Monat: August 2020

Mal kurz zwischendurch: Wohnungsmarkt Leipzig

August 30th – Leipzig

Ich suche eine neue Bleibe, für Rübchen und mich. Das letzte Mal, als ich in Leipzig umgezogen bin, war zu Beginn des Jahres 2019. Damals musste ich aus einer zu großen Wohnung aus der Südvorstadt ausziehen; die Idee: ich suche mir ein WG-Zimmer oder eine kleine Wohnung. Drei Monate habe ich zum Jahreswechsel 2018/2019 damit zugebracht, mir Wohnungen anzuschauen, mich WGs vorzustellen, mich durch unzählige Onlineangebote zu wühlen; alles leider mit weniger Erfolg gekrönt. Zuletzt wurde ich auf Ebay Kleinanzeigen fündig: eine kleine Wohnung in der Zschocherschen Straße wurde annonciert, innerhalb von zehn Minuten gab es zwanzig Interessenten – ich war eine davon. Als ich die damalige Mieterin traf, wurde schnell deutlich, dass ich mit „ehrlich währt am längsten“ wohl eher unter „ehrlich wird nicht fündig“ verbucht würde. Also wandte ich einen kleinen Trick im Gespräch an, um den direkten Kontakt zur Hausverwaltung zu bekommen, schrieb noch am gleichen Abend eine Email an selbige und bekam den Zuschlag. Getrickst deshalb, weil eigentlich die Mieterin eine Nachfolge „aussuchen“ durfte. Trotz des Zuschlags behielt ich einen dumpfen Beigeschmack – wie sollte das wohl weitergehen in dieser Stadt mit bezahlbarem Wohnraum, der gefühlt nicht so weit draußen ist, dass man den Eindruck bekäme, näher an Chemnitz als an der Leipziger Innenstadt zu wohnen?

2019 zog ich in die Wohnung und schon damals dachte ich mir „Das ist bloß für den Übergang, bis ich was hübsches finde“. Bezahlbar ar sie auf jeden Fall, doch gelegen an einer Hauptverkehrsstraße des Leipziger Westens, reger ÖPNV, eine Feuerwache fußläufig, Kneipen, Studentenpartys und vor allem: kein Grün vor der Nase. Dann kam das Jahr 2019 anders als geplant und ich entschied mich, die Stadt für eine Weile zu verlassen und mir die Welt anzuschauen. Als ich die Wohnung zur Zwischenmiete ausschrieb, ging es mir wie meiner Vormieterin: innerhalb weniger Minuten gefühlt hunderte Interessenten, denn kleine Wohnungen, die auch noch einigermaßen bezahlbar sind, blieben rar.

Zeitsprung: als ich im April 2020 in Neuseeland war, wurde mir wieder deutlich, dass ich nicht mehr „Kompromisswohnen“ wollte. Ich möchte wenigstens auf einen Baum gucken, im besten Fall einen bzahlbaren Wohnraum mit Balkon haben, das Gefühl zu atmen, anstatt mich entscheiden zu müssen zwischen „Luft und Lärm“ oder „Ersticken und ein bisschen weniger Lärm“. Zurück in Leipzig habe ich deswegen nun meine Wohnung gekündigt zu Ende November. Und seitdem geht die Suche von Neuem los. Klar ist: eine WG auf Zeit ist denkbar (weiß ich ja nicht, wie schnell ich wieder losziehen kann), eine Wohnung ist möglich – aber wo? WG gesucht bietet Abhilfe, seit gestern habe ich wieder ein Profil. Bezahlbarer Wohnraum für Alleinwohnende in Leipzig? Eine Illusion?

Seit 8 Jahren ist Leipzig – zusammen mit Berlin und Frankfurt – eine der am schnellsten wachsenden Großstädte Deutschlands. Jährliche Wachstumsrate: ca. 2 Prozent. Dabei sind die Auswirkkungen auf den Wohnungsmarkt unglaublich beachtlich. Spaziert man heute durch diverse Stadtviertel, entdeckt man an allen Ecken und Enden Baustellen, die auf Neubauten schließen lassen. Leerstehende Wohnungen sind mittlerweile Mangelware, die Nachfrage nach Wohnraum ist riesig. Besonders in dieser Zeit des Jahres, da das neue Semester vor der Tür steht. Die Stadt „scheint bemüht“, durch Mietpreisdeckel und diverse andere Verordnungen eine Preisexplosion zu zügeln – unklar bleibt, ob das gelingen mag… Fokus liegt eben auch auf Neubauten: zwischen den Jahren 2013 und 2017 wurden jährlich ca. 940 neue Wohnungen errichtet; 2018 waren es schon mehr als 2000. Dennoch: die Mietpreise steigen überdurchschnittlich (zwischen 2013 und 2017 um mehr als 10%!); Wohneigentum wird immer teurer – des Einen Freud, der anderen „Ätz“.

So bleibt es spannend, wohin es mich verschlagen wird: in eine WG, in eine eigene Bude, in welchen Stadtteil oder doch nach Borna? Lach =) Leipzig wäre wirklich super. Also: wenn du was weißt, wenn du was hörst, wenn du jemanden kennst, der was weiß oder wenn du jemanden kennst, der jemanden kennt – ruf mich an oder schreib mir ne Nachricht. Ich glaube tatsächlich: in Leipzig eine Bleibe zu finden funktioniert aktuell lediglich über Vitamin B 😉

100000000 Möglichkeiten und doch?

August 27th – Leipzig

Ich könnte doch… Englisch üben, Tagebuch schreiben, den Abwasch machen, die Fenster putzen, mich um ein neues Telefon kümmern, den Garten gießen, jemanden anrufen, die unzähligen Nachrichten im Posteingang von whatsapp beantworten, ein Bild malen, einen Film schauen, mein Auto aufräumen, die Post beantworten, Vodafone anrufen… ich könnte all das und noch viel mehr und doch: es fehlt an freier Muse. Also schnappte ich mir vor wenigen Augenzwinkern meinen Rechner, klappte ihn auf und entschied: ich schreibe etwas in den Blog. Nur was? Ja ja, ich weiß, dass ihr vielleicht gewartet habt; vielleicht habt ihr gewartet auf DIE Nachricht von mir, die euch erzählt oder erklärt oder eröffnet, was nun aus der Weltreisenden wird. Und ja, auch richtig: ich bin selten um Worte verlegen, habe meist was zu erzählen, doch: mir fehlt die Muse.

Was für mich Muse ist? Freiheit im Kopf und Herz, zu träumen, zu denken, zu sabbeln und zu sortieren, gedanklich spazieren zu gehen, kreativ zu stapeln und umzuwerfen, aufzubauen, neu zu schlichten und zu kombinieren als wäre ich Kandinsky oder Magritte mit einer Tastatur. Manchmal merke ich, wie mich die Muse „küsst“, wie mein Herz Purzelbäume schlägt und meine Finger über die Tastatur fliegen, wie meine Gedanken sich selbst überholen und ich staunend neben mir stehe. Dann ist die Muse ganz nah. Als ich in Neuseeland war genügte mir das Rauschen des Meeres, das Singen der Vögel, der kitzelnde Sonnenstrahl in meinem Cappuccino und ich die schlichte Einfachheit, um mich frei zu fühlen, um die Muse zu spüren. Zurück in Deutschland ist das anders. Und vielleicht erzähle ich euch schlichtweg davon.

Seit gut zwei Wochen habe ich wieder etwas wie alltägliches Leben: täglich wackle ich in die Leipziger Innenstadt und besuche eine Sprachschule. Das Ziel: mein Englisch auf das Level C1 advanced pauken und Mitte September dann die finale Prüfung im Cambridge-Examen ablegen. Hoffentlich erfolgreich – crossed fingers! Zwischen 5 bis 8 Schulstunden am Tag bringen mir abwechselnd zwei Muttersprachler die für mich immer noch fremde Sprache nahe: wir üben „reading & using“, „listening“, „writing“ und ganz besonders… tatata: Grammatik! Besonders in Letzterem haben sich Fehler über die Jahre eingeschlichen und nun habe ich noch knapp zwei Wochen, um meine Hirnströme dahingehend umzuprogrammieren. Superchallenge! Im Großen und Ganzen ist der Unterricht super, die Aussichten auf Erfolg im Examen sind Tagesformabhängig und doch fühlt es sich supergut an, daran zu denken, dass ich ggf in wenigen Monden einen Nachweis in den Händen halte, der mich berechtigt, für englischsprachige Unternehmen zu arbeiten. Denn – ihr habt es wahrscheinlich geahnt – den Kurs mache ich ja nicht ganz ohne Hintergedanken. Das Ziel ist es, für eine Weile nach Neuseeland zurückzugehen.

Neben dem Englischkurs habe ich mich um verschiedene Dinge gekümmert, die einfach erledigt werden müssen, wenn man wieder eine Weile ins Ausland möchte: Haushalt verkleinern, langfristige Verbindlichkeiten auflösen, Dokumente übersetzen, ärztliche Atteste einholen, den internationalen Führerschein auffrischen und und und.

Lach – manche von euch sehe ich gerade die Hände überm Kopf zusammenschlagen. Nein, ich will nicht auswandern! Ich möchte nur sehr gern von der Muse geküsst eine Weile in Neuseeland atmen, will mein Herz schlagen hören und meine Finger über die Tasten fliegen lassen.

Zurück in Deutschland zu sein, bedeutete für mich in den vergangenen Wochen, in ein System zurückzukommen, das seinen Weg läuft. Von außen betrachtet: ein System, in dem ich gut leben konnte, aktuell aber meinen Weg nicht finde. Besonders heute fühle ich mich als würde ich an einer Wegkreuzung stehen mit einer überflutenden Anzahl von Möglichkeiten. 10000000 Möglichkeiten und doch? Den von mir gewünschten Weg, für eine kleine Weile nach Neuseeland zurückzugehen, kann ich nicht einschlagen, denn noch immer sind die Grenzen Neuseelands dicht. Aktuell wird sogar davon gesprochen, vor dem Sommer 2021 nicht mehr zu öffnen. Und das bedeutet für mich: einen anderen Weg in Deutschland einschlagen, über den ich mir bisher keine Gedanken gemacht habe. Man könnte jetzt sagen, das sei naiv. Man könnte auch meinen, dass das so untypisch für mich ist, keinen Plan zu haben. Und ja, vielleicht war ich einmal planvoller, vielleicht gab es aber auch in meinem Leben bisher wenig Chancen, andere Wege einzuschlagen? Gefühlt stehe ich täglich neu vor 10000000 Möglichkeiten und dabei geht es nicht nur um die Frage, welche der Tomaten ich im Supermarkt kaufen sollte. Für mich ist es eine andere Frage: machen mich die Möglichkeiten freier? Und aktuell habe ich den Eindruck, so ganz persönlich, dass mich die Möglichkeiten lähmen, mir manchmal die Luft rauben und das Herz rasen lassen. Gefühlt haben all die Möglichkeiten, den Druck in mir steigen lassen. Und so kreise ich um mich, denke „ich könnte doch mal…“, fühle mich wie ein Panther im Käfig. Manchmal ertappe ich mich, wie ich auf mein Handy starre, auf Nachrichten warte, wie ich Netflix und Co öffne und hoffe, dass sie mir was vorschlagen, auf das ich gewartet habe, ertappe mich, wie ich Facebook durchscrolle und doch nicht denke, ertappe mich wie ich warte und warte und kreise und kreise. Dann trinke ich Kaffee, atme, lausche in mich, rauche eine zu viel, starre wieder aufs Handy, trinke noch nen Fencheltee.

Ich richte mich auf, straffe die Schultern, fühle mich dankbar, dass ich gesund bin, dass ich liebe Weggfährten habe, die mein Zögern aushalten, meinen Kopf gerade rücken und mein Herz verstehen. Und: die meinen Blog lesen, auch wenn er seltsam melancholisch daherkommt. Bis bald, ihr Lieben!

Top 3

August 11th, Affalter (Erzgebirge)

At the beginning some words for my English-speaking friends: I have been thinking about writing the blog in English, but I have to say: that would be hart work for me. So I decided to mix it, some Blog posts will be German, some English. Today: German. If you want to translate it I can recommand „google-translator“. It is nearly the best. And if you only want to see some pics, jump on the end of the post =)

Mein erster Blogbeitrag aus Deutschland. Also ja, es gab eine kurze Info, dass ich wieder da bin; heute bekommt ihr wieder einen längeren Redebeitrag meinerseits. Schon bevor ich in Neuseeland gestartet bin, hatte ich mir überlegt, den Blog weiterzuführen. Doch die ersten Wochen waren so voll, so anders, so „besonders“, dass mir oft die Worte fehlten, obwohl mein Kopf voller Gedanken war. Diese zu sortieren und für euch zu formulieren war eben ein anderes paar Schuhe.

Apropos Schuhe und Klamotten…. Viele von euch haben mich gefragt, wie es ist, nach Deutschland zurückzukommen? Puh, ich kann euch sagen, dass das – neben „Und, wie war es?“ – die schwerste Frage aktuell ist. Ich halte dann inne, versuche einen Vergleich zu finden, ringe nach Worten, versuche Emotionen, Gefühlsirrsinn und Kulturschock in Worte zu fassen, scheitere innerlich und überlege und überlege… womit ist es vergleichbar, nach dieser Reise nach Deutschland zurückzukommen?

Ein Versuch: am Ende des Sommers packst du deine Sommerklamotten und Schuhe weg, denn es kommt die kalte Jahreszeit und du brauchst Staufläche in deinem Schrank für all die Pullis und langen Hosen. Vielleicht packst du sie in einen Karton, verstaust sie gut, denkst nicht mehr dran. Irgendwann wird es Frühling, die Tage wärmer und du kramst die Kiste wieder vor. Dunkel erinnerst du dich, was du reingelegt hast, wie es war die Sachen zu tragen und du weißt auch noch, dass sie dir gut gestanden und gepasst haben. Du ziehst sie an und stellst fest: manches sitzt noch wie angegossen und manches sitzt nicht mehr so gut, anderes gefällt dir nicht mehr, doch du denkst „Geht schon noch“ oder „Wird schon wieder passen“. Tage vergehen, vielleicht zuppelst du an dir herum und obwohl es deine Sachen sind, gibt es unter all den Dingen eben manches, was nicht mehr zu dir gehört. Und hey, es lag ein Winter dazwischen, du hast dich verändert. Vielleicht nicht nur äußerlich (immerhin gab es Weihnachtsschlemmereien dazwischen), vielleicht auch innerlich. Dein Bild von dir, dein Geschmack…

So ist es für mich, nach Deutschland zurückzukommen. Wenn ich meine Kiste anschaue, die ein halbes Jahr verstaut war, dann gibt es Dinge, die erfreuen mein Herz und Dinge, die ich ansehe und denke: das passt nicht mehr. Seit 16 Tagen bin ich wieder hier und viele Begegnungen sind so, als wäre ich nie weggewesen.Manches verändert sich nicht oder nur ganz wenig: Superschön!

Doch gibt es tatsächlich viele Dinge, die mein Leben ausgemacht haben, bevor ich gefahren bin, an denen ich nun täglich rumzuppel. Ich denke „Das muss doch gehen“, „Das muss doch passen, immerhin habe ich es so lange getragen“ (jetzt im Klamotten-Bild noch mal gedacht), doch es passt nicht mehr. Und das löst Verschiedenes in mir aus: ich freue mich über meinen Weg, meine Veränderung bis heute, weiß warum ich unterwegs war und was ich für mich gefunden und erreicht habe und ja, besonders nach dieser so ganz anderen Reise habe ich Gedanken und Weisen entdeckt, die ich nicht erwartet habe. Und auf der anderen Seite bin ich auch unglücklich, betroffen und eine große Portion ratlos, denn – und ich möchte es mit Frodos Worten sagen: „Wie knüpft man an an ein früheres Leben? Wie macht man weiter, wenn man tief im Herzen zu verstehen beginnt, dass man nicht mehr zurück kann?“. Jaaa, der Hang zum emotional Dramatischen, den habe ich noch immer 🙂 Manches ändert sich nicht! Und doch auch ganz deutlich: nach einem halben Jahr habe ich mich verändert, habt ihr euch verändert, hat sich die Welt verändert (und das wahrscheinlich noch mal deutlicher durch Covid 19). Und so ist es. Und so darf es sein.

„Und, was hast du nun vor?“ Platz 3 der schweren Fragen. Wie will ich anknüpfen an mein früheres Leben hier? Als Erstes habe ich begonnen, all den Dingen, die ich nicht mehr brauche und die mir nicht mehr passen, ganz aktiv einen neuen Platz zu geben. Klamotten und Schuhe, Bücher, Spiele, Unterrichtsmittel, Haushaltsdinge, Möbel… es gibt eine Fülle von Sachen, die gehen dürfen, neue Besitzer finden oder einen guten Platz im Kreislauf des Vergehens einnehmen. (Wenn jetzt einer von euch das Bedürfnis oder den Gedanken hat, mich zu fragen, was noch da ist, scheut euch nicht! Es gibt noch reichlich Dinge, die ich gern an euch für einen Silberling oder Groschen abgebe. Schreibt mir bei Facebook oder schickt mir ne einfache SMS, Antwort garantiert 🙂 Und wenn ich ganz ehrlich zu mir selbst und euch bin: es gibt nichts, was es in meinem Haushalt nicht gibt. „Zwinker“.) Und dann darf ich euch auch ehrlich sagen: nach Deutschland zurückzukommen und keine Arbeit zu haben, bedeutet anderen „Spaß“. Den muss ich denke ich nicht weiter ausführen, oder? Paragraphen-Ämter-Wald(kein)Spaziergang. Nochmal „zwinker“.

Und sonst? Was ich neben dem Aussortieren mache? Das wird an einem anderen Tag Platz bekommen. Spannungsbogen und so 🙂

Für heute will ich gern schließen mit meinem Seelenhundemann Rumo. Ihn wiederzusehen war zu Beginn ein wenig seltsam, seinen Gesichtsausdruck deutete ich zwischen freudiger Verwirrung und „Dich kenn ich doch, doch was willst du denn hier?“. Nach mehr als einer Woche miteinander haben wir uns wieder eingegroovt und eingewurschtelt, waren auf alten und auch neuen Spuren unterwegs, es wurde gekuschelt, manchmal geknurrt und wir freuen uns aneinander. Davon gibt es noch ein paar Eindrücke für euch. Passt gut auf euch auf und fühlt euch herzigst gegrüßt!

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