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Coro20

March 25th – Rarawa Beach

Grüße an euch alle da draußen! Seit einer Stunde steht fest: keiner darf den Platz mehr verlassen. Ggf. Kommen neue Campervans dazu, die, die jetzt schon da sind, bleiben für die nächsten 4 Wochen. Aaargh. Jup, ihr habt richtig gelesen: das ist mein neues Zuhause für die nächsten 4 Wochen. Gut, man kann nie wissen, ob der Lockdown vielleicht doch früher aufgehoben wird oder verlängert (hui, hoffentlich nicht Letzteres!), oder ob die Regierung beschließt, das gestrandete Campervan-Camp noch mal umzusiedeln – derzeit gehe ich davon aus, dass ich hier bleibe. Zusammen mit dem deutschen Pärchen haben wir uns einen Namen für unser neues kleines Dorf ausgedacht: Coro20. In manchen Teilen fühlt es sich schon nach einem Tag dörflich an: jemand hat viel Alkohol, die anderen Dosenfutter, ich kann Hotspot anbieten und jemand anderes Yogastunden… derzeit lachen wir noch viel, die Sonne scheint wieder, die Stimmung ist angespannt aber gut. Der heutige Tag bestand vor allem aus Warten: bisher kam zwei Mal das Gvot, ein Mann aus der „Health border“ erschien vor knapp einer Stunde. Dieser Auftritt war einigermaßen sinnlos. Mal wieder wurden alle Namen und Telefonnummern gesammelt, auf die gesammelten Fragen unsererseits konnte auch er nicht reagieren. So bleiben viele Dinge derzeit noch offen für Coro20 =). Woher bekommen wir Strom? Wer versorgt uns mit Gaskanistern? Wie kommen wir an Essen? Um nur einige zu nennen… Alles scheint noch ein wenig „witzig“ und vor allem unwirklich für uns… ich denke, dass noch keiner realisiert hat, so wirklich begriffen, dass das jetzt der Platz ist, an dem wir 4 Wochen!!! stehen.

Gestern abend saßen wir ein wenig beieinander – man bedenke: zwischen allen waren tatsächlich mindestens 2 Meter Abstand. Seltsames Gefühl, aber mittlerweile fühlt man sich bedroht (in einer ganz merkwürdigen Art und Weise), wenn jemand näher kommt als 2 Meter. Auf jeden Fall saßen wir da so: Kevin aus den Staaten, Alex und Bradon aus Kanada, Johanna und Dominic aus Hannover und ich. Tauschten uns aus über die Situation, unsere Reisepläne, unsere bisherigen Reisen… Das war schön; ein klein wenig wie ein Stammtisch ohne Bier. Quatschen bis der Regen kam.

Ich will euch auch nicht vorenthalten, dass die Stimmung in den Ländern gegen Touristen umschlägt, auch hier ist das gestern zu merken gewesen. Entlang der Straße gab es zahlreiche Schilder mit „Go back!“, „Go home“, „For our safety turn around“… und noch deutlicheres… Die Angst nimmt zu. Kevin erzählte, dass er aus Sri Lanka „abgehauen“ ist, weil er massiv beschimpft wurde und „angehustet“ mit „Corona, Corona, hhh“. Alex erzählte, dass Freundinnen von ihr, die in Brisbane leben und asiatischen Ursprungs sind, aber schön länger in Australien ein Zuhause haben, im Bus verbal angegriffen wurden, dass sie endlich abhauen und nach Hause gehen sollten. Die Angst nimmt zu, die verbalen Angriffe, hoffentlich nicht mehr… ein bisschen Sorge habe ich schon, da will ich ganz ehrlich zu euch sein. Corona verändert auch hier das Zusammenleben – auch wenn die Nation für „stand together“ wirbt; es gibt einfach immer noch zu viele Neuseeländer, die arm sind und kein Geld für medizinische Versorgung haben, die Angst bekommen um sich und ihre Kinder, weil sie keine Chance haben… Und was Angst mit Menschen machen kann, haben wir ja in den letzten Monaten in Deutschland immer wieder gesehen.

Mittlerweile ist es Abend geworden. Nach und nach kleckern immer wieder Leute ein, mit dem Wissen, hier die nächsten 4 Wochen zu verbringen. Johanna, Dominic und ich haben uns schon ein paar Dinge überlegt, um die Zeit totzuschlagen,wenn dann die Langeweile zuschlagen wird: Wickingerschach mit Plastikflaschen, Bowling mit den leeren Gaskanistern, Schnitzen von Sitzgelegenheiten (Dank Anne habe ich ja ein Taschenmesser dabei, hihi), Filmabende (ich hab ja auch alle drei Teile HdR mit =), wobei das davon abhängig ist, ob wir hier Strom bekommen oder nicht… Dominic will fischen lernen und ich kann mich im Nichtstun üben. Also, die vier Wochen werden gut genutzt in Coro20, zwinker zwinker. Ich bin sooooo froh, hier nicht allein zu sein; ich bin soooo froh, dass Haina uns supported und ich bin soooo froh, dass es bisher tatsächlich immer Lösungen gab; ich vertraue darauf, dass besonders Letzteres so bleibt. Und vielleicht haben wir eine Menge Mac-Gywer-Momente in Coro20, ich werde es euch wissen lassen!

Gleich ist es acht und die Sonne verabschiedet sich hinter den Hügeln; sobald sie wieder aufgeht, hat der Lockdown für alle begonnen. Das Militär wird Streife fahren, der Notstand ist schon ausgerufen; die Grenzen der einzelnen Distrikte sind dicht, bis Freitag dürfen diese nur noch mit gewichtigem Grund überfahren werden, danach nicht mehr. Wahnsinn, so etwas mitzumachen. Weltreise mit Lockdown, das kann auch nicht jeder sagen =). Ein bisschen Bammel habe ich, denn bisher gibt es keine Lösung für meinen Camper, den ich eigentlich am Dienstag in Auckland abgeben muss, offiziell darf ich nicht mehr fahren… und die Vermietung geht nicht ans Telefon und reagiert auch nicht auf meine Mails. Vielleicht tut sich morgen da was, wenn die Notstandshilfe bei uns auf dem Platz aufkreuzen wird, angekündigt ist sie zumindest.

Daheim steht ihr jetzt auf, ich wünsche euch einen hübschen Tag! Passt gut auf euch auf! Ich weiß, dass auch ihr mit vielen Widrigkeiten kämpft, die wahrscheinlich ähnlich schwierig sind, wie die meinen oder härter (in diesem Moment denke ich da besonders an einige von euch, die mir sehr am Herzen liegen und mit diesem ganzen Schei… gerade ganz schön in der Luft hängen… besonders euch wünsche ich Kraft und Geduld und die besten Gedanken; auch wenn ich am Hintern der Welt sitze, ich denke an euch!).

Agieren und Reagieren… ich übe mich

March 24th – Rawara Beach

Kia ora, ihr Lieben! Ja, ihr Lieben! Vor wenigen Momenten habe ich die zahlreichen, bewegenden Nachrichten von euch abrufen können und sie haben mir nicht nur Pipi in die Augen gezaubert, sondern auch so viel Trost und Zuversicht gegeben! Das habe ich so gebraucht und ich danke euch unzähligste Male dafür! Dass diese Situation nicht einfach ist, war ja meinem letzten Beitrag zu entnehmen =). Ich kann auch nicht sagen, dass sie leichter geworden ist, das nicht, und dennoch will ich versuchen, mich anders zu ihr aufzustellen. Und heute ist mir das bisher ganz gut gelungen.

Die von euch, die das Vergnügen (hihi) hatten, mit mir zusammen zu arbeiten, wissen (vielleicht mehr noch als jene, die „nur“ privat das Vergnügen mit mir hatten), wie gern ich aktiv gestalte. Das hat nicht nur kurze Sequenzen der Arbeit betroffen, sondern vor allem, wenn es um Veranstaltungen und Reisen (Freizeiten, Austauscharbeit, Rüstzeiten, Seminare und pipapo) ging, war (und ich denke auch bin) ich immer gern diejenige, die weiß, was wann passieren kann, wie Plan A, B und C aussehen, wer wann was macht bzw auch wann wer mal durchatmen und die Füße baumeln lassen kann. Aktiv die Dinge zu gestalten, heißt für mich auch immer, den Faden nur bedingt aus der Hand zu geben und auch dann den Kopf hinzuhalten, wenn alles mal nicht nach Plan gelaufen ist… Aktiv die Dinge anzugehen, ist für mich eine Form, frei zu leben, jetzt mal ganz privat betrachtet. Aktiv gestalten, sich aktiv bewegen, damit anzuecken und anzustoßen… all das gehört für mich da mit rein. Besonders dann, wenn ich nicht mehr aktiv agieren kann, wird es für mich enge. Gedanklich vor allem, denn ich bin nur bedingt gut darin, bedacht und besonnen, überlegt und nicht zu impulsiv auf die Dinge zu reagieren. Und dadurch aktiv zu werden. Ja, vor allem im letzten Blogeintrag habt ihr erahnen können, wie mich meine Emotionen oft überrollen und ich unfähig bin, zu reagieren, wenn vor allem Dinge kommen, die keine vorher gedachten Eventualitäten waren. Und ich kann aus vollem Herzen sagen: Corona & Covid 19 waren für mich überhaupt keine gedachten Reinkrätscher in meine Reise. Ja, wahrscheinlich naiv, aber jetzt da.

Zwei Sachen, in enen ich mich seit 48 Stunden übe: Geduld und Vertrauen. Scheibchenweise gibt es Lösungen für o.g. Probleme, nicht immer gleich, wenn ich sie mir wünsche, oft heißt es für mich warten, vertrauen, atmen, warten, Tee trinken, warten, Hörbuch hören, warten… Der gestrige Tag lief dann ungefähr noch so ab und am Abend, als die Sonne sich schon lange verabschiedet hatte, kam Haina am Camper vorbei und sagte mir: morgen früh fährst du gleich zurück nach Rarawa Beach. Dort wirst du warten und es wird jemand kommen, der mit euch sprechen wird und euch fragen wird, was ihr braucht. Alle Self-Isolation Leute sind jetzt dort. Tausend Fragen schwirrten mir durch den Kopf, bremste mich jedoch und dankte Haina nur, dass sie so eine großartige Arbeit in diesen so schwierigen Tagen macht. Bewegt waren wir beide in diesem Moment und miteinander verbunden durch diese Lockdown-Hilflosigkeit und wenn ich gedurft hätte, hätte ich sie vor Dank und Erleichterung gedrückt. Und so übe ich mich in Vertrauen: es wird einen Plan geben, zu einer Zeit, die ich nicht bestimmen kann; es wird eine Lösung geben, für all jene, die hier in der Luft hängen wie ich. Und als ich heute morgen in Rarawa Beach ankam, auf einem Platz, der wie leergefegt ist, da taten sich neue Möglichkeiten auf: Richard (Hainas Kollege) war hier mit Wasser und er hat sich alle Fragen angehört und gemeint, er käme mit Lösungen zurück (nur unklar, wann); ich traf ein junges Pärchen aus Hannover, die in der gleichen Klemme stecken wie ich und jetzt teilen wir uns den ganzen Platz, das Gas zum Kochen, die Wäscheleine und am wichtigsten: ein paar Gespräche aus der Ferne und Ideen, wie es wann und wie möglicherweise weitergehen kann =)

Auch heute möchte ich euch wissen lassen, dass ich gesund bin und ich gestehe, wenn ich die Nachrichten aus Deutschland lese, dann besorgt mich die Situation dort eher, als meine hier. Bleibt gesund, passt gut auf euch auf, kriegt keinen Corona-nicht-mehr-raus-dürfen-Koller, atmet schön und trinkt Tee, irgendwann ist der Spuk vorbei!

PS: Auf Bilder müsst ihr vorerst verzichten, zu wenig Datenvolumen. Aber hey, ihr könnt mein Gesabbel lesen =)

Und nun?

22. März: Rarawa Beach. Kia ora! Ihr Lieben in nah und fern, ich grüße euch! Derzeit stehe ich auf einem Campingplatz in Far North, gerade kamen zwei Touristen an, die berichteten, dass der Campingplatz am Cape Reinga wegen Corona soeben geschlossen hat. Es ist kurz nach fünf am Sonntag nachmittag; in gut 30 Minuten gibt es die aktuellen Neuigkeiten der Regierung; irgendwie vermuten hier alle ganz dumpf, dass es ein Fahrverbot für Camper geben wird… Sollte das passieren, hänge ich wahrlich fest an einem Ort ohne Strom, ohne Einkaufsmöglichkeiten, mit schlechtem Netz, ohne frisches Wasser…. ja, mir würden noch mehr Nachteile einfallen, wenn ihr darauf besteht, und doch: an einem Ort, der atemberaubend schön ist! Als ich gestern an den Strand kam und kilometerweise niemanden gesehen habe, war ich verwundert, beunruhigt und mega glücklich. Sollte einem das in Deutschland passieren, dass man an so einem Strand landet, dann ist man entweder in militärischem Gebiet gelandet oder in ein Filmset gestolpert. Hihi.

Am Freitag habe ich mein Lager in Stillwater abgebrochen und mich auf den Weg Richtung Far North, Cape Reinga gemacht. Das ist die nördlichste Ecke Neuseelands und diese wollte ich auf jeden Fall sehen – wusste ich ja schon am Freitag, dass es wahrscheinlich bald keine erlaubten „Bewegungen“ mehr auf den Inseln geben wird. Spät abends kam ich an Cape Reinga an; es war magisch und zu gern präsentiere ich euch irgendwann die Bilder (derzeit lässt das mein Datenvolumen wahrlich nicht zu). Bis dahin solltet ihr einfach googlen und euch auf die Eindrücke früherer Urlauber verlassen =). Besselt, verzückt, irgendwie beflügelt bin ich Richtung Bay of spirit aufgebrochen, denn ich hatte gehört, dass man dort einfach stehen könnte mit einem Camper, aber die Angst Corona war schneller….Letztendlich durfte ich an der Straßenseite stehen, mich niemandem nähern und es wurde auch mehrfach betont, dass ich nichts, wirklich nichts anfassen sollte! Dieses Gefühl würde ich euch gern beschreiben, da nur ich so sein musste, alle anderen normal campen weil nicht in Self-Isolation…. Eine Möwe leistete mir Gesellschaft beim Essen, das tat gut und ich habe ihr fröhlich von meinem Tag erzählt, der doch so schön verlaufen war. Magische Landschaften, atemberaubende Momente.

Am Morgen entschied ich dann, wieder richtung Süden zu fahren, in der Hoffnung, einen Platz zu finden, an dem ich stehen durfte, mein Klo leeren und meinen Frischwassertank füllen. Dann Campen als Self-Isolation kann zwar ganz hübsch sein und in maximaler Freiheit, wenn dein Scheißhaus aber voll ist und du keinen Kaffee mehr kochen kannst, hört alle Fröhlichkeit der Freiheit bei mir auf… 30 Kilometer nach Cape Reinga stoppte mich ein Fahrzeug der Regierung. Kontrolle. Daten aufnehmen. 1 Stunde Befragung. Erlaubnis, bis Rarawa Beach zu fahren und dort für mindestens 24 Stunden stehen. Haina hierß sie. Und ja, ich weiß, dass sie auch nur ihren Job macht. Ich bin alle Fragen losgeworden, aber sie war so ratlos wie ich. Also bin ich zu dem Beach gefahren. Hier stehe ich. Gestern kam Haina extra nochmal vorbei und hat mir frisches Wasser gebracht. Jetzt soll ich hier stehen, bis die Regierung Antworten gibt. Und Emails sollte ich schreiben. Hab ich gemacht. Mit allen Fragen. Und auch mit der Ankündigung, dass ich morgen fahren muss, um mein Klo legal leeren zu können und Essen zu kaufen – heute gibt es die letzten Äpfel. Haina weiß Bescheid. Ihr tut meine Situation leid. Und ich denke auch die, der ganzen anderen, die hier gestrandet sind. Seit 15 Minuten tippe ich euch, minütlich stranden hier neue Camper – Einheimische und Touristen, „Normalreisende“ und Leute in Self-Isolation. Die Stimmung ist angespannt. Und ich gestehe: meine Fröhlichkeit schwindet und gibt einem seltsamen Druck Raum. Ja, es ist schön hier, aber hey, ich habe kein Zuhause, in das ich zurück fahren könnte, wie die Auckländer neben mir… Wenn ich nicht mehr fahren darf… ich bekomme Magengrummeln. Unsicherheit. Und ich fühle mich gleich doppelt so allein und einsam also zuvor… Noch 13 Minuten…

Dreiundzwanzgster März: Maitai Bay. Die Nachrichten gestern kamen so pünktlich, dass man die Uhren hätte danach tellen können. Die Campingplätze schließen bis auf Weiteres. Nur noch zwei Plätze in Far North sind offen: Rarawa und Maitai. Ich rief so schnell ich konnte Haina vom Gvot an. Sie sagte mir, dass sie nicht wisse, ob ich morgen überhaupt noch fahren dürfe, wie ich dann an Lebensmittel kommen würde, wisse sie auch nicht… deswegen: Camper packen und losfahren. Ab nach Kaitaia, Essen kaufen, tanken und dann auf den Campingplatz in Maitai Bay. Hier stehe ich nun seit wenigen Stunden und ich fühle mich so einsam, wie noch nie auf dieser Reise. Self-Isolation als solche heißt ja schon, mit niemandem sprechen, bei niemandem sitzen, immer schön mindestens zwei Meter Abstand halten. Eine Woche mache ich das nun schon und mir fehlen einfach Gespräche, mal zu witzeln, ein bisschen zusammen zu klönen. Ich will nicht immer nur darüber nachdenken, was ich darf und was nicht (wobei letzteres definitiv mehr ist als das, was ich darf…), ich bin es so leid, mich als Aussätzige zu fühlen, die den Virus schienbar als Paket mit sich bringt, weil sie von „Overseas“ kommt… keiner spricht davon, dass mindestens die Hälfte der Erkrankten Leute sind, die keinen Kontakt mit Touristen oder Eingereisten hatten… Neuseeländer bewegen sich nicht sehr frei, sind lediglich angehalten, andere Wege des Arbeitens zu bedenken. … Seit heute Nacht regnet es in Strömen, nee, stimmt nicht, es regnet in Strömen und dazwischen schüttet es aus Kübeln. Die Wanderwege sind wegen Corona geschlossen, bei dem Wetter lege ich mich nicht an den Strand – beides die Dinge, die ich noch machen dürfte, also hocke ich nun in meinem Camper und warte, bis der Tag vorbei geht bzw. Bis es mal so wenig regnet, dass ich mir einen Kaffee an der Außenküche machen kann. Das alles wäre vielleicht noch zu verkraften… vielleicht. Aber nun sitze ich auf einem Platz fest, der kein Netz hat. Mit viel Geduld mal einen Balken bei Vodafone und einen halben bei Sparkz. Beides nicht ausreichend, um einen Anruf zu machen, News abzurufen oder SMS zu schreiben, geschweige denn, um in Ruhe zu surfen und Emails zu schreiben, um die Langeweile und doch viel mehr noch, um die Einsamkeit zu vertreiben. Und so fühle ich mich wie Robinson auf einer einsamen Insel, irgendwie auch umgeben von Wasser, und habe auch keinen Dunst, wie lange es dauert, bis ich hier wieder weg kann. Eine Woche, zwei… Gestern noch hat die neuseeländische Regierung davon gesprochen, die Self-Isolation auf vier Wochen zu verlängern. Omg! Naja, sollte das passieren, kriege ich es hier ja eh nicht mit. Lach. Gequält-lach. Tränenunterdrücken-lach.

Jemand von euch daheim hat mir vor zwei Tagen beschrieben, wie bewundernswert das ist, was ich hier mache. Zwar kennen mich die meisten als organisierenden, anpackenden und meist auch optimistischen Menschen, und doch staunt nicht nur ihr mittlerweile, wie ich mich auf dieser Reise schlage. Sie ist so ganz anders, als ich sie mir vorgestellt hatte. So ganz andere Aspekte bringen mich an meine Grenzen und ich war vielleicht naiv, als ich im Februar startete und nicht mit der kleinsten Wimper darüber nachdachte, dass Covid 19 mich so ausbremsen könnte. Mich so isolieren und mich so auf mich selbst zurückwerfen. Hier stehe ich, mit einem Rücksack voll Halbseeligkeiten und etwas Essen, in der verregnetsten Pampa seit langem, schreibe, um nicht durchzudrehen, weiß im gleichen Moment nicht, wie ich es euch jemals schicken könnte, warte und weiß nicht, worauf. Dass dieser Spuk in ein paar Tagen vorbei sein könnte, ist illusorisch.

Haina. Immer mal wieder habe ich Haina genannt. Ein paar Worte noch zu ihr an dieser Stelle. Sie hängt derzeit zwischen den Stühlen. Arbeitet für Regierung und die offiziellen Campingplätze, versucht, die Touristen zu registrieren und zu unterstützen und hat dabei besonders die armen „Self-Isolation-Nasen“ auf dem Schirm. Eine kleine quirlige, energiegeladene Frau, die hier mit ihrem Toyota ein Gebiet abklappert, dass 3 Stunden N-S-Ausrichtung und mindestens ebenso viele W-O-Ausrichtung zu fahren hat… Sie hat mir gestern gezeigt, wo sie wohnt, für den Fall, dass ich ganz dringend was brauche, sie hat mir alle Kontaktdaten dagelassen und mich zuletzt abends noch auf dem neuen Campingplatz untergebracht, wohl eher eingeschleust, denn offiziell darf ich hier ja nicht stehen. Bin ja ein Risiko für alle ahnungslosen Neuseeland-Camper. Sie hat darauf bestanden, dass ich hier stehe und sie hat auch betont, dass ich hier duschen darf. Sie macht ihren Job in diesen Tagen großartig! Liebevoll, respektvoll, lächend, fröhlich, lösungsorientiert, interessiert… ein Schatz in diesen Tagen. Ein kleiner Halt auch und ja, ich warte derzeit auch, dass sie vorbei kommt und mir grünes Licht zum Weiterfahren gibt…

Es ist um vier desselben Tages. Seit einer halben Stunde ist es offiziell: in 48 Stunden gibt es in NZ den Lockdown für 4 Wochen. Dass das so schnell geht, überrascht auch die Camper aus Wellington, mit denen ich mich unterhalten habe. Ob sie es schaffen, bis dahin noch nach Hause zu fahren, wissen sie nicht. Aber schnell ist deutlich: sie haben eine Option. Ich nicht. Ich habe versucht, Anrufe zu machen. Haina, Sam, Jucy Rentals, die Botschaft… die Leitungen sind überlastet, so wie Silvester in Deutschland. Keine Chance. Haina hat mir eine Nachricht geschrieben, übersetzt: Atmen, warten, sie kommt mit einem Plan. Wie der aussieht, weiß sie noch nicht. Wann sie kommt, habe ich nicht herausfinden können, weil das Netz wieder tot ist. Mich tröstet ein wenig, dass es mit mir tausende Touristen gibt, die jetzt in dieser Situation stecken. Keiner weiß, wohin er kann, wenn die ganze Nation hier dichtmacht. Ich weiß auch nicht, ob ich meinen Camper jetzt ganz schnell loswerden oder zu einem Wucherpreis für vier weitere Wochen mieten muss… Oder: Rückkehr nach Deutschland. Der Gedanke stimmt mich traurig, habe ich doch das Gefühl, dass ich hier derzeit besser aufgehoben bin.

Ich weiß, dass euch dieser Eintrag ratlos machen wird und fragend, aber ich wollte ihn gern noch posten. Eines: ich bin gesund! Und ich habe keinen Dunst, was jetzt kommt. Sobald ich kann, schreibe ich euch wieder.

Tag 4 in Self-Isolation

Noch grüße ich euch aus Stillwater (Silverdale). Die letzten beiden Tage habe ich mit Ausflügen in der Gegend und Sonnenbaden auf dem Rasen von Sam verbracht. Die Ausflüge und das Bewegen taten mega gut und ich habe soooo schöne Ecken von Neuseeland gesehen. Deswegen gleich mal an dieser Stelle die Bilder 😉

Zunächst aus dem Shakespeare Regional Park & Army Bay:

Und dann noch von heute aus dem Wenderholm Regional Park:

Hübsch ne? Ich selbst bin geflasht von all den Eindrücken, manchmal fühlt es sich nach einem großen Stücken vertrauter Erde an… mir fehen die Wort um mein Gefühl dazu zu beschreiben, es ist eher ein: genau so. Und so ein innerliches Nicken und Grinsen.

Meistens musste ich leider gegen frühen Nachmittag diese Plätze wieder verlassen, da mir ja Kontakt zu „vielen“ Menschen untersagt ist, ja ich weiß, eigentlich zu allen, aber hey, beim spazieren und wandern kann man auch gut mal 50m zwischen sich lassen. Ich will ganz ehrlich aus der Ferne sein: es ist kompliziert, hier zu sein und es ist auch kompliziert, darüber nachzudenken, was ich alternativ tun könnte. Denn so einfach ist es auch nicht, zurück nach Deutschland zu fliegen… Ich weiß, dass sich viele von euch Sorgen und Gedanken machen, über die Situation in Deutschland oder dem Land, in dem ihr lebt, Fragen stellen sich, was kommt danach? Wann hört der ganze Spuk auf? Wann können wir uns wieder frei bewegen? Wann gibt es wieder Toilettenpapier? … Und ich schätze es auch sehr, dass ihr an mich in der weitest-weg-gehenden Ferne denkt, denn Neuseeland ist nunmal das Land, welches am weitesten weg ist von Germany. Zuerst: ich bin gesund! Auch an Tag 5 der Isolation kann ich sagen, dass ich keine Anzeichen von irgendeinem Virus habe und dass ich mich an sich fit fühle. Und doch: ich bin nicht entspannt. Das kann ich wahrscheinlich auch in den nächsten Wochen schlecht sein, denn gefühlt ändert Neuseeland vier mal am Tag die offiziellen Bestimmungen betreffend Covid 19, die dann auch direkt umgesetzt werden müssen. So hänge ich derzeit noch vorrangig am Handy, um Nachrichten zu checken (vermutlich lässt das nach, wenn ich keinen ungehinderten Zugang zu WiFi mehr habe). Und ja: ich frage mich besonders heute, ob es nicht „besser“ wäre, die Reise abzubrechen und nach Deutschland zu fliegen? Darauf hat leider niemand eine Antwort und keiner sagt, was für die Touristen in Neuseeland das beste wäre, glaubt mir, ich hatte heute ausreichend Kontakt dahingehend mit dem Auswärtigen Amt und dem Konsulat in Wellington. Neuseeland ist derzeit kein „Krisengebiet“, deswegen wird es keine „Rückholflieger“ geben. Maximal könnte ich bis Sydney fliegen oder Singapur und dann hänge ich dort fest; dann sitze ich doch lieber auf dieser hübschen Insel fest.

Im Übrigen hänge ich hier auch nicht allein fest, auch wenn sich das in den letzten Tagen stark danach anfühlt, aber: gestern traf ich eine Schweizerin, die bis Ende April nicht zurück in die Schweiz darf und ich traf ein Pärchen (er Deutscher, sie Japanerin, zwei Kinder), die hier festhängen und in keines der beiden Länder aktuell fliegen können, weil es keine Maschinen gibt… Niemand weiß, wie es sich verändern wird, was kommen wird, in Deutschland, in Neuseeland, weltweit… So will ich von Tag zu Tag schauen. Und am liebsten wie geplant, bis Ende Juni hier bleiben…

Denn es gibt ja Gründe, warum ich gegangen bin und noch bin ich nicht „fertig“ damit. Ich brauche noch Zeit. Deswegen: pass ich gut auf mich auf und ihr tut hoffentlich dasselbe mit euch und euren Liebsten! Ich lasse von mir hören und ihr antwortet vielleicht =). Das wird in den nächsten 14 Tagen spärlich meinerseits sein, denn ich fahre morgen in die Pampa. Da ich keinen öffentlichen Ort besuchen darf, also auch kein Mcens mit WiFi, werde ich wohl eher weniger von mir hören lassen können. Und danach serviere ich euch einen seitenweisen Blog-Beitrag 😉

Self-Isolation Tag 2

Ich bin noch immer in Stillwater (Silverdale). Mein zweiter Tag in Self-Isolation ist vollbracht; bleiben nur noch 12 🙂 Yeah! Ich gestehe: so ganz an die „Regeln“ habe ich mich nicht gehalten – geht ja auch schlecht, wenn alle Regeln alles ausschließen, was lebensnotwendig ist, deswegen: ich habe meine Wäsche an einem öffentlichen Platz gewaschen und mich selbst auch; ich habe Essen eingekauft (und hey: ich war schneller als die erlaubten 15 Minuten, obwohl die Produkte so ganz anders aussehen als in Deutschland und ich noch Preise vergleichen musste). Gut, ne?

Mittlerweile habe ich Bilder aus Australien gesehen, die leere Regalwände in Supermärkten zeigen; Reaktion „meiner neuseeländischen Gastfamilie“: dann wird das ab morgen auch bei uns so sein. Na supi, schau mer mal… Mit dem gekauften Essen komme ich wahrscheinlich bis zum Wochenende und danach gehe ich fischen (hm, irgendjemand von euch hatte mir das doch nahegelegt, denn das ist der beste Weg der Selbstversorgung), bleibt nur die Frage, was passiert, wenn ich doch was fange. Wie ich mich kenne, lasse ich das arme zappelnde Tierchen wieder frei.

Nun, in Self-isolation habe ich viiiiel Zeit zum Nachdenken, also habe ich auch überlegt, was das eigentlich bringt, wenn zwei drei arme Touristen, denen offensichtlich Geldstrafen angedroht werden, versuchen, sich an den Regel-Wust zu halten und der Rest der Einreisenden, besonders die Einheimischen, den 14 Tagen fröhlich ihren Mittelfinger zeigen… welches Ergebnis ich dahingehend hatte? Keinen. Finde es nur fies. Habe mich noch nie in meinem Leben so aussätzig gefühlt wie in den letzten beiden Tagen. Tourist? Ieksbieks. Immerhin stellt mir die Familie hier was zu Essen raus: auf Plastikgeschirr, was ich entsorgen kann und ich darf mich dem Teller auch erst nähern, wenn sie weg sind. Lepra fällt mir da ein. Und Cholera. Das Geschäfft, welches meine Wäsche angenommen hat, bat mich, die Tasche vor der Tür abzustellen und dann ein Stück zurückzutreten und dann haben sie „den heißen Stoff“ entgegengenommen, wie bei einer Geldübergabe :-). Ob das mit dem Leeren der portablen Toilette auch so läuft? Ich werde es euch wissen lassen – vielleicht eine neue peinliche Geschichte =).

Nun, ich verstehe, dass sich die Welt jetzt 14 Tage vor mir schützen will, denn es kann ja sein, dass ich das Virus mit mir rumschleppe und keinen Dunst davon habe. Wie so nen Floh in der Tasche, der erst nach 14 Tagen raushopst und sich entscheidet, die ganze Wohnung zu bevölkern. Also viele Flöhe, ach ihr wisst schon. Mir fällt kein besseres Bild ein…hm. Das einzig gute an diesen 14 Tagen, was ich bisher entdecken kann: ich bin auch vor den anderen geschützt. Hihi. Und vielleicht fallen mir in den kommenden Tagen täglich noch mehr Sachen auf, vielleicht am Schluss: 10 gute Gründe für Self-Isolation. Verzeiht, wenn ich ironisch und amüsiert über das Ganze schreibe, ich weiß, dass es Ecken dieser Erde gibt, in denen keiner mehr über Corona und dessen ganze Folgen und gesellschaftlichen Konsequenzen lachen kann und vielleicht gehörst du selbst, der du meine Zeilen gerade liest, auch dazu. Ich will niemandem auf den Schlips treten!

Als ich vorhin auf einer Website gelesen habe, dass wahrscheinlich bis auf weiteres alle Flüge gestrichen werden, ging mir auch ein wenig die Muffe. Klar, ich bin die nächsten drei Monate hier, aber wer weiß denn, was in drei Monaten los ist? Ich will es positiv anschauen, in drei Monaten kann vieles wieder am Laufen sein…

Ach, noch eine „witzige“ Nebengeschichte, die mit einem Geständnis beginnt: in Vietnam habe ich wieder begonnen zu rauchen, also eigentlich schon in Berlin am Flughafen, aus lauter Panik und weil ich mich unbedingt an was festhalten musste… Also: Asien = billige Zigaretten in riesigen Schachteln, in Kambodscha 30 Stück unter einem Euro. In Indonesien 1,50 Euro pro Schachtel Marlboro gold zum Bleistift. Denke noch kurz vor Abreise aus Indonesien darüber nach, noch ne Packung zu kaufen, vergesse es dann in aller Aufregung und reise mit drei ganzen Zigaretten nach Neuseeland. Lande in Auckland. Wundere mich, warum andere Touristen Stangen einführen am Zoll. Gehe aus dem Zollbereich. Will ne Packung kaufen. Finde keinen Laden. Frage mich durch. Alle gucken entgeistert an. Frage nach. Neuseeland wird rauchfrei! Wie? Neuseeland wird rauchfrei? Was? Neuseeland wird rauchfrei bis 2025! Frage nach, wo ich Zigaretten bekomme. Keiner hat einen Plan. Sehe niemandem, bei dem ich eine schnorren kann. Google nach. Packung soll jetzt wohl schon 15 Euro kosten; achtung: Packung mit zehn Zigaretten! Waas? Tabak auch. Also: Susann wird rauchfrei bis Juni 2020. Mindestens.

The Virus moves the world…

Ihr Lieben in nah und fern! Überraschung: ich melde mich aus Neuseeland bei euch, genau genommen aus Stillwater – Silverdale. Hier stehe ich seit gut vier Stunden mit meinem gemieteten Camper und befinde mich in „Self-isolation“. Die letzten Tagen waren Bam-Bam-Bam und ich bin gar nicht richtig runter gekommen, mir war andauernd schlecht und ich hatte mordsmäßige Kopfschmerzen – wenn mich in dieser Zeit jemand gefragt hätte, ob ich Anzeichen von Corona habe, dann hätte ich dies bejahen müssen. Aber hey, mittlerweile zählen auch als Corona-Anzeichen wenn man sich mehrmals am Tag ausschnauben muss und mehrfach
husten, Kopfschmerzen, Durchfall, Magenschmerzen… neben all den bekannten Symptomen. Ich habe das Gefühl, dass Neuseeland jede Art von Unwohlsein mit Corona in Verbindung bringt. Was passiert, wenn ich eines dieser Anzeichen in den kommenden
Tagen haben sollte? Nun, dann rufe ich den Health-Service an und die sagen mir dann, was zu tun ist. Gerade eben hat Sam, die unglaublich großartige Freundin von Vicki, einen Artikel gefunden, nachdem es heißt, dass Neuseeland morgen einen „lock-down“ beginnt. Wir vermuten, dass alles schließen wird, alle Flüge gestrichen, Self-Isolation für jeden in den kommenden 14 Tagen. Wie ich dann hier über die Runden kommen werde, bleibt offen, aber ich darf euch auch sagen, dass ich froh bin, jetzt hier und nicht mehr in Indonesien zu sein.
Warum ich entschieden habe, gestern nach Auckland zu fliegen: am Freitag bekam ich von Vicki aus Melbourne die Nachricht, dass Australien die Grenze für Flüge u.a. aus Indonesien schließt. Die Gedanken, die sich daran anschlossen, waren vielfältig… Zuletzt habe ich mich eben auch gefragt, was es bedeuten würde, nur noch wenige Tage länger
auf Bali zu bleiben. Mittlerweile denke ich: wer jetzt nicht geflogen ist, wird den Sommer dort verbringen, weil kein anderer Staat die Einreise mehr erlaubt. Theorie, die noch nicht ganz wahr ist, aber sehr wahrscheinlich kommen wird. So sind mit mir eine große Anzahl deutscher, australischer, niederländischer… Touristen aller Generationen am Sonntag abgeflogen. Die meisten zurück nach Hause. Mit mir einige wenige Richtung Neuseeland.
Also kam am Freitag die Nachricht und ich entschied mich nach langem Ringen (an dieser Stelle wieder ein riesiger Dank an das tollste Reisebüro der Welt!!!), für den 15.03.2020 einen Flug nach Auckland zu buchen und alle Reisepläne über den Haufen zu werfen. Der Flug sollte nachmittag halb fünf starten und am Montag morgen, halb sechs in Auckland
landen. Nach einer fast schlaflosen Nacht kam am Samstag dann die Nachricht, mit der ich so schnell nicht gerechnet hatte: Neuseeland „bittet“ alle Einreisenden, ob Touristen oder nicht, in eine 14tägige Selbstquarantäne; alle, die ab Sonntag 24.00 Uhr einreisen.
Übrigens habe ich heute an der Camperstation erfahren, dass bis zwei Uhr nachts die Regelung eher lax gehandhabt wurde, manche mussten, manche nicht. Mein Flug landete dann kurz vor sechs, bei uns war klar: wir müssen. Mit der Bekanntgabe der Regelung hatte nun dann auch jeder gehofft, dass die Regierung Lösungsvorschläge für Touristen bringt; schnell war klar: Hotels, Pensionen, AirBnBs, Couchsurfer werden/ dürfen/ sollen/ können… keine Touristen aufnehmen; Sonntag abend kündigte die Regierung dann sogenannte „mass gatherings“ für Touristen an, von denen aber bisher kein einziges umgesetzt wurde. Dank der großartigen Unterstützung von Vicki und Sandra gab es dann eine Lösung: Camper mit Klo mieten und auf einem privaten Stellplatz stehen – eben bei Sam, die mich unglaublich liebevoll aufgenommen hat ohne mich zu kennen!
Bei Einreise wurde schnell deutlich: niemand hat einen Plan, nur das Ziel ist allen deutlich. Unzählige Mitarbeiter des Health-Service wimmelten am Flughafen, versuchten Fragen zu beantworten, verteilten Flugblätter, auf denen widersinnige Dinge standen: man darf keinen öffentlichen Bus, kein Taxi, keinen Zug etc benutzen, aber um nach Hause zu kommen, ginge das. Man darf keine Menschen treffen, keine öffentlichen Toiletten und Duschen besuchen, aber auch bei niemandem wohnen. Man solle seine komplette Wäsche waschen, dies aber nicht in öffentlichen Laundrys, aber auch bei niemandem zu Hause. Man soll sich duschen und desinfizieren, aber nicht in öffentlichen Rastplätzen, nicht auf Campingplätzen… Man darf keine öffentlichen Plätze besuchen oder Einrichtungen, keine Supermärkte oder ähnliches, aber man darf für 15 Minuten einkaufen gehen. Man darf spazieren gehen, soll aber in seinem Zimmer bleiben, damit man nichts öffentliches berührt… Seht ihr auch den Widerspruch, ich meine die Widersprüche? In dieser Dunstglocke bewegen wir uns nun: Sam und ihr Sohn Jacob, ihre Mutter und die
beiden Haustiere, der Vermieter und seine Familie… morgen fahre ich meine Wäsche waschen,werde sie wahrscheinlich aus dem Auto „schmeißen“ und danach „zurückgeworfen“ bekommen, aber dann stinke ich wenigstens nicht mehr ganz so
schlimm. Derzeit habe ich keinen Zugang zu einem Bad, keinen Zugang um meinen
Wassertank aufzufüllen geschweige denn zu duschen, aber ich habe eine wunderbare Familie gefunden, die mir einen Platz gibt, an dem ich zumindest für die nächsten drei Tage bleiben kann. Vielleicht gibt es danach ja eine „Regel“, wie mit Touristen umgegangen werden muss, vielleicht schicken sie dann einfach alle weg oder lassen keine neuen mehr rein….

Liebe neugierige Leser =)! Ich freue mich, dass ihr so beharrlich meiner „Pilger“-Reise folgt und nun will ich euch nicht länger auf kleine Geschichten und einige Eindrücke aus Bali warten lassen. Vor zwei Tagen habe ich mich aus der Hauptstadt Denpasar Richtung Norden aufgemacht und Unterkunft in Ubud bezogen. Noch vor wenigen Jahren galt diese Stadt als kleiner Geheimtipp der Insel zum Entspannen und Relaxen, Adresse für Yogis und Schlemmermäuler, die originales indunesisches Essen in Ruhe genießen wollten… und was darf ich euch sagen, ja ein wenig bin ich auch mit dieser Erwartung hierher gekommen. Stutzig hätte es mich doch schon machen können, dass es wirklich schwer war, eine Unterkunft in Ubud zu finden, die meiner Preisvorstellung entsprach, denn wer will denn für ein pobliges Zimmer ohne Frühstück 15 Euro oder mehr die Nacht zahlen? Und mit pbligem Zimmer meine ich lediglich einen Raum mit Bett und angeschlossener Dusche; ja, ich habe ein Fenster erwartet, als ich über Booking buchte, denn immerhin hatten mir das die Bilder versprochen und Licht und ja, vielleicht auch einen Stuhl. Hey, das ist doch eigentlich nicht zu viel verlangt oder? Ich hatte dann auch eben was gefunden mit diesen simplen Kriterien für nur 12 Euro die Nacht und die Bilder versprachen eine kleine Wohlfühloase im balinesischen Stil. Hier angekommen stand ich in einem „Loch“ aus Schimmel ohne Licht, ohne Steckdosen und ohne Fenster! Und ich darf euch sagen: es ist wirklich nicht leicht, auf die Barrikaden zu gehen, wenn die versprochenen Sprachen nicht gesprochen werden. Also habe ich mit meinen besten Theatergesten ziemlich deutlich gemacht, dass ich nicht gewillt bin, auch nur eine Nacht in dieser Buchte zu bleiben. Vier Leute haben dem Spektakel beiwohnen müssen, bis ihnen deutlich wurde, dass ihnen hier gleich eine zahlende Touristin flöten geht. Also gaben sie mir letztendlich ein Zimmer eine Etage höher und hey, es hat ein Fenster und eine funktionierende Steckdose! Dank meines Schlafsackes und der mitgebrachten Reisehandtücher werde ich es wohl auch noch zwei Nächte hier aushalten, ein Wort beschreibt es wieder mal ganz gut: disgusting!

Ubud als solches ist leider nicht mehr heimelig und schon lange kein Geheimtipp mehr, so erzählte es mir gestern ein Japaner, der immer in den Wintermonaten in Ubud lebt und seiner Kunst nachgeht. Denn vor allem für die Kunst und das Handwerk ist Ubud auch bekannt. Er habe noch nie so viele Touristen im März erlebt und das trotz „the virus“ und der dadurch fehlenden asiatischen Reisenden. Ja, „the virus“ ist auch hier ein Thema, obgleich nicht so groß wie bei euch daheim, hab ich doch tatsächlich heute gelesen, dass jetzt Ländergrenzen verstärkt geschlossen werden. Gruselig. Ach, ich sage euch ganz frei, ich bin froh, dass ich im Februar aufgebrochen bin und jetzt schon in Asien, wo es (bislang, klopfe auf Holz) kein Problem darstellt, zu reisen und die Landesgrenzen noch offen sind.

Ob ich auch ein bisschen was in den letzten Tagen angeschaut habe? Na klar! Die Hummeln im Hintern habe ich trotz tropischer Regenzeittemperaturen und so stand einiges auf dem Plan: Plantage des „Coffee Luwak“, Bantuan-Tempel, Elephant-Cave, Schmetterlingspark, „walk of Fame“ und Reisfelder. Letztere sind auf Bali terassenförmig angelegt und sehr berühmt.

Coffee Luwak: Ja, ich habe eine Plantage besucht, auf der die süßen Fleckenmusangs leben, Kaffeebohnen kauen und Menschend deren Kacke sammeln, um daraus einen der teuersten Kaffees der Welt zu rösten. Ich hab ihn probiert: sauer, bitter, nicht mein Fall. Aber die Tierchen waren süüüüß!

Hinduismus auf Bali: Tempel, Tempel, Tempel, große Anlagen, kleine Haustempel, „Opferstätten“ in fahrenden Autos, gesperrte Straße für Zeremonien und Zeremonien kann man hier täglich erleben, wenn man möchte. Der Hinuismus bietet eine Vielzahl von Göttern, also auch ne Menge Anbetungsmöglichkeiten. Vor den Türen der Häuser liegen kleine Gaben für Vishnu, die täglich erneuert werden und um Schutz für das Haus und die Familie bitten. Frauen ziehen mit Gaben und einer Handvoll Räucherstäbchen durch die Gassen und Straßen, bieten „Segen to go“. Angeschaut habe ich mir die Anlage des Bantuan-Tempel und die „Elephant-Cave“… Bilder findet ihr wie gewohnt am Ende meines kleinen (hihi, manchmal sind die schon ganz schön lang) Beitrages. Und: zu euch kann ich ehrlich sein: nach Kambodscha und Bali brauche ich ne „Tempelpause“.

So,den Rest erzählen euch ein wenig die Bilder, ich grüße euch und wünsche euch einen wunderbaren Tag! Bis bald!

„Der Müll bleibt“

Selamat siang! (Das spuckt der google-Übersetzer als indonesisch für „Guten Tag“ aus; ob das stimmt, kann ich nicht beurteilen, denn auf Bali spricht man Vieles, nur selten Indonesisch 😉 )

Also, ihr Lieben! Ich grüße euch!

Eine Weile habt ihr nun warten müssen, ob wieder von mir zu hören und auch heute – ich gestehe – schreibe ich euch nur zögerlich, denn wie ihr schon gelesen habt: „Der Müll bleibt“. Zumindest ist es das, was mir in den letzten Tagen durch den Kopf schwirrt… später mehr dazu. Am Sonntag war Reisetag von Phnom Penh über Kuala Lumpur nach Bali. „Dank“ Corona war ich erst spät nachts in Denpasar; durch die fehlenden Touristen werden auch im Raum Asien zahlreiche Flüge gestrichen und erst später ersetzt. Ich bin sehr froh gewesen, auch auf diesen Flug eine finanziell kleine Zusatzversicherung abgeschlossen zu haben, so dass ich dann eben mit einem anderen Flugzeug der Malaysia Airlines transportiert werde (n muss). Besonders an dieser Stelle danke ich meinen beiden Megaunterstützern im Reisebüro Leipzig, die sich lange Zeit genommen haben, mit mir und für mich die Flüge zu planen und die auch jetzt noch wunderbare Ansprechpartner für mich sind! Namentlich nenne ich die beiden mal lieber nicht, das hatten wir nicht besprochen 😉 Wenn ihr das lest: Tausend Dank!!!!

In Bali wurde ich dann durch einen Shuttle der Unterkunft abgeholt und landete um zwei Uhr nachts dann endlich in einem Bett. Leider habe ich auch schon eine kleine Krux festgestellt: wenn man mit Taxifahrern plaudert, dann kommen sie immer wieder und wollen einen fahren. So kommt der Shuttletaxifahrer jeden Morgen an die Tür meiner Unterkunft und fragt, was ich heute brauche und wohin ich möchte. Anstrengend. Die Unterkunftseigentümer belächeln das Ganze, sind es wohl gewohnt, grinsen und bieten nur „Fröhliches Verhandeln“ an. Heute morgen warteten drei Taxifahrer an der Tür. „Meiner“ und die beiden anderen, die die anderen Gäste transportiert haben.

Da ich gestern mit der klimatischen Umstellung von trocken-scheißeheiß in Kambodscha zu scheißeheiß-und megaluftfeucht in Bali körperlich ganz schön zu kämpfen hatte (näher mag ich das an dieser Stelle nicht ausführen, hihi), gönnte ich mir einen Tag ausruhen und rumliegen, chillen sagt man da ja so schön. Abhängen vor dem Ventilator. Übrigens: Netflix funktioniert in Indonesien nicht, eine Erkenntnis des gestrigen Tages 😉

Heute dann habe ich mich rausgetraut. Das Ziel: Turtle-Centre auf „Turtle-Island“. Schon auf dem Weg dahin (übrigens mit einem anderen Taxi, welches 50% weniger kostete) stellt ich traurig fest, dass das Müllproblem scheinbar auch nicht vor Bali halt gemacht hat… Plastik und Abfall auch hier an leider jeder Ecke, schwimmend in den Stadtkanälen, Kühe grasend zwischen Plastikbeuteln, Kinder spielend darin, kaputte Boote und uuuunglaublich viel Abfall in den Mangrovenwäldern vor der Stadt Denpasar, vor dem Eingang des Turtle-Centres: ein Müllhaufen. Das dumpfe und traurige Gefühl von Kambodscha diese Thematik betreffend hält an… Der Müll bleibt irgendwie im Gepäck.

Turtle-Centre: nun ja, diese Einrichtung dient vorranging dem Aufpäppeln kranker und verletzter Tier und der Aufzucht kleiner Schildkröten (vom Einsammeln der Eier, Brüten, Schlüpfen lassen und im Ozean aussetzen). Nun fragt ihr euch wahrscheinlich genauso wie ich, warum braucht das Bali? Haben wir doch vielleicht alle noch diese „verzauberte“ und „glückliche“ Insel aus Eat-pray-love im Kopf. Und ja, vielleicht finde ich noch einen dieser „verzauberten“ Flecken hier, aber der Süden ist es definitiv nicht. Die Angebote, Schnell-Boot zu fahren, zu tauchen, zu surfen, in einem chicen top-modernen Hotel direkt am Strand zu wohnen, türmen sich, deswegen haben die Meeresschildkröten keinen Platz mehr, um zu brüten, geschweige denn, um unbeschadet an Land zu gelangen. Das Schildkrötenzentrum hatte leider sehr sehr sehr viele Schildkröten mit angeschlagenem Panzer oder abgeschlagenen Gliedmaßen, Unfälle mit Schiffsrotoren. Manche verloren ihre Gleidmaßen in Fischernetzen, andere verhedderten sich in Plastikmüll oder aßen selbigen, Vergiftungen, Bakterienbefall am Panzer, Verstümmelungen… Grausam traurig. Von wegen das größte Problem der Schildkröten sind Fressfeinde wie Haie oder Krokodile, nein, das allergrößte Problem ist MAL WIEDER der Mensch. Schneller, größer, weiter, touristischer, ohne Rücksicht auf. Und tatsächlich stellt sich dann im Laufe des Rundgangs heraus, dass der Mensch auch der größte Fressfeind der Schildkröte ist. Erst vor weniger Jahren wurde der Handel mit Schildkröteneiern und -Fleich verboten, bis dahin war Bali DER Exporteur in Asien schlechthin. Ein weiteres Problem für die Schildkröten sind Rituale des hinduistischen Glaubens. Dazu will ich kurz mal zitieren aus einem Artikel von 2008: Bali ist eine hinduistische Hochburg im ansonsten muslimischen Indonesien und Schildkröten spielen in der hinduistischen Mythologie eine große Rolle. Auf ihnen ruht die Last der Welt. Jahrhunderte lang wurden sie bei Ritualen geopfert und dafür oft bei lebendigem Leibe aufgeschlitzt. „Wenn man einen Tempel rein halten wollte, musste man zum Beispiel einen Schildkrötenpanzer im Fundament vergraben“, sagt Sukara. Das Fleisch wurde anschließend als Festschmaus verzehrt. „Die Balinesen waren die schlimmsten Schildkrötenwilderer in Indonesien“, sagt Sukara. Er muss es wissen. Seine Familie war mitten drin. Der WWF schätzt, dass allein der Handel die Schildkrötenbestände um 40 bis 80 Prozent dezimiert hat. Die Tierschützer appellierten an das religiöse Verantwortungsgefühl. „Weil Hindus an die Wiedergeburt glauben, haben wir die Frage gestellt: Was macht die nächste Generation, wenn alle Schildkröten ausgestorben sind?“ sagt Pet-Soede.“Die Religionsführer haben auf unser Drängen noch einmal alte Schriften studiert, und sind dann zu einem bahnbrechenden Ergebnis gekommen“, sagt der balinesische Tierarzt und Schildkrötenexperte Windia Adnyana. Vor drei Jahren kam der ersehnte Durchbruch: der höchste religiöse Hindurat auf Bali erließ ein Bhisama, ein religiöses Dekret, wonach bedrohte Tierarten nur noch bei Ritualen verwendet werden dürfen, wenn sie nicht getötet werden. Alternativ könnten Bilder oder Kuchen in Form des Tieres verwendet werden. (https://www.n-tv.de/wissen/Meeresschildkroeten-bei-Bali-article27973.html) Jetzt könnte man ja meinen, puh, alles easy, von wegen. Das große Sterben der Schildkröten hat leider dafür nicht aufgehört… Aktuellen Zahlen der Station zu folge sterben jährlich immer noch mindestens 1000 Tiere dafür, knapp 100 000 werden für das Ritual „benutzt“ und wenn sie es überleben wieder freigelassen. Von Erfolg kann man da aus meiner Sicht leider nicht sprechen…

„Der Müll bleibt“… zumindest ist er es noch. Der Titel dieses Beitrages hat auch einen zweiten Grund. Viele von euch wissen, dass ich mich selbst nicht als „Weltreisende“ verstehe, sondern als Pilgerin, die sich auf den Weg gemacht hat. Aufzubrechen und loszugehen hatte und hat für mich viele Gründe; manchmal in den letzten vier Wochen habe ich sie vor lauter Trubel vergessen, jetzt, nachdem ich allein unterwegs bin und viel Zeit zum Nachdenken ist, wird es mir wieder deutlich, warum ich unterwegs bin. Erkenntnis der letzten Tagen: ich kann an den „Hintern“ der Welt reisen, das, was ich innerlich aufgeladen und zu bearbeiten habe, klebt an mir und „ist im Gepäck“.

Besuch bei den Elefanten

Grüße an euch alle in nah und fern =) Bevor ich am Sonntag nach Bali weiterfliege, wollte ich mich doch noch mal bei euch melden und euch von meinen letzten Tagen in Kambodscha erzählen. Jippie, zunächst meine Freude: ich muss in diesem Land nicht noch mal Bus fahren! Yeah! Tatsächlich war die heutige Fahrt von Sen Momorom nach Phnom Penh in einem MiniVan (sie nennen es VIP-Van – haha, hat sich mir bis zum Aussteigen nicht erschlossen), klingt ja erst mal nicht so schlimm, ne? War aber das gleiche Elend, wie die Anreise nur auf kleinerem Raum und auch nur 8 Stunden! Leider war ich wieder die einzige Nicht-Einheimische in der Karre… und als mich eine Frau unbedingt anfassen musste, bin ich ausgefranst, erst auf Englisch, dann auf Deutsch, das hatte dann zu Folge, dass die ganze Fahrt offensichtlich über mich gesprochen, diskutiert und auch gelacht wurde. Ich habe beschlossen: Haken an öffentliche Verkehrmittel in diesem Land. =)

Gestern nun und darauf habt ihr vielleicht ein bisschen spekuliert davon zu hören, war ich bei den Elefanten! Der Besuch bei den 5 Tieren im Mondulkiri Projekt war ja schließlich auch der Anlass, in die östliche Pampa des Landes zu fahren. Übrigens so weit östlich, dass mich abwechselnd vietnamesisches und kambodschanisches Netz begrüßt haben ;-). Das Modulkiri Projekt ist eine von zwei ernstzunehmenden NGOs in der Gegend; leider gibt es zahlreiche andere, die Touristen in den Wald locken und dort einen gemieteten Elefanten präsentieren. Wenn die Touristen fertig sind, muss er zurück an die Arbeit in einem der nahegelegenen Dörfer… Ein paar Worte lasst mich verlieren zum besuchten Projekt: die Gründer haben für insgesamt 30 Jahre das Land vom Staat gepachtet, zahlen mächtig dafür, dass die umliegenden Dörfer und Städte es nicht abfackeln und die Tiere und Pflanzen geschützt bleiben. Seit 5 Jahren gibt es das Projekt und seit 5 Jahren verhandeln sie mit der Regierung, diesen kleinen Flecken Erde zu kaufen. Dass das unmöglich scheint, liegt vor allem an der wachsenden Bevölkerung in der Gegend, die viele Mäuler stopfen muss und dazu immer mehr Farmen und Felder braucht. Deswegen hat das Projekt eigene Angestellte, die Patrouille laufen und die Bauern „verjagen“, die sich ein Stück Land klauen möchten. Und es gibt auch Angestellte, die 24/7 auf die Elefanten aufpassen, weniger weil sie weglaufen könnte, vielmehr weil sie Diebstahl vermuten. Ein Elefant kostet derzeit in Kambodscha ca. 40 000 USD! 4 Tiere konnte das Projekt schon kaufen, das fünfte wird monatlich gemietet und es gibt Verhandlungen über einen möglichen Kauf. Nun muss man sich das mal vorstellen: das sind alles misshandelte, kranke, schwache Tiere, die von ihren Besitzern „runtergewirtschaftet“ wurden besonders für Touristen und die dann für diese Summe verkauft werden! Ihr könnt ja noch mal lesen, in einem der letzten Beiträge, da hab ich schon erzählt vom Durchschnittseinkommen und so… Übrigens hat die Regierung Kambodschas erst mit Wirkung des 01.01.2020 verboten, dass Touristen in Angkor Wat von Elefanten durch die Gegend getragen werden – das auch nur auf großen und langen Druck von NGOs, weil Elefanten mit Touristen auf dem Rücken in den Tempelanlagen kollabiert und verendet sind. Und übrigens auch: diese zweifelhafte touristische „Belustigung“ bietet Thailand immer noch zu Hauf.

Gut, dass es Projekte gibt, die Wald und Tiere schützen wollen, die die Bedeutung für ihr Land und die Umwelt verstehen und ganz praktisch anpacken. Dass das ganze in den meisten NGOs im Einklang mit der Bevölkerung geschehen soll, finde ich sehr gut. So bietet das Mondulkiri Projekt die Möglichkeit, ärztlicher Behandlung, schulischer Bildung und auch Arbeitsplätze für viele Jugendliche und junge Erwachsene. Nach und nach erhoffen sie sich dadurch, Verständnis und Aufklärung zu entwickeln. Nach 5 Jahren gibt es dazu aber noch keine weitgreifenderen Erkenntnisse… Die Zeit wird es zeigen.

Das Monulkiri Projekt bietet nun ja auch Touristen Elefantenbegegnung an und vielleicht denkt ihr jetzt, naja, dann leben die eben dort und werden auf andere Weise gezwungen, Menschen glücklich zu machen und ihnen damit Geld aus der Tasche zu locken. Und ja, ich bin ehrlich zu euch, so ganz frei leben die Elefanten dann eben nicht. Sie haben den Mahuud, der sie begleitet, haben nicht genügend Platz, um sich frei zu bewegen und letztendlich sind sie so domestiziert, dass sie immer wieder die Nähe von Menschen suchen, um Bananen zu ergattern. Und die Bananen sind es dann auch, die wir in die Hand gedrückt bekommen, damit die Elefanten zu uns kommen. Und sie kommen und ich freue mich 😉 Ich staune, bin zaghaft und habe einen riesigen Respekt vor so viel Kraft und Ruhe und Entschlossenheit und Sanftmut! Ich bin verzaubert von dieser Begegnung. Füttern und mit ihnen baden, das habe ich gemacht und keine Worte dieser Welt vermögen dieses beeindruckende Gefühl zu beschreiben. Deswegen versuche ich es auch nicht, vielleicht erzählen euch die Bilder ein wenig 😉

Life in plastic & Corona

Ich gönne mir heute einen Tag „off“. Es ist ein Uhr am Mittag, draußen sind kuschelige 38 Grad, es ist schwül und die Einheimischen meinen, dass heute noch Gewitter kommt. Die Erde, die Pflanzen, die Tiere und auch die Menschen würden sich sicher über eine Abkühlung und ein wenig Wasser von oben freuen. Bei mir gibt es mal wieder gekühlte Cola und ich sitze auf den Steinfließen vor meinem Bungalow. Gerade hatte ich Besuch von einer Echse mit grauem Körper und knallblauem Kopf. Ich hab mal gegoogelt, wer das gewesen sein könnte: Google weiß es nicht genau, vielleicht kennt einer von euch so ein Exemplar? Hübsch auf jeden Fall. Um mich herum unzählige kleine Gekkos; ich frage mich noch immer, ob der Tag kommen wird, an dem sie mich nicht mehr erschrecken 😉 Heute morgen hatte ich vier Beobachter im Bad. Seltsames Gefühl.

Meine Zeit in Kambodscha neigt sich langsam dem Ende; in drei Tagen geht es dann weiter nach Bali. Ich merke, dass ich mich auch danach sehne, weiterzuziehen, vor allem sprachlich bin ich seit einigen Tagen ziemlich aufgeschmissen und das strengt mittlerweile ganz schön an. Und ich merke auch, dass ich raus muss aus dieser Wüste. Ja, ihr habt ja recht, hier gibt es Bäume und auch Regenwald, haha, aber der Rest ist abgerodeter Staub und der hat sich gefühlt in jede Pore meines Körpers und der Lunge gesetzt. Frei atmen, darauf freue ich mich. Als ich gestern so durch das Land gefahren bin, habe ich mich oft gefragt, warum es hier so ein großes Problem mit Müll gibt. Und manche von euch haben mich das auch gefragt, also nehme ich mir heute mal Zeit und forsche dem ganzen Ding mal nach: Nachdem China zu Beginn des Jahres 2018 einen umfassenden Importstopp für Plastikmüll verhangen hat, hat u.a. auch Deutschland begonnen, Plastikmüll nach Kambodscha zu verschiffen. (Übrigens geht derzeit der Großteil wohl nach Indonesien und Malaysia.) Die USA und Kanada machen dies ebenso und so stauen sich an der Küste Kambodschas und im Land überhaupt die Container. Kambodschas Regierung hat es nur anteilig geschafft, den ganzen Rotz zurück an den Absender zu senden. Dass das Land ein massives Müllproblem hat, wurde mir ja gleich nach der Grenzkontrolle deutlich. Es stinkt an jeder Ecke anders, umherfliegende Plastiktüten, Abfallhäufen an den Straßenrändern, der Busfahrerstopp gestern… Kauft man eine Mango, wird diese in zwei Tüten Plastik verpackt. Verneint man die Tüte, wird sie weggeschmissen. Und nicht etwa in einen Müllkübel, nein, die wird einfach fallengelassen und adieu. So ging es mir heute morgen bei einem kurzen Ausflug auf den Markt in Sen Monorom. Ich denke, dass all das Verhalten der Leute hier zwei Gründe haben könnte: die fehlende Müll- Infrastruktur und das fehlende Verständnis der Leute bzw. mangelnde Bildung. Aus dem Jahr 2019 gibt es einen Bericht der NGO Sahmakum Tang Tnaut, die herausgefunden haben, dass 99% der 277 städtischen Gemeinden von Phnom Penh mit hoher Armut keine Abfallentsorgung erhalten. Wohlhabendere Gemeinden hingegen werden fast täglich von Hausmüll beräumt. „Es liegt aus unserer Sicht an kleinen und engen Straßen in einigen Stadtgegenden sowie wahrscheinlich am fehlenden politischen Willen, der bei den verantwortlichen Stadtbehörden und beim zuständigen Entsorgungsunternehmen für Hausmüll liegt. Es ist nicht transparent, wie die Abfallwirtschaft koordiniert wird. Hinzu kommt, dass die Stadtverwaltung nicht ihrer Rechenschaftspflicht nachkommt und dass sie nicht oder schlecht auf Beschwerdenund Anfragen von Seiten der Bürger*innen, engagierter Gruppen oder Organisationen reagiert.“ (aus: https://suedostasien.net/abfallwirtschaft-in-phnom-penh-nicht-bei-allen-haelt-die-muellabfuhr/) Dort könnt ihr auch ü ber den „schwarzen Kanal“ lesen… Und all das berichtet über die Zustände in der Hauptstadt Kambodschas, das legt nahe, dass erst recht nicht in den anderen Landesteilen ein funktionierendes Müllsystem existiert. Auch ein lohnenswerter Bericht aus Phnom Penh: www.welt.de „Kambodscha: In Phnom Penh liegt das Gold nicht weit vom Müll“.

Natürlich hatte ich auch Dyka gefragt, was er denkt, woran das große Müllproblem dieses Landes auch liegen könnte und er hat es klar in mangelnder Bildung benannt. Die Menschen wissen nicht, was der Müll und vor allem das viele Plastik, anstellt. Mit ihren Böden, ihrem Wasser, ihrer Gesundheit. Deswegen stört es sie nicht. Deswegen gibt es mittlerweile zahlreiche Organisationen an der Küste und auch hier im Osten des Landes, die sich dem Thema „Nachhaltigkeit, Umweltschutz und -Bildung“ widmen. Dyka war ganz deutlich: wenn die Menschen begreifen, dass es sich schon lohnt, nur wegen der Touristen aufzuräumen, die das Geld bringen, dann könnte sich was ändern. Ein trauriger Gedanke, aber vielleicht ein Anfang…

In den wenigen Tagen in Kambodscha ist mir die „Teilung“ des Landes immer wieder deutlich geworden: gut geräumte touristische Plätze – die Straße um die Ecke nicht betretbar wegen Müllbergen und Menschen, die darin leben; große Limousinen ohne Kennzeichen (mit denen man sich übrigens niemals anlegen sollte, denn in ihren fahren meist Menschen, die soviel Geld haben, dass auch der Tourist und das Recht „überboten“ werden) – Menschen, die barfuß ihren Karren schieben; große Häuser mit Blumenschmuck – die „Hütten“ am floating village… es gibt immer noch Gegenden des Landes, die wegen Landminengefahr gesperrt sind; es gibt den Überfluss und den Mangel, die Tür an Tür wohnen und es gibt immer wieder „Leuchtfeuer“ dazwischen, die versuchen, einen lebbaren Alltag zu ermöglichen wie der PPS Circus oder Soksabike.

Noch ein paar Worte zu Corona (weil ihr mich so oft fragt und das verstehe ich ja voll, nehmen doch die Zahlen in Deutschland täglich zu). Ich bin gesund, ich desinfiziere fröhlich meine Hände und wasche alles, was mir durch die Finger geht. Laut aktuellen Zahlen in Kambodscha gibt es keine Infizierten. Das halte ich zwar für Irrsinn, ich denke, dass es einfach daran liegt, dass die Leute hier nicht getestet werden. Zumal eine medizinische Versorgung teuer und nur für Kinder unter 15 Jahren kostenlos ist. So wird sich jeder hüten, den teuren Arzt aufzusuchen. Das durchschnitliche Pro-Kopf-Einkommen liegt in Kambodscha übrigens bei knapp 1500 USD im Jahr und damit ist das Land eines der ärmsten Südostasiens… ein Arztbesuch mit Blutuntersuchung kostet ca. 50 USD… ein Haus aus Holz zu bauen mit einem Zimmer ohne Bad ungefähr 3000 USD ohne Handwerkerleistung…

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