Monat: Mai 2020 (Seite 2 von 2)

Delfine in Russell

Auszüge aus meinen Bleistiftschriften von heute:

„Ich bin heute noch mal nach Russell gefahren, um Delfine und/ oder Orkas zu sehen. Zum zweiten Mal. Leider ist das Vorhaben diesbezüglich auch heute nicht von Erfolg gekrönt. Geduld haben. Pläne machen und mich dann doch einfach überraschen lassen, was mir über den Weg laufen mag. Im besten Fall ist es was oder jemand, mit dem ich nicht gerechnet habe. … Der Wind pfeift mir hier am Strand um die Ohren, zaubert mir eine Sturmfrisur, ich rieche das Meer mit allen Poren und schmecke meine salzigen Lippen. Bunte Muscheln, schwarzes Gestein und gelber Sand knirschen unter meinen Schuhen. Ich will mich entschleunigen lassen. … In der Rocky Bay treffe ich eine Touristin, die mich in unglaublich schnellem englischen Dialekt aufgeregt fragt, ob es sich lohnt, hier weiter am Strand zu laufen, ob das was irgendwas Interessantes zu sehen wäre oder kommen würde. Sie wirkt wie eine getriebene Jägerin, unschlüssig, sie will jagen, was sich „lohnt“, sie will vielleicht auch nur ihr Fotoalbum daheim mit den „besten Schüssen“ füllen. Ob sie den Moment hier erlebt? … So will ich nicht unterwegs sein. Klar, einen Delfin oder Orka in freier Wildbahn sehen, das wäre was! Doch: ich habe einen herrlichen Vogel beobachten dürfen, der auf den ersten Blick aussah, wie ein sitzender Pinguin. … In Sichtweite blüht eine Bananenstaude und in ihr singt ein Vogel sein ganz einzigartiges Lied. Bezaubernd, wenn ich mich entschleunige und nicht vorbeijage. … Auf der Rückfahrt nach Whangeruru sah ich blau schimmernde Eisvögel auf den Stromleitungen sitzen und über die Straßen fliegen, ich sah grün gefederte, frech streitende Papageien und acht kleine, putzige Kiwis, die vor meinem Auto die Straße überquerten. Und ich habe geweint vor Glück, dies mit meinen eigenen Augen sehen zu dürfen.“

Bubblebuddy

May 2nd – Whangeruru

Heute habe ich eine unglaublich bezaubernde Nachricht der neuseeländischen Medien gesehen: Innerhalb von drei Tagen wurden über 100 Tiere aus einem Tierheim in neuseeländische Familien und Haushalte abgegeben. In diesen Tagen gab es über 800 weitere ernstgemeinte Anfragen an dieses Tierheim. one-news vermutet, dass es daran liegen könnte, dass die Menschen einen „Bubblebuddy“ suchen und ihn seit Dienstag dieser Woche also seit dem Wechsel nach Level 3 auch nach Hause holen dürfen. Wie schön, wenn der Lockdown und Isolationsmurks in dieser Hinsicht auch etwas Schönes in sich birgt!

Wenn ich mir einen tierischen Bubblebuddy aussuchen würde, wäre es zu allererst mein kleiner süßer Knuffel Rumo. Gestern hat er seinen neunten Geburtstag „gefeiert“, der erste Geburtstag ohne mich. Zur „Feier des Tages“ gab es ein Menü und ein Gewitter – ich weiß,dass er sich über eines von beiden defintiv nicht gefreut hat =).

Ich kann mich an den ersten Rumo-Geburtstag erinnern: wir haben ihn mit einem Tag auf der Rennbahn zum Pferderennen gefeiert und ihn im Glashaus ausklingen lassen. Viele liebe Menschennasen waren dabei und ich vermute noch heute, dass Rumo die Streicheleinheiten aller mehr genossen hat als den Trubel auf der Rennbahn.

Rumo ist eine Hundeseele, die die Menschen sehr schnell verzaubert und für sich gewinnt; wie viele haben mir gesagt „Ich mag eigentlich keine Hunde, aber Rumo ist anders.“ Und ja, Rumo ist defintiv anders. Er ist mein Hundeseelenverwandter und er hat mich gerettet:

Ein Sommertag 2011, ein Besuch im Tierheim und ich wollte eigentlich einen großen, schwarzen, erzogenen Hund… an diesem Tag waren all jene vermittelt. Mit Helena war ich im Tierheim und ich war mir sicher: ein Welpe kommt mir nicht ins Haus. Und als Helena und ich alle „Großen“ durchhatten, wollte ich aus purer Enttäuschung nach Hause fahren. Man stelle es sich kurz vor: nach langem Ringen mit mir selbst, hatte ich mich entschieden, einen Hund zu adoptieren und ihm ein Zuhause zu geben. Ja, ich sehnte mich auch nach einem Begleiter und einem Alltagsgestalter, denn zu diesem Zeitpunkt meines Lebens „brauchte“ ich einen kleinen täglichen Anreiz, um aufzustehen und rauszugehen… das ist eine längere Geschichte, die ich vielleicht ein anderes Mal und möglicherweise auch an einer anderen Stelle erzählen mag… also zurück nach 2011 ins Tierheim Leipzig: ich war mit einer Erwartung gekommen, mit einem Bild von einem Hund, einem Bild von mir und einem Hund und nach dem Rundgang war klar: das klappt nicht. Also Heimfahrt! Aber es kam anders, denn Helena wollte unbedingt noch die Welpen sehen; und ich habe mich „breitschlagen“ lassen, dachte ich doch, dass ich auf keinen Fall, niemals und garüberhaupt nicht, einen Welpen mit nehmen werde. Und dann stand ich an dem Gehege, drei kleine Welpen, die wie kleine Schafe aussahen: wollig, lockig in drei verschiedenen Farben und ein Welpe an der Seite, fast glattes Fell, schwarze Ohren, ein paar Locken, hell und weich. Und er schaute mich an. Und er wich mir nicht mehr von der Seite. Und da ist das passiert, von dem viele reden und was ich bis dahin nicht verstanden habe und vielleicht auch nicht verstehen konnte: der Hund wählt sich den Menschen. Und an diesem Tag hat Rumo mich gewählt. Er hat sich entschieden, in mein Leben und mein Herz zu kommen und an jedem einzelnen Tag bin ich froh und dankbar, dass er das getan hat. Und wer Rumo kennt, der weiß vielleicht ein bisschen, warum ich so gesegnet mit ihm bin…

Umso schwerer fiel es mir, ihn „zurückzulassen“ und mich auf den Weg zu machen… Schon im Oktober letzten Jahres, als ich die Entscheidung getroffen habe, dass ich Deutschland für eine Weile verlassen werde, habe ich mit ihm gesprochen und ich hatte das Gefühl, dass er versteht, warum ich gehen werde. Ja, wer mag darf mich getrost an dieser Stelle verrückt erklären… Ich fühle, dass er weiß warum ich nicht da bin und dass er auch weiß, dass ich ihn mindestens genau so vermisse, wie er mich. Schon jetzt bin ich sehr gespannt, wie unser Wiedersehen werden wird =) und bis dahin ist er gut aufgehoben. Habt Dank, ihr Lieben, die ihr euch in dieser meiner Reisezeit um meinen Seelenverwandten kümmert. Drückt ihn fest von mir!

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