Monat: April 2020 (Seite 2 von 2)

Und täglich…

April 10th in Whangaruru

Heute ist Freitag. Karfreitag. Seltsam war es auch heute, denn ich weiß, dass es ein „besonderer“ Tag war, aber so richtig „besonders“ war er eben auch nicht, denn die Tage sind wie sie sind und laufen wie sie laufen, und es ist, was es ist: Lockdown auf einem Gelände, dass wir nicht verlassen dürfen. Morgen früh dürfen drei Auserwählte nach Whangarei fahren, um einen Einkauf für alle zu machen. Das ist eine Mammutaufgabe, denn für 11 Leute einzukaufen, die alle eine andere Sprache sprechen, ist schon in der Planung der Einkaufliste eine mega Herausforderung. Das nimmt gerade locker eine Stunde des Abends in Anspruch. Den „kurzen Stock“ für unsere kleine deutsche Schicksalsgemeinschaft hat Dominic gezogen. Er glänzt mit einer Hammerliste, die nach verschiedenen Kategorien unterteilt ist. Mal schauen, was er vergisst. Hihi. Johanna und ich tippen: Johanna sagt, er wird einen der beiden Kaffees vergessen, ich tippe auf die speziellen Hygieneartikel, die Männer niemals benötigen. Aus purer Überforderung 🙂 .

Ja, die Tage sind, wie sie sind und manchmal habe ich das Gefühl, dass wir in einem „und täglich grüßt das Murmeltier“-Film festhängen. Und täglich grüßen die Hühner, und täglich winkt Sam am Tor, und täglich wartet Arbeit auf dem Grundstück, und täglich kommt Karl vorbei, und täglich staune ich morgens über die Schönheit der Natur um uns, und täglich rufen die Mamis von Johanna und Dominic an, und täglich … nach fast allem kann ich mittlerweile meine Uhr stellen 😉 . Ich bin froh, dass es einen sicheren Alltag für mich und auch für die anderen gibt. Wir stehen nicht mehr in der Unsicherheit eines öffentlichen Parkplatzes und das ist ein echter Gewinn. Und freilich ist es eine große Herausforderung, gemeinsam hier die Tage zu gestalten, sich gegenseitig zu respektieren, seinen eigenen Platz zu finden und bei sich zu bleiben. Für Sonntag haben wir ein gemeinsames Osterdinner geplant, ich freue mich darauf, dass wir damit das Osterfest zu etwas Besonderem machen. Und ich werde es euch wissen lassen, wie es war.

Heute haben einige von uns auch den Tag zu etwas Denkwürdigem gemacht: es gab das große Haareschneiden. Lockdown-Haircuts. Vorher – nachher hat Johanna festgehalten und ihr könnt es gleich sehen. Und keine Sorge: ich war nicht schon wieder dran 😉 .

Gründonnerstag in W…

April 9th

Heute habe ich mal nachgeschaut, wo genau wir sind 🙂 Ich hab es nicht mehr ausgehalten und google war so freundlich, mir meinen Standort im Handumdrehen zu zeigen. Ich sag mal so: den Russel forrest können wir sehen.

http://ronjabanu.de/wp-content/uploads/2020/04/VID-20200409-WA0007.mp4

Wovon könnte ich euch heute erzählen?

Nun, ich könnte euch sagen, dass es heute richtiges Aprilwetter gab: Sonne mit Schwitzen und Braunwerden, doller Wind, Regenschauer, bewölktes Wetterlein und alles gemixt, als würde man immer wieder am einarmigen Banditen drehen. Aber würde euch das interessieren?

Ich könnte euch aber auch davon erzählen, dass wir wahrscheinlich ab Dienstag allein oder in 2er-Gruppen kleine Spaziergänge außerhalb des Grundstückes machen können. Wir haben uns hier so gut „benommen“, dass auch das Herz des letzten zweifelnden Nachbarn begonnen hat zu schmelzen. Interessanter?

Oder ich erzähle euch, was ich den ganzen Tag gemacht habe: nach dem Frühstück ein wenig puzzlen, um dieses Puzzle endlich fertig zu stellen. Drei Tage habe ich daran gearbeitet – das Knifflige daran: Man hat auf der Verpackung eine Abbildung, die eine Frage stellt, die Antwort auf die Frage bildet dann das fertige Puzzle ab, d.h. man puzzlet ohne optische Lösung. Ich finde das megasupidupi, bin ja eine kleine Puzzlefreundin, aber die Idee war für mich eine komplett neue. Kennt das jemand von euch daheim? Danach gab es Kaffee in der Sonne mit Hörbuch, ein wenig Gartenarbeit (Säen von Salat und Mais und eine Baumschule ansiedeln – ich packe euch ein paar Bilder ans Ende 😉 ), ein wenig Plaudern und Karten spielen und dann habe ich mich wieder dem Schneiden von Hecke gewidmet. So lange, bis es mich von der kleinen Leiter gewippt hat. Jetzt habe ich meine Knie gekühlt, meine Wunden mit Bepanthen versorgt und schreibe euch. Keine Sorge, es ist alles noch dran und ich werde morgen wieder laufen wie geschmiert ;-).

Ich könnte euch aber auch davon erzählen, wie die Stimmung im Haus ist. Heute morgen war es angespannter als die letzten Tage. Sobald jeder seinen Platz für den Moment bzw seine kleine Lücke gefunden hatte, wurde es besser. Wir sind wirklich doll bemüht „nicht auszufreaken“, aber es gelingt eben nicht immer. Besonders zu merken sind die schwankenden Spannungen zwischen den Pärchen, alles aber noch im Rahmen. Mal schauen, was da noch so kommt…

Oder ich erzähle euch davon, dass hier seit Tagen die herausforderndste Diskussion am Laufen ist, die ich seit langem erlebe und vor einer Stunde ging es von vorne los: Gibt es das Schicksal und wenn ja, wie können es Menschen beeinflussen? Puh, und das alles in einer fremden Sprache… und eigentlich dreht sich doch alles in dieser Diskussion um die Frage: Gibt es Gott? Mittlerweile nehme ich an dieser sich ständig drehenden Fragerei nicht mehr teil, vielleicht habe ich dafür auch zu wenig Alkohol im Blut. Nobody knows.

Nun denn, all das könnte ich euch erzählen :-).

Jetzt suche ich euch noch ein paar Bilder raus. Und das Drohnen-Video wurde von Dominic beigesteuert. Herzlichsten Dank dafür!

Made in NZ

Ihr Lieben! Dass Herr der Ringe in Neuseeland gedreht wurde, wird dem fleißigen Leser meines Blogs nicht entgangen sein. Doch wisst ihr mehr als diese Filmreihe? Ohne es zu googeln? 😉 Zu Beginn des heutigen Eintrages gibt es ein kleines Quiz, für all jene, die mal fröhlich Raten wollen – vielleicht habt ihr Langeweile daheim, so wie mich hier auch die Langeweile im Lockdown manchmal quält.

Also: Du suchst in den nachfolgenden Titeln die sieben Filme, von denen du denkst, dass sie zum größten Teil in Neuseeland gedreht worden sind – um das Lösungswort zu finden, lässt du die Reigenfolge deiner gewählten Filme und fügst die sieben fett-markierten Buchstaben aneinander (ob die groß oder klein geschrieben sind, spielt dabei keine Rolle) – die ergeben dann zwei Worte, das erste hat drei Buchstaben, das zweite Wort vier. Das Lösungswort ist ein Mardy-Schlagwort, derzeit sehr gebräuchlich, um die neuseeländische Bevölkerung zum Durchhalten im Lockdown zu animieren und bedeutet so viel wie „stay strong!“ also „bleib stark!“ Ich wünsche dem Rätselrater viel Freude, wem das zu doof ist, der springe einfach weiter nach unten 😉

King Kong“

„Free Willy“

„Ein Schweinchen namens Babe“

„Die Farbe Lila“

„Wolverine“

Alien: Covenant“

„Jumanji“

„Slumdog millionaire“

Transformers – Die Rache“

„Die Chroniken von Narnia“

„Last Samurai“

„Gladiator“

„In meinem Himmel“

„Amy und die Wildgänse“

„Das Piano“

„The Beach“

Und, hast du es herausgefunden? Neben den sieben richtigen wurden übrigens auch noch (unter vielen anderen Produktionen) „Der Hobbit“, „Vertical Limit“, „Mit Herz und Hand“ und „Boy“ vorrangig in Neuseeland gedreht. Wenn du magst, schreib mir gern – bin ja neugierig, ob das so geklappt hat, wie ich es mir ausgemalt hatte 😉

So, kommen wir mal zum „Tagesgeschäft“. Der Lagerkoller hat mich gepackt. Manche von euch werden denken: „Ich hab es gewusst“ und ja, das war auch nur eine Frage der Zeit, bis ich die Nase voll hab. Es spielen da ja aber immer auch mehrere Dinge mit rein und ich denke, wenn wir die Freiheit hätten, uns auch mal für einen kleinen Spaziergang von Haus und Hof weg zu bewegen, hätte es noch ein paar Tage gedauert, bis es mich „lagerkollert“. So ging es einfach schneller. Seit vielen Tagen sind wir in einer 11er Schicksalsgemeinschaft unterwegs, zogen von Ort zu Ort, können jetzt final hier bleiben bis zum zweiundzwangzigsten April (Klopf auf Holz, klopf klopf). Denn im Großen und Ganzen ist es schön, dass wir hier sein können: herrliche Landschaft, kein Parkplatzflair, ein Dach über dem Kopf, Dusche und Waschmaschine (besonders über Letztere habe ich mich arg gefreut!), wir sind mit Puzzeln bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag versorgt und auch mit Arbeiten, die auf dem Grundstück versehen werden müssen. Meine neue Aufgabe: „Wächterin des Gemüsegartens“ und „Stylistin der Feijoa-Hecken“. Die letzten beiden Tage habe ich mich in diese Aufgaben gestürtzt, es ist so schön, nach so langer Zeit wieder etwas zu tun zu haben! Und heute: „lagergekollerte“ Bauchschmerzen. Also hüte ich das Sofa, trinke Tee gegen Krämpfe und Übelkeit, versuche mich an einem Puzzle, blogge, lausche dem Hörbuch, starre aus dem Fenster und harre der Besserung. Manche von euch werden ein wenig schmunzeln, denn wer mich schon ein Weilchen länger kennt, weiß, wie schnell sich Stimmung und Wohlbefinden bei mir auf den Magen schlagen können.

Es sind besondere Tage hier, mit einer Gruppe von 11 Menschen, die das Schicksal (ja, eigentlich die Polizei und das Gvot 😉 ) zusammengebracht hat. Alle Unterschiedlichkeit ist Segen und auch Bürde, besonders wenn man wie „sticky rice“ zusammengepackt ist. Wir lachen viel und wir gehen uns schneller auf die Nerven, ich übe mich in Gelassenheit und meine allergrößte challenge bzw. mein Mantra: „Das ist keine Seminargruppe, ich bin nicht verantwortlich, die sind alle erwachsen, atme und lass sie machen, das ist nicht meine Seminargruppe, ich bin nicht zuständig, sie haben alle einen Ausweis, Tee trinken und zurücklehnen….“ In Dauerschleife läuft es seit ein paar Tagen in meinem Kopf und ich bin gespannt, wie ich mich in den kommenden vierzehn Tagen schlagen werde. Ihr werdet es wahrscheinlich erfahren 😉

Feijoa

April 4th – XXX

Der Morgen hat sich herrlich über die Berge und über das Wasser an den Himmel geschlichen. Ein Farbenspiel wie bei den Impressionisten! Und über der Kulisse schwebt eine Stille, wie ich sie lange morgens nicht mehr genossen habe. Ein paar Vögel stimmen ihr Lied an, die Hühner umkreisen suchend die Wiesen, ein paar Schafe und Rinder kommunizieren aus der Ferne miteinander, mehr nicht. Der Kaffee in meiner Hand dampft, mein Marmeladebrot riecht verlockend nach Himbeer und es stellt sich leise ein kleines Gefühl von Urlaub ein. Im Vergleich zu den Touristen in Flughafennähe, den Campern auf verschlossenen Parkplätzen, den Menschen in kleinen Wohnungen ohne Garten… im Vergleich zu denen lebe ich hier aktuell unter paradiesischen Bedingungen. Um dem Lagerkoller, der sich gewiss in den kommenden drei, vier, fünf … Wochen einstellen wird, entgegen zu wirken, habe ich mein Auto vor dem Haus geparkt, alle anderen sechs Wagen stehen hinten auf einer Wiese mit direktem Blick über die herrliche Landschaft, die Schafe, das Wasser, die Hügellandschaft – besonders letztere stimmt in mir regelmäßig die Melodie aus dem Auenland an, hmmmmmmmm. Wenn meine Augen träumerisch langsam über die Hügel wandern, erscheinen manchmal Orks und Warge, sehe ich Legalos und Gimli hinter Aragorn herjagen 😉

Vielleicht fragt ihr euch, warum uns hier der Lagerkoller drohen könnte? Nun, wir dürfen das Grundstück nicht verlassen und das schließt auch den Seeweg ein. Zwar haben wir Meerzugang und Boote, aber es ist derzeit allen Menschen in Neuseeland verboten, sich zu bewegen, per Auto, Campervan, Boot, zum Wandern… nicht mal schwimmen gehen darf man mehr. Und so vertreiben wir uns auf dem Grundstück die Stunden. Mittlerweile ist es fast Mittag, alle 11 der Schicksalsgemeinschaft sind wach, manche haben versucht, vom Ufer aus zu fischen, Alex, Johanna und ich haben einen Kuchen aus Feijoa für alle gebacken. Feijoa ist eine Frucht, die einem heckenähnlichen Gebüsch anhängt und die wie eine Kiwi aufgeschnitten und ausgelöffelt werden kann. Geschmacklich erinnert es mich an eine Mischung aus Banane, Birne und Ananas. (Sehr guter und witziger Artikel dazu hier: https://www.theguardian.com/lifeandstyle/2017/may/13/falling-for-feijoas-the-fruit-new-zealand-wants-the-world-to-love ). Mal gucken, wie der Kuchen mundet, derzeit kühlt das Ergebnis des Freischnauze-Rezepts aus. Gestern habe ich gegen die Langeweile Hörbücher gehört und wir haben ein 1000 Teile Puzzle begonnen.

Ich wünsche und hoffe, dass ich in den kommenden Tagen ruhiger werden kann und mich nicht mehr wie ein gehetztes Tier fühle, das niemand möchte. Dies ist für mich im Lockdown und der Zeit der Self-Isolation der achte, nicht selbst bestimmte Stellplatz und ich wünsche von Herzen, dass es auch der Letzte bleibt. Ich freue mich schon jetzt auf den Moment, in dem wir wieder fahren dürfen, wohin uns die Reifen tragen.

In dieser Schwebe der letzten Tage zu sein, kann wahrscheinlich kaum jemand nachvollziehen: staatliche Auflagen für alle, stündlich wechselnde Bestimmungen für Camper, von einem Ort zum nächsten geschoben zu werden, bis die nächste Behörde kommt und dich wieder losschickt. Ja, manche von euch haben diesen Zustand mit dem von geflüchteten Menschen in Europa verglichen, und möglicherweise könnten wir leise ein wenig ahnen, aber an keinem Punkt mussten wir um unser Leben fürchten… Wir hatten immer ein Dach über dem Kopf und immer etwas im Bauch, wir mussten nicht darben und nicht zittern… und wir haben alle einen Ort, an den wir früher oder später zurückkehren können. Und deswegen ist es mir nicht möglich, diese Parallele zu benennen.

So, jetzt ziehe ich mal los und gehe euch noch ein paar Bilder machen 😉

„Roundabout“

April 2nd – XXX

Den Platz, von welchem ich euch jetzt schreibe, darf ich euch in den kommenden drei Wochen nicht verraten. Warum? Das werdet ihr gleich hören. Nur eines vorab: ich möchte euch sehr gern von diesem irren Tag erzählen, warne euch zugleich jedoch vor: ich habe ne Menge Gin Tonic im Blut, deswegen seht mir nach, wenn es fluffig klingt und Schreibefehler drin sind 😉

04.27 Uhr: ich werde von einem Auto geweckt, welches neben meinem Camper parkt, zwei laut diskutierende Frauen steigen aus, knallen die Tür mindestens einmal zu viel, plaudern und wackeln gemeinsam zu den öffentlichen Toiletten, die ungefähr zwanzig Meter hinter meinem Van sind. Dort stellen sie fröhlich fest, dass sie irgendwas vergessen haben, wackeln zurück zum Auto, knallen die Türen nachdem sie Putzmittel rausgeholt haben. Sie putzen in Megageschwindigkeit, frage mich, wie man in ca 6.5 Minuten drei Toiletten sauber bekommt, da schwirren sie zurück zu ihrer Karre, springen rein, knallen die Türen doppelt und düsen hellbeleuchtet von dannen.

07.23 Uhr: das Nachbarauto macht seine typischen Geräusche, als Roman es schließt und ich wache auf. Na gut, der Tag fängt jetzt definitiv an; mehr Schlaf werde ich nicht bekommen. Also: aufstehen. Kleine Routine des Tages: ich dusche, koche einen Kaffee, setze mich in die Sonne, höre eure Nachrichten bei Whatsapp ab.

09.45 Uhr: Dominic telefoniert mit dem Polizisten, um ihm zu sagen, dass wir das Haus bekommen haben und gegen elf gemeinsam mit dem Council gucken wollen, wie und wann wir dahin übersiedeln. Wir laden ihn ein, dazuzukommen.

Gegen zehn Uhr: die Polizei kommt doch schon früher, nimmt all unsere Daten zum x-ten Mal auf, wir erzählen vom OK in das gemietet Haus zu ziehen (welches wir im übrigen seitens der Polizei gestern bekommen haben), sie stocken und fangen an, miteinander zu diskutieren. Wir erstarren. Haben gerade die Miete überwiesen. Freuen uns. Die Wagen sind gepackt. Der Mietvertrag ist geschlossen. Die Polizisten deuten an, dass sie zu großen Sorgen wegen der neuen Nachbarschaft haben und wir möglicherweise nicht das OK bekommen, dorthin zu fahren. Sie beginnen, wild zu telefonieren. Unsere Miene gefrieren. Die Gefühlsachterbahn in meinem Herzen geht in die nächste Runde… zum zehntausendsten Mal in den vergangenen Stunden und Tagen.

10.50 Uhr: Die Polizisten verbieten uns, in das gemietete Haus zu ziehen.

10.53 Uhr: Grant vom Council kommt und eine lange Diskussion mit der Polizei beginnt. Wir sitzen geschockt und trinken Kaffee.

11.03 Uhr: Wir überlegen einen Cocktail namens „Roundabout“ zu kreieren: es soll eine Mischung aus Kaffee und Bier sein, die wir ab morgen zum Frühstück trinken, damit wir auf keinen Fall Auto fahren können.

11.12 Uhr: Dominic ruft die neuseeländische Zeitung an. Ich plane, die deutschen Medien auch auf den Plan zu rufen. Cuba freut sich darauf, die tschechischen Medien zu informieren. Es wird uns angekündigt, dass wir nach Pohe Island sollen. Das wäre der Platz, auf dem es seit mehreren Tagen Übergriffe und „Ausschreitungen“ gibt. Ich blockiere innerlich und wünschte, ich wäre einfach an einem stillen Platz, Frieden, Frieden, Frieden!

11.21 Uhr: Donald (der Ehrenamtliche des Tikipunga Sportspark) bietet uns in Absprache mit dem Council und der Polizei an, uns auf ein privates Grundstück zu bringen. Einzige Bedingung: wir dürfen in den nächsten Wochen niemandem sagen, wo genau wir sind; diese Lösung wird niemandem sonst angeboten; kein anderer Freedom-Camper soll auf uns aufmerksam werden, um nicht selbiges zu fordern… Die Anspannung fällt ab; einige von uns weinen. Das soll anhalten, bis wir das Grundstück am Nachmittag erreichen. Viele fahren los, um noch mal Einkäufe zu machen; ich versuche zu schlafen – war einfach zu früh wach.

14.05 Uhr: Wir fahren los. Konvoi mit acht Campervans. Nicht sehr heimlich, ehrlicherweise.

15.15 Uhr: Wir erreichen das Grundstück. Donald zeigt uns alles, wir parken die Autos. Wenige Augenzwinkermomente später stehen die Nachbarn auf dem Plan. Beschweren sich über die Neuankömmlinge, die Corona bringen werden… Die Bedingung war: niemand darf erfahren, wo wir sind; sollte sich jemand beschweren, müssen wir nach Pohe Island. Das war es dann. Viele von uns sind noch immer verunsichert, auch ich habe Angst, dass wir auffliegen und für mindestens drei Wochen auf einen Campingplatz müssen, auf dem uns niemand haben möchte.

16.35 Uhr: ich trinke gegen die „Deportation“. Die anderen schließen sich an. Wenn wir betrunken sind, können wir nicht mehr fahren. Hihi.

Gegen acht: Wir sitzen zusammen auf den Sofas des Hauses, sind noch immer geflasht von diesem Tag. Viele können es noch nicht so richtig glauben, dass wir jetzt hier sind und im besten Falle auch bleiben können. Auch ich zweifle noch stark. Lasst uns sehen was passiert.

Verzeiht, aber ich bin müde; jetzt wisst ihr erst mal so grob, was heute passiert ist. Morgen erzähle ich euch mehr, mit weniger Alkohol im Blut. Dann gibt es auch Bilder der letzten Tage 😉

Erkenntnis des Tages: Dieser Staat macht uns mürbe. Keiner weiß, was der andere tut, sagt… Und wir sind diesem hilflos ausgeliefert.

Übrigens: der Mietvertrag ging bisher nicht zu kündigen… auch die gezahlte Miete haben wir noch nicht zurück.

Kein Aprilscherz

April 1st – Tikipunga Sportspark

Noch einmal schreibe ich euch von diesem Parkplatz – das wird heute nichts langes und auch nichts tiefgründiges; nur ein kleiner Moment, um euch wissen zu lassen, wie es um mich derzeit bestellt ist.

Zunächst: ich bin gesund! Ich bin froh darüber und klopfe auch gerade auf alle zur Verfügung stehenden Holzunterlagen, dass das so bleibt. In diesen Zeiten, besonders jetzt im Lockdown, wird man ja schon schief angeschaut, wenn man sich morgens ausschnauben muss oder tagsüber mal nen Nieser loslässt, weil einem die Sonne die Nase krabbelt. Also: weiterhin alles bis zum Wegätzen desinfizieren und fröhlich Hände waschen; da überleben nicht die kleinsten Viren 😉

Und weiterhin: ich darf mich weiterhin in meinem Camper aufhalten! Ja, es gibt viele Touristen, die gezwungen werden bzw. gezwungen sind in teuren Hotels zu wohnen – meist in der Nähe von Auckland. Das hat zwei Gründe: durch die angekündigten und auch geplanten Rückholflüge haben sich unzählige Touristen in die Nähe der Flughäfen begeben, dann wurden die Flüge gestrichen (im übrigen alle Flüge und keiner weiß wir lang!) und die Touristen hingen in der Nähe der Flughäfen fest. Das trieb und treibt die Preise enorm in die Höhe. Und die Leute müssen in Hotels in Flughafennähe, weil es Touristen verboten ist (wie auch fast allen Neuseeländern), öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. (Nur die Leute, die notwendigen Berufe haben und zur Arbeit müssen oder von dort nach Hause, dürfen noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren.) Ich habe in den letzten Tagen zahlreiche Berichte gelesen… von überschuldeten Touristen, die aus Hotels geflogen sind; es wurden Flüge für 14500 Dollar angeboten; es gibt Menschen, die in Hotelzimmer „gesperrt“ werden, denen der Schlüssel weggenommen wird – wenn sie das Zimmer verlassen (ohne Erlaubnis) und nicht zurückkommen, droht ihnen eine Haftstrafe; es gibt Touristen, die nicht einkaufen dürfen, in Hotels festsitzen und seit Tagen Tütensuppen essen, weil die Hotelrestaurants nicht mehr arbeiten; es gibt Beschimpfungen, Drohungen, Übergriffe auf Touristen und Einheimische…. Der Lockdown ist erst eine Woche jung, keine Ahnung, was hier passiert, wenn die Leute noch drei Wochen so leben sollen und so behandelt werden… Viele haben mittlerweile die Aufmerksamkeit inländischer und ausländischer Medien; auch ich habe oft das Gefühl, dass „unsere Geschichte“ offiziell werden sollte. Denn zuletzt sind wir heute wieder „gebeten“ worden, den Platz zu wechseln…

Gestern morgen: Whangarei Council kündigt an, dass Tikipinga der Platz ist, auf dem wir für den ganzen Lockdown stehen – wir „richten“ uns ein, putzen Toiletten und Duschen – ca. vier Stunden später kommt die Polizei und will uns umgehend „räumen“ – ein paar Telefonate später dürfen wir bleiben „bis zur nächsten Anweisung“. Eine Camperin kommt mit ihrer kleinen 4jährigen Tochter zu unserem Platz, sie hustet furchtbar, die Tochter auch, wir merken es an, nichts passiert. Sie nutzen unsere Duschen und Toiletten und von jetzt auf gleich ist verständlicherweise jeder von uns besorgt, ob der Virus jetzt auch unter uns wohnt. Heute morgen verlässt sie zum Glück wieder den Platz. Dann kommt Grant vom Whangarei Council: neue Entscheidung aller Verantwortlichen, morgen werden wir „umgesiedelt“ auf einem Parkplatz bei einem Schwimmbad, dessen Einrichtung wir nicht nutzen können. Also ein Platz wieder ohne Duschen, Strom, frischem Wasser, keine Toiletten… Schon gestern hatten wir alle zusammen die Faxen so dicke, dass wir begonnen haben, ein Haus zu suchen, welches wir zu zehnt für die kommende Zeit günstig mieten, dessen Garten und Innenleben wir nutzen können, um endlich Ruhe zu haben und nicht mehr allen Möglichkeiten und neugierigen Blicken ausgeliefert zu sein… Fast stündlich kommen Menschen zu Fuß oder in Autos auf den Parkplatz von Tikipunga, viele freundlich interessiert und leider auch zu viele, die offensichtlich wollen, dass wir gehen und dies in Gesten und auch mit Worten zeigen… Viele von uns fühlen sich wie „im Zoo“.

Aktueller Stand: wir haben ein Haus gefunden, das Platz für zehn Leute und sechs Autos bietet. Ich hoffe so, dass das morgen alles klappt! Werde es euch wissen lassen 😉 Habt einen schönen Tag! Ich mache mir jetzt meine Wärmflasche, ziehe meine dicken Wollsocken an und kuschel mich ins „Bett“ mit der großen Hoffnung, dass diese Nacht nicht so kat werden möge. Bis bald!

Neuere Beiträge »

© 2026 Ronjabanu

Theme von Anders NorénHoch ↑