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Freudentanz

Wenn ihr mich jetzt gerade, Freitags kurz nach halb vier, in unserem Verlagsbüro sehen könntet, dann würdet ihr mich ein wenig unkoordiniert wirbelig, vielleicht auch anteilig spannungslos aber breit grinsend durchs Büro hopsen sehen, weil ich einen kleinen Freudentanz vollführe. Der Text meines Buches ist fertig und vor wenigen Minuten ins Lektorat gegangen!!

Das ist prickelnd und unbehaglich zugleich, denn zum wirklich ersten Mal lesen vier Augen den gesammelten Schreibwahnsinn der letzten Wochen, der im besten Fall im Januar zur Druckerei gehen soll – ergänzt um zahlreiche Bilder und Schnappschüsse. Den Text nun aus den Händen zu geben, fühlt sich ein wenig so an, als würde ich mich nackig machen. Und im Prinzip ist es das ja auch: ich stehe zu meinem Wort, halte meinen Kopf für jeden einzelnen Buchstaben hin, mache mich angreifbar und öffne mich selbst auf der anderen Seite. Erst mal nur für zwei Köpfe und wahrscheinlich ab dem neuen Jahr all den anderen Menschen, die das Buch vorbestellt und mir damit ihr Vertrauen geschenkt haben, für einen Text, in das niemand vorab reinblättern konnte. Merci dafür! Dancing part 2!

PS: Jetzt noch am Büro vorbeizukommen ist einigermaßen sinnlos: Tanz vorbei und …. ähm, Lockdown.

Nachträglich zum Dritten Advent

Gestern Abend telefonierte ich mit einer Freundin. An einem Punkt unseres intensiv-schönen Gespräches philosophierte ich so in den Telekommunikationsraum, dass es doch seltsam verrückt sei, wie diese kommenden Tage im Kalender, diese anstehenden Weihnachtstage, dieses festgeschriebene Datum die Menschen und ihre Erwartungen und ihre Wünsche ver-rücken.

Die Antwort meiner Freundin war eine Schöne, von Axel Hacke in Worten Festgehaltene. Es ist ein Auszug aus seinem Buch „Alle Jahre schon wieder“ und der Text hat mich so nachdenklich gestimmt, dass ich ihn euch keineswegs vorenthalten mag:

„Meine Mutter war, an ihren guten Tagen (wie wir alle an unseren guten Tagen anders sind als an unseren schlechten), wenn sie sich sicher und zu Hause fühlte, das fröhliche, warmherzige, herzliche Mädchen. An ihren schlechten, unsicher und nicht zu Hause, war sie zurückhaltend, beobachtend, ängstlich vor der Welt. Es ging ein Riss durch ihr Leben, ein irreparabler Riss. Und ich hatte immer das Gefühl, ihr Leben lang sei sie damit beschäftigt gewesen, diesen Riss zu kitten, zu schließen. Ihn wegzumachen. Immer stand sie unter Hochdruck deswegen, immer ging sie ein wenig zu schnell, selten saß sie still.

Weihnachten denke ich nicht an meinen Vater, Weihnachten denke ich an meine Mutter. Weihnachten war immer das Fest meiner Mutter. Wenn das Christkind geklingelt hatte und wieder verschwunden war, ging sie vor uns die Treppe hinunter, O Tannenbaum singend. Mein Vater stimmte immer für zwei Zeilen kurz ein, laut und falsch. Er wusste, dass er laut und falsch sang, ja, er wollte laut und falsch singen. Er ertrug dieses reine Gefühl nicht, dem wir uns hingaben, wie er eigentlich keinerlei Gefühl ertrug nach sieben Jahren Krieg, nach dem Verlust eines Bruders und eines Auges. Nie wieder ertrug er irgendein größeres Gefühl, er hatte ein für alle Mal genug von größeren Gefühlen. Deshalb sang er laut und falsch, aber er hörte sofort wieder damit auf. Meine Mutter sang ihn nieder, und erfügte sich. Weihnachten konnte es Disharmonien nicht geben, Weihnachten regierte die Sehnsucht: Alles möge gut sein. Weihnachten regierte meine Mutter.

So empfinde ich Weihnachten noch heute: die Menschen unter Hochdruck, alle immer ein wenig zu schnell gehend, selten still sitzend, alle damit beschäftigt, die Risse im Leben zu kitten, zu schließen, wegzumachen, manche erfolgreich, manche geradezu verzweifelt scheiternd, irgendwo in den Notaufnahmen der Krankenhäuser oder der Einsamkeit ihrer Wohnungen.

Weihnachten ist, wenn sich alle gleichzeitig nach einer heilen Welt sehnen, nach dem Kindsein, nach Geborgenheit.“

Zweiter Advent

Von Herzen wünsche ich euch einen schönen, zweiten Advent!

Am Freitag vor zwei Tagen war es soweit: das befreundete Ensemble Nobiles schleppte fröhlich grinsend, fast tänzelnd die neue CD in Kisten verpackt ins Nobiles/ Phonus-Büro. VollxLied heißt das gute Stück und wurde tatsächlich im „Corona-Jahr 2020“ produziert. Wie der Name des Tonträgers schon anmuten lässt, handelt es sich um Volkslieder und da habe ich es mir nicht nehmen lassen, mal bei den Herren frech-neugierig nachzufragen, warum wieso weshalb VollxLied?

Das bekam ich zur Antwort: Na, was fällt einem bei Volksliedern so ein? Alte Schallplatten in Omas Wohnzimmerschrank mit einem Heimatchor vor grünem Bergidyll auf dem Cover? Oder eine großformatige Portrait-Aufnahme von Peter Schreier, der zur Gitarre singt, auf einer Readers Digest-CD-Sammlung der späten 90er? Mit der neuen CD vollxlied – Made in Germany von Ensemble Nobiles hat das alles jedenfalls nichts zu tun. Die fünf Sänger haben zwar auch einige altbekannte Lieder aufgenommen, die auch unsere Großelterngeneration noch mitsingen kann. Aber es gibt eben auch ganz neue Klänge, poppige Rhythmen und freshe Sounds, die man wohl kaum mit einem Volkslied in Verbindung gebracht hätte. Und spätestens wenn am Ende der CD „Hoch auf dem gelben Wagen“ nicht im Marsch-Takt sondern beinahe tänzerisch daherkommt, klingt das Wort Volkslied gar nicht mehr so abschreckend.

Fragt man Bassbariton Lukas, warum nun trotz des altbackenen Nimbus, der dem Volkslied nach wie vor anhaftet, ausgerechnet dieses Genre auf CD gebracht wurdet, lautet die Antwort in politisch schwierigen Zeiten: „Weil man das Kulturgut Volkslied doch nicht den Nationalisten und rechten Schreihälsen überlassen kann!“

Da ziehe ich meinen Hut! Und nehme es zum Anlass, euch an diesem wunderbaren Stück teilhaben zu lassen. Ein Hörbeispiel kriegt ihr exklusiv auch – und weil Ensemble Nobiles um seine sächsiche Herkunft nicht verlegen ist, wird gleich stolz ein bisschen Lokalpatriotismus präsentiert:

http://ronjabanu.de/wp-content/uploads/2020/12/Loreley-Susann.mp4

Wer von euch nun sagt: das möchte ich haben – vielleicht zu Weihnachten verschenken und gemeinsam mit den Lieben unter dem Weihnachtsbaume mitsummen, mitbrummen und mitschmettern, der scheue sich nicht, das Werk zu bestellen:

http://www.ensemblenobiles.de/shop

Das Titelbild zum heutigen Beitrag sind übrigens die Herren des Ensembles – aufgenommen von Christian Wolf.

Erster Advent

Gestern wurde angelichtelt – auch in meiner kleinen Butze in Leipzig haben vier Schwibbögen, zwei Sterne und ein betagt-schöner Bergmann nebst Pyramide einen Platz für die kommende Zeit gefunden. Die kleine Räucherskihütte dampft fröhlich vor sich hin und die eine Kerze von Vieren auf dem Adventskranz „verkündet“ brennend: heute ist der erste Advent.

In diesem Jahr wird die Adventszeit ein besondere, vielleicht auch eine besonders herausfordernde Zeit. Da ich auch schon in den vergangenen Jahren nicht die große Weihnachtsmarktgängerin gewesen bin, wird mir persönlich die trubelige „Verkaufsmeile“ der Leipziger Innenstadt nicht fehlen – okay: vielleicht ein klein wenig der Geruch nach gebrannten Mandeln, Handbrot und Glühwein.

Das, was mir schon jetzt eindrücklich fehlt, sind die Weihnachtsklänge in der Stadt, Adventskonzerte von Laienchören und Ensembles, das WO in vollbesetzter Thomaskirche und all die kleinen, feinen Kulturveranstaltungen der Adventszeit, die wie ein überbordender Adventskalender bis ins neue Jahr das Licht in dieser Zeit in ganz besonderer Weise tragen. Stattdessen erlebe ich in meinem Bekannten- und Freundeskreis: weitere Absagen, höhere Auflagen, Künstler die sich gefühlt auf den Kopf stellen müssen um gehört, gesehen, vernommen zu werden, neue Konzepte aus dem Ärmel schütteln müssen, Ringen und zermürbend Grübeln, und so viel Online anbieten, dass man sich fragen muss: wird das das neue „Kerngeschäft“? Kein Stream und keine CD können den life gesungenen Klang, den direkten Ton ersetzen, der das Herz berührt und die Gedanken fortträgt. Und das wird mir fehlen.

Wenn es heißt, es gäbe neue Einschränkungen, um „Weihnachten zu retten“, dann wird mir merkwüdig ums Gemüt. Was genau soll da gerettet werden? Passend dazu habe ich vor einigen Tagen einen Text gefunden, den ich sehr stimmig dazu finde. Susanne Niemeyer schrieb:

„Wir müssen Weihnachten retten. Das höre ich im Moment ständig. Ich glaube, das müssen wir nicht. Weihnachten braucht keine Rettung, Weihnachten rettet uns. Es hat zweitausend Jahre überstanden. Ist durch den 30-jährigen Krieg gegangen, war bei den Pestkranken, hat sich an die Seite der Verfolgten gestellt und sich nicht darum gekümmert, ob Lametta am Baum hing. Weihnachten hängt nicht davon ab, ob fünf oder zehn zusammen feiern. Weihnachten lässt sich nicht machen. Klöße zur Gans sind schön, aber nicht notwendig. Die Geschichten sind da. Der Stern ist da. Menschen sind da, an vielen verschiedenen Orten. Die Fantasie ist da, sich auf den Weg zu machen. Ausschau zu halten, was trägt, wenn es nicht das Gewohnte ist.“

Wahrscheinlich wird diese Adventszeit keine „Gewohnte“ werden. Doch ich hoffe, dass der Adventsklang und das Licht Wege finden ohne Ringen und ohne Zermürben.

Ronjabanu

Kurzes Lebenszeichen aus der „Schreibstube“: ich freue mich sehr über eure regen unterstützenden Vorbestellungen – 92 von 111zig hat mir die Tabelle heute morgen ausgezählt. Das ist so schön! Und nur noch wenige Exemplare bis der Druck vorfinanziert ist. Wer noch nicht zugeschlagen hat, darf das gern tun – schreibet mir oder ruft mich an =)

Derzeit sind Teile des Textes im Lektorat, an den anderen feile ich wie gehabt. Wenn mir der Kopf saust, mache ich gern eine Schreibepause und suche Bilder für das Büchlein raus. Nicht so einfach aus 35 GB geziptem Bildmaterial. Ein Freudeächz. =)

Ein Bild aus Neuseeland habe ich euch heute zu meinen Zeilen dazugepackt: der Schriftzug „Ronjabanu“ gelegt aus Muscheln am Rarawa Beach – kurz bevor ich in den neuseeländischen Coronalockdown gehen musste. Gefühlt ist das Äonen her – lach, denn tatsächlich ist es in diesem Jahr gewesen 😉

Manch einer von euch wartet vielleicht auf Äußerungen meinerseits zur aktuellen Lage, zu den neuen Restriktionen, zu whatever. Zwei Dinge kann ich euch verraten:

Ich kann euch verraten, dass ich vor 2 Tagen meinen vierten Coronatest über mich ergehen lassen musste, und dass ich wie gehabt meiner negativen Einstellung zu Corona treu bleibe 😉

Und ich darf euch auch verraten, dass ein Besuch in Neuseeland für die kommenden 12-18 Monate nicht planbar ist – sofern es nach der neuseeländischen Regierung geht: https://www.nzherald.co.nz/nz/politics/pm-jacinda-ardern-nz-needs-certain-level-of-herd-immunity-before-border-restrictions-eased/VONTIWIP5OU5UC2DJFAKXETVAI/?fbclid=IwAR0MlEtc4jY9xTg_5Pri-TkoU4_y6NOTloN1zSSpbq54SBk3SzyUjphMhQs

Bis bald und bleibt doch auch negativ!

Ich schreibe…

Manch einer mag sich fragen, was ich da am Schreibtisch im Verlagsbüro mache. Ich will euch nicht lange rätseln lassen: Ich schreibe ein Buch! Und es wird ein Buch werden, welches gedruckt wird und dann in euren Regalen stehen kann oder auf eurem Nachtisch liegen oder in euren Mantelinnentaschen stecken oder in euren Rucksäcken. Arbeitstitel des Ganzen: „Weltreise mit Corona“ und so wird das Buch euch gedanklich mitnehmen auf meine Weltreise in diesem Jahr, die, obgleich ganz anders geplant, als Weltreise in der „Corona-Krise“ verlief und mir damit ganz unerwartete Facetten eröffnete.

Nach meiner Rückreise nach Deutschland fragten mich viele, wie es eigentlich war, so als Frau, so allein und in diesen Zeiten, eine Weltreise zu machen? Manches konntet ihr über der Blog schon erahnen, so einiges habe ich euch aber noch nicht verraten. Im Büchlein bekommt ihr die (fast) ungeschönte Wahrheit. Lasst euch überraschen!

Ja, ihr habt Recht, wenn ihr sagt: „Ein Buch drucken in diesen Zeiten?Doch lieber alles über den Blog?“ Mein Verlagsherz blutet bei dem Gedanken, kein Papier mehr in Händen zu halten, nicht mehr zu blättern, nicht mehr auf die Seiten zu starren und wegzuträumen… diesen Moment nicht mehr zu erleben, das frische Buch zu riechen, es zum ersten Mal zu öffnen, das Papier zu fühlen… Deswegen: dieses Buch wird es nur gedruckt geben, gespickt mit ausgewählten Bildern und grafischen Details.

Eine Hürde gibt es noch zu nehmen: Drucken kostet – da brauche ich gar nicht drumrum zu schreiben. Und so wird der Druck erst ausgelöst werden können, wenn 111zig Exemplare verbindlich vorbestellt wurden. Da das Buch noch nicht ganz fertig ist, kann ich euch nur folgende Eckdaten liefern: es wird farbig, es wird schön, es wird pro Exemplar 10 Euro kosten (zzgl. Versandkosten). Du hast mehr Fragen? Dann scheue dich nicht und schreibe mir =) Und vielleicht liegt es ja dann auch schon unter einem eurer Weihnachtsbäume – gern auch mit Signatur 😉

Du willst verbindlich vorbestellen? Dann schreib mir eine Mail mit deiner Adresse (an: susann.finsterbusch@gmail.com) oder melde dich bei WhatsApp (0178.63 663 21). Ich freue mich auf ein überflutendes Postfach und 111zig neue Nachrichten auf meinem Handy =)

Kakapo & Co.

Ach, ihr Lieben, Asche auf meinen gefärbten Haupthaarschopf, denn: ruhig ist es geworden auf meinem Blog und dabei gibt es doch einiges Neues =).

Zunächst: Neuseeland hat den Kakapo zum Vogel des Jahres gekrönt. Der wirklich dropsige Kerl setzte sich in einer skandalträchtigen Wahl gegen seine gefiederten Widersacher durch. Einen wirklich entzückenden Artikel dazu gibt es hier: https://www.sueddeutsche.de/panorama/tiere-neuseeland-kakapo-papagei-vogel-des-jahres-kakapo-1.5117117?fbclid=IwAR17vQbSg8ngkbUPYOmk5nC4VkJfoy_aAiufN8g-YMZCk842G4C8zgEhQU0

So hat der Kakapo definitiv was zu Feiern, ich jedoch auch: vergangenen Donnerstag erhielt ich das Testergebnis meines im September absolvierten C1-Englisch-Tests: bestanden! Zugegebener Maßen musste ich zwei Mal auf das Ergebnis lunzen und verschämter Weise doppelt übersetzen, bis die Info durch mein Hirn sackte: ich habe den C1-Englisch-Test bestanden. Laaanger Freudestanz im Büro, yeah yeah yeah.

Richtig gelesen: ich verbringe meine Tage meistens im Büro, denn ich arbeite an einem neuen Projekt, dazu aber am Donnerstag mehr, zwinker zwinker.

Statt Zwinkern würde ich mir gern die Hände vors Gesicht schlagen ob der letzten Nachrichten für den kommenden Samstag in Leipzig: Querdenken hat sich erneut angekündigt. Kopfschüttelwürg. Um nicht verbal ausfällig zu werden, schließe ich direkt mit satirisch-kopiertem Ton: https://www.der-postillon.com/2020/11/querlenker.html?fbclid=IwAR1qY4QPxbvYAxqKay8z03aJsPPkwRi1piNqpsPZjmhWN-D_uzldnU1m_7I

Ahoi und kia ora!

Dumpfer Nachgeschmack

Dumpfer Nachgeschmack zum Wochenende… Ich fühle mich noch immer aufgewühlt. Was war denn in den letzten Tagen in Leipzig?

Am Samstag fielen die „Querdenker“ in die Stadt ein, „dank“ Oberverwaltungsgericht Bautzen kurzfristig in die Leipziger Innenstadt, Ort des Geschehens: Augustusplatz. Eigentlich sollte der kundgebende Haufen auf die Neue Messe Leipzig, außerhalb der Stadt auf einem überschaubaren Gelände, denn angekündigt waren 16.000 Demonstranten. Dass allein diese Menschenmasse nicht mit den vorgeschriebenen Corona-Regelungen auf den Augustusplatz passen könnte, erschließt sich auch dem bloßen Auge sekundenschnell. Mit welchen Argumenten das OVG diese Eilentscheidung fällte, bleibt bis zur Stunde unbegründet. Trauriges Kopfschütteln…

Nicht wirklich überraschend, dass sich die „Querdenker“ nicht an die Auflagen für die Kundgebung hielten. Schon auf meinem Weg zur Gegendemonstration „Leipzig nimmt Platz“ sehe ich Ströme Richtung Augustplatz laufen: Herzchenballonstragende Paare und Familien, Gruppen mit eindeutig rechtsgestimmten Plakaten, singende esoterische Gruppen, feiernde Jugendliche… eine erschreckend bunt gemischte Masse allen Alters mit entsprechend bunt gemischten Rufen. Alle eint: sie halten keinen Abstand, sie liegen sich in den Armen, Masken braucht man nicht. Und dann stehen sie da für ihre Grundrechte, für ihre Freiheit, für Demokratie – widerlich und widersprüchlich, jubeln und schreien nach Liebe, tragen diffamierende Plakate, brechen die Auflagen der Versammlung und bewegen sich gegen aller Maßgaben am Schluss doch noch feiernd über den Innenstadtring mit dem anmaßenden Vergleich zu 89.

Dass die neuen Lockdownmaßnahmen nicht jedem schmecken und dass auch das Recht das zu äußern absolut berechtigt ist, keine Frage, doch verhältnismäßig und angemessen ist das Geschehen am Samstag in der Leipziger Innenstadt mitnichten. Dass sich Restaurantbesitzer und Inhaber all jener Läden, die im Lockdown nicht offen haben dürfen, veralbert vorkommen mussten, ist naheliegend. Dass auch nach der Auflösung der Querdenken-Veranstaltung keine Bewegung in die Masse kommt und das Eingreifen von Polizei ausbleibt, lässt auch einen dumpfen Geschmack übrig. Dass es dennoch möglich war, entgegen aller Auflagen, feiernd und marodierend über den Innenstadtring zu ziehen, lässt mich keine Worte mehr finden… Dass was mich bei allem unglaublich nachdenklich stimmt: wie kann man es vertreten, mit eindeutig rechtem und verfassungsfeindlichem Gedankengut, mit braunen Parolen und Plakaten auf einer Seite zu stehen…?

Treffend zu allem Geschehen am Samstag: http://wolff-christian.de/absurdistan-oder-vom-aufstand-der-esoterisch-verklaerten-anarchisch-egoistischen-corona-leugner/

Schon mit meiner veröffentlichten Statusmeldung bei Whatsapp am Samstag habe ich Reaktionen in meinem Freundes- und Bekanntenkreis hervorgerufen, denen ich gern begegne. Gespräche entsponnen sich, warum ich Teil der „Leipzig nimmt Platz“ – Kundgebung und damit Teil der Gegendemonstration gewesen sei, was mich am Samstag auf die Straße bewegte, warum ich auf dieser und nicht auf der anderen „Seite“ stünde… Ich bin dankbar für all die Momente und all die Wege, in denen solche Fragen gestellt werden und Platz für einen ehrlichen Meinungsaustausch ist. Gerne mehr davon. Mit einem Gedanken bzw. einer Nachricht aus einem Whatsapp-Verlauf meinerseits möchte ich diesen Beitrag beenden, der schlichtweg nur eines soll: Anstoßen zum Nachdenken.

„Ich werde niemals aufhören, in meiner Stadt einem solchen Wahnsinn entgegenzutreten. Rechte Meinung darf nicht salonfähig sein. Ich finde, Gesicht zeigen ist wichtig. Jeder da wo er ist und wie er kann.“

Schatztruhe

Vor ein paar Wochen sagte ein Freund am Telefon ein wenig scherzhaft: „Das mit den Truhen, sag mal, das ist doch auch bloß ne Beschäftigungstherapie, oder?“ Tage vor dem Telefonat hatte mein Whatsappstatus verraten, dass ich derzeit zwei alte Truhen in meiner Gartenwerkstatt aufarbeite. Die eine für den Eigengebrauch, die andere um sie aufgearbeitet zu verkaufen. Beschäftigungstherapie, oder? Zunächst hat es mich ein wenig kalt erwischt, denn mit einer solchen Frage hatte ich schlichtweg nicht gerechnet. Und auf der anderen Seite wusste ich schon in dem Moment, als die Frage in meine Seite piekste, dass er auch Recht haben könnte. Nicht, dass ich mit meiner Zeit nichts anzufangen wüsste, doch jetzt habe ich Zeit, mich diesen Dingen zu widmen und der Gang in die Gartenwerkstatt ist ein bisschen wie zur Arbeit gehen. Und das im allerbesten Sinne, denn ich liebe Holz zwischen meinen Fingern.

Holz ist ein solch geduldiges Material, bestechend schön in seiner Natur, der leise Holzduft umspielt die Nase und die Holzspäne setzen sich in jede Pore. Du siehst direkt was du tust und: Holz braucht absolute Konzentration. Du kannst keinen Plausch halten und schleifen, du kannst nicht mal blöd durch die Gegend gucken und schleifen – ein kleiner unaufmerksamer Moment und du beginnst vielleicht von vorn oder hast auf ewig eine Kerbe im Holz.

Ich selbst mag Holztruhen sehr. Aktuell zieren zwei meine Wohnung – mehr passen leider nicht rein. In ihnen verwahre ich kleine Schätze und Erinnerungen, herzliebgewordene Bücher und Zeitungen, Gegenstände, die für mich wertvoll und würdig sind. Gestattet mir heute aus gegebenem Anlass einen winzigen Exkurs zur Truhe: Holztruhen sind ungeschlagen der Möbelknaller des spätmittelalterlichen Haushaltes und das älteste Möbelstück überhaupt. Zum schnellen Aufbruch war es des beste Reisemöbel, rasch hatte man alles beisammen. Übrigens kommt die Redewendung „etwas auf die hohe Kante legen“ auch mit Truhen einher. Wer etwas auf die hohe Kante legt, der spart sein Geld, anstatt es auszugeben. Das Sprichwort stammt aus dem Mittelalter, als wohlhabende Menschen ihren Schotter daheim aufheben mussten. Ein beliebtes Versteck für das Ersparte waren Geheimfächer in Betten und: Truhen. Dort gab es zumeist an der schmalen Seite eine fest installierte Lade mit eigenem Deckel, die sogenannte „hohe Kante“.

In meinen Kisten gibt es zwar auch eine „hohe Kante“, doch da ist leider kein Schotter zu holen 😉 Und hier gleich noch ein paar Eindrücke meines Werkelns… PS: Wenn du Interesse an der Truhe hast, die ich gern abgeben möchte, melde dich sehr gern bei mir – in der Kommentarfunktion oder per Mail: susann.finsterbusch@gmail.com.

Auf ganz bald und: „Bleibt negativ“ 😉 !


Prost Mahlzeit!

Tag 3 im Lockdown light. Rumo weckte mich um halb sechs – frag mich mal einer, was genau in seinem Hundehirn los war. Auf jeden Fall saß er Freudewedelnd neben meinem Bett, grinste mich hündisch an und signalisierte deutlichst, dass er beschlossen hatte, dass jetzt der Tag losgehen sollte. So schwang ich meine Füße aus den warmen, gemütlichen Federn; Rumo stürzte sich auf meine Füße, schleckte sie ab, wie er es seit neuneinhalb Jahren jeden Morgen macht und schlenderte anschließend zur Tür, an welcher er wartete, mit dem Blick von wegen „Beeil dich oder ich platze!“ Das ließ ich mir nicht zwei Mal sagen und hüpfte in meine Hunderunde-Klamotte, schlüpfte in die Schuhe, kurzer Check: Schlüssel-Maske-Hundetüten-Kleingeld, und dann spazierten wir los.

Kurz vor sechs schläft die Zschochersche Straße großteils noch. Die Fenster in den Häuserfronten sehen verbutzelt aus, die wenigen Menschen die wir treffen ebenso; halb gähnend kommen wir beim Bäcker an. Die Verkäuferin lächelt Rumo durch die Scheibe an, nickt mir entgegen und formt mit ihren Lippen ein „wie immer?“. Ich lächle nickend zurück – irgendwann werden sie die kleine Tüte mit Brötchen für mich schon an der Tür stehen haben, denke ich grinsend. Auf dem Heimweg markiert Rumo fröhlich „seine“ Straße, wie ein kleiner König läuft er neben mir und irgendwie strahlt er eine Freude aus, die ich so gern verstehen würde. Rumo liebt die Routine, den Alltag, das Überschaubare und irgendwie im besten Sinn Berechenbare. Seitdem wir in Leipzig sind, haben wir unseren kleinen Alltag (hatte ich euch ja schon im Oktober geschrieben), jetzt im Lockdown light wird dieser Alltag noch deutlicher. Rumo liebt die Routine und ich wurschtel mich so durch mit ihr. Routine und Alltag übe ich nun. Gewohnt bin ich das erst recht nach der Reise nicht mehr =)

Nun ist er also den dritten Tag alt: mein erster Lockdown in Deutschland. Jaja, den letzten Lockdown habe ich in Neuseeland verbracht – vielleicht erinnert ihr euch… an die Bubble der 11 internationalen Persönlichkeiten, immer wieder neue Plätze doch zuletzt in „unserem“ Haus – wenn ich so zurückdenke: ein wenig gefühlt ein anderes Leben, so fern kommt mir das heute schon vor. Nun denn also: Lockdown light in Deutschland. Auf jeden Fall stellte ich schon letzte Woche bei der Ankündigung folgendes fest: ich verstehe die Notwendigkeit eines „Runterfahrens“ doch die angesetzten Maßnahmen verstehe ich nicht. Das, was in Neuseeland für mich wesentlich leichter und durchsichtiger war: die einzelnen Level. Jedes Level war klar umrissen, verständlich erklärt, nachvollziehbar begründet, Neuseelandweit angewendet.

Hier in Deutschland vermisse ich diese Argumentation, im Gegenteil: ich schüttele leise den Kopf über die gefühlte Kleinstaaterei, die leider oft willkürlich und spontan daherzukommen scheint. Klar weiß ich, dass Neuseeland und Deutschland zu vergleichen, in dieser Hinsicht deutlich hinkt. Geografisch, politisch, gesellschaftlich unglaublich unterschiedlich. Doch wünschte ich mir besonders jetzt in Deutschland nachvollziehbare Maßnahmen, die die Menschen motivieren „diese erneute Kraftanstrengung aufzubringen“. Doch stattdessen tauchen mehr Unmut und Unverständnis auf und beides kann die Leute auf die Straße treiben, sich mit rechtgesinntem Wahnsinn mischen und über die Straßen kriechen, wie es für Samstag in Leipzig angekündigt ist… Na dann, Prost Mahlzeit!

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