Monat: März 2020 (Seite 2 von 2)

Besuch bei den Elefanten

Grüße an euch alle in nah und fern =) Bevor ich am Sonntag nach Bali weiterfliege, wollte ich mich doch noch mal bei euch melden und euch von meinen letzten Tagen in Kambodscha erzählen. Jippie, zunächst meine Freude: ich muss in diesem Land nicht noch mal Bus fahren! Yeah! Tatsächlich war die heutige Fahrt von Sen Momorom nach Phnom Penh in einem MiniVan (sie nennen es VIP-Van – haha, hat sich mir bis zum Aussteigen nicht erschlossen), klingt ja erst mal nicht so schlimm, ne? War aber das gleiche Elend, wie die Anreise nur auf kleinerem Raum und auch nur 8 Stunden! Leider war ich wieder die einzige Nicht-Einheimische in der Karre… und als mich eine Frau unbedingt anfassen musste, bin ich ausgefranst, erst auf Englisch, dann auf Deutsch, das hatte dann zu Folge, dass die ganze Fahrt offensichtlich über mich gesprochen, diskutiert und auch gelacht wurde. Ich habe beschlossen: Haken an öffentliche Verkehrmittel in diesem Land. =)

Gestern nun und darauf habt ihr vielleicht ein bisschen spekuliert davon zu hören, war ich bei den Elefanten! Der Besuch bei den 5 Tieren im Mondulkiri Projekt war ja schließlich auch der Anlass, in die östliche Pampa des Landes zu fahren. Übrigens so weit östlich, dass mich abwechselnd vietnamesisches und kambodschanisches Netz begrüßt haben ;-). Das Modulkiri Projekt ist eine von zwei ernstzunehmenden NGOs in der Gegend; leider gibt es zahlreiche andere, die Touristen in den Wald locken und dort einen gemieteten Elefanten präsentieren. Wenn die Touristen fertig sind, muss er zurück an die Arbeit in einem der nahegelegenen Dörfer… Ein paar Worte lasst mich verlieren zum besuchten Projekt: die Gründer haben für insgesamt 30 Jahre das Land vom Staat gepachtet, zahlen mächtig dafür, dass die umliegenden Dörfer und Städte es nicht abfackeln und die Tiere und Pflanzen geschützt bleiben. Seit 5 Jahren gibt es das Projekt und seit 5 Jahren verhandeln sie mit der Regierung, diesen kleinen Flecken Erde zu kaufen. Dass das unmöglich scheint, liegt vor allem an der wachsenden Bevölkerung in der Gegend, die viele Mäuler stopfen muss und dazu immer mehr Farmen und Felder braucht. Deswegen hat das Projekt eigene Angestellte, die Patrouille laufen und die Bauern „verjagen“, die sich ein Stück Land klauen möchten. Und es gibt auch Angestellte, die 24/7 auf die Elefanten aufpassen, weniger weil sie weglaufen könnte, vielmehr weil sie Diebstahl vermuten. Ein Elefant kostet derzeit in Kambodscha ca. 40 000 USD! 4 Tiere konnte das Projekt schon kaufen, das fünfte wird monatlich gemietet und es gibt Verhandlungen über einen möglichen Kauf. Nun muss man sich das mal vorstellen: das sind alles misshandelte, kranke, schwache Tiere, die von ihren Besitzern „runtergewirtschaftet“ wurden besonders für Touristen und die dann für diese Summe verkauft werden! Ihr könnt ja noch mal lesen, in einem der letzten Beiträge, da hab ich schon erzählt vom Durchschnittseinkommen und so… Übrigens hat die Regierung Kambodschas erst mit Wirkung des 01.01.2020 verboten, dass Touristen in Angkor Wat von Elefanten durch die Gegend getragen werden – das auch nur auf großen und langen Druck von NGOs, weil Elefanten mit Touristen auf dem Rücken in den Tempelanlagen kollabiert und verendet sind. Und übrigens auch: diese zweifelhafte touristische „Belustigung“ bietet Thailand immer noch zu Hauf.

Gut, dass es Projekte gibt, die Wald und Tiere schützen wollen, die die Bedeutung für ihr Land und die Umwelt verstehen und ganz praktisch anpacken. Dass das ganze in den meisten NGOs im Einklang mit der Bevölkerung geschehen soll, finde ich sehr gut. So bietet das Mondulkiri Projekt die Möglichkeit, ärztlicher Behandlung, schulischer Bildung und auch Arbeitsplätze für viele Jugendliche und junge Erwachsene. Nach und nach erhoffen sie sich dadurch, Verständnis und Aufklärung zu entwickeln. Nach 5 Jahren gibt es dazu aber noch keine weitgreifenderen Erkenntnisse… Die Zeit wird es zeigen.

Das Monulkiri Projekt bietet nun ja auch Touristen Elefantenbegegnung an und vielleicht denkt ihr jetzt, naja, dann leben die eben dort und werden auf andere Weise gezwungen, Menschen glücklich zu machen und ihnen damit Geld aus der Tasche zu locken. Und ja, ich bin ehrlich zu euch, so ganz frei leben die Elefanten dann eben nicht. Sie haben den Mahuud, der sie begleitet, haben nicht genügend Platz, um sich frei zu bewegen und letztendlich sind sie so domestiziert, dass sie immer wieder die Nähe von Menschen suchen, um Bananen zu ergattern. Und die Bananen sind es dann auch, die wir in die Hand gedrückt bekommen, damit die Elefanten zu uns kommen. Und sie kommen und ich freue mich 😉 Ich staune, bin zaghaft und habe einen riesigen Respekt vor so viel Kraft und Ruhe und Entschlossenheit und Sanftmut! Ich bin verzaubert von dieser Begegnung. Füttern und mit ihnen baden, das habe ich gemacht und keine Worte dieser Welt vermögen dieses beeindruckende Gefühl zu beschreiben. Deswegen versuche ich es auch nicht, vielleicht erzählen euch die Bilder ein wenig 😉

Life in plastic & Corona

Ich gönne mir heute einen Tag „off“. Es ist ein Uhr am Mittag, draußen sind kuschelige 38 Grad, es ist schwül und die Einheimischen meinen, dass heute noch Gewitter kommt. Die Erde, die Pflanzen, die Tiere und auch die Menschen würden sich sicher über eine Abkühlung und ein wenig Wasser von oben freuen. Bei mir gibt es mal wieder gekühlte Cola und ich sitze auf den Steinfließen vor meinem Bungalow. Gerade hatte ich Besuch von einer Echse mit grauem Körper und knallblauem Kopf. Ich hab mal gegoogelt, wer das gewesen sein könnte: Google weiß es nicht genau, vielleicht kennt einer von euch so ein Exemplar? Hübsch auf jeden Fall. Um mich herum unzählige kleine Gekkos; ich frage mich noch immer, ob der Tag kommen wird, an dem sie mich nicht mehr erschrecken 😉 Heute morgen hatte ich vier Beobachter im Bad. Seltsames Gefühl.

Meine Zeit in Kambodscha neigt sich langsam dem Ende; in drei Tagen geht es dann weiter nach Bali. Ich merke, dass ich mich auch danach sehne, weiterzuziehen, vor allem sprachlich bin ich seit einigen Tagen ziemlich aufgeschmissen und das strengt mittlerweile ganz schön an. Und ich merke auch, dass ich raus muss aus dieser Wüste. Ja, ihr habt ja recht, hier gibt es Bäume und auch Regenwald, haha, aber der Rest ist abgerodeter Staub und der hat sich gefühlt in jede Pore meines Körpers und der Lunge gesetzt. Frei atmen, darauf freue ich mich. Als ich gestern so durch das Land gefahren bin, habe ich mich oft gefragt, warum es hier so ein großes Problem mit Müll gibt. Und manche von euch haben mich das auch gefragt, also nehme ich mir heute mal Zeit und forsche dem ganzen Ding mal nach: Nachdem China zu Beginn des Jahres 2018 einen umfassenden Importstopp für Plastikmüll verhangen hat, hat u.a. auch Deutschland begonnen, Plastikmüll nach Kambodscha zu verschiffen. (Übrigens geht derzeit der Großteil wohl nach Indonesien und Malaysia.) Die USA und Kanada machen dies ebenso und so stauen sich an der Küste Kambodschas und im Land überhaupt die Container. Kambodschas Regierung hat es nur anteilig geschafft, den ganzen Rotz zurück an den Absender zu senden. Dass das Land ein massives Müllproblem hat, wurde mir ja gleich nach der Grenzkontrolle deutlich. Es stinkt an jeder Ecke anders, umherfliegende Plastiktüten, Abfallhäufen an den Straßenrändern, der Busfahrerstopp gestern… Kauft man eine Mango, wird diese in zwei Tüten Plastik verpackt. Verneint man die Tüte, wird sie weggeschmissen. Und nicht etwa in einen Müllkübel, nein, die wird einfach fallengelassen und adieu. So ging es mir heute morgen bei einem kurzen Ausflug auf den Markt in Sen Monorom. Ich denke, dass all das Verhalten der Leute hier zwei Gründe haben könnte: die fehlende Müll- Infrastruktur und das fehlende Verständnis der Leute bzw. mangelnde Bildung. Aus dem Jahr 2019 gibt es einen Bericht der NGO Sahmakum Tang Tnaut, die herausgefunden haben, dass 99% der 277 städtischen Gemeinden von Phnom Penh mit hoher Armut keine Abfallentsorgung erhalten. Wohlhabendere Gemeinden hingegen werden fast täglich von Hausmüll beräumt. „Es liegt aus unserer Sicht an kleinen und engen Straßen in einigen Stadtgegenden sowie wahrscheinlich am fehlenden politischen Willen, der bei den verantwortlichen Stadtbehörden und beim zuständigen Entsorgungsunternehmen für Hausmüll liegt. Es ist nicht transparent, wie die Abfallwirtschaft koordiniert wird. Hinzu kommt, dass die Stadtverwaltung nicht ihrer Rechenschaftspflicht nachkommt und dass sie nicht oder schlecht auf Beschwerdenund Anfragen von Seiten der Bürger*innen, engagierter Gruppen oder Organisationen reagiert.“ (aus: https://suedostasien.net/abfallwirtschaft-in-phnom-penh-nicht-bei-allen-haelt-die-muellabfuhr/) Dort könnt ihr auch ü ber den „schwarzen Kanal“ lesen… Und all das berichtet über die Zustände in der Hauptstadt Kambodschas, das legt nahe, dass erst recht nicht in den anderen Landesteilen ein funktionierendes Müllsystem existiert. Auch ein lohnenswerter Bericht aus Phnom Penh: www.welt.de „Kambodscha: In Phnom Penh liegt das Gold nicht weit vom Müll“.

Natürlich hatte ich auch Dyka gefragt, was er denkt, woran das große Müllproblem dieses Landes auch liegen könnte und er hat es klar in mangelnder Bildung benannt. Die Menschen wissen nicht, was der Müll und vor allem das viele Plastik, anstellt. Mit ihren Böden, ihrem Wasser, ihrer Gesundheit. Deswegen stört es sie nicht. Deswegen gibt es mittlerweile zahlreiche Organisationen an der Küste und auch hier im Osten des Landes, die sich dem Thema „Nachhaltigkeit, Umweltschutz und -Bildung“ widmen. Dyka war ganz deutlich: wenn die Menschen begreifen, dass es sich schon lohnt, nur wegen der Touristen aufzuräumen, die das Geld bringen, dann könnte sich was ändern. Ein trauriger Gedanke, aber vielleicht ein Anfang…

In den wenigen Tagen in Kambodscha ist mir die „Teilung“ des Landes immer wieder deutlich geworden: gut geräumte touristische Plätze – die Straße um die Ecke nicht betretbar wegen Müllbergen und Menschen, die darin leben; große Limousinen ohne Kennzeichen (mit denen man sich übrigens niemals anlegen sollte, denn in ihren fahren meist Menschen, die soviel Geld haben, dass auch der Tourist und das Recht „überboten“ werden) – Menschen, die barfuß ihren Karren schieben; große Häuser mit Blumenschmuck – die „Hütten“ am floating village… es gibt immer noch Gegenden des Landes, die wegen Landminengefahr gesperrt sind; es gibt den Überfluss und den Mangel, die Tür an Tür wohnen und es gibt immer wieder „Leuchtfeuer“ dazwischen, die versuchen, einen lebbaren Alltag zu ermöglichen wie der PPS Circus oder Soksabike.

Noch ein paar Worte zu Corona (weil ihr mich so oft fragt und das verstehe ich ja voll, nehmen doch die Zahlen in Deutschland täglich zu). Ich bin gesund, ich desinfiziere fröhlich meine Hände und wasche alles, was mir durch die Finger geht. Laut aktuellen Zahlen in Kambodscha gibt es keine Infizierten. Das halte ich zwar für Irrsinn, ich denke, dass es einfach daran liegt, dass die Leute hier nicht getestet werden. Zumal eine medizinische Versorgung teuer und nur für Kinder unter 15 Jahren kostenlos ist. So wird sich jeder hüten, den teuren Arzt aufzusuchen. Das durchschnitliche Pro-Kopf-Einkommen liegt in Kambodscha übrigens bei knapp 1500 USD im Jahr und damit ist das Land eines der ärmsten Südostasiens… ein Arztbesuch mit Blutuntersuchung kostet ca. 50 USD… ein Haus aus Holz zu bauen mit einem Zimmer ohne Bad ungefähr 3000 USD ohne Handwerkerleistung…

Buskind

Bevor ich gleich meinen Kopf ausschalte, wollte ich mich doch noch mal bei euch melden, denn dieser Tag war „Hältstdunichtfürglaubstdukaum!“. Und weil ich immer wieder gedacht habe, dass das Leben und der Alltag die schönsten und auch abgefahrensten Geschichten schreibt, habe ich mir tagsüber fleißig Notizen gemacht, um keinen dieser irren und irrwitzigen Eskapaden zu vergessen. Nun also von vorn:

Am Samstag habe ich versucht via Internet ein Busticket für folgende Strecke zu kaufen: Siem Reap nach Senmonorum. Letztere Stadt liegt im östlichsten Teil Kambodschas und wird von Touristen eher wenig besucht, was zum Einen an den mangelnden Busverbindungen als auch an den überschaubaren Übernachtungsmöglichkeiten abzulesen war (kein Couchsurfing hier bspw.). Nun denn, ich wollte aber auf jeden Fall das Alternative Elefantenprojekt hier besuchen, also: suche einen Bus. Hab dann auch einen gefunden, leider weigerte sich die Seite aber beharrlich, meine VISAKarte zu akzeptieren, was mich schlichtweg dann dazu gebracht hat, dem Hotel mein eid zu klagen und sie vertrauensvoll zu bitten, mir einen Bus zu buchen. Das war für den englischsprachigen Rezeptionisten kein Problem, er machte zwei Anrufe und schwups, ein Ticket sollte kommen. Das hat dann „nur“ einen Tag gedauert, aber dann war es da. Ricthtige Verbindung (da alles auf Khmer geschrieben war, hat Dyka das noch mal gecheckt), einmal umsteigen, nun ja, kriegt man ja auch hin. Abfahrt: 06.00 Uhr, angekündigte Ankunft: 15.00 Uhr. Für eine Strecke von 520km ein ausreichender Zeitraum trotz mangelnder Autobahnen in diesem Land. So dachte ich bis heute morgen. Und ihr schmunzelt bestimmt schon, weil ihr ahnt, dass es anders kam:

6 Uhr morgens: ein Tuktuk holt mich am Guesthouse ab (eigentlich, er kam erst 06.35 Uhr) un bringt mich zu einem Grillstand in der Stadt von Siem Reap; da steht noch eine Frau und zwei Kerle zocken an Handys. Ich frage nach dem Bus. Jajja, der kommt schon.

Kurz nach sieben: es kommt ein Bus. Wir zwei Frauen steigen ein, wundern uns, dass wir allein sind. Sie spricht kaum Englisch, ist aber sehr sympathisch. Wir fahren los. Bis kurz vor acht haben wir mindestens 15mal gehalten an irgendwelchen undefinierbaren Punkten der Stadt Siem Reap und immer kleckerten ein oder zwei Leutchen in den Bus. Alles Einheimische. Kein Touri außer mir und mich beschleicht ein seltsames Gefühl, dass mich das Hotel für 20 Dollar über den Tisch gezogen haben könnte. Das wird nicht das letzte Mal an diesem Tag sein. Wir halten an diversen weiten Punkten, keine Menschen steigen zu, sondern Pakete. Und Briefe. Post. Vor mir sitzt mittlerweile ein Mann, der „tindert“. Die Frau neben mir versucht ihr Englisch an mir zu testen. Erfolglos. Zwei Reihen hinter mir sitzt ein buddhstischer Mönch mit Fluppe im Mund. Diverse Jugendliche zocken oder hören laut asiatische Rockmusik oder Mädchenmucke. Die Frau hinter mir packt getrockneten Fisch aus und kaut ihn, sie versucht es zumindest, sie schmatzt mehr, als dass sie isst. Ich checke, dass die anderen nur 2 Dollar zahlen für die gleiche Strecke und ich verwünsche innerlich wieder das Hotel und diese ominöse Busfirma. Eine Frau mit Räucherstäbchen steigt zu. Schreiende Telefonate gegen die laute Musik starten. Niemand in diesem Land scheint Kopfhörer oder Headsets zu besitzen. Argh. Und kurz nach halb neun haben wir dann endlich auch die Stadtgrenze von Siem Reap überquert. Nur noch 500 km!

Unzählige Male halten wir wieder an, es steigen abwechselnd Post und Menschen zu. Um neun verladen sie dann auch eine Honda in den Kofferraum des Busses! Kein Scheiß! Noch nie gesehen sowas. Knapp 30min später ein Kühlschrank. Dann scheinen wir endlich alles zu haben. Definitiv alles, nur keine Touristen… Leise Ahnung: wann machen wir ne Pinkelpause? Ich beginne zu hoffen, dass meine Blase durchhält, tut sie auch, bis heute abend halb acht. Wow! Ich denke den ganzen Tag an Sascha – er weiß wieso. Zwinker zwinker.

Im Übrigen hat der Bus 3 Beschäftigte: einen Fahrer, einen Pagen und einen Abkassierer.

Gegen halb zehn schemißt die schmatzende Frau hinter mir ihren Rechner an und schaut HausfrauenTV – zumindest denke ich mir das bei den Stimmlagen die das Gerät von sich gibt.Überhaupt klingt alles in diesem Bus so seltsam gaatschig in meinen Ohren… Ach und was ich noch nicht verraten habe: der Bus ist voller Moskitos. Yeah! Nobite ahoi!

Um zehn halten wir an einem Fischstand. Alle außer mir rammeln raus und kaufen Tütenweise davon. Der Geruchspegel im Bus verändert sich drastisch.

Kurz vor halb elf: der Bus raucht und bleibt liegen. Kopfschüttelnd steige ich aus und mache mir ne Zigarette an. Bin den Tränen nahe vor Heulen und Lachen. Riemenwechsel. Klimaanlage fällt aus. Wir fahren von da an mit offener Tür. Mittlerweile ist es kurz nach elf und wir sind in Kampong Thom (macht euch ruhig die Freude und googelt die Strecke mal). Die Post steigt immer wieder aus. Und der Kühlschrank. Viertel zwölf hält der Bus plötzlich im Nirgendwo an einem Straßenstand: 30 Minuten Mittagspause. Waaaas?Kurz vor zwölf fahren wir weiter: die Frau zwei Reihen vor mir entlaust ihre Tochter. Ich guck zwei mal hin, weil ich denke, dass das gar nicht möglich sein kann. Doch, sie tut es. Ich denke an die Affen im Zoo Leipzig und will ganz dringend duschen.

Kurz vor eins steigen 4 ältere Damen mit Spucknäpfen zu. Das entlauste Mädchen kotzt. Irgendwer lässt aller 5 Minuten kräftig einen ziehen, die Jugendlichen zocken miteinander und zeigen sich aktuelle asiatische Youtube-Videos, die Frau hinter mir hat ihren nächsten getrockneten Fisch in der Zerre. Der Mönch raucht wieder. Geruchlich vergleiche ich den Laden mit der Pforte zur Hölle. Mittlerweile haben wir eine Verspätung von zwei Stunden.Das entlauste Mädchen kotzt zum zweiten Mal. Halb zwei ist Kampong Cham in Sicht. Die Mutter des Mädchens kotzt jetzt auch kräftig und ich denke: an solchen Essenständen sollte man nichts verzehren. Und jetzt stellen die Einheimischen auch fest, dass eine Fremde in ihrem Bus sitzt. Sie fangen an über mich zu reden, mich anzustarren, mit dem Finger auf mich zu zeigen (das ist übrigens das Schlimmste, was man in Kambodscha machen kann). Vielleicht denken sie, dass ich Französin oder Amerikanerin bin, da hat man dann nämlich gleich verloren.

Halb drei: ich habe den Bus gewechselt. Angeblich notwendig, ich habe aber das leise Gefühl, dass sie mich verschachert haben. Tatsächlich bekomme ich mit, dass ich in den zweiten Bus gewechselt habe, der an diesem Tag die Strecke Siem Reap Senmonorum gefahren ist. Wieder nur Einheimische. Sie starren gleich von Anfang an. Keiner spricht Englisch. Bis zur Ankunft werde ich die Attraktion schlechtin im Bus bleiben… Ich werde lethargisch. Starre aus dem Fenster. Immer wieder Feuer. Sie roden den Regenwald. Schwarze Felder. Hütten, Staub, Kinder, und so viele verwahrloste Hunde. Mein Herz weint. Und meine Augen ziehen nach.

Um fünf macht der Fahrer eine Pause, öffnet die Tür und entledigt in die Landschaft all den Müll des Busses. Entsetzen. Er freut sich. Ich schüttele offensichtlich den Kopf und werde belächelt von allen Seiten.

Ab halb sechs gibt es dann keine richtige Straße mehr. Nur noch rote Piste, Schlaglöcher, Staub. Viertel acht: Ankunft in Senmonorum. Alle Läden zu, erkaufe mir noch ne Cola von den zwei Amerikanern des Nachbarbungalows und werde heute hungrig zu Bett müssen. Immerhin frisch geduscht. Das ist doch besser als nischt =)

Tage in Siem Reap

Sou sdey! Acht Uhr abends. 29 Grad. Schwüle Hitze, aber es wird kein Gewitter kommen. Heute will ich euch ein wenig von meiner Zeit in Siem Reap erzählen. Doch zunächst: ich wohne jetzt in einem Guesthouse. Nun ja, was soll man sagen, die Hotels, die wir in den letzten Tagen genießen durften, waren deluxe. Ab heute bin ich im asiatischen Backpackerdasein angekommen, inmitten von Gekkos, Mäusen und Ratten – ja, die gibt es hier auch und ich muss gut aufpassen, keine Lebensmittel zugänglich zu haben, damit sie mein Zimmer bei der nächtlichen Suche großzügig aussparen. Also alles in den Kühlschrank gepackt, der zwar nicht funktioniert, aber eine superduper Tür hat 😉 Am liebsten würde ich da drin schlafen, gestehe: ich habe Schiss, dass die Krabbelviecher in mein Bett kommen und an mir knabbern. Ja, ich weiß, dass das seeeehr unwahrscheinlich ist und trotzdem, bitte nicht lachen. Ab heute verlasse ich meine europäische Komfortzone und da will ich euch auch gern daran teilhaben lassen 🙂

Siem Reap ist im Vergleich zu Battambang und Phnom Penh eine kleine, überschaubare Stadt, die von Touristen aller Welt belebt wird und die keine größeren Gebäude vorweisen kann, so dass ich mich an keiner Stelle erdrückt fühle. Die Regierung hat schon seit laaaanger Zeit verhängt, dass kein neues Gebäude höher als Angkor Wat sein darf, so dass die Hotels maximal vier Etagen haben und eher in die Länge gebaut wurden. Es gibt viel Grün hier, trotz der Trockenzeit, liegt wohl auch am Tourismus, denn an allen Ecken und Enden bemüht sich die Stadt sehr, ein Wohlfühlgefühl zu wecken und auch zu erhalten. Das einzig anstrengende der letzten Tage waren die Unmengen von TukTuk-Fahrern, die am liebsten alle gleichzeitig jeden Touristen durch die Gegend schaukeln würden. So oftwie hier habe ich lange nicht „Nein danke“ gesagt 😉 . An den touristischen Hotspots gibt es auch Unmengen von „must haves“, die man kaufen sollte, da ich aber ein begrenztes Gepäck habe, kann ich da ziemlich easy vorbeischlendern. Schwieriger ist es für mich hingegen, die (leider viel zu vielen) bettelnden oder verkaufenden Kinder zu umgehen. Dyka, unser super Reiseguide, sagt ihnen sehr oft, dass sie lieber zur Schule gehen sollen und lernen, um später einen Beruf zu ergreifen. Viele schauen traurig und es ist schwer, und doch will und kann ich auch nicht dieses „traurige“ System befeuern, so grüße ich, winke und gehe schweren Herzens vorbei.

Siem Reap ist DER Ausgangspunkt für die Erkundung der riesigen Angkor Area. Denn Angkor ist viel mehr als Angkor Wat. Angkor Wat ist einer der 276 Tempel, die auf diesem Fleckchen Erde errichtet wurden. Nun ja, ihr habt Recht, er ist mit Abstand der berühmteste Tempel von ihnen und ziert auch die Flagge von Kambodscha (habt ihr vielleicht in einem meiner letzten Beiträge gesehen, wenn nicht: noch mal lunzen 😉 ). Angkor Wat ist das größte religiöse Bauwerk der Welt und ich kann im Nachgang das Gefühl nicht beschreiben, was dieser Tempel in mir ausgelöst hat. Es ist magisch gewesen, außergewöhnlich, bezaubernd, verblüffend und melancholisch. Irgendwie birgt dieser Ort die Seele der Khmer und beeindruckt zugleich in einem Mikrokosmos mit der hinduistischen Weltvorstellung. Letztere hier zu erklären, wäre mühsam, deswegen: wer Näheres dazu wissen will, lese gerne nach im Reiseführer von Know How „Kambodscha“. Seit 27 Jahren ist das ganze Gebiet Angkor (Angkor heißt übrigens schlichtweg „Hauptstadt“) zum Weltkulturerbe erklärt und zahlreiche Wissenschaftler und Stiftungen arbeiten seitdem daran, die Tempel wiederherzustellen bzw. zu erhalten. Dazu sollte man Folgendes wissen: der äußere Stein der Tempel ist ein Sandstein, lediglich nur die erste Schicht. Darunter befinden sich unzählige Tonnen vulkanischen Gesteins, auf denen sehr gern Bäume und Büsche Fuß fassen, so dass die Temepl über lange Zeit, in der sich niemand um die Erhaltung kümmerte, begrünt und von der Natur nach und nach zerstört wurden. Von den 276 Tempeln gibt es noch einen, an dem man dies beeindruckend nachvollziehen kann: Prasat Ta Prohm. Den kennt ihr wahrscheinlich auch, der Tempel mit den riesigen Baumwurzeln.

Zusammen mit der Gruppe habe ich einige Tempel zu verschiedenen Tageszeiten besucht und was soll ich sagen: wunderschön war es! Zuletzt auch der Sonnenaufgang in Angkor Wat. Und für alle, die jetzt denken, das sollte ich mir auch mal anschauen, kann ich nur sagen: Ja, auf jeden Fall! Keine Worte in keinem Blog können das beschreiben, was einem da durch Mark und Bein und Seele fährt.

Gestern Abend habe ich noch mit einigen anderen der Gruppe den unglaublichen Zirkus PPS besucht, ein unglaublich tolles Projekt. Dazu könnt ihr hier mehr lesen: https://pharecircus.org/. Also, wenn ihr mal in Siem Reap seid, den Besuch dort solltet ihr auch unbedingt einplanen! Und einen tollen Kaffee im „Brown Coffee“ auch 😉

Seit heute morgen beginnt nun mein Abenteuer: Sus allein unterwegs. Die Gruppe hat sich auf den Weg nach Bangkok gemacht und fliegt von da aus nach Hause. Ich bin morgen noch einen Tag in Siem Reap und „relaxe“, bevor ich mit einem Bus Richtung Mondulkiri/ Senmonorom starte, um die Alternative Elefantenstation zu besuchen. Dazu später mehr. Ein letztes an dieser Stelle: Mondulkiri ist eine der ärmsten Regionen des Landes, mancherorts ohne Strom, fließendes Wasser und ohne WiFi. Deswegen seid bitte nicht besorgt, wenn ihr in der neuen Woche nix von mir lest und seht. Passt gut auf euch auf und bleibt behütet! Li hai!

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