Josef (ja, so heißt der Ort 😉 )

Einen kleinen Wunsch habe ich heute Nachmittag: einen heißen, dampfenden Cappuccino in meinen Händen, ja gern auch mit Milchschaum, ein Küchentisch mit ein paar Blümchen drauf oder eine bequem-vertraute Couch mit dem Ofen an 🙂 So klein sind die Wünsche, wenn es kalt ist und regnet was der Himmel hergeben kann. Und vergesst bitte auch nicht: bei euch ist Frühling (bei den meisten von euch) und hier winterlicher Herbst. Manche Tage bekomme ich ein vorweihnachtliches Gefühl und das Bedürfnis, den Schwibbogen anzumachen und ein Räucherkerzchen dazu. Hihi, hätte nie gedacht, was das Außen im Innen so auszulösen vermag.

Seitdem ich auf der Südinsel bin, habe ich meinen Tagesrhytmus dem Licht angepasst. Ich fahre am morgen spätestens um sieben los (da krabbelte in den letzten Tagen das erste Licht über den Himmel), bin dann den ganzen Tag über auf Achse, wandere, schaue mir Sachen an, genieße die Sonne und manchmal auch einen Kaffee, suche mir gegen vier einen Parkplatz für die Nacht, koche mir etwas zum Essen und halb sechs, wenn die Sonne defintiv nicht mehr zu sehen ist, krieche ich mit meinen Wärmflaschen in den Schlafsack. Dann lese ich Nachrichten von euch, höre eure Sprachnachrichten ab, antworte auch ab und zu 🙂 . Spätestens um neun fallen mir dann die Augen zu und um fünf klingelt der Wecker für den neuen Tag.

So bin ich in den vergangenen Tagen an zahlreichen Orten gewesen, die ich euch gern zeige:

Da mein Blog kein Neuseelandreiseführer sein soll, erspare ich euch und mir an dieser Stelle ausführliche Details zu Geografie und Geschichte. Das könnt ihr alle im Internet oder in gedruckten Büchern nachlesen 🙂 . Will ich euch doch an dieser Stelle lieber erzählen, wie es mir ergeht bzw. in den letzten Tagen ergangen ist: Zu Beginn war es komisch, wieder allein zu sein und manchmal ist es das immer noch, besonders nachts, wenn irgendein Tier versucht, in meinen Camper zu klettern und ich Minuten brauche, bis ich checke, dass ich keine Angst haben muss. In diesen Momenten und am heutigen tristen Regentag wünschte ich mir Gesellschaft. Doch merke ich auch, dass ich mich mit jedem Kilometer mehr daran gewöhne, diese Reise eben allein zu machen und da gehört die Einsamkeit dazu, wie die Wärmflasche im kalten Camper.

An manchen Orten ist es unwirklich für mich, dass ich gerade in Neuseeland bin, manchmal erinnert es mich an andere Orte, manchmal vergesse ich gar, dass ich gut 19000km von Deutschland entfernt unterwegs bin weil es sich auch so vertraut anfühlt; ja, es ist ein wenig vertraut für mich durch Neuseeland zu reisen. Ich fühle mich wohl mit all dem grün und vor allem dem naturbelassenen Wald, den weiten Wiesen, den Hügeln und vor allem dem Meer vor der Nase. Es weht und windet, ich schließe die Augen und es geht mir so gut! Und ich freue mich darüber, dass vor allem das Meer es so leicht schafft und das Wandern durch den Wald, mir die Sorgen aus dem Hirn und Herzen zu treiben. Denn manche Nächte finde ich kaum Schlaf, weil so Vieles ungeklärt ist…. Visa, Geld, Rückflug… Doch auch das gehört eben zu dieser meiner Reise, kein Urlaub ist es, keine pure Erholung, es ist eine Pilgerreise mit allem was dazu gehört. Und so versuche ich zu atmen und Tee zu trinken und ruhig zu bleiben. Nichts anderes wird helfen. Stimmts?

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